VNInfo Adventskalender #13: Shikabane Maid-chan to Kichiku na Goshujin-sama – Dieses Hausmädchen hat eine Kettensäge als Hand. Eine Kettensäge.

Hata hat heute Geburstag, also werde ich ausnahmsweise für ihn übernehmen.

Und damit bekommt ihr als heutigen Doujin-Leckerbissen auch ein richtiges Tyr-Spiel präsentiert!

Zu seiner besten Zeit hat Black Cyc sicherlich ein paar der bekanntesten und besten Dark Eroge herausgebracht, die es bis heute gibt. Ein paar Namen, die in diesem Zusammenhang immer wieder auftauchen sind Banya Izumi (EXTRAVAGANZA, MinDeaD BlooD und letztens erst SaDistic BlooD) und Metawo Ueda (EXTRAVAGANZA, Gore Screaming Show). Wie ein Wunder mutet es da an, dass sich beide nach dem Zusammenbruch von Black Cyc vor 10 Jahren schnell wieder zusammengefunden und ein Doujin-Label in Angedenken an die ehemals große Marke eröffnet hatten um Black Cyc’s Death Neko Tribut zu zollen; nämlich Monokuro Metal Neko.

Das Death Neko war das Maskottchen der Black Cyc-Universe, dass sie die meisten Spiele des Studios geteilt haben.

Die Erwartungen sind groß! Kann dieses Doujin-Game mit den großen Legenden, an welchen Izumi und Ueda beteiligt waren, mithalten?

Story

Die Geschichte klingt jedenfalls vielversprechend.

Irgendwo auf der Welt existiert ein unendlich großer Turm. In diesem lebt ein Hausmädchen mit ihrem Herren. Dieser Meister ist allerdings ein Nekromant und das Hausmädchen selbst eine von ihm aus Leichenteilen zusammengesetzte Untote.

Maid-chan ist etwas schusselig und macht oft Fehler bei der Hausarbeit. Goshujin-sama hat immer einen kalten Gesichtsausdruck und bestraft Maid-chan oft für ihr Versagen. Wird sie eines Tages ihren Meister zufriedenstellen können? Oder gehen diesem vorher die Ersatzteile aus, um Maid-chan nach einer Bestrafung wieder zusammensetzen zu können?

Von der Größe des Gebäudes bekommt man im Spiel nicht viel mit.

An dieser Stelle muss ich nun bereits mit meinem Fazit herausrücken; das Spiel ist nicht gut. Es hätte gut sein können, aber es ist es leider nicht geworden. Warum?

Schauen wir uns das Setting an: Das Spiel beginnt mit einer sehr atmosphärischen Kamerapfad über den Turm: währenddessen wird über Glauben, Gott und die Welt philosophiert, erklärt, in was für einem Land wir uns hier befinden und was der Turm für die Menschen bedeutet. Das reicht durchaus um eine schöne Atmosphäre zu erzeugen und eine magische und mysteriöses Welt aufzubauen.

Auch die Einführung der beiden Hauptpersonen ist gelungen. Der grundlegende Konflikt ist ja auch sehr interessant; das Hausmädchen sucht Anerkennung bei ihrem ausdruckslosen Herren, doch leider geschehen ihr immer Missgeschicke, die den Zorn des Meistern heraufbeschwören, während sie versucht, einfach nur hilfreich und nützlich zu sein.
Ist sie für ihn nur eine lästige Hilfskraft? Ein Werkzeug, das er nach Belieben zerstören und reparieren kann? Kann sie ihm bewusst machen, dass in ihrem Körper aus menschlichen Ersatzteilen eine Seele steckt? Eine Seele, die sich nach Anerkennung, Zuneigung, vielleicht sogar Liebe sehnt?

All das erfahren wir nicht.

Zwei Probleme

Erstes Problem: Dieses Spiel ist nur der erste Teil. Insgesamt dauert ein Durchlauf ungefähr zwei Stunden und es gibt drei verschiedene Enden, die jeweils mit einem つづく enden. Das sind auch durchaus interessante Cliffhanger, aber zwischen dem Anfang und dem Ende der Storyline passiert nichts.

Nun gut, da könnte man ja jetzt argumentieren, dass der erste Teil einer Serie nur eine Exposition darstellt, die die Charaktere und die Geschichte vorstellen und nicht bereits entwickeln soll. Aber wirklich? Das Setting und die Charaktere und deren Konflikte war schon nach dem ersten Absatz oben deutlich geworden und da war man gerade 2 Minuten im Spiel. Und obwohl von Izumi bestätigt wurde, dass es einen zweiten Teil geben sollte, ist dieser nie erschienen. Ich bezweifle, dass da nochmal irgendwas kommt. Hätte man da nicht vielleicht schon im ersten Teil anfangen können, die Ideen, die hier vorgestellt werden, umzusetzen? Denn es sind gute Ideen. Ideen, die wir höchstwahrscheinlich niemals umgesetzt sehen werden.

