VNInfo Adventskalender #3: Suki Tokimeki to Kiss – Aus dem Fenster gefallen?

Yanderes – das leidige Thema. Die einen lieben sie; die anderen hassen sie.Für meinen Geschmack kommen sie viel zu viel in der Welt der Anime vor. Wer schonmal eine psychotische Freundin hatte, weiß wie sehr das eskalieren kann. Andere mögen, dass man eine Freundin hat, die sich so sehr von einem angezogen fühlt. Und da ist auch die Thematik des heutigen Spiels für den Adventskalender: Lieben oder Hassen.

In unserem dritten Türchen #3 befindet sich das Spiel Suki Tokimeki to Kiss, was mir auch schon wieder der gute Zaka im Laufe eines unserer Reading Circles empfohlen hatte. Wir hatten das Spiel damals nicht beendet, deshalb stand der Titel schon länger auf meiner Liste. Es ist ein Romance-Yuri Game mit Yandere-Loveinterest und Horrorelementen, das sich meiner Ansicht nach sehr an Subarashiki Hibi – Furenzoku Sonzai orientiert.

Das Spiel Suki Tokimeki to Kiss (jap. スキトキメキトキス) ist erstmalig in Japan am 9. Oktober 2020 erschienen und hat bis dato noch keine Übersetzung ins Englische. Entwickelt wurde es in Zusammenarbeit von Kalmia* & Tatewaki die bis dato nur diesen Titel veröffentlicht hatten. Tatewaki selbst haben vier Titel veröffentlicht und Sukitoki war das Letzte von ihnen. Laut der Website macht die Gruppe seit 2016 nicht mehr viel, was sehr schade ist.

Handlung

Wir schlüpfen in die Rolle von Akina Kurenai, die nachdem sie von einem schrecklichen Alptraum heimgesucht wird, auf einer Krankenstation aufwacht und sich an absolut gar nichts erinnert. Vor ihr steht ein anderes Mädchen und starrt ihr eindringlich in die Augen. Allein die Präsens des Mädchens verursacht ihr Unbehagen, dessen Grund sie nicht benennen kann. Trotzdem verströmt ihr Parfüm eine seltsame, unheimliche Anziehung. Spürt sie nun Hass, oder ist es Affektion?

Whose eyes are those eyes?

Das Mädchen stellt sich ihr als Yamabuki Naho, Mittelschülerin im zweiten Jahr, vor. Sobald Akina ihr ihren Namen nennt, verspürt sie starke Kopfschmerzen. Sie versucht sich zu erinnern, doch ihre Amnesie ist einfach zu stark ausgebildet. Das einschneidende Erlebnis, das zu ihrem Zustand führte, will ihr partout nicht einfallen.

Daraufhin kommt eine ältere Dame ins Krankenzimmer und möchte Akina besuchen – ihre Mutter. Da sie sich auch an sie nicht erinnern kann, weist sie sie zurück.

Ich wurde nie gefüttert, als ich im Krankenhaus lag 🙁

Je länger Akina im Krankenzimmer liegt, desto mehr Bruchstücke ihrer Erinnerungen kehren zurück. Ein paar gruselige Augen, ein Fenstersturz, ein Rennen mit Leichtathletikteam und eine Begegnung unter dem Kirschblütenbaum… leider kann sie sich auf diese unzusammenhängenden Eindrücke keinen Reim machen.

Doch diese gruseligen Augen hat sie doch eben erst schon einmal gesehen?

Meinung

Entscheidungen sind wichtig:

Suki Tokimeki to Kiss (kurz. Sukitoki) ist eine kleine, kompakte Visual Novel, bei der die Entscheidungen die verwendete Hauptmechanik sind. Auf dem Startbildschirm des Spiels wird einem schon  „subtil“ mitgeteilt, welche Möglichkeiten es gibt: Hass oder Liebe.

Im Laufe des Spiels bekommt ihr immer zwei Entscheidungsmöglichkeiten präsentiert: Eine führt dazu, dass ihr Naho liebt und die andere führt dazu, dass ihr sie hasst. Je nachdem was ihr wählt, so verändert sich die Persönlichkeit der Hauptfigur Akina (signalisiert durch eine Münze mit der sich der Charakter identifiziert).

Persönlichkeitsänderung

Die Augen sind das Tor zur Seele… hier eher zur Hölle.

Wenn ihr zuviele Hassmöglichkeiten wählt, so wird der Dialog weitaus unfreundlicher und Akina wird zum Fiesling. Wenn ihr zuviele Liebesmöglichkeiten wählt, dann werdet ihr zwar glücklich mit eurer Freundin, aber die Wahrheit hinter eurer Amnesie, und die anderen Endings bleiben verborgen. Es liegt also im Sinne des Spielers, die richtigen Entscheidungen zu wählen und zum richtigen Ende zu gelangen.

