VNInfo Adventskalender #5: in white… – White Room Torture für Zuhause

Heute zum 5. Tag des Adventsspecials stellen wir euch, ausnahmsweise einmal, ein schlechtes Spiel vor. Aus Zakas Flut der Doujin Visual Novels in meinem Direktnachrichten habe ich mir heute ausgerechnet einen echten Rohrkrepierer ausgesucht. Das Review wird auch sehr schnell vorbei sein, denn es gibt kaum etwas zu zeigen – dank der Kernthematik des Spiels.

Weiße Kleidung, weiße Welt. Der Wahnsinn ist nahe.

Die Doujin-VN in white… könnte man möglicherweise dem Genre Mystery-Horror zuteilen, aber selbst dafür erfüllt es nicht genug Voraussetzungen. Es fällt mir persönlich schwer dieses Spiel überhaupt einem Genre zuzuordnen, denn es ist gewollt Nichts. Das Spiel wurde von Doujingruppe ZIG ZAG, die sich als Horror-Produzenten beschreiben, gemacht und im April 2009 veröffentlicht. Es scheint eine Solo-Arbeit von Szenarist Reiichi zu sein. Das Hauptthema des Spiels ist White Room Torture.

Handlung

In einem komplett leeren und weißen Raum findet sich die 12-jährige Yuki wieder und kann vor Langeweile nichts anderes tun, als ständig die Schrauben an der Decke des Raumes zu zählen. „6 x 6 = 36 und 36 x 4 sind 144.“ In dem Raum befindet sich nichts anderes außer einer Tür, die sich nicht öffnen lässt. Der Rest sind weiße Wände und Boden. Nach ein paar Tagen in der weißen Kammer bemerkt Yuki Löcher in der Decke – ein Lautsprecher?

Der Lautsprecher teilt Yuki mit, dass er Teil eines Verhaltensexperiments geworden ist.

Dieser Lautsprecher teilt Yuki mit, dass sie in einem Verhaltensexperiment gefangen gehalten wird. Wäre das nicht genug, bekommt sie auch noch einen weiteren Insassen für die weiße Zelle: Einen Jungen namens Kanoe.

Was ist das Ziel dieses Experiments?

Meinung

Auf dem weißen Papier (höhö … ) klingt das kontroverse Thema der White Room-Folter nach etwas, was sich in Visual Novels, bei denen man die Introspektive der Probanden näher dargestellt bekommt als in anderen Medien umsetzen lässt. Jedoch wurde das hier eindeutig  zu wörtlich genommen.

White-Room Folter …  für den Leser?

Der Sinn der White Room Folter ist es, durch den vollständigen Entzug jegliche Reize eine Person so zu zermürben, dass sie mit der Zeit wahnsinnig wird.  Es ist eine psychologische Tortur, basierend auf vollständiger Isolation und kann den Gefangenen binnen moderater Zeit komplett gefügig oder panisch machen. In echter Ausführung geht diese Foltermethode noch etwas weiter, denn Gefangene werden in weiße Kleidung gesteckt, müssen weißes Essen (Beispielsweise Reis) essen und können auch in Fälle akustisch nichts hören – pure Stille macht den stärksten Mann verrückt.

In manchen Fällen in denen diese Art der Folter eingesetzt wurde, hinterlässt es nicht nur einen Gefangenen, der panische Angst vor der Farbe weiß entwickelt, sondern kann gar zu Identitätsverlust und Gedächtnislücken/Amnesie führen.

Quelle: Unbelievable Facts

Wie wurde es im Spiel umgesetzt?

Das Konzept von White Rooms wurde in Eroge schon öfter angewandt. Am bekanntesten sind wohl die weißen Testkammern im Darkge Euphoria. Dieses Spiel treibt es aber auf die Spitze und stellt sich quasi selbst eine schlecht ausgeführte Metaebene, da sie den Leser selbst der Folter unterzieht.

Euphorias ist ein eindeutig besserer White Room, von dem sich andere inspirieren lassen sollten.

Wie bereits erwähnt ist das Spiel schlecht und das liegt nicht am Writing, sondern an dem Effekt den es auf den Spieler hat. Zunächst einmal ist zu kritisieren, dass sich dieses Spiel NICHT auf Vollbild schalten lässt, egal in welcher Auflösung. Stattdessen hat man ein 400 x 200 px großes Fenster, was die meiste Zeit des Spiels, ohne Übertreibung zu 95%, aus einfarbigen weißem Bildschirm besteht. Im Hintergrund spielt ein Klavier Ambientsound ein, Note für Note mit langen Pausen dazwischen. Dies alles trägt dazu bei, dass man selbst dabei verrückt werden soll.

Thematisch eine gute Idee, in der Umsetzung absolut miserabel und langweilig, da man ja in einer echten WRT keinerlei Möglichkeit hat etwas anderes zu tun; Stattdessen sieht es eher für den Spieler, der gezwungen ist im Fenstermodus zu spielen so aus:

Wenn man jetzt noch in Betracht zieht, dass man fast die Nase auf den Bildschirm drücken muss um bei dem Spiel für Ameisen etwas zu lesen … Praxis 6, setzen.

Von weiß zu rot

Später im Spiel, nachdem wir uns für rund eine halbe Stunde Text auf weißem Bildschirm angesehen haben, gibt es einen wichtigen Wechsel, der auch thematisch die VN plötzlich in die Horrorrichtung treiben könnte.

Es stehen hier zwei wichtige Fragen im Vordergrund:

„Was assoziierst du mit der Farbe Weiß?“
„Was assozierst du mit der Farbe Rot?“

Ending(s)

Es gibt ein Bad End zu erreichen, sollte man die falsche Entscheidung wählen. Insgesamt gibt es im Spiel nur zwei Entscheidungen, die ihr treffen müsst. Eine am Anfang bevor das Experiment beginnt und eine gegen Ende des Spiels, die zum Ziel hat den Raum verlassen zu können. Wird nur einer den weißen Raum verlassen können, oder schaffen sie es beide?

Oder vielleicht doch keiner? Findet es selbst heraus.

Fazit

I Spent 24 Hours Straight In Insane Asylum

Masochisten gibt es überall, aber ich würde niemandem empfehlen sich freiwillig dem White Room zu unterziehen (außer ihr seid MrBeast und verdient euch eure Brötchen damit). Somit würde auch niemandem dieses Spiel ernsthaft empfehlen. Wenn ihr es euch unbedingt antun müsst, dann versucht einen Workaround über die N-Scripter Engine, mit dem ihr das Spiel in den Vollbildmodus schalten könnt. Vielleicht hätte ich das Konzept eher gemocht, wenn es nicht so kontraproduktiv umgesetzt gewesen wäre.

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (24) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 170 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Ich hab meine Finger überall drin ;) よろしく~