VNInfo Adventskalender #15: Haru no Hi ni Michi ga Tsuzuku – Los, lass uns ein Abenteuer erleben!

Wir hinken hinterher, aber es werden dennoch 24 Reviews diesen Monat erscheinen. Somit bieten wir euch heute ein neues Freeware Doujin-Spiel von Freem an. Da wir eine möglichst große Vielfalt an Genres abdecken wollten, hatten wir heute mal nach einem speziellen Wort Ausschau gehalten: „Abenteuer/Adventure/冒険

Dabei stießen wir auf zahlreiche RPG-Maker Spiele und Ero-Simulatoren, aber nur wenige wirkliche Visual Novels, die nach Abenteuer aussahen. Am Ende haben wir uns einfach eins gegriffen, das interessant aussah und sind bei dem heutigen Kandidaten unseres Adventskalenders Haru no Hi ni Michi ga Tsuzuku (An einem Frühlingstag setzt sich unser Weg fort) gelandet.

Ich habe in Kikokugai das erste Mal gesehen, dass als Kapitelauswahl „Shiori“ 栞 verwendet wird und jetzt taucht es hier wieder auf. Ich glaube das nennt man ein Baader-Meinhof Phänomen.

Haru no Hi ni Michi ga Tsuzuku wurde von der Amateurgruppe Seawest am 6. Mai 2017 veröffentlicht und gibt es mittlerweile schon in der neuesten Version 2.1, die verändertes UI-Design und höher aufgelöste Sprites und Hintergründe besitzt. Das Spiel besitzt außerdem auch ein direktes Sequel – das zweite Spiel der Gruppe – namens Summer!, was im August des letzten Jahres herauskam. Beide Spiele sind All-Ages und nicht übersetzt.

Handlung

Wir spielen einen kleinen Jungen namens Noboru 昇, der unliebsam von zwei Stimmen geweckt wird. Nachdem er sich müde aufrafft wird er dazu aufgefordert die Haustüre zu öffnen an der schon seit geraumer Zeit jemand energisch klingelt. Als wird die Tür öffnen steht da vor uns ein, auf den ersten Blick, uns unbekannter Junge mit einer Baskenmütze und äußerst scharfer Zunge.

Kekeke, du Idiot! Bereuste, keine Ersatzunterwäsche mitgebracht zu haben, heh?

Der Junge entpuppt sich als ein alter Bekannter aus der Schule, der vor vier Jahren urplötzlich umgezogen war. Sein Name ist Umatarou (馬太郎).

Ich habe einen geheimen Durchgang entdeckt, der uns in die Schule eindringen lässt!

Der alten Zeiten willen möchte er, dass wir gemeinsam etwas Zeit verbringen und dazu lassen wir uns breitschlagen. Bevor wir uns aufmachen in einen Park in der Nähe einer hochkarätigen Mädchenschule zu gehen, deklariert Umatarou ganz stolz: Lass uns ein Abenteuer erleben!

Umatarou erzählt von einem geheimen Durchgang, den er gefunden hat und der in die Schlafgemächer der hochklassigen Mädchen führt.

Doch der Schlund birgt seine Gefahren.

Meinung

Zuerst mal muss ich euch derbe enttäuschen, denn die Synopsis oben lässt das Spiel leider aufregender erscheinen, als es ist. Ihr werdet jetzt in keine Fantasy/Isekai-Welt geworfen und müsst euch durch Monster schnetzeln und ganze Rassen retten, nein. Dennoch, ein Abenteuer ist ein Abenteuer. Der Schritt ins Ungewisse Dunkel des unterirdischen Ganges ohne sich vorher vorbereitet zu haben hat einen gewissen Spannungsfaktor. Jedoch wird die Abenteuerreise unserer beiden Freunde schnell durch einen gewissen Plot-Twist unterbrochen und gar abgebrochen.

In der zweiten Hälfte des Spiels ist von Abenteuer nicht mehr wirklich eine Spur, denn es wird sehr introspektiv und der Hauptcharakter fragt sich verschiedene Dinge über sein eigenes Leben, ob er in gewissen Situationen richtig gehandelt hat und wer und was auf ihn noch warten wird.

Banter mit Umatarou

Die Interaktionen zwischen Umatarou und Noboru sind ganz lustig, so gibt es eine Szene in der Umatarou Noboru etwas gelblichen Tee zu trinken übergibt und dann ganz trocken erwähnt: Ach ja, das ist mein Urin lol!

