VNInfo Adventskalender #12: The Distant Valhalla: Valkyries Rebirth – Gefangen in feindlichem Gebiet

Dieser Artikel enthält Spoiler für die Story der SciADV-Spiele, speziell Steins;Gate.

Heute gibt es etwas ganz Besonderes, denn nach ewig langer Zeit kommen wir nun endlich dazu ein ambitioniertes Fan-Projekt eines Mitglieds unseres Discord-Servers vorzustellen. Es ist nicht selten, dass wir jemanden auf unserem Server haben, der selbst die Hände in vielerlei Projekten hat und somit einen nützlichen Beitrag zur generellen Content-Creation in unserem Nischenbereich leistet. Dagegen ist es aber selten, dass diese Person auch A) aus Deutschland kommt und B) Auch länger ein aktives Mitglied unserer Community bleibt. Da beide Konditionen hier übereinstimmen, können wir euch ohne zu zögern heute die vom The Distant Valhalla Group in Eigenhand kreierte Fan-Visual Novel namens The Distant Valhalla: Valkyrie’s Rebirth, präsentieren.

 

Im Original ist The Distant Valhalla eine Side-Story zur Handlung von Steins;Gate in Form einer Light Novel, geschrieben von Naotaka Hayashi. Die Novel thematisiert eine Handlung, die auf dem Alpha-Attractorfield stattfindet in der Worldline Convergence 0.334581%. Das Setting findet anderthalb Jahre, nachdem die Rounders (SERNs Spezialeinsatzkräfte) bereits das Laboratorium in Akihabara überfallen, und Shiina Mayuri ein jähes Ende bereitet hatten statt. Die Visual Novel dazu nutzt die Fanübersetzung vom berühmten Reading Steiner, den man heute eher als DistantValhalla oder nur Steiner kennt. Andere namhafte Persönlichkeiten aus der SciADV-Community wie Fasty und Emilie von der, auf SciADV spezialisierten News-Seite KiriKiriBasara, haben auch an diesem Projekt teilgenommen –zusammengeschlossen als „The Distant Valhalla Group“.

The Distant Valhalla könnt ihr in drei Variationen genießen: Als Visual Novel, als unkommentierte Youtube-Videoserie, oder im Archiv. Die Youtube-Playlist wurde geschaffen, weil die Visual Novel selbst mit einigen technischen Problemen zu kämpfen hat. Der Urheber dieses Fanprojekts, Ghost in the Steiner bzw., heute als Yashio Kaito bekannt, hatte das Spiel in der Novelty Engine geschrieben. Novelty ist nach seiner Aussage nützlicher als RenPy für dieses Projekt gewesen, da es einen WYSIWYG-Editor bietet und somit das Animieren weitaus leichter macht. Leider geht das auch mit Performanceeinbußen oder gar Hardcrashes einher.

[Steins;Gate] The Distant Valhalla - Chapter I: Reunion.

Wenn ihr euch das Spiel näher anschauen wollt, dann besucht doch mal die Seite des Projekts. Yashio Kaito selbst, arbeitete die letzten Jahre noch an anderem SciADV-spezifischem Nebenmaterial – in erster Linie Animationsprojekte, die ihr auf seinem Youtube-Kanal bestaunen könnt.

Handlung

previous arrow
next arrow
Slider

Es ist nun schon eineinhalb Jahre her, seit die Rounders in das Labor in Akihabara eingebrochen waren und Mayuri umgebracht hatten. Okabe Rintaro kann immer noch die beiden Momente (der in dem Mayuri starb und der bei dem Suzuhas Versagen bestätigt wurde) klar vor Augen sehen. Nach dem Sturm auf das Labor wurden Makise Kurisu, Hashida Itaru und er von den bösen Drahtziehern beim SERN gefangengenommen und werden dort seitdem festgehalten. Entschlossen den Plan vom SERN zu stoppen, setzen Daru und er die „Operation Valhalla“ in Bewegung – deren Mission es ist, aus der Institution zu fliehen. Sie werden dabei von einem mysteriösen Dritten, der sich als Neidhardt der Blitzschnelle bezeichnet, unterstützt.

Können sie Neidhardt trauen, und werden sie es schaffen von dem schwer überwachten Gelände des SERN zu fliehen?

Meinung

Ich wollte gerade wissen wer das ist, und dann reagiert das Programm nicht mehr. Na danke!

Zuallererst werde ich natürlich über meine eigene Erfahrung mit dem Spiel sprechen müssen und da ist es unumstößlich zu erwähnen, dass der bessere Weg diese Novel zu genießen die Videoserie ist. Anfangs, als ich heute das Spiel zu spielen begann, ging noch alles gut mit ein paar Performanceeinbußen hier und dort während eine Schneeanimation auf dem Bildschirm zu sehen war. Spätestens ab Kapitel drei jedoch, wurden mir die größeren Probleme mit der Technik bewusst. Das Spiel stürzte hier und dort ab,  blieb mal ganz stehen, und war generell leider unspielbar geworden.

