Review: Oshirabu Waifus over Husbandos – Warum Waifus besser als Husbandos sind?

Oshirabu stellt uns eine spannende Frage: Sind Waifus wirklich besser als Husbandos? In Form eines Yurige wollen wir nun diese Frage beantwortet bekommen und merken, dass nur lesbisch sein nicht die Antwort sein kann. Wieso erkläre ich euch in dieser Review!

Infos zum Spiel

Das Spiel wurde von SukeraSomero entwickelt, die bisher nur die Oshirabu Spiele in ihrem Portfolio haben.

Oshirabu wurde zeitgleich für den japanischen und internationalen Markt am 28.2.2020 veröffentlicht und wird im englischsprachigen Raum von MangaGamer vertrieben. Das Spiel bietet eine Spielzeit zwischen fünf und acht Stunden bis man eines der Enden erreicht hat. Es gibt zwar verschiedene Auswahlmöglichkeiten, jedoch erscheinen diese nur drei bis vier mal im Spiel. Auch gibt es einen Adult-Patch, der weitere 5$ kostet. Dieser fügt jedoch lediglich eine zusätzliche H-Szene hinzu.

Trailer

『推しのラブより恋のラブ』 OPデモムービー

Handlung

Akuru Hayahoshi ist eine Büroangestellte und ihr geheimes Hobby sind Anime und Gatcha Games und nicht nur das: Sie ist besessen von Husbandos und zwar so sehr, dass sie ihr ganzes hart verdientes Geld in ein Gatcha Game steckt, in welchem ihr aktueller Lieblings-Husbando gezogen werden kann und das obwohl sie überhaupt kein Glück in Gatcha Games hat.

Als sie eines Tages mit ihrer besten Freundin Shino in einem Café sitzt und sie nur noch Geld für eine einzige Ziehung hat, bittet sie Ren aus purer Verzweifelung ihren letzten Zug zu machen. Als Ren wider Erwarten das Glück hat und Akurus Husbando Kohei-kun zieht, sagt Akuru eine folgenschwere Sache, als sie zu Kohei-kun spricht:

Ich will dich heiraten.

Akuru zu Kohei-Kun

Ren missversteht diese Aussage jedoch und denkt dass Aruru ihr einen Heiratsantrag gemacht hat und beginnt sich in der Folge bei ihr einzunisten …

Grafik

Das Charakterdesign wurde von DSmile-gun beigesteuert und ist allgemein recht solide. Auch die CGs sind hübsch anzuschauen und auch konstant mit ihren Spritedesign, zumindest bei dem Hauptduo.

Shino jedoch wirkt in den CGs deutlich älter und wütender als ihr Spritedesign. Was auch komplett gegen ihren Charakter spricht, da sie eigentlich eine ruhige und lockere Person ist.

Bei den Sprites, obwohl optisch durchaus gelungen, zeigt sich jedoch auch, dass hier stark gespart wurde. So besitzt jeder Charakter nur ca. 4-6 Sprites für das ganze Spiel, was sich in der Praxis jedoch als zu wenig herausstellt. So benutzen die Charaktere wenn sie glücklich sind etwa den gleichen Sprite den sie auch benutzen wenn sie beispielsweise wütend sind.

Klar, man kann zwar die Emotion der Person auch über ihre Stimmlage erfassen, aber eine visuelle Darstellung hätte es klar verbessert, gerade auch, weil andere Genrevertreter das auch machen.

Ein weiterer Punkt, der mir beim Design ein wenig bitter aufstieß, war die geringe Varianz bei den Outfits: So hat Akuru immer die gleichen Outfits an und ihre Brüste quellen förmlich aus ihrem Sprite heraus, was sicherlich Geschmackssache sein mag, mich persönlich jedoch eher störte. Ren hat ebenso wie Akuru immer dasselbe Outfit an, am stärksten macht sich die geringe Varianz jedoch bei Shino bemerkbar, denn diese trägt das selbe Outfit sowohl Innen wie auch im Freien, wodurch es sich ein wenig so anfühlt, als hätte sie lediglich einen einzigen Sprite.

Somit muss ich leider sagen, dass Oshirabu von der optischen Seite, wenngleich die Zeichenoptik durchaus zu überzeugen mag, für mich persönlich eher mäßig ist. Einige Aspekte sind zwar optisch wirklich herausragend, aber insbesondere die geringe Varianz ist etwas das starken Verbesserungsbedarf aufzeigt, was wirklich schade ist, da gerade die CGs und das eigentliche Charakterdesign (besonders das von Shino und Akuru) mich ansprechen, es jedoch aufgrund der angesprochenen Probleme nicht schaffen mich zu begeistern.

