Texthooker – Eine moderne Herangehensweise

In grauer Urzeit begab es sich, dass die Wissensdurstigen sich nach einer Methode sehnten unübersetzte Moe-Games auch mit unvollständigen Japanischkenntnissen zu bewältigen. Ein Mann namens Tyr begann seine Chronik die dies detaillierte, jedoch war der Pfad beendet, bevor die Reise überhaupt begonnen hatte.

Wie in meinem Hanahira-Review versprochen, gibt es heute eine detaillierte Beschreibung wie man mit Texthookern anfängt und andere schöne Dinge.

Mein(e) Tutorial(s) hegen keinen Anspruch darauf auch nur ansatzweise so detailliert oder so informativ zu sein wie die von Tyr es hätten sein können, jedoch kann ich andere Dinge bieten:

  1. Ich bin selbst noch (relativer) Anfänger, und habe dadurch eine viel größere Nähe zum Setup, die Probleme auf die man stoßen kann, und anderweitige Barrieren.
  2. Dadurch, dass ich nicht unbedingt der Versierteste im Fachjargon als auch im IT-Bereich bin, sind meine Ausführungen (hoffentlich) kurz und prägnant und dadurch für den Laien etwas einfacher zu verstehen.
  3. Da ich erst letztes Jahr mit dem Texthooking angefangen habe, sind die Methoden/Werkzeuge, die ich verwende auch um einiges moderner als Atlas, Translation Aggregator und andere fast prähistorische Programme.

Disclaimer

Da zurzeit sehr viel Hype um ein bestimmtes Übersetzungstool besteht, welches ich noch nicht beim Namen nennen werde, sehe ich es nötig es hier zu erwähnen.

Wenn ihr nicht die Absicht habt die japanische Sprache, Kanji oder Vokabeln zu lernen oder zumindest nach einer Methode sucht um unübersetzte Visual Novels auf Englisch oder Deutsch zu spielen, werdet ihr hier leider nicht fündig werden. Aber, meine werten mono- bis bilingualen Jünger, verlasst diesen Ort noch nicht. Eventuell kann ich euch doch überzeugen es zumindest mal auszuprobieren, sobald ihr seht, wie einfach das Hooken wirklich ist.

Shall we start?

Was sind Texthooker?

Wie schon erwähnt, werden meine Erklärungen nicht so ausführlich sein wie die von Tyr. Er macht einen ziemlich guten Job in seinem inzwischen mythisch-kanonischen Artikel die genauen Definitionen der Begriffe zu erklären, weswegen ich bei größerer Wissensgier erstmal auf diesen verweise. Kurz gesagt: Ein Texthooker ist ein Programm welches sich den Text, der in einem anderen Programm zu sehen ist schnappt und daraufhin in die Zwischenablage kopiert. Deswegen ist der Hooker selber auch nur die Grundvoraussetzung, welche uns das eigentliche Vorhaben überhaupt erst ermöglicht. Den Text als solchen benötigen wir um andere Programme damit zu füttern um in der Folge dann beispielsweise Lookups zu ermöglichen.

Was meinst du mit Lookups?

Bis zu diesem Punkt gab es zu Tyrs Methodik keinen Unterschied, ab jetzt gibt es aber Divergenzen. Holt schon mal die Mikrowellen.

In Tyrs Tutorial hat man anhand des Translation Aggregator oder anderen, funktionsgleichen Programmen den vom Texthooker kopierten Text automatisch aus der Zwischenablage in ein Fenster des TAs eingefügt, welches meistens ein bestimmtes Wörterbuch repräsentierte, einen automatisch „geparsten“ Text bekommen, d.h. die jeweiligen Satzbausteine wurden so markiert, dass sie einzeln erkennbar waren und nicht, wie im rohen japanischen Text, nur aneinandergereiht angezeigt wurden. Daraufhin konnte man über die jeweiligen Satzbausteine mit seiner Maus fahren und es wurden einem entsprechende Wörterbucheinträge angezeigt.

