Visual Novels, und warum ICH denke, dass sie größer sein könnten als sie es sind.

Mit „größer“ ist natürlich nicht die Größe der Spiele gemeint, denn Visual Novels gibt es in kurz und kompakt oder in groß, aufwendig und mit vielen verschiedenen Routen, was einen enormen Wiederspielwert mit sich bringt. Ich spreche von ihrem Einfluss.

Mein erster Kontakt mit einer Visual Novel

Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann war mein erster Kontakt mit einer Visual Novel das Spiel Phoenix Wright: Ace Attorney (Europäisches Release 16. März 2006) auf dem Nintendo DS. Ich habe damals gar nicht gemerkt, dass es eine Visual Novel ist und ich glaube, das ist der Grund, warum es mich so begeistert hat. Klar, das Spiel ist zu 99,99% nur Text und hier und da findet man durch klicken und suchen mal einen Hinweis, den man vor allem vor Gericht verwenden kann, ABER es ist immer noch ein Spiel, in dem man lesen muss – VIEL lesen muss.

In 2006 war ich 8 Jahre alt und ich würde sagen: Dafür, dass ich erst 8 war, war mein Englisch damals schon recht gut, denn ich habe schon in diesem Alter gerne Filme oder Serien auf Englisch geschaut – mit meinem Englisch heute kann man es dennoch nicht vergleichen.

Da sind wir auch schon bei dem Punkt, den ich ansprechen möchte: Hätte Phoenix Wright damals keine deutschen Texte gehabt, dann hätte ich es wahrscheinlich nie gespielt. Und so geht es mir heute teilweise immer noch: Ich lese natürlich online gerne und viel. Vor allem auf Englisch, aber bei Videospielen ist es so ein Ding: Keine deutsche Synchronisation? Schade, aber da kann ich nichts dran ändern. Keine deutschen Texte? Neee … dann lieber nicht.

Aber du verpasst dadurch doch ganz viele tolle Spiele, egal in welchem Genre!

Das ist natürlich eine subjektive Meinung, denn niemand kann sagen, ob mir Spiel XYZ wirklich gefallen würde oder eben nicht, denn spielen werde ich es sehr wahrscheinlich nicht. Eine Ausnahme bildet hier zum Beispiel die Ryu ga Gotoku-Reihe (aber das ist ein völlig anderes Genre), denn dort ist mir auch egal, ob ich das Spiel nur auf Englisch spielen kann. Kurz gesagt: ich mag es lieber gemütlich und will komplett abschalten können.

Aber genug von mir und meinen Eigenheiten:

Mir fällt leider immer wieder auf, dass selbst Leute in meiner Altersklasse und etwas darunter (oder sogar ältere) kaum Englisch sprechen und/oder verstehen. Das mag zwar bei Anime- und Manga-Fans nicht so stark der Fall sein, aber ich würde wetten, dass es auch in dem Bereich eine große Zahl an Leuten gibt, die mit der englischen Sprache Probleme haben.

Visual Novels sind also für viele schon direkt ein No-Go, weil man hier zwar eine große Bibliothek an Spielen zur Verfügung bekommt, diese aber fast ausschließlich nur ins Englische übersetzt werden. Natürlich hat man hier und da immer mal wieder Spiele, die auch deutschen Text bieten, aber meistens sind diese eher schlecht als recht. Dennoch finde ich es gut und vor allem interessant, dass kleine „Indie“-Visual Novels deutsche Texte anbieten, man aber bei Danganronpa, zum Beispiel, nur durch inoffizielle Fanpatches in den Genuss von deutschem Text kommt. Fanpatches sind also definitiv eine gute Sache, aber nicht wirklich Sinn und Zweck, wenn man ein Spiel im deutschsprachigen Raum veröffentlicht.

Stillstand und Rückschritte großer Entwickler

Famicom Detective Club: The Missing Heir und Famicom Detective Club: The Girl Who Stands Behind sind zwei … ich würde schon fast sagen Klassiker des Visual-Novel-Genres, welche im Jahre 1988 & 1989 auf dem Nintendo Family Computer Disk System – oder kurz Famicom – (natürlich) nur in Japan ihr Debüt feierten.
2021, also genau 33 Jahre nachdem The Missing Heir bzw. 32 Jahre nachdem The Girl Who Stands Behind erschienen sind, veröffentlichte Nintendo ein Remake im Doppelpack zu den beiden Famicom-Detective-Club-Teilen und das ganze NATÜRLICH nur auf Englisch. 59,99€, also knapp 30€ pro Titel, möchte Nintendo für dieses rein digitale Doppelpack haben, liefert aber leider keine anderen Textsprachen.

Leider gab es aber auch bei Ace Attorney in den letzten Jahren einen großen Rückschritt – so ist Professor Layton vs. Phoenix Wright – Ace Attorney mit Ausnahme der Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy, welche die deutschen Texte aus den DS-Fassungen nach großem Aufruhr der Fans nachträglich dazu gepatcht bekommen hat, leider das letzte Ace Attorney mit deutscher Übersetzung. Fans der Ace-Attorney-Reihe hofften bei der Ankündigung und beim Release von The Great Ace Attorney Chronicles auf deutsche Bildschirmtexte, wurden hier aber leider enttäuscht.

Letzte Worte

Visual Novel sind vor allem im deutschsprachigen Raum immer noch eine ziemlich große Nische und wenn man nicht gerade mit dem Thema Anime und Manga zu tun hat, wird man auch nicht viel von dem Thema und Medium „Visual Novel“ mitbekommen, was sehr schade ist. Denn Visual Novels sind nicht nur Katzenmädchen mit großer Oberweite und obszönen Szenen, sondern auch Detektiv-Abenteuer und Horror-Storys, welche auch bei Nicht-Anime-Fans Interesse wecken können.

Wenn Visual Novel also vor allem hier Fuß fassen sollen und wollen, dann muss es endlich einen Wandel geben. Fanpatches zeigen es schon: deutsche Texte werden verlangt! Nur sehen Entwickler und Publisher dies immer noch anders. Wäre Nintendo mit gutem Beispiel voran gegangen und hätte die Famicom-Detective-Club-Remakes in mehreren Sprachen veröffentlicht oder hätte Capcom nie damit aufgehört Ace Attorney zu Lokalisieren, dann wären wir definitiv schon einen Schritt weiter in die richtige Richtung gegangen. So können wir erstmal nur weiter auf deutsche Texte hoffen und müssen uns an Fanübersetzungen klammern.

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Autor: Luke

Hey! Ich bin Luke. Was VN angeht, bin eher der Gelegenheit VN-Spieler, versuche mich aber trotzdem dafür einsetzten das Publisher und Entwickler mehr Deutsche Lokalisationen rausbringen! Außerdem schaue ich mir ab und zu auch gerne Anime an. Mein Lieblings-Anime ist Neon Genesis Evangelion und viele meiner Freunde nennen mich den "NGE-Fanboy #1" (und wenn ich ehrlich bin.. Ich würde ihnen sogar zustimmen.)