VNInfo Adventskalender #14: Dotokoi – Low Resolution

In der Welt der Dating-Sims gibt es so einiges eindeutig abgefahrenes, was man sich auf den ersten Blick gar nicht wirklich vorstellen kann. Neben den üblichen hübschen Schulmädchen datet man Tauben, Waffen, Colonel Sanders oder in dem heutigen Fall: Geometrische Formen. Dank des Vorschlags unseres Servermitglieds Funnerific können wir euch heute eines dieser einzigartigen, quirkigen Dating-Sims vorstellen. In Dotokoi daten wir hübsche Mädchen (oder auch Jungs),die uns aufgrund eines unliebsamen Fluches, als niedrig aufgelöste Quadrate erscheinen.

Dotokoi ist erstmals am 22. Mai 2016 in Japan erschienen und ist ein All-Ages Dating-Sim von Kurochi Roko mit süßer Pixelgrafik und entsprechender Ästhetik. Einen Monat später gab es für das Spiel auch eine iOS-Version für den japanischen App-Store. Es ist kostenlos aber nur auf Japanisch verfügbar.

Download: どとこい (kilo.jp)

Otome-Spinoff Doto Koi

Mittlerweile gibt es sogar ein Otome-Spinoff für dieses Spiel, das sich auch Doto Koi nennt, nur mit einer Leertaste dazwischen. Erschienen ist es im Jahre 2019. Das Budget des Spiels musst weitaus höher gewesen sein, da in der Bezahlversion des Spiels alle Love-Interests vertont sind. Vielleicht wird das mal von unseren Otome-Autoren gecovert, wer weiß …

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Handlung

Wir spielen einen männlichen Protagonisten, den wir selbst benennen können. Eines Tages direkt nach dem Aufwachen, begegnet uns eine scharfzüngige, verpixelte Dämonin, die uns direkt beleidigt. Wir interessieren uns nicht wirklich für ihr Gezeter, deshalb greift sie zu härteren Mitteln und legt uns einen Fluch auf.

Dieser Fluch bewirkt, dass uns alle hübschen Mädchen der Schule, die wir ab heute besuchen wollen, als niedrig aufgelöste Quadrate erscheinen. Die einzige Möglichkeit den Fluch abzuwenden ist es beliebter und liebenswürdiger für die betroffenen Mädchen zu werden. Je mehr uns die Mädchen mögen, desto höher wird ihre Bildqualität.

Werden wir es schaffen, dass wir sie wieder als die Schönheiten betrachten können, die sie einst waren?

Meinung

Obwohl ich in Dotokoi erst eine Route und ein paar Bad Endings gespielt habe, denke ich schon jetzt in der Lage zu sein über das Spiel ein Urteil zu fällen. Dotokoi ist ein ganz besonderes Spiel mit einem einfachen Gimmick, was es aber dennoch schafft ungeheuer Spaß zu machen und den Spieler entspannen zu lassen.

„Es ist ein Fluch, der die Auflösung schöner Mädchen mindert!“

Ihr stürmt aus dem Haus und stolpert erstmal in eure erste Begegnung mit einem unbekannten Quadrat. Es ist gefärbt und entpuppt sich als eine unserer Mitschülerinnen. Yoshikaku Emi.

Hier wird uns das erste Mal das Ausmaß des Fluches bewusst.  Im Klassenraum angekommen stellen wir uns unseren anderen vier Klassenkameradinnen, die alle ein Quadrat in einer bestimmten Farbe darstellen, vor:

Pink: Yoshikaku Emi
Blau: Sekine Yui
Gelb: Aizawa Chiharu
Rot: Narumi Kokoa
Grün: Nakamura-kun

Ausgangszustand: Alle Mädchen sind ein simples Quadrat.

Dazu gesellt sich noch ein männlicher Klassenkamerad, der nicht von dem Fluch betroffen ist: Nakamura. Dieser gilt übrigens als ein männlicher Love-Interest, es lohnt sich also auch seine Route zu spielen. Dass man sowohl weibliche, als auch männliche Charaktere als Love-Interests geboten bekommt ist erfahrungsgemäß selten in japanischen Visual Novels.

