VNInfo Adventskalender #17: Soundless – A Modern Salem in Remote Area –

Heute Abend Kinder wird’s was geben, nämlich das 17. Türchen unseres Adventskalenders. Heute ist auch ein besonderer Tag, denn es nicht nur mein Geschreibsel, sondern selbsternannter Doujin Game-Liebhaber, Übersetzer und Faulpelz Zakamutt möchte euch persönlich eine Review präsentieren. Wir haben die Erlaubnis bekommen seinen alten Artikel auf Deutsch zu spiegeln, da das Original bereits seit dem 5. Mai 2018 auf seinem alten Blog Disearnestly Disearnest existiert.

Der Blog ist generell voll mit diversen Zakaismen: Übersetzungskritik, Kommentare über Japanisch, Blogposts über seine eigenen Übersetzungen und ist einen Blick wert. Heutzutage schreibt er seine Updates aber über den Blog von Memeshii Translations.

Ohne große Umschweife fangen wir an mit Soundless – A Modern Salem in Remote Area:

Dieses Spiel wurde am 29. September 2017 in der Version 1 von der amerikanischen Gruppe milk+, bestehend aus einem einzigen Individuum namens PAPAIRA, veröffentlicht und ist seitdem auf itch.io erhältlich. Genau ein Jahr später am 29. September 2018 erhielt das Spiel auch noch eine neue Version 2.0, die einige Fixes und auch Änderungen an wichtigen Szenen mit sich brachte.

Das Spiel beinhaltet rund 5-6 Stunden Content und wird voraussichtlich Material in einem unserer zukünftigen Reading Circles auf Discord werden.

Ohne weiteres Geplänkel überlassen wir nun Zaka die Bühne:

Einführung

Mercy sieht Dinge. Leider bestehen diese nur aus verzerrten Bildern, ekelerregenden Käfern, Tentakeln, furchterregenden Fleischmonstern und ähnlichen Konsorten, aber zumindest hat sie bisher noch nicht ganz Fuminori-Level erreicht. Nur schade, dass es immer schlimmer wird.

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Mercy lebt in einem kleinen, abgelegenen Dorf; ihr Dorf ist stark religiös, wird von der örtlichen Kirche regiert, und alle Kinder in der Umgebung sehen sie als bequemen Sandsack. Aber hey, wahrscheinlich ist es sowieso ihre Schuld, denn sie wurde im zarten Alter von zehn Jahren mit einem Fluch belegt als sie sündigte. Davor hatte sie nur schöne Dinge gesehen.

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Mercy ist die Protagonistin von Soundless – a modern Salem in remote area-, dessen Name so möchtegernjapanisch ist, dass ich meine Nase rümpfen muss. Aber hey, scheinbar versuchen sie es Leute an die alte Denpa Game-Ästhetik zu erinnern, bis hin zur Bildauflösung von 640×480. (Praktischerweise lässt sich das Spiel mit doppelter Fenstergröße spielen.)

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In Soundless geht es darum zu begreifen, dass man nie sicher ist, dass man jederzeit getroffen werden könnte, dass man jede Minute anfangen könnte, Schrecken zu sehen, und dass man für sein eigenes Unglück bestraft werden wird. Bei Soundless geht es darum, durchzudrehen und dabei zuzusehen, wie ein verzerrter Hintergrund nach dem anderen vor den Augen vorbeitänzelt.

Der Fokus auf Direction macht das NVL-Format viel weniger spießig, als man vielleicht erwartet.alittlenuisance-soundless.png

Soundless handelt vom Überleben, wenn fast jeder, den du kennst versucht, dich zu zerstören – egal ob langsam oder schnell. Soundless handelt davon, in Schuldgefühlen gefangen zu sein. Soundless handelt davon, ausgenutzt zu werden.

Vielleicht handelt Soundless davon, sich von seinen Peinigern zu befreien – aber es zeigt keine Angst darin, sie zu vermenschlichen. Manchmal muss man einfach trotzdem loslassen.

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Meinung

Soundless Writing ist annehmbar, was Prosa angeht, aber wird an einigen Stellen merkwürdiger als mir liebt ist. Es gibt ein paar Momente, die herausstechen, meistens während der Wahnsinn herrscht. Doch die meiste Zeit ist es einfach nur … da. Es gibt ein paar nervige Fehler, was falsche Zeitform angeht, die selbst die sieben Beta-Tester nicht gefunden haben, was beweist, dass es nicht nur reicht Angestellte für die QC zu haben, sondern dass diese auch was drauf haben müssen. (Obwohl sie, nach Aussage des Entwicklers, eine Vielzahl an Fehlern gefunden hätten.)

Ich hätte vorgeschlagen das Spiel einem kompetenten Editor in die Hand zu geben. Obwohl, das gilt wahrscheinlich für jede OELVN, die ich bisher gelesen hab außer Lynne… Naja, wie auch immer.

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Audio

Die Musik und die Umgebungsgeräusche funktionieren im Allgemeinen gut, um die Atmosphäre zu vermitteln, obwohl sie manchmal unter kurzen Schleifen in den Umgebungs-Sfx leiden, die zu Stopps und Starts mitten im Soundtrack führen. (Das hasse ich.) Manchmal scheint es auch es stimmt etwas nicht mit den Umgebungs-Sfx, aber das könnte möglicherweise Absicht sein. Immerhin haben wir es hier mit einem Denpa-Spiel zu tun – es ist zu erwarten. Ich gebe einen Bonus dafür, dass zu den verzerrten Stimmen Soundeffekte hinzugefügt wurden, obwohl die VN hauptsächlich nicht synchronisiert ist.

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Wenn es was zu kritisieren gibt, dann ist es gegen Ende der Novel, wo so ziemlich alles wahnsinnig wird. Man könnte sich streiten, ob die Stimmungsänderung zu abrupt vonstatten geht, aber für mich bleiben die Themen konsistent und führen das Spiel zu einem natürlichen Abschluss.

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Soundless setzt einen auf einen blutigen Pfad aus Wahnsinn, Gore und Leid, Schrecken, Verzweiflung, einem Crescendo – und dann, kommt der Punkt. Es hat mal wieder meinen Schlafrhythmus ruiniert. Der war sowieso schon ziemlich im Eimer. Das macht mir aber nichts.

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Soundless ist ein richtiger Höllenritt und ich empfehle es jedem, der auf Horror/Wahn-Ästhetik steht und die Inhalte des Spiels verkraften kann – die im Übrigen nur gewaltvoller und nicht sexueller Natur sind.

Zum Original

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (24) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 170 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Ich hab meine Finger überall drin ;) よろしく~