Review: The Strongest Gamer – Let’s Play In Another World (Light Novel) spons. von SolPress

In der Welt der Visual Novels kennen sich unsere User, das heißt „Ihr“, ja schon so weitestgehend aus, deshalb wollte ich euch heute mal ein ganz anderes Thema nahelegen. Wir befinden uns jetzt im Jahre 2018 und in Japan ist seit mehreren Jahren schon der Isekai-Boom geschehen. Um es zu erklären, das Thema Isekai (Parallel/Andere Welt) ist ein sehr großes Genre, was ursprünglich aus Light Novels als Abhilfe für leicht zu erzählende, realitätsferne Stories bestand in denen der Held meist ein ordinärer Charakter ist. Doch gibt es auch eine andere Art Isekai-Erzählung, nämlich eine die versucht eine Isekai mit einem modernen Setting zu verbinden – Kurz das VRMMORPG/VRGame-Genre.

Um so einen Titel handelt es sich bei der heutigen Light Novel, die uns großzügigerweise von Xeviax, dem Boss von SolPress höchst persönlich überreicht wurde.

Strongest Gamer – Let’s Play in Another World“ ( 最強ゲーマー、異世界にて実況プレイ中)  ist eine Lightnovel, die von Shinobu Yuki verfasst wurde. In Japan besteht die Serie aus zwei Volumes und wurde 2015 und 2016 veröffentlicht. Sie ist die zweite von den parallelen Releases von SolPress – die andere ist Battle Divas. Beide Titel sind auf Englisch auf dieser Seite zu erwerben. Es gibt sie als Downloadversion über Google Play, Amazon oder auch als gelieferte Hardcoverversion. Wir haben die Novel digital erhalten über eine Mail-Freischaltefunktion. Danke, Solpress!

 

Synopsis:

Wir sehen die Geschichte aus den Augen des Protagonisten Aoi, ein Student der frisch aus seinem Studium graduiert ist und sich einen Job sucht, bei dem er weder als Einkommenssklave dienen muss, noch viel zu viel Arbeit verrichten muss. Außerdem sollte dieser Job ihn auch noch finanziell über Wasser halten, während er ein Leben als ein Hardcore-Gamer führt. Er ist so ein Hardcore-Gamer, dass er alles im Leben wie ein gigantisches Spiel behandelt, selbst die alltäglichen Dinge und das schon seit mehreren Jahren. Er ist bei der Jobsuche nicht wirklich erfolgreich, bis er auf eine Annonce stößt, die ihm imponiert, weil sie einen Grundstücksrestaurator brauchen, mit dem kleinen Zusatz, dass dieser ein Gamer sein muss. Er meldet sich bei der Firma und findet sich plötzlich in einer anderen Welt wieder in der seine Aufgabe die ist, ein Dungeonlabyrinth zu errichten aus dem der vorherige Besitzer absolut nichts gemacht hat. Nun geht er seiner Aufgabe nach ohne einen Plan oder ordentliches Werkzeug. Er bekommt nur eine 4wöchige Bewährungszeit um aus dem Verlies etwas ansehnliches zu machen. Um das zu erreichen erhält er eine Fähigkeit um Assets des Dungeons zu modifizieren. Die Welt erinnert essentiell and Minecraft, doch beherbergt auch andere Spielelemente, wie Fantasy oder Stadtbuilding etc.
Eines Tages fällt ein Mädchen, einer anderen Rasse, namens Ann in die Schlucht aus der Aoi seinen Dungeon formt und daraufhin beginnt ein großes Abenteuer für die beiden in der Gaming-Welt. Doch wird er seinen Dungeon fertigstellen?

 

Charaktere:

Aoi:

Kein Typischer NEET (Not in Employment, Education or Training), der glaubt, dass das ganze Leben ein Spiel ist. Da ihn nach dem Abschluss der Schule aber die Realität einholt, sucht er sich einen Job, der mit seinem Hobby zu tun hat. Doch sobald er in der Bredouille ist, ist er einer der hart arbeitenden, die an ihrem Ziel festhalten und das Spiel für sich gewinnen wollen. Er ist auch sehr freundlich gegenüber Ann, die ihn ja bei seiner Dungeonarbeit etwas im Weg steht.

Ann:

Ann ist ein fuchsähnliches Wesen, was eines Tages in die Schlucht fällt in der Aoi arbeitet. Sie stellt sich zuerst sehr tollpatschig an und wird mit der Zeit besser, aber Aoi schafft es trotzdem durch diverse andere Situationen nicht den Dungeon weiterzubauen. Weiterhin lädt sie ihn auch zu ihrer Familie mit ein.

