Review: Sono Hanabira ni Kuchizuke o – Blumig mit einer Chance von goldenem Schauer

Was passiert, wenn man eine japanische-Mädchen-Highschool, hormongesteuerte Teenagerinnen und das Wunder der Eroge-Technologie zusammen nimmt? Nun ja, die Antwort ist offensichtlich: Etwas, das so obszön und inakzeptabel klingt, dass es für Bürger der Bundesrepublik Deutschland wahrscheinlich als Straftat gelten würde, dies zu konsumieren. Trotz dessen – oder gerade deswegen – habe ich mich der Gefahr ausgesetzt und meine geschärften Japanischkenntnisse benutzt, um mich selbst zu vergewissern, was genau es mit Sono Hanabira ni Kuchizuke o, oder auch SonoHana auf sich hat.

DER YURI-ZUG HAT KEINE BREMSEN

Wer mich gut kennt, weiß nicht nur, dass ich seit kurzem Japanisch lerne, sondern auch, dass ich Hanahira, ein Yuri-Titel von Fuguriya auf Japanisch reviewt habe. Auch wenn chronologisch Hanahira nach SonoHana veröffentlicht wurde, ist es eine gute Steigerung sich SonoHana danach anzuschauen. Nicht nur ist es nur als 18+ erhältlich und somit ein waschechtes Eroge, manche würden sogar „Nukige“ sagen (dem ich zutiefst widerspreche), sondern auch die Anforderungen an das Japanisch, das man beherrschen muss, sind etwas höher als bei Hanahira zuvor. Kurzgesagt – wir haben unser Mittelschulexamen gemacht, und sind jetzt Highschooler – oder so.

Aber ich hab doch schon Abitur …

Für die, die es interessiert: Sono Hanabira ni Kuchizuke o ( その花びらに口づけを), heißt soviel wie „Kuss den Blüten“, falls ihr Probleme mit dieser Übersetzung habt, dann schreibt, egal was ihr tut, bitte keinen aggressiven Tweet an Hata oder erwähnt ihn auf Discord und erzählt ihm wie schlecht doch meine Übersetzung sei :(.

Die Jüngeren unter euch sollten sich euch gewarnt wissen etc. etc. nado nado wenn ihr des Lesens mächtig seid und den Titel gelesen habt, wisst ihr, dass wir es hier mit einem Eroge zu tun haben, im Falle von psychologischen Schäden, die durch Yuri-Überdosis und nasse Teppiche verursacht werden, haften Eltern für ihre Kinder!

Handlung

Dieser Kaffee schmeckt ein wenig … plottig

„In meiner brandneuen Schuluniform gekleidet, stand ich dort.“

Sono Hanabira ni Kuchizuke o, ab sofort abgekürzt mit SonoHana, hat einen meiner Meinung nach recht witzigen und auch subversiven Handlungsbeginn. Es fängt nämlich damit an, dass die Protagonisten Nanami Oda, welche ihren ersten Tag an der Sankt-Michael-Highschool für Mädchen(Sei Mikaeru Joshi Gakuen 聖ミカエル女子学園) im Spiel auch Mikajo genannt (da „jo“ im japanischen eine Möglichkeit ist, um das Kanji für „Frau“ 女 zu lesen), absolviert, Probleme mit der Länge ihres Rocks hat und sich deswegen beschämt in eine der abgelegenen Ecken stellt, um verzweifelt vorzugaukeln, dass sie doch anstatt eines XS einen in S hat. Unbemerkt bleibt dies nicht, denn urplötzlich stößt die Oberstuflerin Yuuna Matsubara, welche auch die vorsitzende Schülersprecherin ist, auf die einsame Nanami und hilft ihr mit ihrem Rock.

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Damsel in Distress

Ganz bezaubert von Yuuna, welche eine wahre „Ojou-sama“ ist, kann sie in den nächsten Wochen nichts anderes tun, als an sie zu denken und tritt somit auch der Schülervertretung (im englischen „Student Council“ im japanischen „Kankyou Seibi Iinkai 環境整備委員会”, was wörtlich übersetzt soviel heißt wie „Umfeldsverbesserungskomittee“) bei, um näher an Yuuna zu kommen.

Eines Tages kommt es dazu, dass Nanami ihre Sportklamotten in einem der Klassenzimmer, in denen die Schülersitzungen stattfinden, vergessen hat. Unbeirrt tritt Nanami näher und hört gedämpftes Gestöhne. Und sie sieht wie ihre Angebete mit ihren Klamotten onaniert.

UFF. Naja, also eigentlich ja gut für sie, aber trotzdem etwas beschämt und verwirrt, stellt sie Yuuna zur Rede, und beide stellen fest, dass sie ineinander verliebt sind. Nanami findet auch heraus, dass Yuuna eine sehr kindische Seite an sich haben kann, wenn es um Nanami geht, welche komplett gegenteilig zu ihrer regulären Fassade steht. Genauso kann die scheue Nanami alleine mit Yuuna auch sehr zur Tsundere werden, wenn sie mal wieder zu kindisch ist.

