The Villainess who did not reincarnate still doesn’t know of her Fate – Review

Itch.io ist ein sonderbarer Ort. Seit den paar Jahren, die es schon existiert bietet diese Seite eine Varietät an Visual Novels und anderen Indie-Spielen an, die es sonst nur auf japanischen Seiten wie DL-Site gibt. Die Qualität der angebotenen Spiele, die dort reingestellt werden variiert massiv, weshalb ein Stöbern durch diese Storefront einem keinen Erfolg verspricht. Auf Itch.io kann jeder noch so unerfahrene Dev etwas reinstellen und die Käufer bzw. Spieler dürfen dann das Spiel entweder gratis spielen, oder etwas auf freiwilliger Basis bezahlen – diese Preispolitik ähnelt dem Humble Bundle Konzept oder dem Groupees-Service.

Eine große Auswahl an Spielen und unser Villainess Spiel ist gleich ganz oben!

Bei dem Spiel, das wir uns heute anschauen, handelt es sich um das Hobbyprojekt eines befreundeten Devs. Natürlich wird unsere Bekanntschaft nichts an der fairen Bewertung zum Spiel ändern #GG – dafür steht Claus Hipp mit seinem Namen. Aufgrund dieser Freundschaft habe ich mich bereiterklärt das Spiel anderen ausstehenden Reviewcopies und Pflichtartikeln vorzuziehen.

Klast Halc ist ein kleiner japanischer Doujin-Entwickler, den wir durch eine öffentliche Anfrage sein anstehendes Spiel zu übersetzen, kennenlernen durften. Bisher ist Tensai shitenai Akuyaku Reijou wa mada Unmei o shiranai das erste Spiel des Entwicklers. Eine deutsche Übersetzung von Yours Truly hat das Spiel leider noch nicht bekommen.

Handlung

Wir schlüpfen in die Rolle von Nora, der hochwohlgeborenen Tochter der Familie Akuyaksky. Wie bei einer politischen Heirat üblich, lernt Nora das erste Mal den von ihren Eltern ausgesuchten Verlobten kennen – den 5. Prinzen des Königreichs namens Shine Norikael Karuiguy. Äußerlich ist der Prinz eine leuchtende Gestalt, aber steckt hinter der Fassade etwas Finsteres?

Am nächsten Tag findet die Eröffnungszeremonie der „Karuiguy National School of Magic“ statt und Nora bemerkt im Getümmel, dass ihr Verlobter mit einem anderen Mädchen herumturtelt: Juliana Ecodearl, die Tochter der Ecodearls. Nora hört Gerüchte, dass der Prinz ihre Vermählung abbrechen will und stattdessen mit Juliana anbandelt. Ob wir sein Casanova-haftes Verhalten akzeptieren ist dem Spieler überlassen.

Am zweiten Tag haben wir unseren unseren ersten Magieunterricht, in dem wir etwas über die sechs verschiedenen Elemente der Mage erfahren. Die Magie eines Jeden nimmt eins dieser 6 Elemente an. Dazu gehört gesagt, dass Licht und Schatten die wichtigsten Attribute sind – Yin und Yang, Gut und Böse. Wie es der Zufall so will hat Nora das Pech, dass sie Dunkelmagie anwenden kann. Viel Ansehen bringt das bei ihren Klassenkameraden nicht ein, im Gegenteil – ab sofort wird sie wegen ihrer magischen Kräfte verachtet, selbst ihr Verlobter Shine möchte sie nicht mehr zur Frau nehmen.

Wie wird sich ihre neu entdeckte Kraft auf ihr Leben und ihre Hochzeit auswirken?

Charaktere

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Trailer

The Villainess Who Did Not Reincarnate Still Doesn't Know of Her Fate - promotional video

Eigene Meinung

Die Handlungsbeschreibung scheint sehr lang, aber eigentlich sind das nur die Geschehnisse der ersten drei Szenen. Das Spiel ist mit 45 Minuten sehr kurz und ist nur ein kleiner Happen. Es ist immerhin ein spontanes No-Budget Doujin-Spiel, das Klast Halc hier entworfen hat. Auf Itch.io lässt sich das Spiel entweder runterladen oder direkt im Browser spielen, weshalb es eine nette Beschäftigung für zwischendurch ist. Die kurze Länge bietet aber keinen Stoff für ein Review, das dem üblichen Anspruch auf Ausführlichkeit unserer Seite genügt.

Die Handlung ist im Endeffekt nichts Besonderes: Es gibt die Prinzessin Nora Akuyaksky, die mit ihrem Verlobten und der Tochter der Ecodearls in einem Liebesdreieck steht. Leider gibt es absolut keinen Grund, dass wir einen der Charaktere, außer Nora, auch nur ansatzweise mögen könnten. Juliana scheint zwar von Shines Kontrolle nicht begeistert zu sein, tut aber auch nichts um sich seiner Kontrolle zu entreißen. Der Prinz selbst ist ein echter Unsympath, da er sowohl Nora betrügt, als auch ihre Dunkelmagie für Dinge, die Juliana passieren, verantwortlich macht.

Es gibt noch zwei andere Charaktere, die aber eine Rolle für die jeweiligen Endings spielen.

Erster Prinz

Der erste Prinz von Karuiguy ist ein richtiger Schönling.

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Technik

Auf den ersten Blick hab ich erkannt, dass das Spiel in Renpy gemacht wurde, die UI macht es sehr offensichtlich. Was mir als erstes auffiel war, dass das Spiel in der Ecke links einen Sprite von Nora anzeigt je nachdem wie sie auf Situationen reagiert. Solch eine Funktion hatte nichtmal das Game of the Year Lucy got Problems.
Das Feature ist in Renpy sicherlich nicht üblich und somit ein netter Zusatz. Auch lässt es Nora menschlicher und dynamischer wirken, wenn sie auf jede Situation mit einer entsprechenden Mimik antwortet.