Trotzdem muss man sich zu Gemüte führen, was für ein technischer Aufwand in diesem Projekt drinsteckt. Klar, da es eine Fanmade Visual Novel ist, verwendet sie Material aus den anderen SciADV-Spielen und verarbeitet auch deren Look, Musik und dessen Sound-Design, aber dennoch wurde sich viel Mühe dabei gegeben den Text des Spiels so passgenau wie möglich mit dem nötigen Bildmaterial zu untermalen. Die meiste Eigenarbeit jedoch scheint in den Übergängen, Animationen und in der Schriftgestaltung zu stecken, die keinesfalls einen aus der Immersion reißen, sondern immer weiter in die Handlung hineinziehen.

Betrachten wir uns erstmal das UI. Der Text ist simpel in einer grünen Textbox am unten Rand des Bildschirms eingefügt, und fasst bis zu vier Zeilen. An der linken Seite des Bildschirms wurde die Namensbox ein bisschen von Chaos;Child’s Interface inspiriert, mit dem Namen des Charakters in stilisierter Schrift. Hin und wieder, der Stimmung und Situation entsprechend, nimmt die Textbox auch andere Farben an.

Der Titelbildschirm ist überdurchschnittlich gut animiert, mit verschiedenen Buttons und Menüs mit denen man die einzelnen Kapitel oder seine Speicherstände laden kann. Es erinnert mich, vom Layout her, an alte DVD/Blu-Ray-Startbildschirme. Ein Extra-Menü gibt es nicht, was aber auch sinnig ist, weil es ja keine speziellen CG, Musikgalerien oder zusätzlichen Tips im Spiel gibt. Man kann nicht erwarten, dass ein Fanprojekt denselben Komfort wie ein kommerzielles Release bietet, doch The Distant Valhalla kommt schon sehr nahe daran, was die reine Präsentation angeht.

Es ist äußerst komfortabel, dass man vom Startmenü aus direkt eines der sechs Kapitel des Spiels auswählen kann. Leider waren die Abstürze zu zahlreich, dass man das Spiel hätte beenden können. Spätestens nach dem vierten Kapitel, Neidhardt, musste ich auf die Videoserie wechseln. Zu schade.

Inhalt

Verknüpfung von Inhalten aus verschiedenen SciADV-Titeln

Ich fand sehr erstaunlich, dass diese Novel Elemente und Szenarien aus sowohl Chaos;Head und auch Steins;Gate vermischt. Neidhardt der Blitzschnelle, was ja eigentlich Nishijou Takumis Onlinename in Ensue ist, wird in TDV nicht nur als Referenz genannt, sondern äußern die Charaktere auch die Vermutung, dass Chaos;Heads großes Shibuya-Erdbeben mit ihm verknüpft sein könnte. Dazu wird dann auch Bildmaterial aus Chaos;Head zur näheren Verdeutlichung herangezogen.

Weitere Elemente aus der Terminologie von Chaos;Head wie beispielsweise New Generation Madness, Gigalomaniacs (hier Esper genannt), Whose Eyes are those Eyes oder das Committee der 300 finden auch ihre Erwähnung.

Persönlichkeiten ändern sich über die Zeit hinweg

Man wird feststellen, dass die anderthalb Jahre, in denen die Labmember bereits auf dem Gelände von SERN festgehalten wurden, ihnen zu schaffen machen. Kurisu ist nicht mehr so schnippisch und tsundere wie früher. Sie erkennt sogar ihr Schicksal in der Rolle als Erschafferin der Zeitmaschine an. Es scheint so, als ob in der Worldline in der diese Side-Story spielt, nicht Okabe der ist, der eine völlig veränderte Persönlichkeit zu früher aufweist (siehe Steins;Gate 0), sondern Kurisu. Daru jedoch, verhält sich wie eh und je.

Animationsqualität

Es gibt eine Vielzahl an Animationen, die bewirken, dass man einzelne Momente viel dringlicher wahrnimmt. Beispielsweise gibt es eine Szene in der die Labmember Okabe und Kurisu von Rounders verfolgt werden, die alle Infrarotnachtsichtgeräte tragen, die ein grünes Licht absondern. Genau dieses grüne Licht wurde extra dann dazu animiert und man spürt als Leser, dass man in der Falle sitzt und teilt das Gefühl in die Ecke gedrängt zu werden, das die Charaktere in der Situation verspüren müssen.

Sonst wird viel mit Silhouetten, handgeschriebenen Schneeeffekten und langsam erscheinendem Text gearbeitet. Hier gibt es leider anzumerken, dass manche Übergänge und Texteffekte viel zu lange dauern. Man ertappt sich schnell dabei, wie man diese mit der Maus schnell weiterklickt, weil man wissen will wie es weitergeht.