Die beiden haben durchaus eine interessante Chemie zusammen …

Was passiert denn nun eigentlich in den fünf Stunden Spielzeit?

Und da kommen wir zum zweiten Problem: Alles an Handlung und Spielwelt ist reiner Vorwand für brutale Hentai-Szenen. Man möge mich hier nicht falsch verstehen; brutaler Hentai ist awesome, keine Frage. Aber in einem guten Eroge ergibt dieser sich aus der Handlung und macht ihn so eindrücklicher und spannender. In Shikabane Maid-chan to Kichiku na Goshujin-sama aber ist jedes Element der Spielwelt nur allein aus dem Grund erschaffen worden, um irgendwie eine neue für die Geschichte unerhebliche H-Szene zu ermöglichen.

Man muss als Beispiel nur mal Maid-chan selbst nehmen. Sie ist untot, ihr Körper besteht aus Leichenteilen, die ihr Meister mit Magie zusammensetzt und auch reparieren kann. Es dürfte jedem klar sein, worauf das hinausläuft; derber Tentakelhentai, der ihre ganzen inneren Organe kräftig durchschüttelt, inklusive Schreie und Blut und abfallende Gliedmaßen.

Das Problem daran: es kümmert den Zuschauer nicht. Die Maid ist untot, sie wird eh gleich repariert. Die Bestrafungen sind übel, aber inzwischen auch zur Gewohnheit geworden. Mitleid mit ihr bleibt aus.

Amira trifft auf Jammer.

Die andere weibliche Figur im Spiel ist ein Mensch; eine Prinzessin namens Amira, die aus Abenteuerlaune heraus den Turm erkundet. Niemand wird es wundern, dass auch sie schon bald zwischen einigen Tentakeln stecken wird. Und auch mit ihr wird nicht zimperlich umgegangen. Ihre Schmerzen wirken authentischer und glaubwürdiger, handelt es sich doch bei ihr um eine Lebende. Aber nein! Der nekromantische Meister kann auch ihr abgefallene Extremitäten ohne Probleme wieder ansetzen und schon ist sie wieder wie neu. … Langweilig.

Das derbste und frechste Plot-Device dürfte allerdings Jammer-kun sein, ein vom Meister erschaffenes magisches Wesen, das seine Gestalt ändern kann. Am liebsten hängt es dem Hausmädchen wie ein Pantsu zwischen den Beinen und stößt ihr nach Lust und Laune die verlängerten Armtentakeln in alle Öffnungen. Einfach so. Er ist ein Sadist. Wie nützlich. Das verspricht eine Vielzahl weiterer H-Szenen, die zwar keinen Mehrwert für die Geschichte haben … aber wenigstens wird Maid-chan wieder gequält!

Atmosphäre

Mortal Combat. Literally.

Dass das Spiel bei der Story so versagt, ist sehr schade, denn die Präsentation ist großartig für eine Doujin-Produktion. Kein Wunder, sind doch erfahrene Veteranen daran beteiligt gewesen.
Wenn Maid-chan den Spieler nach Starten des Programms begrüßt, wird schnell klar, dass hier mit viel Liebe zum Detail ans Werk gegangen wurde.

Maid-chan und Prinzessin Amira sind die einzigen beiden Charaktere im Spiel, die gesprochen werden. Beide Seiyuus sind Profis mit langjähriger Erfahrung. An Kasuga spricht das Hausmädchen mit genau der richtigen Menge an Naivität und Moe, sodass man sie gleich ins Herz schließen kann und sich trotzdem darauf freut, dass sie bald wieder in ein neues Schlamassel gerät und bestraft werden muss. Ryuu Andou als Amira hat nicht viel Screentime, überzeugt dafür aber mit enorm ausdrucksstarken und authentischen Schreien und anderen extremen Geräuschen.

Es gibt zwar nicht besonders viele BGMs, aber das ist bei der Kürze des Spiels nicht weiter schlimm und vor allem ist die Hintergrundmusik auch überraschend gut. Es gibt atmosphärische, mysteriöse Klänge für die Gänge durch den Turm, es gibt ein schusseliges Thema für Maid-chan und es gibt sogar ein Battle-Theme! Nicht schlecht.

Teeparty im Turm.