Ich hatte persönlich enorme Schwierigkeiten mit dieser Methode, und paradoxerweise lag das am Parsing. Mal abgesehen davon, dass es sehr hinderlich ist sich an autogeparsten Text zu gewöhnen und man sich dadurch schlechte Gewohnheiten aneignet, kann das Autoparsing auch schnell mal nach hinten losgehen und kompletten Müll ausgeben, wenn bestimmte Konjugationen oder ähnliches in der Wörterbuch-Datei nicht vorhanden sind.

Eine andere Sache, die mich unglaublich gestört hat, waren die zig Fenster, die man offen haben musste. Man siehe das Bild ganz oben, bei dem man im Translation Aggregator selbst vier Instanzen geöffnet hat, im ITH (Interactive Text-Hooker) unübersichtlichen Rotz sieht, und dann noch das Spielfenster selbst. Eventuell bin ich etwas kleinlich, aber diese Methode ist weder schön, noch effizient meiner Meinung nach. Warum kompliziert wenn es auch einfach geht?

Idealerweise hat man ab einem bestimmten Level eben jenes ausgestellt, aber ich bin der Meinung, dass man sich am besten einfach gar nicht erst daran gewöhnt, und wenn überhaupt nur mit den Instant-Lookups, also den direkten Dictionaryeinträgen, arbeitet.

„Ich wollte doch nur süße 2d-Mädchen, und jetzt noch Mondrunen…“

 

Im Grunde war dies meine kleine aber feine Einführung. Ich wollte aus Gründen der Grundsätzlichkeit nicht über spezielle Programme reden, logischerweise folgt bei der Installation jetzt meine Empfehlung an Programmen die man verwenden sollte.

Setup

Wie bereits erwähnt, fängt alles mit dem Texthooker an. Ich persönlich benutze den Textractor (32bit/64bit) von Artikash. Idealerweise ladet ihr euch das jeweils neueste verfügbare Setup herunter.

Inkedchrome_2021-04-09_02-05-41_LI
explorer_2021-04-09_02-11-30
explorer_2021-04-09_02-11-38
previous arrow
next arrow

Nachdem ihr es installiert habt, bekommt ihr einen Ordner mit zwei Unterordnern. In diesen ist jeweils ein x86- bzw. x64-Programm zu finden. In den allermeisten Fällen, vor allem bei älteren Visual Novels, werdet ihr nur die x86-Variante brauchen, da diese für 32-Bit-Programme gedacht ist. Benennt die jeweiligen .exe-Dateien idealerweise zu Textractor32 bzw. Textractor64 um wenn ihr denkt, dass dort Verwechslungsgefahr besteht.

Textractor_2021-04-09_02-18-58
Textractor_2021-04-09_02-18-51
Textractor_2021-04-09_02-19-07
Textractor_2021-04-09_02-19-30
previous arrow
next arrow

Sobald ihr das Programm startet, werdet ihr erstmal mit vier Fenstern bombardiert. Welche davon braucht man? Nur das Hauptfenster, alle anderen können weg. Nervigerweise sind dieses nicht direkt wegzuklicken, aber in der Taskbar zum Glück kein Problem. Nachdem ihr die drei Fenster „Regex Filter“, „Bing Translate“ und „Textractor“, welches nur ein grauer Kasten mit etwas Text drauf ist, geschlossen habt, klickt ihr auf „Extensions“ und löscht mit der Entf.- bzw. Delete-Taste auf eurer Tastatur – direkt rechts neben der Enter-Taste für die Laien unter euch – jeweils die „Regex Filter, Bing Translate, Extra Window“ -Plugins.

explorer_2021-04-09_02-17-43
Textractor_2021-04-09_02-20-25
Textractor_2021-04-09_02-23-06
Textractor_2021-04-09_02-19-30
previous arrow
next arrow

Die drei zusätzlichen Fenster werdet ihr auf jeden Fall nicht brauchen und falls ihr die Plugins nicht entfernt poppen diese immer wieder nach jedem Start des Programms auf. Die Gewitzten unter euch, die denken sie könnten jetzt mit Bing Translate direkt schwierigen Text in lesbares Englisch umsetzen, sage ich: Probiert es aus und merkt nach drei Wörtern was für ein Schwachsinn dabei rauskommt. Also alles raus damit.