Nakamura ist nicht immer gut auf uns zu sprechen

Gameplay

Natürlich bleibt es nicht nur bei den Quadraten, denn der Kern des Gameplays ist ja, dass man sich mit den einzelnen Charakteren gut anfreundet, damit man diese wieder in höherer Qualität bestaunen kann. Dies führt unweigerlich dazu, dass wir innerhalb eines Zeitlimit von nur drei In-Game Wochen versuchen müssen einen, oder alle, der vom Fluch betroffenen Charaktere wieder in ihre qualitativ hochwertigste Form zu bringen.

Dabei hilft uns das kleine lila Quadrat neben der Textbox. Dort können wir den jeweiligen Zustand unserer Liebhaber einsehen. Es gibt vier verschiedene Levels an Auflösung. Ich nenne diese: Quadrat, pixelig, 8-Bit und Bishoujo.

Die Übersicht nachdem wir die Pixelig-Version von Emi freigeschaltet haben.

Entscheidungen

Nun ist die Frage, wie man es schafft, dass die Mädchen einen mehr mögen. Dazu gibt von Zeit zu Zeit klassische Entscheidungen, meist zwei an der Zahl von der eine eine schlechte und die andere eine gute Entscheidung bietet. Meist ist an der direkten Reaktion zu ermitteln, was für eine Entscheidung man gerade getroffen hat. Bei manchen Situationen ist es gar nicht so einfach vorherzusehen, ob die Entscheidung nun negative oder positive Folgen hat. Ein Beispiel ist es als man einem der Mädchen dabei hilft ein Buch, was für sie zu hoch im Regal liegt, zu greifen. In diesem Fall wollte das Mädchen nicht, dass wir sehen was für ein Buch das ist, deshalb hat dies eine negative Auswirkung.

Es ist sehr gut, dass jede Entscheidung eine bestimmte Farbe hat. Diese verdeutlicht zu welchem Charakter diese ihren Beitrag leistet. Am besten sieht man das, wenn man sich Zuhause befindet und plötzlich eine Entscheidung bekommt, bei dem jeder Love-Interest verfügbar ist. Meist führen diese auch zu unterschiedlichen Orten des Spiels.

Visuelles

Das Spiel vermischt normal, gezeichnete Hintergründe mit Pixelsprites und einem blockigen, aber farbenfrohen UI, das sich sehen lassen kann. Das Design des Spiels ist durchaus simpel, aber effektiv dabei gute Stimmung zu verbreiten.

Audio

Musikalisch ist hier auch keine Meisterleistung, aber gewiss nicht schlecht. Die Tracks heben die Stimmung, es gibt kaum traurige oder melancholische Tracks und allesamt folgen sie ein bisschen dem 8-Bit-Chiptune-Style, den das Spiel propagieren möchte.

Endings

In Dotokoi gibt es eine Möglichkeit den Fluch komplett zu brechen: Man muss sich in eines der Mädchen verlieben und mit ihr zusammenkommen. Dies begünstigt, dass der Spieler sich auf sein/ihr Lieblingsmädchen konzentriert und anstrebt sie in der höchsten Qualität zu bewundern. Und das lohnt sich auch!

In dem Ending, was ich nach meinem ersten Durchlauf erreicht habe, entpuppte sich mein gewähltes Mädchen als eine umwerfende Schönheit.

Das Spiel bietet Endings für jede der Schülerinnen, ein Ending für Nakamura und zahlreiche interessante Bad Ends. Ich habe jetzt für diese Review nur eins der Mädchen erobert, den Rest überlasse ich euch.

Erreichtes Ending CG

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Fazit

Wenn man über den Indiemarkt von Steam stöbert, dann verliebt man sich schnell in die Pixelästhetik kontemporärer Indie-Games. Aber manchmal kann man das ganze sogar gratis haben, denn Doujin-Gruppen und Plattformen wie itch.io, freem oder Dlsite bieten zahlreiche hübsche Visual Novels und RPGs mit Pixelästhetik kostenlos an. Dotokoi ist entspannend, lässt sich pro Durchlauf (ohne Vorspulen) in ein bis zwei Stunden durchspielen, und präsentiert einem glaubhafte und herzergreifende Endings.

Ich empfehle dieses Spiel jedem, der nichts gegen ungewöhnliche Partner und Pixelgrafik hat. (Und Japanisch kann.)

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (24) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 170 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Ich hab meine Finger überall drin ;) よろしく~