Im Grunde ist der Rest der Novel nicht zu sehr auf die Handlung fokussiert: Es handelt hauptsächlich davon, wie Nanami und Yuuna mit ihrer jungen Liebe klarkommen und ihre Grenzen erkunden, ohne dass jeder vom Campus davon erfährt.

Die Subversion von der ich sprach, ist natürlich, dass man seine Erwartung einer reinen, sauberen Yuri-VN, die nicht zu schweinisch ist, hegt (vor allem wenn man beide Charaktere zum ersten Mal sieht) und jene Erwartungen komplett aus dem Fenster geworfen werden, wenn man erst einmal von Yuunas perverser Seite erfährt. Herrlich.

Charaktere

 

Bei nur zwei Charakteren kann man wenig vergeigen, oder?

Und dem würde ich vollends zustimmen! Beide Charaktere sind dafür, dass sie mehr oder weniger die allerersten Heldinnen des SonoHana-Makrokosmos, der über 20 Spiele fasst, sind, sehr individuell auf ihre eigene Weise und können von der Tiefe her locker mit vielen anderen „ernsten“ Visual Novels mithalten, die es selbst bei einem Cast von 30 Figuren selten hinbekommen mehr als fünf gut ausgearbeitete Persönlichkeiten zu beinhalten. Hier gilt definitiv die Regel „weniger ist mehr“. Das ist fairerweise auch eines der Trademarks des SonoHana-Franchises. Abgesehen von ein paar Crossover-Titeln, gibt es selten mehr als 3-4 wiedererkennbare Charaktere, und diese sind dann meistens trotzdem Heldinnen aus vorigen Spielen, welche so schon tolle Hintergrundgeschichten haben.

Oda Nanami 織田 七海

Der schüchterne Grünschnabel Nanami hat sich hart angestrengt, um auf die Mikajo zu kommen. Auch wenn die Schule sehr prestigeträchtig ist, war das nicht der Hauptgrund, warum sie auf die Schule gekommen ist, sondern die schöne rotbraune Farbe der Uniformen. Irgendwie muss man ja seine Prioritäten setzen. Trotz ihrer Liebe zu der Uniform, hat sie in ihrem unermesslichen Unglück – einer ihrer Running Gags – die falsche Rockgröße zu ihrem ersten Schultag bekommen, die Arme.

Ein bisschen Naivität muss sein

Nanami ist sich manchmal nicht so richtig ihrer eigenen Attraktivität bewusst, was auch dafür sorgt, dass sie umso mehr das Liebesgeständnis von Yuuna nicht glauben kann. Wenn’s drauf ankommt, kann Nanami aber auch einen Schlussstrich ziehen, und etwas auf Yuuna böse sein, was meistens aber nicht sehr lange hält. Apropos Goldene Schauer, ihr Vorname bedeutet „Sieben Meere“ was, in Anbetracht der späteren CGs doch eher witzig ist.

Matsubara Yuuna 松原優菜

Yuuna ist die stereotypische „Ojou-sama“ (お嬢様), was soviel heißt wie „junge gehobene Dame“. Nicht nur von ihrem Aussehen her, wirkt sie wie eine europäische Prinzessin, ihr Verhalten spiegelt auch sehr viel Erhabenheit und Intelligenz wider, und sie wird deswegen an der Mikajo nahezu vergöttert. Dies, und die Hilfe die sie Nanami gab, ist der Hauptfaktor, warum sie sich in sie verliebt. Andersrum sind Zurückhaltung und leichte Tollpatschigkeit der Grund, warum Yuuna später Nanami ihre Liebe erklärt. Ihre Liebe geht sogar soweit, dass man vermuten könnte, es sei kein Zufall, dass Nanami es grade so in die Schülervertretung geschafft hat – trotz ihrer eher mittelmäßigen Noten.

Ja aber, FÜHLT man sich wie eine 1X-jährige lesbische notgeile Schülerin an einer japanischen Highschool beim Spielen?

*hust*

Musik, Artstyle und Atmosphäre

Die Aufmachung ist für die Verhältnisse sehr angemessen. Es ist ein Budget-Titel von 2006 in einem damaligen eher Nischenmarkt, und hat mit echt schönen CGs und Sprites damals wie jetzt überzeugen können.

Musik

Sono Hanabira Ni Kuchizuke Wo BGM: As Always

Die Musik ist jetzt nichts wo ich sagen würde: „DAS HÖRE ICH JETZT WÄHREND ICH MIR EPISCH MEINE VOKABELN IN ANKI GRINDE.“ oder „AUF DEN SOUNDTRACK ÜBE ICH JETZT MEINE GUILTY GEAR COMBOS!“, sondern eher, atmosphärisch sehr passend. Die Musik gibt einem einfach ein „Feel-Good“-Erlebnis, und hat absolut Wiedererkennungswert, nachdem ich jetzt schon vier der SonoHana-Spiele durchgespielt hab, bekomm ich jedes Mal, wenn ich das Menü öffne und die Hintergrundmusik höre, direkt einen Leitmotif-Moment, der mich in das richtige Mindset versetzt, um maximalen Lesespaß zu haben.