Soundtrack und Voice Acting

Der Soundtrack von Yoru ist grundsolide, jedoch wurde wie schon bei den Sprites nicht wirklich auf Quantität gesetzt. So hört man gefühlt immer nur dieselben 3 Musikstücke im gesamten Spiel, was sehr schade ist, weil gerade für mich bei einer Visual Novel auch die musikalische Untermalung sehr wichtig ist. Das Opening-Theme mit dem Titel „Love Emotion“ wurde von Suzuyu performt. An sich ein grundsolides Musikstück, welches seinen Job erfüllt, jedoch auch selbst keine Bäume ausreißt, dennoch aufgrund des geringen Soundtrack-Umfangs ein wenig das Highlight darstellt.

Die Seiyuus Yuki Nekomura (Akuru) Yuki Kitaooji (Ren) und Kirika Waou (Shino) verrichten einen soliden Job, auch wenn mir gelegentlich Rens Stimme auf die Nerven ging. Dennoch möchte ich zumindest bei der Seiyuuarbeit nichts Negatives schreiben, da keine der drei Stimmen wirklich schlecht ist.

Allgemein ist die soundtechnische Seite solide 2 nicht mehr, nicht weniger.

Persönliche Meinung

Beginnen zunächst mit den positiven Aspekten des Spiels. Ich möchte die Entwickler an dieser Stelle loben, dass die Gatchasucht sehr realistisch dargestellt wird, so hat Akuru mehrfach im Laufe des Spiels Geldprobleme, weil sie zu viel Geld für ihr Gatchaspiel ausgibt. Auch ist es zumindest teilweise den Entwicklern gelungen, die Fujoshi-Szene zu erklären, was jedoch leider in anderen Punkten (unten mehr dazu) wieder zunichte gemacht wird. Auch generell wie ein Multimedia-Franchise funktioniert haben die Entwickler gut erklärt.

So kann man unterm Strich ganz gut sagen, dass die Otakuszene in ihrer Gesamtheit sehr gut erklärt wurde und man dabei durchaus bemerkt, dass die Entwickler an dieser Stelle ihre Hausaufgaben gemacht haben oder sogar selbst in dieser Szene verwurzelt sind.

Das Writing zwischen Akuru und Shino ist sehr schön geschrieben und man merkt, dass die beiden Frauen schon lange befreundet sind, was jedoch auch für mich, hart gesagt, ein gravierendes Problem darstellt. Mehr dazu möchte ich aber erst weiter unten erläutern.

Unterm Strich waren für mich persönlich die negativen Aspekte jedoch etwas umfangreicher als die wenigen durchaus positiven.

Als Yuri-Fan finde ich ist das Szenario erst mal recht originell (eine Frau, die eigentlich nur ihr Gatchaspiel voller Husbandos spielen will, realisiert, dass sie was für Frauen empfindet), jedoch bemerkt man schon beim Setting und dem Rahmenszenario dass sich daraus auch Potenzial für Probleme beim Writing ergeben könnte.

Letztlich waren es jedoch insbesondere die Charaktere selbst, die mich am meisten störten: Akuru ist mit ihrer Husbandosucht und ihrem ständigen Gerede über Kohei-Kun auf Dauer ein wenig störend, auch wenn dies sicherlich ein Wesensmerkmal das Charakters sein soll. Hinzu kommt dass ihre Fixiertheit auf Husbandos den Yuri-Charakter des Spiels latent in Frage stellt. So endet das Spiel etwa nicht damit, dass die glücklich mit Ren eine Beziehung eingeht, sondern damit, dass sie sich über eine zerstörte Husbando-Tasse aufregt.

Ren ist leider nicht besser: So drängt sich sie ständig Akuru auf, obwohl diese mehrfach sagt, dass sie dies sich nicht möchte. Auch ihre Drama-Story gegen Ende hin vermochte mich nicht wirklich zu überzeugen. Letztlich ist es aber vor allem die Tatsache, dass ihr Charakter primär auf dem Grundsatz „Ich bin lesbisch und ich liebe dich, Akuru“ aufbaut, was es schwierig macht in dem Charakter eine besondere Tiefe zu erkennen.

Da ich persönlich ein großer Fan von Yurige und Yuri-Werken bin, möchte ich dieser Stelle auch noch einmal dediziert auf den Aspekt „männliche Charaktere in Yuri-Werken“ eingehen, da dies offensichtlich in Oshirabu eine größere Rolle zu spielen scheint.

Zunächst ist es so, dass ich persönlich kein Problem damit habe, wenn es männliche Charaktere in einem Yuri-Werk gibt, solange diese auch was zu Story beitragen und nicht nur als nervige Antagonisten oder Plotdevices genutzt werden. So hatte z.B. der Manga/Anime Bloom Into you mit Maki-kun einen guten männlichen Sidecharakter. Ebenso der Webtoon Pulse mit Renny.

