VNInfo Adventskalender #18: Nikushoku to Soushoku – Sag’s nicht den Veganern

So, Zeit für den 18. Tag unseres Adventskalenders. Seid ihr schon müde? Täglich ein Spiel zu spielen und ein Review zu schreiben ist durchaus ermüdend, aber gibt einem ein solches Produktivitäts- und Erfolgsgefühl. Außerdem lernt man Tag für Tag neue Spiele kennen, die man vorher vielleicht gar nicht gefunden hätte. Für den heutigen Titel habe ich mal wieder die Random-Funktion der VNDB beansprucht und bin bei einem interessanten kleinen Doujin-Game mit anthropomorphischen Charakteren gelandet: Nikushoku to Soushoku (Fleisch- und Pflanzenfresser).

Nikushoku to Soushoku wurde am 5. September 2014 von der Doujin-Gruppe Hoshikuzu Koubou veröffentlicht. Auf der Website kann man es noch herunterladen; sowohl auch einige andere Spiele des Teams, die gar nicht auf der VNDB gelistet sind wie: Maou Quest, Ookami Akazukin oder die Monochrom-Novel Eruhia no Dokufu.

Zu dem Spiel gibt es ein kleines Demo-Video auf Youtube:

フリーノベルゲーム【肉食と草食】紹介動画

Handlung

Zwei Freunde, Ein Wolf namens Ruti und ein Schaf namens Johan, gehen gemeinsam eine Höhle erforschen und werden direkt danach Opfer eines Steinrutschs, der sie beide einsperrt. Ruti stellt sich als ein sehr freundlicher Wolf heraus, der das verletzte Schaf sieht und es zunächst nicht tötet, weil er keinen Hunger hat. Stattdessen wollen sie gemeinsam einen Weg aus der Höhle finden.

Es dauert nicht lang, da bekommt der Wolf Hunger. Wie praktisch, dass er eine Mahlzeit direkt bei sich hat. Aber Moment mal … Sie sind doch Freunde!

Wird der Hunger ihn übermannen und er seinen Freund verspeisen…?

Meinung

Als ich das erste Mal den Spieletitel und die paar CG sah, dachte ich ich wüsste schon was mich hier erwartet, doch man sollte weder ein Buch bzw. in diesem Fall eine Visual Novel an ihrem VNDB-Eintrag bewerten.

Nikushoku to Soushoku ist ein interessantes kleines Doujin-Game mit einer einfachen Prämisse. Wir nehmen zwei in der Nahrungskette direkt übereinander stehende Tierarten und bringen sie in eine Situation in der sie in einem moralischen Dilemma stecken – Fresse ich meinen Freund und überlebe, oder sterben wir beide, weil ich nicht dem Überlebensinstinkt folgen will?

Ich kann euch jetzt schon sagen, dass dieses Spiel euch mehrmals mit unerwarteten Wendungen überraschen wird und der Grund weshalb das Spiel Nikushoku to Soushoku heißt, wird euch schnell klar werden.

Doch selbst das ist eine Finte, denn interessanterweise wird aus diesem Spiel über Freundschaft und Vertrauen zweier verfeindeter Spezies schnell ein unerwarteter Psychothriller in man alles hinterfragen muss, was die Handlung vorher aufgebaut hat. Quasi, ein unzuverlässiger Erzähler in der Lightversion.

 

Um sich drauf einzustellen: Es erwarten einen Massenmord, Totschlag, Kannibalismus (von Tieren) und ne Menge Angst.

Nikushoku-kei & Soushoku-kei Danshi

In Japan bedeuten diese beiden Begriffe im Volksmund soviel wie Fleischfresser und Pflanzenfresser, doch werden diese Begriff auch in romantischen Kontexten benutzt. Ein Fleischfresser-Mann ist ein Mann, der keine Probleme hat mit Frauen Beziehungen einzugehen, sehr extrovertiert agiert und seinen Mitmenschen gegenüber sehr offen sind.

Dahingegen bedeutet das Gegenteil, der Pflanzenfresser-Mann, dass dieser Mann Bindungsschwierigkeiten hat oder gar nicht erst in der Lage ist mit Frauen klarzukommen. Meist liegt es aber nicht daran, dass sie es nicht können, obwohl das teilweise überlappt, sondern eher daran, dass sie einfach nicht wollen. Soushoku-Kei Danshi sind eine interessante soziale Gruppe in Japan, die man aber nicht mit dem örtlich bekannten Beta-Male gleichsetzen kann.

