VNInfo Adventskalender #9: Yugami Kairou – Kleine in sich geschlossene Gruselgeschichten

Heute gibt’s ein kürzeres Review als sonst. Vor einiger Zeit fand ich auf der VNDB ein Spiel, was mich rein von der Ästhetik sehr angezogen hat. Der Stil sah aus als hätte man es mit Buntstiften gezeichnet, die Mädchen sahen ordinär komisch und gruselig aus und ihre Augen hatten eine tolle Anziehungskraft. Ich sagte mir irgendwann werde ich es mal spielen. Heute dann habe ich einen spontanen Reading Circle auf dem Server aufgemacht und angefangen gemeinsam zu lesen.

Ihr solltet mittlerweile erkannt haben, dass Horror eins meiner liebsten Genres ist also stellen wir euch heute an Tag 9 das Doujin-Eroge Yugami Kairou vor. Dieses Spiel präsentiert sich dem Nischenmarkt für Yandere als Spiel mit nur Yandere-Heroinen – drei an der Zahl. Es hat mehrere in sich geschlossenen Szenarien, die aber über einen seichten Mörderplot verbunden sind.

Yugami Kairou ist im Jahre 2007 für PC von der Doujin-Gruppe Pancake veröffentlicht worden. Es soll, laut den Omake-Menü Staff-Kommentaren eine Adaption eines Doujinshi oder Manga sein. Diesen habe ich aber nicht auf die Schnelle finden können.

Handlung

Wir befinden uns in einer unbenannten Stadt in Japan. In den Nachrichten läuft ein Bericht über mehrere Morde, die in der Stadt auf die selbe Weise ereignet haben. Die Polizeireporte ergeben, dass es sich dabei um das Werk derselben Täter handeln muss. Die Morde geschehen mitten in der Nachbarschaft und versetzen diese in Angst und Schrecken. Die Täter befinden sich immer noch in der Stadt.

Ach, das hat doch mit mir nichts tun, sagen die Protagonist sich …

Doch sag mal, stimmt das wirklich?

Meinung

Yugami Kairou ist ein sehr kurzes Spiel mit mehreren, in sich geschlossenen Szenarien, die alle einen eigenen Namen tragen, der sich auf die Yandere-Mädchen und deren Geschichte bezieht. Von Anfang an haben wir Zugriff auf drei Hauptszenarien mit drei Mädchen und verschiedenen Yandere-Tropes, die sie praktizieren. Yuuka, ist die stalkende, wahnsinnige die wir nicht loswerden und ständig uns mit Anrufen behagelt. Im zweiten Szenario begegnen wir einem Mädchen, was uns solange einsperrt und unbeweglich da sitzen lässt, bis wir unsere Menschlichkeit aufgeben. Die dritte ist die brutale, emotionsstarke Yandere, die ihren Frust durch emotionale Erpressung und Selbstverletzung ausdrückt

Die Protagonisten sind allesamt Kerle, die aus irgendeinem Grund in die Hände der Mädchen fallen und ihre Liebe nicht erwidern.

A) 眼帯回廊 Gantaikairou – Augenklappenkorridor

Im ersten Fall befindet sich Ren in einer freundschaftlichen Beziehung mit Yuuka, die ihm immerzu Kleinigkeiten schenkt. Yuuka ist ein Mädchen mit einer Augenklappe und das gibt dem Kapitel auch seinen Namen Augenklappenkorridor (眼帯回廊). Irgendwann merkt er aber, dass die Geschenke langsam außer Kontrolle geraten und sobald er ein Glas Murmeln mit einem menschlichen Auge – Yuuka fehlendes Auge – bekommt, ist der Spaß entgültig vorbei. Von dem Punkt an flieht er was das Zeug hält vor dem gruselhaften Mädchen, doch wird er ihr entkommen?

B) 地下回廊 Chikakairou – Kellerkorridor

Der zweite Protagonist, ein Junge namens Eita , wacht in einem abgeschlossenen Keller auf – komplett gefesselt und geknebelt. Von draußen scheint nur der Mond hämisch auf seine Situation und gaukelt ihm ein Licht der Hoffnung vor. Das einzige was er in seinem Kämmerchen zu sehen bekommt, ist eine massive Tür, die er nicht erreichen kann, da er viel zu fest an einen Stuhl in der Mitte des Raumes gebunden ist. Vor ihm steht das Mädchen, was ihn voraussichtlich nun festhält. Sie lässt eine Zeit lang sogar mit sich reden und antwortet ihm sogar auf seine Fragen; er erhält sogar ein paar Bissen ihres Sandwichs von ihr. Doch sobald er und das Mädchen sich ein bisschen näher kommen und sie Eita einen frei beweglichen Arm gewährt, begeht er einen schrecklichen Fehler.

