Spiel, Visual Novel, oder sogar Roman?

Eine interessante Entdeckung die ich gemacht hab als ich mich in den VN-Info Discord begab, war, wie in den Channels oft von „lesen“ oder „durchlesen“ und nicht von „spielen“ oder „durchspielen“ geredet wurde. Bisher hatte ich immer zunächst angenommen, dass VNs Videospiele sind, möglicherweise weil viele der VNs die ich zu dem Zeitpunkt kannte und „gespielt“ hatte, immer einen nicht insignifkanten Gameplayanteil hatten, welcher über das übliche Klicken bei der Auswahl von Routen hinausging, wie zum Beispiel Danganronpa oder die Zero Escape Reihe. Oder vielleicht weil gerade dieser Aspekt des interaktiven Storytellings beim Auswahl von Routen schon für mich entscheidet ob es ein Spiel ist oder nicht. Ich habe mal versucht das zu entwirren.

Ich unterteile unterhaltende Medien gerne in 2 Kategorien, zunächst passive Medien, sowas wie Musik, Filme, Serien oder Bücher, bei denen keine direkte Interaktion mit dem Medium oder dem Inhalt durch den Konsumenten stattfindet. Der springende Punkt hierbei ist, dass die Person die das Buch liest, oder sich den Film ansieht, oft in einen speziellen Ansichtspunkt einer dritten, betrachtenden Person hineinversetzt wird, und so sich differenzierter mit dem Material außeinandersetzen kann. Natürlich versuchen viele Autoren dies durch Charaktere und Themen mit denen sich Personen besser bzw. leichter identifizieren können, zu umgehen. Ebenso das Verwenden anderer Erzählsituationen, „ich“ anstatt „er“, oder abwechselnden Kameraperspektiven. Dies würde ich auch als klassische unterhaltende Medien bezeichnen, da schon viel länger als die 2. Kategorie existieren.

Diese bezeichne ich gerne auch als aktive Medien, darunter fallen unter anderem Spiele und, falls man sie nicht als solche zählt, Visual Novels. Aktiv, weil der Konsument selbst durch physische Interaktion, z.B. mit einem Kontroller oder einer Maus, das Spiel, und oft auch Charaktere, weiterbringen muss. Logisch betrachet ist anzunehmen, dass diese direkte Interaktion mit dem Medium den Spielenden in das Spiel versetzt, und dadurch, dass die eigenen Aktionen jene der Charaktere verursacht, die Identifikation mit dem Spiel verstärkt.

Ein weiteres Dilemma, das mich seit langem beschäftigt, und ich mir öfters den Kopf darüber zerbreche, ist, ob eine Trennlinie zwischen generischen japanischen Spielen, zum Beispiel JRPGs, und „richtigen“ Visual Novels vorhanden ist, und falls ja, wo sie liegt. Wie bereits angesprochen war meine Anfangserfahrung geprägt durch Gameplay-fokussierte VNs, nur gestehe ich, dass ich ohne äußeren Einfluss niemals daran gedacht hätte, dass Danganronpa ein Visual Novel ist, obwohl ich zu dem Zeitpunkt von Visual Novels schon wusste. Für mich war es, genauso wie Zero Escape, ein Denkspiel mit tiefer Story aus Japan. Weiterhin fällt es mir sehr schwer, zwischen einem Story-lastigen JRPG und einem Visual Novel zu unterscheiden, der Großteil der japanischen Rollenspiele die mir bisher unter die Finger gekommen sind, hatten einen sehr großen und tiefgründigen Storyanteil, zumal viele ja auch behaupten(das soll heißen es nicht unbedingt so ist), dass ein Kriterium die Entscheidungsmöglichkeit für mehrere Routen bzw. Endings ist, die nun mal auch in vielen JRPGs vorhanden sind. Wenn ich jetzt Final Fantasy erwähnen würde, würde niemand in seinen oder ihren wildesten Träumen dran denken es als Visual Novel zu bezeichnen, obwohl die Serie bekannt ist für eine sehr tiefgreifende Story und in manchen Titeln sogar mehrere Endings bietet. Ebenfalls würden die meisten solche Spiele wie Rance oder Evenicle nicht als reine JRPGs bezeichnen, sondern sogar eher dazu tendieren diese als VNs mit Gameplay zu klassifizieren. Eine Lösung für dieses Dilemma hab ich bisher nicht gefunden, außer dass japanische Spiele mit viel Story und VNs eine etwas schwammige Schnittmenge besitzen, aber es zeigt auf jeden Fall auf, dass die Grenzen von Spielen und VNs fließend sind.


Fazit:

Insgesamt behaupte ich, dass selbst wenn man eine Kinetic Novel, also ein VN mit einer Route, vor sich hat, zwar möglicherweise nicht „spielt“ aber zumindest eine aktive Erfahrung macht. Wenn man lustig ist kann man es auch anders sehen und sagen, dass der Leser eines Buchs beim aktiven Umblättern von Seiten auch die Story voranschreiten lässt.

Egal.

Jedenfalls ist dies nur ein Gedanke mit der ich die Besonderheit von Visual Novels in meinem eigenem Verstandeskomplex wahren kann.

Post Author: Kayihan Akcakoca

Moin, ich heiße Kayihan und bin auch bekannt als der Typ mit dem komischen Namen. Ich bin vergleichsweise noch ein Anfänger wenn es ums Visual Novels geht, und wünsche meinen Horizont durch das Schreiben meiner Artikel zu erweitern. Vielen Dank fürs lesen und viel Spaß noch auf der Seite :).