Review: Terrible Laboratory (NSFW)

KaguraGames bringt meist gute RPG-Maker Spiele in den Westen. Das haben wir mit diversen Reviews auf VNInfo und J-List schon oft genug beweisen können. Manchmal aber bringen sie auch Spiele, die ihrer üblichen Qualität nicht gerecht werden. Bei Terrible Laboratory handelt es sich um genau solch einen Titel. Warum uns das Spiel mit der quirligen Erfinderin nicht überzeugen konnte hat viele Gründe.

Terrible Laboratory ist ein Spiel von aburasobabiyori und das erste von ihnen, dass es in unsere Breiten schafft. Eine Übersicht der Titel des Entwicklers gibt es auf DLSite. Lokalisiert durch KaguraGames am 29.März.2019. Auf Steam kostet es momentan 8.99€ und die durchschnittliche Spielzeit beträgt 3 bis 4 Stunden.

Synopsis:

Wir schlüpfen wir in die Rolle einer talentierten Tüftlerin namens Yaegaki Konica. Das blonde Mädchen ist allseits beliebt in ihrer Stadt und in ihrer Schule. Selbst im Internet wird die süße Erfinderin als Idol verehrt. Ihr größter Wunsch ist es einen Roboter zusammenzubauen und damit in der wissenschaftlichen Gesellschaft ihre verdiente Anerkennung zu bekommen. Zur Fertigstellung des Roboters benötigt sie jedoch eine massive Summe von 50 Millionen Yen, das entspricht ca. 380000 Euro und diese kann sie nur durch diverse Nebenjobs in der Stadt verdienen. Jetzt spielt jedoch ihre Beliebtheit einen Streich, denn die ganze Stadt möchte Konica an die Wäsche. Seien es konkurrierende Firmen, perverse Spanner oder raufwütige Asoziale. Selbst ihre eigenen Laborassistenten können nicht die Finger von ihr lassen.

Na wer braucht Feinde, wenn man solche Freunde hat…

Mit der Zeit wird die naive Konica immer weiter ausgenutzt und zu sexuellen Tätigkeiten gegen Geld gezwungen. Dadurch sinkt ihr Ansehen in der Stadt und die Leute werden darauf aufmerksam, wie sie auf die Schiefe Bahn gerät. Trotzdem lässt sie sich davon nicht unterkriegen und macht die perversen Spielchen der Stadtbewohner und der Arbeitgeber mit… zum Wohle ihres Laboratoriums.

Jokes on you! Die heutige Generation schaut kein TV. Das sind alles alte Säcke.

Gameplay:

Das Gameplay besteht aus dem Herumlaufen in der Stadt und optionalen Zufallskämpfen gegen Leute die Konica etwas Böses wollen und dazwischen einer Menge Porno. Nachdem der Anfang der „Handlung“ etabliert ist, lässt man Konica gleich los zur Arbeitssuche in der Stadt. In einem Dutzend verschiedener Stadtteile treffen wir NPCs an, die uns Gegenstände geben, Nebenquests auftragen oder einfach einen netten Plausch mit uns führen wollen, bei dem meist deren perverse Natur durchscheint. Es gibt ein paar kleine Gameplayelemente wie ein äußerst dürftiges Crafting-System mit dem man eigentlich nur aus Zutaten, die sich auf bestimmten Maps gegen Stamina erfarmen lassen, Items zum Erfüllen von Nebenquests herstellt.

Menü:

Gebt einem Sadisten ein Exhibitionistenspiel und das kommt bei raus…sorry not sorry?

Schauen wir uns mal das Menü an. Hier sehen wir sechs Menüpunkte, die sehr selbsterklärend sind. Viel interessanter sind die Sprüche über Konicas Charaktereigenschaften und Erfahrungen auf der rechten Seite: Diese geben euch vage Auskunft darüber, wie es um Konicas Zustand steht. Dort wird aufsummiert wie oft Konica im Verlauf des Spiels Sex hatte, wodurch sie ihre Unschuld verloren hatte sowie ihr Ansehen in der Stadt. Drei der Statusse sind eigentlich nur Kosmetik und dokumentieren etwas worüber man sowieso den Überblick verliert. Das wichtige ist aber Konicas Ansehen in der Stadt, denn dies ist ausschlaggebend dafür wie die Leute mit ihr sprechen, ob sie überhaupt Jobs angeboten bekommt oder ob Delinquenten auf sie aufmerksam werden.