Textractor fertig, Was nun?

Da der Textractor jetzt auf eurem System ist, fehlt jetzt logischerweise eine Visual Novel an den sich der Textractor hängen kann. Also, nachdem ihr euch von eurem Ort des Vertrauens eine japanische Visual Novel erworben habt, startet ihr diese und klickt auf „Attach to game“ und wählt die .exe, die eurem Spiel entspricht.

explorer_2021-04-09_02-27-26
explorer_2021-04-09_02-34-34
explorer_2021-04-09_02-45-03
previous arrow
next arrow

Nachdem ihr dies gemacht habt, seht ihr wie das Programm bestimmte Dinge tut und lässt, von denen ich persönlich keine Ahnung habe. Erstmal ist aber wichtig, dass es funktioniert. Falls es NICHT funktionieren sollte – sprich: eine Fehlermeldung oder ähnliches kommt – gibt es mehrere Methoden, das zu beheben. Bei Kajiri Kamui Kagura habe ich auf „Search for hooks“ gedrückt, ein paar mal in meinem Spiel rumgeklickt für eine Minute und auf einmal ging der Hook einwandfrei. Bei Demonbane hatte ich von jemandem einen funktionierenden Hookcode (H-Code) bekommen den ich dann per „Add Hook Code“ eingefügt hatte. Programmiertechnisch bin ich eine absolute Niete, eventuell frage ich irgendwann mal Tyr, ob er mir da etwas beibringen kann, ansonsten muss der Ottonormalweeb andere Methoden benutzen.

Falls ihr im Menü seid, müsst ihr erstmal ins Spiel direkt gehen, so dass man auch Textboxen oder Ähnliches zu Gesicht bekommt, wo eben Text drauf steht. Dann klickt ihr rechts oben auf das Dropdown-Menü und seht eine Auswahl an Optionen. Welche nun die Richtige ist, müsst ihr selbst herausfinden, im Zweifelsfall einfach durchklicken bis der Text, den ihr seht, 100% dem der angezeigt wird entspricht. Selbst ohne Japanischkenntnisse kriegt man das meiner Meinung nach hin.

Ist erst das richtige Fenster ausgewählt, wird der Text aus dem Spiel, der jeweils gerade angezeigt wird, konstant automatisch in eure Zwischenablage kopiert.

Schön und gut, aber was mach ich jetzt mit dem Kauderwelsch?

Da ihr jetzt den Text habt, könnt ihr theoretisch auf Jisho.org oder anderen Webseiten Wörter manuell nachschlagen, aber wir sind ja keine Barbaren. Wir benutzen die Macht der Technologie.

Wir kommen zum zweiten Teil des Setups: Yomichan

Was genau ist Yomichan? Es ist eine Browsererweiterung mit der man Instant Lookups betreiben kann, je nach Dictionary Files die man hochgeladen hat.

Zur Installation gehen wir zunächst auf die offizielle Yomichan-Seite und laden uns, je nachdem ob wir Chrome oder Firefox benutzen – Edge-Benutzer emanzipiert euch endlich – die STABLE Variante des Add-Ons und installieren diese. Nach der Installation drücken wir auf das Icon und schalten das Add-On an.

Aber bevor wir etwas damit machen können fehlen uns Dictionaries, also Wörterbücher, diese sind auf der Foosoft-Seite direkt unter dem Downloadicon für das Add-on selbst. Für Anfänger empfehle ich das „JMdict_english.zip, JMdict_german.zip, JMnedict.zip“ und „Kireicake.zip“.  Falls man jeweils nur Englisch oder Deutsch haben will ist das auch okay, aber mehr Methoden, um sich Wörter zu verbildlichen, sind nie verkehrt. „Nedict“ ist für japanische Namen gedacht und Kireicake hauptsächlich für Slang, wobei man aber sagen muss, dass es bei Kireicake und JMdict sehr viele Überschneidungen gibt, aber doppelt hält in dem Fall nun mal besser.