Mehr Infos; From carnivores to herbivores: how men are defined in Japan – Japan Today

Im Fall des Spiels spielt dies zwar keine wirkliche Rolle, aber die Eigenschaften, die solche Männer mitbringen werden auch von den Charakteren ausgelebt. Ruti ist ein extrovertierter und vorlauter Wolf, währenddessen Johan weitaus zurückhaltender ist und sich quasi nicht in den Vordergrund drängt.

Aber es soll ja alles anders kommen.

Aufbau

Das Spiel selbst ist in drei Teile aufgeteilt. Zunächst gibt es die Perspektive vom Wolf Ruti, die ungefähr 30 Minuten dauert, wenn man mit natürlicher Geschwindigkeit liest. Hier gibt es zwei Endings zu erreichen, eines kann man erst anwählen, wenn man einmal die Credits gesehen hat. Hier wird die ganze Handlung aufgebaut, warum das Schaf mit dem Wolf in der Höhle gelandet ist, wo seine Eltern sind, warum der Wolf das Schaf nicht frisst und vieles mehr.

Danach gibt es eine Art Zwischensequenz mit dem Bruder des Wolfes Silico, die ca. 10 Minuten dauert und die interne Familienbeziehung zwischen Ruti und Silico verdeutlicht.

Zuletzt kann man dann auch aus der Perspektive des Schafes die Story spielen. Diese ist der Hauptteil des Spiels und dauert rund eine Stunde. Hier wird alles, was man in der Wolfsroute geglaubt hat zu wissen, über Bord geworden und der Psychothriller-Teil beginnt. Mit Johan ist wirklich nicht zu spaßen.

Mit rund 2 Stunden Spielzeit ist es eines der kürzesten Visual Novels, die ich bisher reviewt habe.

Visuals

Ist nen hübscher Boi, aber er birgt ein dunkles Geheimnis.

Mit nur 13 wirklichen CGs von denen 6 Stück Charakterportraits hat das Spiel visuell nicht allzu viel zu bieten. Es gibt schön gezeichnete Hintergründe, die nach Wassermalfarben aussehen und schön ineinander verlaufende Farbübergänge zeigen.
Das Spiel selbst in im ADV-Stil gehalten mit der typischen Textbox, die aber diesmal einen eingebauten Backlog hat den man hoch und runterscrollen kann. Per Menü lässt sich auch ein traditioneller Backlog anwählen.

Audio

Eigentlich sind die Freetracks in solchen Doujin-Games nur selten eine Erwähnung wert, aber irgendwie hatten sie etwas beruhigendes. Aber auch ein gruseliges und ein spannungserregendes Theme durfte nicht fehlen.

Sounddesign ist sehr mager, mit lauten Stich- und Schlaggeräuschen, wenn etwas Gewaltverherrlichendes passiert.

Ending

Es gibt in dem Spiel 2 Endings für die erste Route und für die anderen beiden jeweils eins. Alle Endings haben irgendwie etwas melancholisches, aber lassen einen auch durchaus am Kopf kratzen, was gerade überhaupt passiert und warum es gerade dort endet. Das Spiel hat definitiv Probleme damit gehabt ein Ende glaubwürdig zu platzieren, sie erscheinen allesamt sehr abrupt.

Omake-Menü

Interessanterweise gibt es im Spiel ein Omake-Menü mit Nachwort, Werbung fürs nächste Spiel (Akazukin to Ookami), was diese Gruppe veröffentlichte und ein paar Staffkommentare. Leider können wir euch diese auf Wunsch des Entwicklers die Inhalte nicht zeigen.

Fazit

Eigentlich habe ich nichts erwartet, weshalb ich das Spiel auch nicht für einen Reading Circle vorgeschlagen hatte, aber Nikushoku to Soushoku hat ein interessantes Konzept und macht daraus einen unerwarteten Psychothriller mit einem freundlichen Wolf und einem süßen Schaf, der zwar nur wenige Visuals hat, aber alleine vom ungewöhnlichen Setting her ganz interessant ist. Ich würde es nicht empfehlen, da die Endings nicht allzu gut umgesetzt sind, aber wenn man nichts anderes zur Hand hat ist es einen Blick wert.

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (24) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 170 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Ich hab meine Finger überall drin ;) よろしく~