Auf dem Kartenbildschirm und in den Map drin stehen auf der rechten Seite des Bildschirms die Möglichkeiten wie Konica an dem jeweiligen Ort Geld verdienen könnte.

Map nach Abschluss des Spiels. Leider muss man nach einem Playthrough neustarten und kann nicht weiter erforschen, da gewisse Orte nicht mehr zugänglich sind.

Rundenkämpfe:

Um von den Delinquenten zu sprechen, eigentlich ist der Großteil der Stadt darauf aus Konicas übermäßige Naivität vollkommen auszunutzen. Von den normalen Passanten bewundert und hin und wieder mal angemacht zu werden, gefällt ja jeder Frau irgendwo, obwohl sie es nicht zugeben mag. Knallhart von Raudis und Asozialen angegriffen zu werden ist aber tabu. Darum kann sich unsere Konica auch verteidigen. Dies findet in typischen rundenbasierten Kämpfen statt. Konica kann im Verlauf des Spiels Fähigkeiten erhalten, die es ihr einfacher machen gegen die Raudis anzukommen, aber ohne diese kann sie nur schwache Schläge ausführen.

Je weniger Runden man braucht um die Gegner kaltzustellen, desto weniger wird Konica betatscht. So ein richtige Raudis können ja nur so ein kleines Mädchen belästigen und nicht wirklich zuschlagen. Das Problem ist nur, dass wenn Konica verliert, wird sie gerne von den Bullys vergewaltigt. Darum ist es wichtig nicht zu sterben, da sonst die Reputation und Konicas Gemütszustand erheblich den Bach heruntergeht.

Sollte Konica mal umgekloppt werden, dann hilft ihre Freundin aus dem Kaffeeladen dabei ihre Reputation wieder stückweit herzustellen. Ob dies mehr als einmal klappt, weiß ich jedoch nicht. Hatte es nicht in Anspruch nehmen müssen.

Die hilfsbereite Izumi wirkt so harmlos, doch birgt sie auch ein Geheimnis..

„Crafting“ und andere Mechaniken:

Wenn ich hier von Crafting spreche, dann kann man da nicht viel erwarten. Konica kann mit bestimmten Tiles interagieren und im Austausch gegen einen Prozentsatz von Stamina Gegenstände wie Seegras oder andere Zutaten finden. Es gibt zwei Möglichkeiten, kalkuliert einen oder 10 Gegenstände zu sammeln. Hier ist aber das Problem mit der Stamina, denn wenn Konicas Stamina leer ist, dann bricht sie an Ort und Stelle zusammen und die perversen Stadtbewohner fallen über sie her, stehlen ihr Höschen oder stellen noch andere „kreative“ Belästigungen an. Aus diesen Materialien lassen sich dann im Yaegaki Laboratorium kleine Nebenquestgegenstände kaufen oder herstellen, die dann gegen Geld eingetauscht werden können.

Im Yaegaki Laboratorium können wir auch einen PC in Konicas Schlafzimmer benutzen. Damit können wir von Zeit zu Zeit nachschauen was für schreckliche Gerüchte die Bewohner und die, die sich an Konica vergangen haben, ins Netz stellen. Anfangs ist alles noch im grünen Bereich aber dann…

Wer hat sich nicht schon mal selbst gegooglet?

Ziel:

Das Ziel des Spiels es den Roboter fertigzustellen und dazu braucht man 50 Millionen Yen. Und das ist auch das Hauptziel des Spiels, denn die Fertigstellung des Roboters ist die Ending-Flag, die die Creditssequenz rollen lässt. Alles viel wichtigere, nämlich das Gameplay und der Pornoinhalt spielt sich vorher ab. Und dieser Pornoinhalt hat es in sich.

H-Content:

FBI ist gleich da.