In vielen Werken des Yuri-Genre findet sich häufig eine bestimmte Form von Erzählmuster, bei der ein Mann lediglich genutzt wird, damit der weibliche Charakter bemerkt, dass sie lesbisch ist. Diese gehen dann meist zu Beginn der Handlung mit diesem aus, während sich der männliche Charakter im Verlauf der Handlung als schwieriger Partner entpuppt. Hierbei handelt es sich um eine Trope, welche auch heute noch meiner Ansicht nach viel zu häufig benutzt wird, etwa als Drama-Element oder als Storybeschleuniger, mit meist einem Happy End für das lesbische Paar (Fälle, wie etwa der französische Film „Blau ist eine warme Farbe„, sind da eher noch die Ausnahme)

Sicherlich fällt das alles weg, wenn es im Endeffekt um fiktive Männer im Werk geht, aber wieso erkläre ich das trotzdem? Um klarzumachen, dass mein Problem an dieser Stelle nicht allgemein das Vorkommen männlicher Charaktere an sich ist, sondern wie ein Mann in der Story implementiert wird.

Oshirabu gelingt hier leider kein guter Wurf. So erwähnt Akuru in 5 Stunden Spielzeit gefühlt 1000-mal ihren geliebten Kohei-Kun, was ein Ausmaß darstellt, wo man sich, wie eingangs bereits erwähnt, zwangsläufig die Frage stellt, ob sie wirklich lesbisch ist.

Mein ehrlicher Gedanke ist: Ich hatte über weite Strecken des Spiels den Eindruck, dass beide in Wahrheit kein lesbisches Paar sind. Würde es da nicht einen entsprechenden Adult-Patch geben, der EINE Yuri-H-Szene in der Spiel einfügt, würde ich eher denken, dass sie mit Ren in einer WG lebt. Und selbst dabei hatte ich den Eindruck, dass sie nur Sex mit ihr hat, um nicht wieder alleine zu sein.

Als Fan von Yuri-Werken, und ich denke das wurde bereits ein gutes Stück weit deutlich, kann mich Oshirabu nicht wirklich überzeugen. Die ständige Überbetonung der Husbandos, was dem Spiel seinen Yuri-Charakter nimmt, sowie die Tatsache, dass Ren und Akuru erst in den letzten fünf Minuten des Spiels überhaupt zusammenkommen, machen das Spiel zumindest für die vermeintliche Zielgruppe nur bedingt interessant.

Auch wenn Akuru der schwächste Charakter im Spiel ist, macht Ren aufgrund ihrer fehlenden Tiefe ihren Job nicht wirklich besser. Auch die Dritte im Bunde, Akurus beste Freundin Shino, findet nicht wirklich ihre Daseinsberechtigung und rechtfertigt ihre Anwesenheit wohl leider vor allem damit, Rens Eifersucht zu triggern, was allerdings auch nur bedingt aufgeht, da Shino mehrfach klarmacht, dass sie kein Interesse an Akuru hat.

An dieser Stelle sollte man vielleicht auch den Einwurf bringen, dass Shino x Akuru wahrscheinlich eine etwas bessere Rechnung für Yuri-Fans gewesen wäre, da beide eine recht gute Chemie zu haben scheinen. Und dies meine ich keinesfalls scherzhaft: Die Interaktionen zwischen beiden war für mich ein wenig das versteckte Highlight des Spiels und eine richtige Yuri-Romanze, bei der Shino und Akuru im Mittelpunkt stehen, wäre in meinen Augen auch durchaus lesenswert gewesen.

Fazit

Was kann ich also Abschließendes sagen? Oshirabu ist ein Yurige das optisch stellenweise zu überzeugen weiß und auch von seinem grundsätzlichen Aufbau einige interessante Ideen anzubieten hat. Trotz diesen positiven Aspekten, die das Spiel sicherlich anzubieten hat, muss ich jedoch zugleich zugeben, dass mich das Spiel in der Summe nicht wirklich überzeugen konnte. Zum einen liegt das an der eingeschränkten Auswahl an Sprites und OSTs, vor allem aber auch an dem Writing, das mich nur wenig unterhalten konnte. Hierbei stieß mir insbesondere die Art wie das Yuri-Genre vermittelt wird bitter auf. Wäre ich nicht mit dem Anspruch an die Sache herangetreten anschließend ein Review zu schreiben, hätte ich das Spiel möglicherweise auch nicht vollendet.

Oshirabu wird mir daher vor allem als Spiel mit Potenzial in Erinnerungen bleiben, welches dieses Potenzial aber bei weitem nicht ausschöpfte.

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Autor: Paddy

Autor von VN.Info. Mag sehr gerne Medien, die Yuri beeinhalten. Spiele gerne ältere Videospiele und bin generell sehr interessiert an der 80-90er-Kultur. Ebenfalls großer Nanoha Fan. Mag Frauen (Waifus) mit Brillen eventuell zu sehr...