C) 包帯回廊 Houtaikairou – Bandagenkorridor

Im dritten Teil geht es um ein Mädchen, das den Spitznamen Kuu trägt. Sie hat mentale Probleme und verletzt sich selbst. Ihre Selbstverletzungen nehmen mit der Zeit zu und werden immer extremer. Ihr Kapiteltitel ist (包帯回廊) für Bandagenkorridor.

Extras

Yugami Kairou ist eines dieser Spiele, bei dem man mehrere Inhalte freischaltet, sobald man die vorherigen Routen durchgespielt hat. Hier schaltet ihr ein Extraszenario und ein einen Epilog frei, der die Rahmenhandlung kurz abschließt. Nachdem die drei Hauptszenarien gespielt wurden, werden noch zwei andere kurze Szenarien freigeschaltet. Eines davon zeigt ein komplett blondes Mädchen und schaltet das 10. CG frei.

Auch gibt es im Omake-Menü, was ihr vom Titelbildschirm erreichen könnt. Dort findet ihr ein weiteres Extraszenario – das titelgebende Yugami Kairou, ein Nachwort der Entwickler und Staff・kommentare. Außerdem könnt ihr die Credits nochmal einsehen.

Visuelles

Wie bei einem Doujin-Spiel üblich müssen auch hier wieder zahlreiche echte Fotos für die Hintergrundbilder herhalten, doch zumindest gibt es einen gesunden Mix aus gezeichneten Hintergründen und reinkopierten Fotos mit Filtern.

Was die Sprites angeht sehen die CGs sehr düster und unangenehm an, während die Charaktersprites leider einen großen Absturz in der Qualität machen. Man bemerkte im Reading Circle, dass es fast so aussieht, als hätte man diese mit auslaufenden Aquarellstiften gezeichnet (sehr fade und dünn), während die CGs sehr mühevoll mit dicken Konturen und gruseligen Augenfarben in diesem düsteren Stil mehr Details beinhalten. Auch die brutaleren CGs schocken durch gerade die richtige Menge an Blut – als Gore würde ich das Spiel hier auf keinen Fall bezeichnen – der Gruselfaktor bleibt immer annehmbar.

Audio

Sounddesign ist ziemlich gut. Es untermalt die Situationen angenehm und wird in intensiven Momenten dazu genutzt, um den Schreckfaktor zu maximieren. Leider hat das Spiel ein paar billige Jumpscares, die mit lauten Tönen einhergehen. Laut ist nicht gleich gruselig, nur nervig.

Der Soundtrack ist gruselig genug, um die Atmosphäre zu untermalen, aber flasht mich nicht besonders. Das könnte aber auch dran liegen, dass wir im Reading Circle mehr auf die vorlesenden Leute hören, als auf die Musik im Hintergrund. Finde keinen Track jetzt wirklich besonders, leider.

H-Szenen

Ja, wer hätte es gedacht, aber eines meiner Adventskalender-Spiele hat endlich mal ein paar H-Szenen. Leider sind diese nur als finale Schockmomente in den Szenarien eingebracht und es gibt pro Szenario nur eine, die meist nicht länger als 20 Lines geht. Das erinnert mich sehr an Dra+Koi um ehrlich zu sein. Nur sind diese H-Szenen nicht nebensächlich, sondern geschehen meist post-mortem und prä-rigor mortis, um den Wahnsinn der „verliebten“ Mädels zu verdeutlichen. Ihr wisst was das heißt: Nichts für Zartbesaitete.

Fazit

Yugami Kairou konnte mich durch seinen ungewöhnlichen Artstyle und sein Yandere-only anlocken, doch leider nicht allzu sehr schocken. Wenn ich die Szenarien einteilen würde, würde ich sagen, dass mir Gantaikairou am besten gefiel, danach kam Chikakairou und zuletzt Houtaikairou. Houtaikairou hat Szenen, die mir überall Gänsehaut verursachen, denke aber, dass das nur ein für mich spezifischen Grund hat. Es ist nicht das beste Spiel, aber für einen Reading Circle kann man es ruhig einmal antun. Sind ja nur rund 2 Stunden.

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (24) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 170 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Ich hab meine Finger überall drin ;) よろしく~