Kommen wir zum wichtigsten Teil für den hiesigen Spieler von H-Games. Der Pornoinhalt des Spiels ist breit gefächert und in allerlei Aspekten in das Gameplay integriert. Es ist oft wirklich erstaunlich mit wieviel Detail hier die Handlungsstränge verknüpft wurden. Leider ist das alles irrelevant für die generelle Zielsetzung des Spiels, denn man kann nicht wirklich verlieren, da Verlieren in solchen Spielen, die um Exhibitionismus und öffentliche Bloßstellung zentrieren, eher ein Gewinn für den Spieler ist. Und hier liegt ein tiefliegender Zwist. Um Konicas Traum zu erfüllen braucht sie Geld – wie kriegt sie dieses Geld? Natürlich, indem sie sich nach Arbeitsstellen umschaut und diverse Botengänge und Reperaturaufgaben erledigt. Leider ist die Stadt voller Perverser und deshalb mündet eigentlich jede Aufgabe in eine H-Szene oder eine Kette aus verknüpften H-Szenen. Das wahre Ziel des Spiels ist es eigentlich alle CGs freizuschalten und um das zu gewährleisten muss man bewusst in jedes Fettnäpfchen treten, das überhaupt möglich ist. Aber Achtung! Wenn man sich seinen Ruf zu früh ruiniert, dann kriegt man keinen Job mehr und das wars mit den 100%…könnte man meinen.

Erstmal muss man sagen, dass Konica sich selbst immer treu bleibt. Egal was ihr passiert es ist ihr immer peinlich und man wird sie nur schwer „mindbreaken“ können. Das heißt aber nicht, dass Konica es irgendwann lernt einfach nein zu sagen. Je mehr Sex Konica hat desto offener wird sie, aber es wird ihr auch immer peinlicher. Es kann aber doch mal passieren, dass sie bemerkt wie sie ausgenutzt wird und so verprügelt sie dann die Spanner im öffentlichen Badehaus. Sowas führt dann aber doch wieder in die nächste Bredoullie. Egal was man macht, man sie wird nicht aus diesem Teufelskreis herausbekommen.

Ich könnte jetzt natürlich die Inhalte in eine Spoilerbox packen, aber dann wäre der Reiz des Spiels verloren. Lasst euch nur gesagt sein, dass es 65 einzelne H-Szenen gibt. Für ein Spiel von 3-4 Stunden Länge eine beachtliche Zahl.

Nur eine Auswahl der vielfältigen H-Szenen. Es wird immer perverser als ihr denkt. Szenen mit dem selben Überpunkt finden konsekutiv statt.

Meinung:

Soll ich das Spiel zerstören oder soll ich die heile Oberfläche den Spieler verarschen lassen? Diese Gedanken kreuzten mein Hirn nachdem ich den Roboter zusammengebaut hatte. Terrible Laboratory hat in vielen Bereichen erhebliche Schwächen und teilweise ist das auch, weil der Developer es dem Spieler ZU einfach machen wollte. Der H-Part ist super, aber das Gameplay ist wirklich unter aller Sau.

Woran liegt das? Es fordert den Spieler überhaupt nicht heraus, da man mehrere Quests einfach willentlich unendlich mal wiederholen kann und jedes Mal den Reward erhält. Dies wäre an sich kein Problem, aber das erstreckt sich leider nicht nur über Geldbeträge, sondern betrifft auch Statuspunktupgrades, die man an einigen Stellen im Spiel von netten Damen im Cosplay erhalten kann. Dies führt dazu, dass man einfach einen NPC 50x ansprechen könnte und schon hat man 50 Stärke oder Stamina mehr. Eine Eventlimitation hätte hier geholfen.

Aufgrund der Lokalisierung nicht nur in Japan, Konica.

Das problematische daran merkt man aber erst später im Spiel, denn diese Einfachheit scheint vom Entwickler gewollt. Ab einem bestimmten Punkt merkt das Spiel, dass man sich dem Ende des Spiels nähert und lässt einen nicht mehr zum Strand gehen wo man diese Herstellungsmaterialien über die ich früher gesprochen hatte, sammeln könnte. Stattdessen wird man zu einem Ort gesendet an dem man von jedem einzelnen Craftingmaterial sei es Seegras, Zwiebeln oder rostiges Metall 99 Stück bekommt. Damit ist es total unnötig geworden vorher sich mehrmals betatschen zu lassen damit man schnell an Zutaten bekommt um Erfindungen herzustellen, weil man am Ende alles hintergeschmissen bekommt. Äußerst schade wie sich das Spiel gameplaytechnisch selbst aushebelt.