Wir packen am besten alle .zip-Dateien an einen Ort an dem wir sie schnell wieder finden können und navigieren zu Yomichan in die Optionen und klicken auf „Configure installed and enabled dictionaries“ gehen anschließend auf „Import“ und fügen dort jeweils die .zips der Wörterbücher ein, die wir hinzufügen wollen. Ignoriert bei mir das dritte ausgewählte Wörterbuch, ich benutze neben meinen JP>EN auch JP>JP-Wörterbücher, was ganz hilfreich bei genauen Wortdefinitionen ist. Je nachdem was für eine Priorität ihr bei den Wörterbüchern setzt, kommt dieses Wörterbuch als erstes beim Darüberhovern dran, je höher desto eher.

Inkedchrome_2021-04-09_03-18-23_LI
Inkedchrome_2021-04-09_03-18-36_LI
previous arrow
next arrow

Jetzt können wir jeglichen japanischen HTML-Text im Browser mit der Alt, Shift oder einer anderweitigen Taste, die man im Yomichan-Optionsmenü ausgewählt hat, scannen und so sehen aus welchen Kana-Bestandteilen das Wort besteht und was die Übersetzung davon ist. Außerdem kann man auch einen Soundclip zum jeweiligen Wort aufrufen. Beispielhaft hier auf YouTube der Titel von einem Video von Kimagure Cook.

„Aber wie kann ich jetzt den Text meiner VN scannnen?“

Fragt ihr euch bestimmt – jetzt kommen wir zum nächsten Add-On, das wir benötigen: „Clipboard Inserter“ – jeweils auf Chrome und Firefox wieder erhältlich. Das Add-On macht im Grunde nichts anderes als Text, den man kopiert hat, auf bestimmten formatierten Seiten einzufügen. Dementsprechend fehlt uns noch eine Seite auf der wir das tun können.

Es gibt sehr viele verschiedene Seiten, die man auswählen kann, mir persönlich gefällt aber Anacreons Seite als auch die herunterladbare Variante. Vorteile sind unter anderem, dass die Seite sich den Text auch nach dem Schließen dieser „merkt“ und solange man nicht manuell sachen rauslöscht, diese auch dort drinbleiben.

Trommelwirbel für das große Finale

Und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um zu schauen, ob alles funktioniert:

  • 1. Ihr habt euer Spiel mit Textractor gehookt, habt die richtige Line ausgewählt und mit der Maus markiert
  • 2. Ihr geht auf die Texthooker-Seite von Anacreon, drückt rechts oben einmal auf das Symbol vom Clipboard Inserter-Plugin und müsstet nun im Browser den Text eurer VN sehen.
  • 3. Mit der Maustaste drüber geschwenkt und den Hotkey gehalten können wir jetzt einzelne Wörter, die wir nicht kennen, einscannen und nachschlagen.

Voila. Das war schon das Hexenwerk

Über Anki-Integration und Anki an sich werde ich separat in einem eigenen Artikel nochmal reden, da das wohl den Rahmen sprengen würde, für die Nichtkenner unter euch, Anki ist ein Programm mit dem man Karteikarten, z.b. auch fürs Japanischlernen erstellen kann. Ansonsten hoffe ich, dass der Artikel hilfreich war und einiges an Verwirrung gelüftet hat. Es ist wirklich nicht so schwer wie man denkt.

An sich sei eventuell noch gesagt, dass ich kompletten Anfängern, die nicht mal wissen was Hiragana oder Katakana sind eher abrate, direkt mit dem Hooken anzufangen. Eventuell im Tandem mit dem Kana lernen machbar, aber nicht an sich. Ebenfalls sollten diejenigen, die wirklich wenig Vokabeln innehaben, eventuell erstmal ein Basisvokabular bzw. Grundgrammatik erlangen, bevor sie sich auf japanische Visual Novels stürzen. Hören müsst ihr auf mich natürlich nicht, ihr seid ja alle (hoffentlich) Erwachsene.

Bis zum nächsten mal, und frohes lesen.

Autor: Kayihan

Auf der Suche nach den chuunigsten Stories, zurzeit am Japanischlernen.