Dass das Charakterdesign großartig ist, muss man bei Ueda wahrscheinlich nicht extra erwähnen. Allein schon Maid-chans Haarfarbe! Hehe, das kommt wohl davon, wenn man aus verschiedenen Körpern zusammengesetzt ist.
Da ist es umso trauriger, dass es nicht viele hübsche CGs gibt, die die Schönheit des Designs einfangen können. Das meiste ist extremer und übertriebener Tentakel-Hentai. Etwas Abwechslung hätte ich besser gefunden. Aber ich bezweifle nicht, dass, wenn man eine höhere Affinität zu diesen Dingen hat, sicher zufriedengestellt werden wird.

Und da bin ich schon wieder bei meiner grundlegenden Kritik für das Spiel. Was bringt einem die atmosphärische Musik, die hochwertigen CGs und die guten Stimmen, wenn das alles keinen Inhalt hat, abgesehen von dem Hentai. Dafür braucht es keinen Banya Izumi am Script und keinen Metawo Ueda am Bleistift.
Tut mir leid. Auch wenn es wohl eine ganze Menge Fans von dieser Art Nukige gibt, für mich ist Shikabane Maid-chan to Kichiku na Goshujin-sama eine einzige große Enttäuschung. So viel Potenzial, was nicht genutzt wird. Und da hilft auch kein Vertrösten auf Episode 2, falls die irgendwann dann doch noch einmal erscheinen sollte. Auch ein erster Teil muss gewisse Anforderungen erfüllen und selbst wenn man diesen unter den Gesichtspunkten einer reinen Exposition betrachtet, versagt er immer noch dank zu viel sinnlosen Hentai und zu wenig Charakterisierung. Da helfen auch nicht die zugegebenermaßen interessanten Ausblicke in den drei Enden.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass dem Spiel die System-NNL-Engine zugrunde liegt. Und auch gibt es wieder, wie man es schon von einigen Black Cyc-Spielen kannte, Minispiele, die man freischalten kann. Insgesamt gibt es drei verschiedene, die wiederum Konzeptzeichnungen freigeben, wenn man bei diesen gewinnt.
Die drei Minispiele sind alle durchaus interessant konstruiert und ich muss zugeben, dass ich höchstwahrscheinlich mehr Zeit damit verbracht habe, die Konzeptzeichnungen freizuschalten, als das eigentlich Spiel zu spielen.

Die anderen beiden Minigames werden mit Mahjong-Steinen gespielt.
Handlung: × Interessantes Setting, hat aber fast keinen Einfluss auf die eigentliche Handlung.
Text: Izumi schreibt wieder atmosphärisch aus der dritten Person heraus. Sein Stil ist sehr markant.
Charaktere: × Alle Figuren bleiben blass. Maid-chan ist aber trotzdem moe.
Grafik: Großartiges Charakterdesign, qualitativ hochwertige CGs (leider ist der Inhalt dieser nicht so interessant).
Musik: Wenige Tracks, aber alle sehr gut. Das reicht um die fünf Stunden gut zu untermalen.
Stimmen: Die beiden Mädchen sind toll vertont, leidenschaftlich und authentisch. Leider gibt es keine Männerstimmen.
Gameplay: × Drei Enden, zwei Entscheidungen pro Durchgang. Die Konsequenzen sind nicht voraussehbar. Alles sehr zufällig.
Engine: System-NNN, gibt auch wieder Minispiele
Hentai: Nur tentakelähnlicher Hentai vorhanden, dieser allerdings sehr intensiv dargestellt. Leider bleiben diese Szenen trotzdem sehr flach.
Genre: 7 Wer ein Hardcore-Tentakel-Nukige ohne Anspruch sucht, kann hier durchaus für kurze Zeit gut unterhalten werden.
Gesamt: 2 Wer allerdings auch eine gute begleitende Geschichte und spannende Charakterinteraktionen sucht, wird nicht fündig werden.

Autor: Tyr

Wenn Tyr mal nicht dabei ist, seine Mitarbeiter auf Visual-Novel.info durch seine drakonische Führung zu quälen, schreibt er Artikel zum Thema Visual Novels hier auf Visual-Novel.info oder auch in Englisch auf JList.com und j-addicts.de. Auch ist er in verschiedenen Übersetzungsprojekten als Übersetzer oder Editor involviert, egal ob von Japanisch zu Englisch oder Englisch zu Deutsch. Sollte dann noch Zeit sein, genießt er allerhand asiatische Unterhaltung – von japanischen Eroge über chinesische Rollenspiele hin zu koreanischen Thrillern.