The House in Fata Morgana – Dreams of the Revenants Edition beendet 2021 auf Platz 1 im Metacritic-Listing für Nintendo Switch

Kennt ihr euch mit Videospielen aus und wie diese im Internet großflächig bewertet werden? Dann wird euch bestimmt der Name Metacritic geläufig sein. Metacritic ist eine Website auf der Bewertungen von Film über Bücher bis hin zu Videospielen aggregiert und mit direkten Hyperlinks zum jeweiligen Review – plus Auszug davon – versehen werden. Daraus wird dann ein sogenannter Metascore ermittelt, eine geschützte amerikanische Bezeichnung für den Wert, der sich aus der Zusammenfassung sämtlicher mit Metacritic verbundener Rezensionen ergibt. Das Spiel, über das wir heute sprechen wollen ist Novectacles A House in Fata Morgana. Dieses Spiel konnte in der Vergangenheit nicht nur den begehrten Metascore von 100 temporär erreichen, sondern sich bis zum Ende des Jahres auch noch in den hohen 90ern halten!

Im Speziellen, geht es hier um die neue Switch-Version namens The House in Fata Morgana – Dreams of the Revenants Edition, die im März 2021 veröffentlicht wurde. Das ist eine erweiterte Version mit extra Inhalten, die im Originalspiel von 2012 nicht enthalten waren. Innerhalb des Fata-Morgana-Franchises gibt es u. A. The House in Fata Morgana – A Requiem of Innocence, diverse Sidestories und verschiedene Manga sowie Drama-CDs, die dazu beitrugen, dass Fata Morgana über die letzten Jahre eine beachtliche Fanbase aufbauen konnte.

Hatte das Spiel nicht letztes Jahr einen Metacritic-Score von 100 erreicht?

Das ist richtig. Ebendieser Zustand sorgte im letzten Jahr für ein wenig Furore. Da durch die Neuveröffentlichung für Nintendo Switch das Spiel noch mal erneut ins Rampenlicht gerückt wurde, setzten sich auch die Nischenspiel-Reviewer an ihre Rezensionen und schafften es, vor neun Monaten, mit fünf perfekten Scores, in ihren individuellen Reviews, das Spiel an die Spitze von Metacritic zu katapultieren. Damit trumpfte es eine Zeit lang über solchen Spielklassikern wie The Legend of Zelda: Ocarina of Time (99) oder Super Mario 64 (94). Dadurch wurde es tongue-in-cheek als der Ocarina-of-Time-Killer bezeichnet.

Die Reaktionen darauf

Dass ein Spiel, was viele Leute nicht als Spiel, sondern eher als interaktives Buch sehen, dieses Rating toppt, wurde von den Core-Gamern nicht gut aufgenommen. So hagelte es eine Zeit lang negativen Userscore (persönliche Nutzerbewertungen, die separat vom Metascore zusammengerechnet werden). Dazu kam eine Fülle an Kommentaren, die sich über das Spiel echauffierten, aber auch ähnlich viele, die das Spiel priesen.

Auffällig waren aber definitiv auch die „Hater“, die für das Visual-Novel-Genre nur wenig übrighatten. So wurde das Spiel teilweise mit völlig hanebüchenen Begründungen, die mit einer 0er-Wertung im Userscore garniert waren, malträtiert. Es ist anzunehmen, dies geschah wohl aus dem Wunsch dem Hype entgegenzuwirken.

Auch in Deutschland kam es gar nicht so gut an, so schrieb Erik Körner von der renommierten GamePro-Website ein Hitpiece mit dem Namen „Dieses Switch-Spiel hat einen perfekten Metascore und ist trotzdem schlecht.“, das zurecht von den Lesern für seine Indifferenz und voreingenommenen Aussagen kritisiert werden durfte. Dieser Versuch dem Hype um das Spiel zu schaden, ließ einen faden Beigeschmack von Nichtgönnertum zu.

Vielleicht sollte man einen solchen Artikel nicht damit beenden, dass Ace Attorney, DanganRonpa und Zero Escape die besseren VNs seien, wenn es anzufechten ist, dass genau diese Art Spiele gar nicht als reine VNs gezählt werden dürften …

Wie steht es heute darum?

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Heutzutage kann sich A House in Fata Morgana – Dreams of the Revenants mit immerhin einem Metascore von 96 über 10 verifizierte Reviews als Top 1 der Nintendo-Switch-Metakritiken in 2021 behaupten. Auch in der Kategorie Best All Plattforms 2021, konnte das Spiel mit 96 Punkten auf Platz 2 direkt hinter Disco Elysium: The Final Cut charten.

Aber es hat doch nur 10 Reviews! Wie unfair ist das denn gegenüber den anderen Titeln!

Ein fairer Punkt. Es hatte Glück.

Man muss aber doch mal ganz ehrlich sein: Die Leute sprechen diesen Metacritic-Reviews viel zu viel Relevanz zu. Für die meisten Visual-Novel-Fans hat der kurze Siegeszug von Fata Morgana, einer VN, die in Fachkreisen als eins der besten Werke des Mediums gepriesen wird, kurz bewirkt, dass sie sich von den Mainstream-Spielmedien positiv repräsentiert fühlten; gar anerkannt wurden – mehr aber auch nicht. Niemand glaubte, dass dadurch VNs jetzt besser als geläufige Videospiele waren, die größeren Ruhm mit sich herumtragen.

Die Core-Gamer von „richtigen“ Spielen, auf der anderen Seite, haben sich durch ihre Reaktionen als Nichtgönner entlarvt und somit dem Visual-Novel-Medium und seinen Fans leicht ins Gesicht gespuckt. Dasselbe konnte man auch teilweise in der gestrigen Reaktion auf die Ankündigung, dass Jast USA jetzt mit GoG zusammenarbeitet, beobachten. Solange Visual Novels sich in dieser Zwickmühle befinden, nicht als echte Videospiele angesehen zu werden, werden solche Situationen – wie das mit Metacritic – nicht in einem überwiegend positiven Licht stehen können. Und das ist furchtbar schade.

Autor: Hata-tan

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Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (25) und studiere Japanologie und Englisch an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Ich lese Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 180 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Nebenbei arbeite ich als QC für JAST USA und diverse Fanprojekte. よろしく~