 

Meinung:

Die Story beginnt mit einer recht interessanten Prämisse, da man ja nicht vermutet, dass der professionelle Gamer mal nicht in das NEET-Klischee hineinfällt, was ein relativ gutes Bild anfangs simuliert. Man erwartet, dass die Novel die Klischees des Genres bricht, doch bis auf die Tatsache, dass es mal kein Fantasy-Setting mit mittelalterlichen Kämpfen und irgendeiner bösen Bedrohung ist, macht es nicht viel neues. Der Fakt, dass man für den „Dark Lord“ den Dungeon baut, ist ein sicheres Indiz darauf, wie sehr die Novel sich doch den typischen LN Klischees bedient. Weiterhin lässt anmerken, dass der Plot des Novels sich mittendrin 3 bis 4 mal ändert, was aber einfach nur verwirrend ist. Es reicht vom simplen Minecraft-Isekai zur Kochshow und geht dann weiter über auf Amazon-ähnliches Shopping in einer anderen Welt. Totalschaden was den Zusammenhang des Plots angeht, weil keines der Settings, bzw Spielmodi, wenn man das so nennen kann, tiefgründig erforscht wird. Vielmehr ist es ein Rundumschlag über die möglichen Spieltypen, die ein VRMMORPG-ähnliches Setting annehmen kann. Warum aber nicht darauf zurückgegriffen wird die Plotdevices zu verknüpfen ist mir ein Rätsel. Wie schon angemerkt, wandert der Plot überall herum ohne eine wirkliche Richtung anzunehmen. Die Charaktere sind in Ordnung, aber werden manche aus Zwecken von Fanservice eingeführt, und sie erscheinen später gar nicht noch einmal. Das ist meiner Meinung nach verschwendetes Potential, da die Charaktere eigentlich interessant werden, wenn man sie näher beleuchtet oder ihnen eine glaubhafte Hintergrundgeschichte beigeben würde. Die Einführung des Online-Marktplatzes ist eigentlich eine interessant Idee, jemand muss man sagen, dass sie das Spiel viel zu einfach machen würde. Er bietet möglichst die richtige Lösung für ein Problem, was das Spiel dem Protagonisten aufgibt und dient als eine Art Allzwecklösung, wenn man nur genug Geld hat. Da der Hauptcharakter aber ein Allroundtalent ist, hat er natürlich keine Geldsorgen und die Herausforderungen sind nahezu lächerlich einfach zu bewältigen. Das ist der Grund, warum der Hauptcharakter die ganze Geschichte lang damit beschäftigt ist seine Taschen voller Geld zu stecken.

An sich ist es keine schlechte Novel, zumindest nicht von Standards, die man sonst von kleineren Studios erwartet. Es ist definitiv über dem Level eines typischen Isekai-Mittelalter Novels, wo man den Dark-Lord stürzen muss und es versucht auch neuere Konventionen zu entwickeln. Dies schlägt aber eher fehl im ersten Band. Ich bin gespannt, ob der zweite Band hier Abhilfe schaffen kann. Die Anzahl der VRMMORPG-typischen Statusscreens ist nicht allzu hoch, vielleicht ein, zwei pro Kapitel. Aber dafür wird zuviel Zeit damit verwendet Marktrezensionen zu lesen. Die führt dazu, dass der Plot ein wenig untergeht unter dem ganzen Trubel.

Die Übersetzung des Werkes ist SolPress-typisch nicht schlecht, man sieht, dass man sich Mühe gegeben hat, aber es gibt auch Stellen, die einfach nur voll mit Fehlern und grammatikalischen Fehlkonstruktionen sind. Es fühlt sich an mancher Stelle nicht wirklich natürlich an, auch wenn hier auf vollkommen liberales Übersetzen nicht der Fokus gelegt wurde. Es gibt gegen Ende eine Stelle, die ich jetzt spoilern muss.

Spoiler: Nonsense-Szene

Gegen Ende des Buches bei finalen Konflikt gibt es eine Szene in der der Hauptcharakter scheinbar durch den Nacken mit einer spitzen Waffe gestochen wird und in eine dornige Fallgrube fällt. Doch im nächsten Abschnitt ist der Gegner, derjenige der Schaden erlitten hat. Das sieht für mich nach extremer Fehlübersetzung aus und störte mich enorm. Es war einfach nur sinnlos und hat mir Kopfschütteln bereitet.

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Fazit:

Strongest Gamer – Let’s Play in Another World ist kein Meisterwerk, aber auch nicht so schlecht, dass man ihm ausweichen müsste. Die Charaktere sind gut in Szene gesetzt, zumindest die Hauptcharaktere und man schert sich um das Schicksal der beiden eigentlich. Die Story fühlt sich nach Slice of Life ähnlichem Setting an, aber will im Endeffekt zu viel auf einmal sein. Man hätte sich ein, zwei Settings und Spielelemente herauspicken sollen und diese näher beleuchten, bzw. die Story darum komplett herumbauen. Ein paar Twists sind ziemlich einzigartig und von einem Minecraft-ähnlichen Isekai-Setting ala Dragon Quest Builders hört man selten. Aber im Endeffekt ist es keine wirklich Meisterleistung.

5/10 – Nächstes Mal vielleicht auf einzelne Plotdevices fokussieren anstatt alles zu wollen.

Post Author: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (22) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die ~60 Visual Novels gespielt. Ich bin einer der drei Admins dieser Seite und bringe euch News, Reviews und kümmere mich um die Struktur.' よろしく~