Plot-Twist

Da kaum einer das Spiel hier wirklich spielen wird nehme ich den Plottwist jetzt einfach mal vorweg: Umatarou ist eigentlich ein Mädchen, und der Protagonist fühlt sich von seinen Kindheitserinnerungen verarscht und flüchtet weg von ihr durch die Höhle. Dort bleibt er dann natürlich alleine stecken.

[collapse]

Technisches

„Du bist knallrot wie ne Tomate, aber sagst du willst mir in den Arsch treten? kekekekekekekek

Nachdem ich das Spiel abgeschlossen hatte und das erste mal das Omake-Extramenü sah wusste ich, dass ich diesem eher überschaubaren Teil des Reviews viel Zeit widmen werde. Für ein Freeware Doujin-Game bietet dieses Spiel ein erstaunlich modernes und gut designtes UI, speziell die Anordnung der Szenenthumbnails im Extramenü ist genial und habe ich so noch nicht in anderen Visual Novels gesehen, egal ob Doujin oder Mainstream.

Im Spiel haben wir eine wenig ablenkende Textbox, die ein langer weißer durchlässiger Streifen durch ein unteres Drittel des Bildschirms mit weißer Schrift mit blauen Konturrändern bietet. Ansonsten ist das Interface vollkommen clean.

Omake-Menü

harunohi2_brxsKD3ElP
harunohi2_p75cDR5ALB
harunohi2_u4yf3or78T
harunohi2_KL5v7Q0hND

previous arrow
next arrow

[collapse]

Visuelles

Die Visuals im Spiel sind erstaunlich hoch aufgelöst dafür, dass man immer sagt, dass Doujin-Spiele Abstriche beim Budget machen müssten. Es werden sowohl gezeichnete Hintergründe, als auch Fotos verwendet.

harunohi2_AWuxBntHv1
harunohi2_p31nlXKBRs
harunohi2_dcfe6kPIfA
previous arrow
next arrow
harunohi2_AWuxBntHv1
harunohi2_p31nlXKBRs
harunohi2_dcfe6kPIfA
previous arrow
next arrow

In der späteren Hälfte gibt es ein paar so hübsche Visuals, dass ich mich sogar an einen Beauty > Substance-Titel wie Sakura no Uta -Sakura no Mori no Ue o Mau- erinnert gefühlt habe. Interessanterweise sind die verwendeten Visuals und Themen genau gleich: Das vollständige Öffnen der japanischen Kirschblüte. (満開)

Diese Bäume sind bereits mehrere hunderte Jahre alt, also haben sie auch schon einige waschechten Kirschblüten aufblühen gelassen.
Kirschblüten in voller Pracht!

Audio

Das Sounddesign ist groß hervorzuheben. Aus irgendeinem Grund schaffen die verwendeten Sounds es manchmal ein ASMR-Gefühl hervorzurufen, obwohl die Sounds sind binaural sind. Es gibt Szenen bei denen man im Hintergrund Blätter rascheln, Kleidung ausziehen oder auch Tiergeräusche hört. Diese haben allesamt den Effekt, dass sie mich zum kribbeln bringen konnten. Die Tonqualität ist auch nicht übel.

Musikalisch hatte das Hauptthema, was die meiste Zeit im Spiel lief etwas von Persona 5. Wenn ich das näher erklären müsste würde ich sagen, dass die konsistenten Adlibs mit weiblichen Vocals ungemein dazu beigetragen hatten. Ansonsten ist der Soundtrack eher ruhig, weder wirklich spannend, noch gruselig, noch emotional berührend. Die Musik ist einfach da und dudelt im Hintergrund.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass dieses Spiel sogar etwas Synchronisation bietet. Drei Stimmen um genau zu sein. Die wichtigste – Umatarous – ist von Hanami Gawayufu 花見川ゆふ -ErogameScape-エロゲー批評空間-.

Fazit

Ich hatte nach Abenteuer gesucht, aber leider kein wirkliches Abenteuer bekommen. Stattdessen eher eine seichte Seifenoper über zwei Kindheitsfreunde mit einigen lustigen Momenten hier und da. Mir ist klar, dass man durch blindes Hineingreifen in die Spielekiste nicht immer Diamanten rauszieht, aber sowohl Story-technisch als auch vom Spannungsfaktor der Handlung her, war das Spiel hier eher nichts. Dafür bietet es ein wunderschönes UI, für die Kategorie Doujin-Produktion hochwertige Visuals und mittelmäßige Musik.

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (25) und studiere Japanologie und Englisch an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Ich lese Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 180 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Nebenbei arbeite ich als QC für JAST USA und diverse Fanprojekte und mache meinen Teil der VN.Info-Übersetzungsprojekte. よろしく~