Auch ist schön, dass die Direktintegration auf itch.io so reibungslos funktioniert. Es gibt keine Crashes, keine verlorenen Speicherdateien. Nach dem Testen fiel aber auf, dass Dateien per Browser gespeichert bleiben, aber nicht auf andere Browser übertragen werden.

Art

Dafür, dass das Spiel nur von zwei Leuten (Klast Halc & Tobiishikikaku) gemacht wurde habe ich schon dürftigeres auf itch.io gesehen. Die handelnden Charaktere sehen ihren Tropes entsprechend aus, das schöne Prinzlein, die verwöhnte Adlige etc.. Die gezeichneten Sprites heben sich eindeutig von den fotorealistischen Hintergründen ab. Da ich weiß, dass Klast gerne reist könnte es sein, dass er manche der Hintergründe sogar selbst fotographiert hat. (Nach Aussage von Klast Halc selbst, hat er einige der Hintergrundfotos in Deutschland an einem Ort, den er nicht näher benennen möchte gemacht!)

Persönlich fällt mir Juliana am wenigsten auf, während der Prinz so aussieht und sich so benimmt wie Togami Byakuya aus Dangan Ronpa. Nora gefällt mir persönlich am Besten, gerade ihre Akzente wenn sie etwas rot anläuft oder wütend wird, sind gut gesetzt.

Sound

Das ganze Spiel über wird der Title-Track wiederholt. Dieser ist eine fürstlich angehauchte Geigenmelodie. Im Verlauf des Spiels gibt es noch 3 andere Soundtracks, zwei davon werden erst nach dem ersten Durchlauf freigeschalten.

Endings

Das Spiel besitzt fünf Enden und drei Spezialenden, die freigeschaltet werden sobald man man das Spiel einmal durchgespielt hat. Alle fünf Enden haben einen Pop-Culture Twist oder Joke am Ende. Die drei Spezialenden zeigen verschiedene romantische Ausgänge, die man als Bad End, Neutral End und Good End einordnen kann. Die Routen zu den Spezialenden sind durch Asteriske gekennzeichnet.

Extramenü

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Lokalisierung

Jetzt kommen wir zumoffensichtlichen Kritikpunkt: Klast hat das Spiel selbst ins Englische übersetzt und so liest es sich auch. Im Gegensatz zu vielen Deutschen, sind viele Japaner dem Englischen garnicht oder wenig mächtig, deshalb war mir bewusst, dass das Spiel keine gute Übersetzung bekommen wird. Das ist natürlich schade, denn das japanische Writing hingegen ist fast schon überdurchschnittlich gut. Klast Halc gibt selbst zu, dass die Übersetzung nicht so gelungen ist, aber man trotzdem sein Vergnügen daran haben kann – dem kann ich zustimmen. Hätte man nur uns dafür beauftragt…

Wie dem auch sei, es ist nicht so als sei die Übersetzung unleserlich, sie ist nur sehr Engrish. Damit meine ich, dass typische Fehler zu sehen sind, die entstehen wenn ein Japaner zwar Englisch kann, es aber nicht beherrscht: Fehlende Artikel, vertauschte r’s und l’s, etc. Am offensichtlichsten fällt auf, dass unbestimmte Artikel oder Präpositionen selten bis gar nicht verwendet werden: „Oh these flowers are beautiful. I want to look them forever“ oder „I expected gardener, but who was behind me was stranger“ – beide Beispiele erinnern mich an verbalen Austausch mit anderen Japanern im Izakaya oder beim Karaoke.

Man könnte natürlich meinen, dass ich damit ein einfaches Ziel angreife, oder „low-hanging fruit“ wie unsere angelsächsischen Freunde sagen würden, aber es ist nicht so, dass ich diese Übersetzung nicht auch genießen konnte. Im Gegenteil sogar, mein Verständnis für die Schwieriegkeiten die Japaner mit Englisch haben ist um einiges größer geworden, diese Erkenntnisse kann ich definitiv im Rahmen meiner Beschäftigung an Uni oder Sprachschule mal anwenden.

Auch wenn die Übersetzung kein gängiges Englisch ist, möchte ich dennoch Klast Halc applaudieren, dass er es versucht hat. Außerdem scheint es die Leute gar nicht zu stören, denn das Feedback auf sein Spiel auf itch.io ist überwiegend positiver Natur.

Fazit

Auch wenn ich den Titel nicht verstehe, denn wo liegt der Sinn darin anzukündigen, dass das Spiel keine Revival-Isekai ist, bleibt The Villainess who did not reincarnate still doesn’t know of her Fate eine witzige Abwechslung. Die Endings, sowie die englische Übersetzung werden manchmal den ein oder anderen Lacher hervorrufen und für ein, von zwei Leuten gemachtes, Otome-Game ist es nicht übel. Weltklasse ist es aber logischerweise nicht, erwartet nicht eine VN auf dem Level von Fate oder dem angekündigten Krokodil-Uwu-Simulator Crocapoca.

Wir wünschen Klast Halc viel Glück auf seinem Weg!

Nachwort

Credits

Umfragebogen

Zu guter Letzt gibt es auf Itch.io noch eine Umfrage für Leute, die das Spiel durchgespielt haben. Dieses könnt ihr hier ausfüllen. Klast Halc wird die Antworten für seine nächsten Vorhaben zu Herzen nehmen!

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (24) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 150 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. よろしく~