Horrorvibes

Man wird von Anfang an spüren, dass das Spiel nicht so harmlos bleibt, wie es auf den ersten Blick scheint. Es gibt ein paar billige Jumpscares, sowohl visuell als auch soundtechnisch, die leider nur schocken, wenn man das erste Mal davon erwischt wird. Der wirkliche Grusel passiert erst, wenn man Naho verärgert. Ihr werdet schon sehen wie weit sie gehen für ihre Liebe gehen wird.

Audiovisuelles

Inspiration Subahibi?

„Ich verstand nicht, was hier geschehen war.“

Auch wenn es kein Denpa-Spiel ist sehe ich verschiedenste Verbindungen und Anlehnungen an Subahibi. Manche CGs sehen quasi gleich aus, dieselbe Perspektive auf dem Dach des Krankenhauses, ähnliche Himmelsbilder, Naho erinnert von ihrem Design her an Takashima Zakuro

Die Musik, speziell das düstere Theme nach dem Starten des Spiels, erinnert mit seinen Dissonanzen und sehr hohen Noten an Denpa Relay no Shousha. Es erzielt auch die selbe Wirkung, denn jedes Mal wenn Gefahr im Verzug ist, wird die Musik das wichtig untermalen.

Ganz anders bei Subahibi gibt es aber in diesem Spiel kaum pseudo-philosophischen Dialog oder irgendwelche Moral, der es zu folgen gilt. Es gibt nur den einen Handlungsstrang, dem man folgt.

Endings

END 1 „Die Hand, die den Himmel ergriff.“

 

Das wichtigste an Sukitoki sind die Endings. Von denen gibt es fünf an der Zahl, die im Extramenü freischaltbar sind. Nachdem man ein Ending freigeschaltet hat, was aller Wahrscheinlichkeit nach der rote Hering ist, den man zunächst finden muss. Hier endet aber auch leider die Spannung, denn aufgrund des Aufbaus der VN wird es nötig sein ständig durch bereits gelesenen Text durchzuskippen bis man dann mal an neuem Text ankommt. Wenn ihr euch dabei so dumm anstellt wie ich, dann werdet ihr das Fake-Ending unzählige Male sehen, solltet ihr keinen Guide verwenden.

Auch gibt es ein True Ending, das man erst freischaltet sobald man die vier vorigen Endings freigeschaltet hat. Dieses ist sehr verworren und man muss sowohl Hass-,als auch Liebesentscheidungen in einer bestimmten Reihenfolge wählen. Das True Ending verändert alles, was ihr vorher gesehen habt, deshalb lohnt es sich wirklich dieses freizuschalten.

Sukitoki wird auf VNDB mit weniger als 2 Stunden gelistet, jedoch ist das absolut nicht der Fall. Es gibt einige Enden (insgesamt 5 + Bad Ends) aufzudecken, die mich mit moderatem Spieltempo – plus ständigem Hin- und Herprobieren – für vier Stunden beschäftigen konnten.

Omake

Wenn man das Spiel durchgespielt hat wird man auf eine japanische Webseite verlinkt, auf der man noch etwas zusätzlichen Content und ein paar Kommentare zum Spiel finden kann. Damit ihr das nicht durchspielen müsst, könnt ihr es hier erreichen. Zusätzlich gibt es dazu noch Hinweise um die anderen Endings zu finden – sehr gut bedacht!

Fazit

„Unterbewusst faszinierte mich dieses Mädchen so.“

Zusammengefasst ist Sukitoki auf den ersten Eindruck ein kleines Doujingame ohne große Schwächen. Jedoch hat es auch keine Stärken, die wirklich herausstechen. Es gibt viele Visual Novels, die einem Entscheidungen en mass bieten, die aber keine wirkliche Struktur besitzen oder den Spielverlauf verändern. Selbst großartige Spiele wie Majikoi haben das Problem, dass Entscheidungen – ein zentrales Gameplay-Element von VNs – nicht gut genug eingebaut werden.

Für ein Horrorspiel ist es eindeutig zu soft, aber manche der Endings könnten einem kurz den Atem stocken lassen. Ich empfehle dieses Spiel allen, die sich einen schnellen kleinen Yanderehappen gönnen wollen, oder für einen gemeinsamen Reading Circle; vielleicht auf unserem Server.

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (24) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 170 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Ich hab meine Finger überall drin ;) よろしく~