Teilweise habe ich das Gefühl bekommen, dass die Animationsgeschwindigkeit so langsam war, weil man entweder Spannung für gewisse Momente aufbauen wollte, oder weil das Spiel eben ziemlich kurz ist und man so die Runtime künstlich etwas in die Länge ziehen kann. Ein Regler im Menü, um die Animationsgeschwindigkeit anzupassen, wäre sehr wünschenswert gewesen.

Lokalisierung

Sehe ich da ein übriggebliebenes Honorific? Steiner, du Schlingel.

Eigentlich dachte ich, dass ich bei einer Übersetzung von Steiner nichts zu bemängeln hätte, aber das Spiel hat doch einen Durchgang Quality Control mehr gebrauchen können. Es gibt ein paar wirklich peinliche Tippfehler, die scheinbar keiner gefunden hat und mich aus meiner Immersion ein bisschen rausgeholt hatten. (enourmous, onimous) Außerdem wurden, wahrscheinlich aufgrund von Steiners Übersetzungsphilosophie, die Honorifics weggelassen (An einer Stelle konnte sich dennoch eines einschleichen), was es manchmal ein bisschen komisch macht, wenn Daru Kurisu mit“Miss Makise“ und nicht wie üblich mit Makise-shi anspricht. Irgendwie hat das nicht denselben Vibe.

An anderer Stelle gibt es eigentlich nicht viel zu bemängeln. Das verwendete Vokabular ist durchaus vielseitig, auch sehr spezifisch und erfordert, dass man sich vorher mit dem SciADV-Universum auseinandergesetzt hat. Ansonsten weiß man gar nicht was Attractor Fields, Alpha-Linien, Worldline Divergences oder Jellymen sind. Wenn ihr schon seit längerem die originale Visual Novel zu Steins;Gate (oder auch den tollen Anime dazu) nicht mehr im Kopf habt, lohnt es sich in diese vorher nochmal reinzuschnuppern, bevor ihr The Distant Valhalla anrührt.

Auch ist wichtig anzumerken, dass in dieser Visual Novel die etablierten Terminologien benutzt werden, welche in der SciADV-Community als Canon gelten. Das bedeutet: Rintaro statt Rintarou, Mayuri anstatt Mayuuri und ganz wichtig: El Psy Kongroo, statt Congroo!

Audiovisuelles

Es ist eigentlich sinnlos hier über die Qualität der verwendeten Materialien zu sprechen, da nichts davon in Eigenhand gemacht wurde. Dennoch lohnt es sich anzumerken, dass die Visuals ein Mix aus Original und Fanart mit ein bisschen Photoshop-Magie bestehen. Auch ist es interessant, dass die Musik nicht nur aus dem Steins;Gate OST stammt, sondern auch Tracks von anderen Quellen wie Chaos;Head, Chaos;Child oder auch White Album2 in das Spiel gemischt wurden. Erstaunlicherweise bietet diese Visual Novel die seltene Gelegenheit verschiedene von Takeshi Abos Soundtracks, die eigentlich allesamt mit anderer Stimmung als Katalysator komponiert sein sollten, miteinander harmonierend in einem Werk zu hören. Außerdem ist es erstaunlich wie gut es in manchen Situationen zusammenpasst. Eine unerwartete Überraschung.

Fazit

The Distant Valhalla ist ein Projekt, was seit 2016 erstmalig existiert und über die Jahre hin einmal komplett überholt wurde. Leider macht es zu viel Aufwand die Crashes zu fixen und somit die Visual Novel spielbar zu machen. Dafür gibt es alternativ die Videoserie, die man sich als Steins;Gate oder angehender SciADV-Enthusiast unbedingt anschauen sollte. Die Idee hinter dem Projekt war eine wunderbare, leider hinterlässt der momentane Zustand des Werkes doch einen faden Beigeschmack. Wer schon immer mal wissen wollte was in der Worldline passiert in der Okabe nicht in der Zeit zurückreist, um Mayuri zu retten, der ist hier genau richtig. Leider ist die Distant Valhalla Group zum jetzigen Zeitpunkt defunkt und nur Yashio arbeitet noch von Zeit zu Zeit an seinen SciADV-Projekten oder spielt Robotics;Notes. Ich hätte mich auf ein weiteres Projekt dieser Sorte für anderes SciADV-Nebenmaterial, das man sonst nicht so einfach zu Gesicht bekommt, sehr gefreut.

 

 

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (25) und studiere Japanologie und Englisch an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Ich lese Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 180 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Nebenbei arbeite ich als QC für JAST USA und diverse Fanprojekte und mache meinen Teil der VN.Info-Übersetzungsprojekte. よろしく~