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Die Hintergründe, z.b., sind jetzt nichts Überragendes, aber dadurch, dass sie eher schlicht gehalten sind, entsteht ein gewisser Kontrast mit den doch sehr expressiven und detaillierten Gesichtern der Heldinnen-Sprites. Dies zu verdanken, haben wir dem werten Peko, auf Twitter bekannt als kani_biimu, dessen Magnum Opus ich einfach mal dreist als sein gesamtes SonoHana-Werk bezeichne. Seine Kunst hat einfach super Wiedererkennungswert, und jeder, der CG oder Sprites von SonoHana sieht, erkennt sofort welche Spielserie das ist, selbst wenn man es noch nie selber gespielt oder angerührt hat. Und mal abgesehen davon, dass die Mädchen, die er zeichnet, schon sehr kawaii かわいい sind.

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Und wieviele Mondrunen und Kanje-y brauch ich dafür jetzt?

Bekanntlich bin ich ja zurzeit gerade etwas auf einem Japanisch-(Drogen-)Trip, was mir aber natürlich nicht gleichgetan werden muss. Wenn jemand unbedingt SonoHana spielen will, dann sollte das Beherrschen der japanischen Sprache kein Hindernis sein, die englische Übersetzung von MangaGamer erfüllt, das was sie tun muss.

Aber für die COOLEN 大和魂 Jünger unter euch, denen sage ich natürlich, dass SonoHana super zum Japanisch lernen ist, vor allem wenn man vorher Hanahira gespielt hat. Auf einer Skala von 1 bis 10 wäre Hanahira eine 1/10, und die meisten SonoHana Spiele würden sich zwischen 3-4/10 ansiedeln. SonoHana hält aber nicht euer Händchen, das sei gesagt, und das ist meiner Meinung nach auch wichtig. Im Gegensatz zu Hanahira gibt es nämlich Erzähltext, welcher nicht mit Synchronisation unterlegt ist.

Das kann – vor allem als Anfänger – bestimmte Dinge sehr schwer machen. Aber genauso wenig, wie man nicht mehr Muskelmasse aufbaut, wenn man immer die gleichen Gewichte verwendet, muss man sein Gehirn halt an schwierigeres Japanisch gewöhnen, um besser zu werden. Als Schwierigkeitssprung ist SonoHana 1 also ideal.

„Aber ich, ich kann es. Und ich bin … der Einzige der es kann! Ich mach es. (Originalzitat aus dem deutschen Dub)“

Das einzige woran ich denken kann wenn ich Lights Synchronsprecher höre.

 

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Was nicht heißt, dass ihr auf bestimmte Sachen stoßen werdet, die für euch absolut keinen Sinn machen, SonoHana macht nämlich, z.B., des Öfteren Gebrauch von Sprichwörtern und Redewendungen, die euch ohne Instant-Lookup und Yomichan-Wörterbücher sehr viel Zeit kosten können. Deswegen ist SonoHana auch ideal um mit dem Anki-Card Mining anzufangen, was ich nämlich genauso getan hab. Falls ihr jemals Fragen zum verwendeten Japanisch in SonoHana habt, traut euch ruhig auf unser Discord, und stellt so viele Fragen, wie ihr wollt in unserem #learn-japanese Kanal.

Fazit

Das Ende von Kayis-Yuri-Adventures?

Natürlich nicht. Aber bevor ich dazu komme erstmal ein kurzes Fazit. Wie gut hat mir SonoHana 1 gefallen? Kann ich SonoHana 1 empfehlen? Wem kann ich SonoHana 1 Empfehlen? Was für ein Vollvolumen hat Nanamis Bl- *ehem* Fangen wir mal mit dem allerersten an.

Meine Sicht ist vielleicht etwas sehr voreingenommen, da mir Hanahira schon so sehr zugesagt hat, aber insgesamt hat SonoHana mir super gefallen, auch wenn ich eigentlich kein Mensch für VNs mit übermäßigem Ero-Content bin, fand ich ihn hier doch sehr nett, auch wenn’s mich selber nicht immer direkt anspricht.

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Empfehlen würde ich SonoHana den Leuten, die schon immer mal eine Yuri-VN ausprobieren wollten, als Industrie-Titan ist SonoHana da die richtige Anlaufstelle, und denen die Hanahira eventuell vorher gespielt und gemocht haben. Falls ihr kein Fan von 18+ Yuri-Action seid, dann ist das wahrscheinlich eher nichts für euch, aber ausprobieren schadet bekanntlich ja nicht.

Was kommt als Nächstes?

Da hab ich mir natürlich einiges überlegt, aber gut möglich ist eine Review von einem Spiel, das mir schon seit Längerem sehr zusagt, und zu dem ich mich jetzt seit ein paar Wochen aktiv hinsetze, um es durchzuspielen. Bis dahin viel Erfolg meine Brüder und Schwestern auf dem Weg der Eroberung des 日本語, und viel Spaß mit Sono Hanabira ni Kuchizuke o.

Autor: Kayihan

Auf der Suche nach den chuunigsten Stories, zurzeit am Japanischlernen.