VNInfo Adventskalender #1: Boku to Iu Mono – Versteckspiel mit Folgen

Es weihnachtet sehr in der Welt und neben all den Shenanigans mit Lockdown und Corona wollen wir euch auf VN-Info stattdessen eine schöne Bescherung bereiten: Zu diesem Zweck fange ich nun meinen diesjährigen VN-Info Adventskalender mit der Thematik Doujin-Games an. In diesem werden wir euch jeden Tag bis zu Weihnachten ein kurze, aber knackige Doujin-Visual Novel aus verschiedenen Genres präsentieren. Diese müssen nicht notwendigerweise Ero-Content enthalten, sondern sind meist kleine, kompakte Geschichten, die sich in einem Durchlauf spielen lassen. Aufgrund der Obskurität der Titel sind die meisten von ihnen natürlich nur auf Japanisch verfügbar. Das Ziel dieses Adventskalenders ist es euch zu unterhalten, eure Neugierde anzuspornen und Titel ans Licht zu holen, die sonst vielleicht niemand finden würde.

Begleitet wird mein Adventskalender durch die Unterstützung meines werten Freundes Zakamutt, der sich in der Doujin-Szene bestens auskennt und auch schon mit seiner eigenen FanTL-Gruppe Memeshii Translations ein paar dieser Werke selbst übersetzt hat. Momentan arbeitet er seit mehreren Jahren an einer Übersetzung zu Watashi wa Kyou wa Koko ni Shinimasu. Auch übernimmt er für Fuwanovel den wöchentlichen Translation Status-Post. Er hat mich vor kurzem erst mit interessanten Titeln versorgt und wir werden euch diese nach und nach präsentieren.

Genug der Vorrede und kommen wir zur Review unseres ersten Präsents: Boku to Iu Mono

Boku to Iu Mono

Bei Boku to Iu Mono handelt es sich um eine kurze Visual Novel mit Horrorelementen von der Doujingruppe 1010. Das Spiel erschien in Japan an Weihnachten 2008 und ist somit schon etwas älter. Bei der benutzten Engine handelt es sich um NScripter, sehr gängige Engine für Doujinproduktionen in Japan.

Leider hat sich die Gruppe dazu entschlossen das Spiel seit dem 13. Januar 2019 nicht mehr auf ihrer Website zu vertreiben. Wenn man es also finden möchte, dann muss man etwas graben oder man fragt einfach Zaka auf unserem Server.

Handlung

Ich… Ich habe keine feste Form. Ohne jeglichen Endpunkt wandele ich mich weiter und weiter.

Ich habe keine feste Form und wandele ständig, manchmal bin ich ein Strommast, der über der Welt türmt, manchmal bin ich ein herabgefallenes Blatt eines nahen Baumes … Heute habe ich das erste Mal die Form eines [Menschen] angenommen.

Doch das änderte nichts, denn ich war immer noch einsam.

Na du, du bist doch immer alleine hier, oder?

Dann taucht ein Mädchen auf dem Spielplatz im Park auf und setzt sich neben mich auf die Schaukel. Nicht nur das: Sie spricht mich an. Sie bemerkt mich. Sie will sich mit mir anfreunden.

Ihr Name ist [Sae]. Sie nennt mich [Ao-kun] wegen meiner wunderschönen blauen Augen.

Sie schlägt mir vor, dass wir gemeinsam etwas, das sich Verstecken nennt, spielen. Ich stimme zu.

Wie immer ruft sie nach mir, und dann entscheiden wir uns Verstecken zu spielen.

Die Regeln vom Versteckspiel sind einfach: Eine Person ist der Dämon und muss suchen, die anderen verstecken sich und dürfen nicht gefunden werden. Man hat zehn Sekunden Zeit sich ein Versteck zu suchen. Ich verstecke mich im Wald.

Wird sie mich finden? Und wen wird sie in meinen Augen finden?

Eindruck

Als ich das Spiel das erste Mal startete wurde ich von ohrenbetäubend, lautem Lärm begrüßt, da das Spiel in den Standardsettings auf maximaler Lautstärke eingestellt war. Der Titelbildschirm des Spiels ist schlicht gehalten aber übermittelt schon ein Furchtgefühl, gemischt mit dem binauralen Ton der da im Hintergrund lief war ich noch nicht sicher auf was ich mich einstellen musste hier. Zaka hat schon öfters Horrorspiele empfohlen und auch hier war ich gespannt, was er mir da andrehen wollte.

