Zu wenig Anime-Adaptionen von Visual Novels im Jahre 2021?

Nun, vermutlich hat es nicht jeder mitbekommen aber Anime-Streamingservicegigant Crunchyroll hat die Daten von ihren Simulcast-Titeln vom letzten Jahr ausgewertet und was kam dabei heraus? Im vergangenen Jahr waren nur knapp 1% der Simulcast-Titel auf Visual Novels basierend. Die Daten sind pro Season gerechnet. Circa 90% der Titel dieser Auswertung stammen von Crunchyroll, aber seit der Übernahme werden dort auch viele Titel gezeigt, die ursprünglich auf einer anderen Plattform erschienen waren. Als Beispiel nehme ich topaktuell den Titel My Dress-Up Darling. Dieser wär eigentlich nur über Wakanim verfügbar, ist aber durch die Übernahme von Sony auch bei Crunchyroll im Programm. Wie sieht man das überhaupt? Das sieht man immer in der letzten Minute einer Episode, denn dort werden die Credits für Wakanim gezeigt.

Warum werden andere Medien häufiger adaptiert?

Kommen wir zurück zum eigentlichen Punkt. Wie Ihr sehen könnt werden am meisten Mobile Games, Light Novels und auch Mangas adaptiert – Visual Novels aber nahezu kaum. Es stellt sich die Frage „Warum werden andere Medien häufiger adaptiert?“. Dazu gibt unterschiedliche Ansätze, aber meine Gedanken dazu sind folgende:

1. Man muss sich mit dem Werk ausgiebig auseinandersetzen, was man bei anderen Medien nicht so stark tun muss. Als Beispiel: Eine Light Novel oder einen Manga kann man kurz überfliegen und schon hat man einen Überblick der Story, die man zeigen will.

2. Das Budget. Natürlich will man eine Visual Novel vernünftig adaptieren, aber das ist meist aufgrund eines kleinen Budgets nicht möglich. Bei manchen VN-Adaptionen kann man nicht einmal irgendwie was zusammenbauen, was ins Budget passt.

3. Auch wenn Visual Novel in Japan ein besseres Ansehen haben als bei uns im Westen, so sind diese, wenn jetzt nicht grade von TYPE-MOON oder KEY, auch nicht so bekannt das man daraus Profit schöpfen könnte.

4. Der Profit. Natürlich will man auch gehörig Umsatz machen, aber bei einer Visual Novel, die mäßig bekannt ist, kann man selbst, wenn diese durch die Adaption bekannter wird, kaum Umsatz machen.

5. Die Bekanntheit. Bei vielen potenziellen Visual Novels liegt das Hauptproblem an der Bekanntheit. Im Gegensatz zu Büchern oder Mobile Games kann man auf so eine Ankündigung nicht mal richtig aufmerksam machen. Bei Büchern kann man es als Einlage machen und bei Mobile Games einfach als Ingame-Benachrichtigung.

Generelle Probleme einer vernünftigen Adaption

Generell ist es schon ein Problem, dass die Industrie es nicht einmal schafft Manga, geschweige denn eine Light Novel vernünftig zu adaptieren. Wie soll man da also eine Visual Novel vernünftig adaptieren? Erst recht, wenn die zu adaptierende Visual Novel eine Visual Novel ist, bei der es keine absolute „beste Route“ gibt – also eine die mehrere Endings hat, die alle gleich beliebt sind. Das ist dann besonders schwierig, da man dann ja am besten eigentlich alle Enden zeigen will, um die bestehenden Fans nicht vor den Kopf zu stoßen, was aber aufgrund des Budgets nicht möglich wäre. Meistens wird dann eine Route genommen und eine andere wird dann später adaptiert und exklusiv mit dem japanischen Disc-Release veröffentlicht. Wobei die meisten nicht einmal ein anderes Ende zum Adaptieren bekommen. Ganz besonders stellt sich bei Visual Novel mit Routen die Frage „Wie machen wir das mit den Routen?“, worauf es die Option gibt nur eine Route zu nehmen und diese dafür ein wenig zu komprimieren, wobei wichtiges verloren geht. Oder man pfeift auf alles und baut sich eine Story aus Teilen aller Routen. Bei dieser Option wird aber dann keine Seite irgendwas verstehen, weil die Visual-Novel-Kenner sich fragen „was zum Geier passiert hier?“ oder „Wieso kommt Ereignis X so früh?“. Nichtkenner der Visual Novel kommen überhaupt nicht mit und werden die Adaption dann vermutlich nicht weiterschauen. Mit solchen Adaptionen sind aber nicht einmal die größten Fans zufrieden.