Im Spiel gibt es auch noch einen richtigen Widersacher.  Eine feindliche Firma, die Konicas Robotergewerkel als wahre Gefahr ansieht. Infolgedessen hetzen sie Konica zuerst maskierte Perverse, die sie nackt durch die Stadt laufen lassen und im Anschluss einen riesigen Roboter auf den Hals. Dieser Boss ist unglaublich stark im Vergleich zu allem anderen im Spiel und erfordert massives Grinding und Statfarming. Aus diesem Grund sind wohl diese vorher genannten „Mängel“ Teil des Spiels. Wenn man gegen diesen Boss verliert, dann sinkt Konicas Ansehen unwiderruflich auf 0 und man kann weder Jobs annehmen, noch sprechen die Leute mit einem ohne perversen Hintergedanken. Glücklicherweise erhält man eine Warnung vor dem Boss und kann sich vorbereiten.

Das Problem mit dem Ending

Ich sagte vorher schon, dass es eigentlich schlecht ist den Roboter zusammenzubauen, da dies in solchen Spielen immer eigentlich das Bad Ending ist. In Terrible Laboratory ist es dennoch anders. Konica baut ihren Roboter fertig und gewinnt dadurch den Nobelpreis. Im Anschluss daran steigt ihre Reputation wieder auf das Höchstlevel, da man unbedingt ein Good Ending forcieren musste und egal wie sehr man sie vorher sozial ruiniert hat, sie befindet sich auf dem Weg der Besserung. Das schlimme ist aber, dass man ab diesem Punkt aber das Spiel schon durchgespielt hat. Und dies macht einem der Developer auch klar indem er die Möglichkeit offeriert alle H-Szenen auf einmal freizuschalten. Warum also nochmal spielen und die Szenen legitim freischalten?

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Visuelles und Audio:

Es ist ein RPG-Makerspiel also ist die Grafik natürlich nicht auf dem Höchststand. Es erinnert sehr an Pokemon, vorzugsweise Pokemon Trading Card Game in der Art wie die Charaktere alle kleine Laufanimationen haben. Die H-Szenen sind vielfältig aber inkonsistent zensiert. Mal hat man Mosaikzensur, an anderer Stelle nur einen weißen Streifen über der Vagina. KaguraGames konnte das Spiel aufgrund japanischer Restriktion nicht mosaiklos veröffentlichen, andere Titel dennoch schon. Es scheint also vom jeweiligen Entwickler abzuhängen.

Musikalische Untermalung ist absoluter Standard. Kein Track sticht irgendwo heraus, es ist alles generisches RPG-Gedudel mit einem leicht mechanisch/cyber-mäßigen Elektroniktwist. Im Labor spielt eine ruhige Pianomusik und alles andere habe ich schon wieder vergessen.

Leute mit Wissen von anderen Aburasobabiyori Spielen werden diverse Cameos ihrer früheren Spiele in Terrible Laboratory finden können. Hier ein Bild mit allen Charakteren, die im Spiel vertreten sind.

Der ganze Cast der Aburasobabiyori-Spiele

Fazit:

Es scheint kein Spiel zu sein von dem der Entwickler dachte, dass es für das Gameplay gespielt wird. Deshalb hat man das Gameplay so einfach gemacht, dass es einem wirklich mit allen Mitteln leicht gemacht wird die Belohnungen freizuschalten. Es gibt ein paar interessante Ansätze und Details, die mich amüsiert hatten, so wird Konica von einem Auto angefahren und der Täter gibt ihr 100000 Yen. Solch kleine Details und Dinge, die man entdecken kann finde ich sehr schön und haben mich anfangs zum Lächeln bringen können. Irgendwann artet es aber nur noch in Sadismus mit einer Prise Fremdscham aus um Konica auf alle möglichen Weisen bloßzustellen, da das Spiel einen auf diese Weise belohnt. Vielleicht wäre sowas wie ein „Pacifist Mode“ der ein Secret Ending freischaltet eine schöne Addition gewesen?

Terrible Laboratory konnte mich nicht überzeugen, da es sich anfühlt, als hätte der Dev selbst nur eine leere Hülle geschaffen um seine exhibitionistischen H-Szenen zu verpacken. Und selbst nach allem was Konica durchgemacht hatte, hat sie das nicht verdient.

Post Author: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (23) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 80 Visual Novels gespielt. Ich bin einer der drei Admins dieser Seite und bringe euch News, Reviews und kümmere mich um die Struktur.' よろしく~