Das Spiel ist sehr kurz; nicht mal eine Stunde lang, um genau zu sein. Trotzdem schaffte es es eine kleine, süße Story von Kameradschaft und Zusammenhalt zu erzählen – nur um diese dann mit einer Szene komplett zu subvertieren und die Horrorelemente einzuleiten.

Sae musste sich verstecken. Ich war der Dämon. Diese [Menschen] werden meine [Sae] nie bekommen.
Ao ist ein namenloser Junge, dessen Augen für Sae zunächst wunderschön erscheinen. Doch sie bergen etwas grauenerregendes, wie sie bald erfahren sollte. Das Spiel öffnet bereits vor dem Titelbildschirm mit den Worten: „Ich und Sae sind Freunde. Wir werden für immer zusammen sein.“, und lässt damit antizipieren, dass der Protagonist im späteren Verlauf einen psychotischen Twist durchleben muss. Dazu kommt, dass die Existenz, die als [Mensch] betitelt wird hier im Spiel keine Ahnung vom [Menschsein] hat. Alles, was Ao lernt, lernt er durch die Interaktionen mit Sae. Versteckspielen hat klare Regeln, einer muss immer ein Dämon und den anderen finden, nicht wahr?

Visuelles

Visuell macht das Spiel gebrauch von realistisch gezeichneten, wahrscheinlich mit Filtern überlegten Bildern. Sie sind nicht fotorealistisch, wie beispielsweise es bei Sound Novels der Fall ist, dennoch ist es kein typischer Animestil. Der verwendete Zeichenstil passt gut zur Stimmung der Novel und speziell, dass das Spiel meistens einen Rauschfilter über das Bild gelegt hat, was die Bilder undeutlich und „krümelig“ macht. Im Kontrast dazu stehen die Charaktersprites, die klar vor den Hintergründen hervorstechen und in der tristen Welt für etwas metaphorisches Licht sorgen. Auf der rechten Seite des Bildschirms befindet sich ein Overlay, was nach schwarzem Schatten eines Baumes aussieht, der selbst die Textbox an Stellen verdunkelt.

Audio

Auch wenn es keine Glanzleistung ist und meist entweder Noise- oder schrille Pianoklänge verwendet werden, hat die Musik es geschafft die Szenen gut zu untermalen. Gerade ein simpler Spieluhr-Track hat mich schaudern lassen.  Leider gibt es keine Möglichkeit die Tracks in einer Galerie zu hören.

Stimmen gibt es leider keine, obwohl es einen Stimmregler in den Audioeinstellungen gibt.

Besonderheiten

Ohne groß zu spoilern kann man hervorheben, dass das Spiel teilweise mit der Gestaltung des Textes spielt. Es werden zwei Fonts für den Protagonisten verwendet, was es scheinen lässt, dass er so etwas wie eine innere Stimme besitzt, die ihn dazu leitet zu tun, was er gegen Ende des Spiels tut. Auch ist wichtig zu bemerken, dass die Worte Mensch [人間] und Ding [物 geschrieben もの] mit eckigen Klammern geschrieben werden. Dies drückt Ambiguität aus, weil der Protagonist gar nicht weiß, was das Konzept eines Menschen überhaupt ist; dasselbe gilt für den Namen des Mädchens [Sae].

Ending

Ending

Dieses Review ist aufgrund der Kürze des Spiels sehr vage gehalten. Sagen wir einfach, dass das Ende nicht glimpflich für Sae ausgeht.

Dieser Junge … Er ist immer noch hier!? Aber es ist doch jetzt schon eine ganze Weile her!

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Fazit

Die VN hat mich jetzt nicht weggeblasen, aber es sie ist ein netter Happen für Zwischendurch. Man kann schon verstehen, warum sich das Genre mittendrin wandelt und das Ende regt einen kurz zum Nachdenken an, da man kurz Revue passieren lässt, was eigentlich gerade geschehen war und dass die nur ein kurzer Vorfall in der kurzen Lebensspanne des Protagonisten war. Er hat keine feste Form und das wird gegen Ende noch einmal deutlich gemacht, denn der Fluss der Zeit fließt unaufhörlich.

Ich glaube aber nicht, dass das Spiel ein Moral anregen wollte, dafür ist es einfach zu unausgereift und hätte noch etwas mehr Zeit benötigt. So reicht es für ein kurzlebiges Horrorereignis, was man aber auch schnell wieder vergessen wird.

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (24) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 170 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Ich hab meine Finger überall drin ;) よろしく~