Meist kann man noch mit schönem Artstyle oder guten Animationen die normalen Anime-Fans überzeugen. Ergebnis: besonders schöne rote Zahlen in der Bilanz. Man kann aufgrund von Komprimierung auch das Writing der Charaktere nicht voll ausbauen, dadurch auch keine Bindung zu den Charakteren aufbauen oder die Motivationen und Handlungen der Charaktere nachvollziehen. Ein anderes Problem beim Adaptieren ist die Zeit, die man zur Verfügung hat. Meistens wird den Studios nur so viel Zeit gegeben, dass sie bis zum Ausstrahlungsdatum fertig sind, um durch Chinas Jugendschutzkommission kommen müssen. Diese wollen das fertige Werk mindestens einen Monat vor dem Ausstrahlungsdatum sehen, um zu prüfen, ob es in China gezeigt werden darf. Man denkt sich jetzt vielleicht, dass ein Monat doch nicht viel wäre, aber in der Anime-Industrie ist das schon verdammt viel Zeit, da die Animatoren teils 23 Stunden am Stück oder länger arbeiten. Manche arbeiten auch komplett mehrere Tage durch ihre Arbeit fertig zu bekommen.

Dagegen wird zwar etwas unternommen, aber auch nicht wirklich viel. Aber es ist ein Fortschritt, dass was unternommen wird. Die grassierende Piraterie spielt leider auch eine Rolle. Durch Piraterie sehen viele Anime-Fans oder Visual Novel Fans das Werk nur illegal, wodurch noch weniger vom Umsatz beim Animator ankommt, als möglich wäre.

Eine Lösung?

Eine richtige Lösung fällt mir persönlich nicht ein und Multi-Media-Projekte kann man als Lösungsversuch ansehen, aber sie sind viel mehr ein zweischneidiges Schwert, find ich. Denn werden diese nicht bekannt genug, so wird der Umsatz dementsprechend auch nicht wie erhofft ausfallen. Manche Studios probieren es mit der Manga-Adaption einer Visual Novel, wie zum Beispiel Muv-Luv Alternative: the Animation, denn dort hat sich herausgestellt, dass man sich an der Manga-Adaption bedient hat und nicht an der originalen Handlung der Visual Novel. Aber das ist meiner Meinung nach auch keine Option, denn so verfälscht man die Story und das ganze Erlebnis. Damit hinterlässt man ahnungslose Leute, die nicht verstehen, was vor sich geht und den Anime dann nicht mehr schauen und die Fans der Vorlage sind damit meist auch nicht glücklich.

Zwar gibt es Unternehmungen gegen die schlechten Arbeitsbedingungen der Anime-Studios und die Piraterie, aber man wird beides nicht ausrotten können. Viele illegale Angebote kommen dann einfach unter anderem Namen zurück. Das wäre zumindest ein guter Schritt in die richtige Richtung. Sobald sich die Umsätze und Arbeitsbedingungen verbessern, haben die Studios keine Ausreden mehr, keine gute Arbeit zu leisten.

Die volle Statistik könnt Ihr euch hier ansehen.

Autor: Zero

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Hey! Man nennt mich Zero. Ich bin allgemein ein Großer-Fan japanischer Unterhaltungsmedien. Seien es Anime, Manga, Light Novels, Romane oder eben Visual Novels. Meine Artikel sind sehr verschieden: Mal ein Vergleich "Anime vs. Visual Novel", ein Artikel über historische Hintergründe oder einfache News.