Review: My Little Sister Can’t Possibly Have a Hemorrhoid? (HemoImo) (NSFW/Loli)

FAKKU kümmert sich um die Verbreitung von Eroge? Mit schelmischen Gedanken betrachtete ich meinen Computerbildschirm, als ich 2017 von dieser Information erfuhr. Mit den kommerziell erfolgreichen Vertretern wie Nekopara, Maitetsu oder School Days trat FAKKU neben JASTUsa, MangaGamer oder Steam in den Markt ein. Sie führen aber auch unbekanntere Doujin-Eroge und dazu gehört „My little Sister can’t possibly have a hemorrhoid?“ oder auch kurz als HemoImo bezeichnet. Als Stella Polaris scherzhaft von dem Titel auf unserem Discord erzählte, konnte ich mein Lachen nicht zurückhalten. Nachdem ich den Titel lange genug ignoriert hatte, überkam mich seit letzten Freitag dennoch die Neugierde und ich musste es mir besorgen.

 

HemoImo ist ein kurzes Eroge von Amateurstudio LyricBox und das zweite Spiel aus ihrer Feder. Vor HemoImo veröffentlichten sie Burakon (Bracon! Nazusa Onee-chan no Seikatsu Hogo) und tauchten damit schon in den spärlichen Doujin-Markt der Eroge mit realer Inzestthematik ein. Nicht dieser Stiefgeschwister Schwachsinn mit dem die westliche Pornoszene versucht zu schocken. In Japan ist die Behandlung solch, aus unserer Sicht, kontroverser Themen unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit zwar gestattet, doch trotzdem könnte HemoImo im Westen ordentlich anecken. Fakku hat sich dem jedoch mit einer No-Fucks-given Attitüde entgegengestellt und so können wir den Titel  auf der FAKKU-Website exklusiv für 19,95$ erwerben und spielen. Amüsant ist es auch noch, was der FAKKU-Chef Jacob zu dem Spiel sagt…

Interessanterweise gibt FAKKU nicht einmal an, dass die Charaktere im Spiel über 18+ sind, weil es logischerweise auch der ganzen Narrative des Spiels entgegenwirken würde. Aus diesen Gründen können wir euch hier kein obszönes Bildmaterial zeigen.

Synopsis:

Dem Titel entsprechend geht es darum, dass die kleine Schwester unseres Protagonisten Atsushi mit Hämorrhoiden zu kämpfen hat. Miu kommt wehmütig zu ihrem Bruder ins Zimmer gekrochen und berichtet ihm von dem privaten „Problem“. Da wir ein guter Bruder sein wollen, helfen wir ihr natürlich aus dem Schlamassel heraus und kaufen ihr Zäpfchen in der nächstbesten Apotheke. Da sich ein kleines Mädchen wie sie leider ein Zäpfchen nicht so leicht einführen kann ist es natürlich unsere brüderliche Pflicht dem Abhilfe zu schaffen. Dies ist auch die erste sexuell angehauchte Begegnung der beiden.

Von der äußerst erotischen Tat aufgewühlt verschwindet Atsushi in seinem Zimmer und beginnt zu masturbieren. Ungünstiger Zeitpunkt, denn genau in diesem Moment bricht seine Schwester in den Raum und erwischt ihn dabei in flagranti… Miu ist der schändlichen Tat ihres Bruders jedoch nicht abgeneigt und so vertiefen sie sich immer weiter in ihre sexuellen Taten.

Als dann eines Tages klar wird, dass Miu nicht die unschuldige Schwester ist, die sie vorgibt zu sein, eskaliert die Situation und auch ihre beste Freundin wird involviert. Wie weit werden die drei gehen?

Ein scharfes Objekt sollte nicht so nahe an den Genitalien verwendet werden monkaS

Charaktere:

In HemoImo gibt es nur 3 wichtige Charaktere:

Als erstes haben wir Atsushi, den typischen, gesichtslosen Ottonormal-Hentai Protagonisten, der einfach naiv von den Weisungen und Bitten seiner Schwester in die Inzesthölle gezogen wird. Er kann eigentlich gar nichts dafür, aber wenn sich der Pfad zum Venushügel offenbart, dann geht man ihn halt. Ansonsten hat er keine besonderen Eigenschaften und ist eindimensional. Er kann kochen.

Als zweites haben wir die verruchte kleine Schwester Miu. Zuerst die Unschuld schlechthin, offenbart sie sich immer weiter als die treibende Kraft der sexuellen Eskapaden des Spiels. Als avide Leserin von Pornoheften ist sie in der Lage pornostarreifen Fellatio zu imitieren, Bondage in Karomustern zu binden und vor allem beide Geschlechter zu verführen. Sie stellt sich selbst als „bi-neugierig“ dar ist.

Zuletzt haben wir noch Kana-chan. Mit vollem Namen heißt sie Saotome Kana. Von den anderen Charakteren immer mit dem -chan Honorific betitelt, stellt sie den erwachsenen und verantwortungsvollen Counterpart zu Miu da. Die beiden sind beste Freundinnen in Körper und Geist. In Körper demnach, weil sie eine „bi-neugierige Beziehung“ miteinander haben. Sie ist eine begnadete Karateka und kann mit wenigen Schlägen Perverslinge, die nach ihren großen Brüsten lüsten, auf die Bretter schicken.

Meinung:

Willkommen in HemoImo. HemoImo ist eine oberflächliche Reise in die fiktionale, verbotene Liebe unter Geschwistern. Das Hauptszenario mit den Hämorrhoiden ist das erste von 4 seperaten Szenarios, die uns das Spiel anbietet. Nach dem Beenden eines Szenarios schalten wir nacheinander die weiteren frei.

Die anderen Szenarien

Diese anderen haben jedoch mit dem Titel nichts mehr zu tun und fallen unter das Prinzip „Omake-Content“. Im zweiten Szenario lernen wir Kana-chans und Mius lesbische Beziehung näher kennen und diese Sektion ist schon fast als Yuri zu klassifizieren. Das dritte Szenario handelt davon, dass Miu sich eine Woche lang der Masturbation enthalten hat und somit so aufgedreht und geil ist, dass sie selbst in normalen Konversationen über nichts anderes als Tatas und Chinpos reden kann. Hier in dem Kapitel wird auch klar, dass Miu in allerlei Gebieten ziemlich gebildet ist. Im vierten Szenario haben wir eine Bondage-Szene mit Kana, die von unserem Teufelchen Miu gefesselt wird. Kana wird ihr auch ihrer Jungfräulichkeit entrissen.

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Lokalisierung:

Warum verrate ich euch die Szenarioinhalte, wollt ihr wissen? Das, was das Spiel spielenswert macht sind nicht die eindimensionalen Sexszenarien, die man schon aus jedem anderen Eroge des Erdballs kennt, sondern der unterschwellig, zynische Humor mit dem die Szenen vorgetragen werden. Beim Spielen wird dem Leser auffallen, dass er desöfteren vom Redeschwall der Mädchen, nicht nur metaphorisch erschlagen wird. Die jeweilige Szenen werden viel lustiger, wenn einem ein auf den Füßen hin und her wippendes Mädchen voller Euphorie ihre tiefsten Gelüste und Fetische vorträgt. Fast schon poetisch, aber leider nur durch die Lokalisierung möglich. Das gesprochene Japanisch ist nämlich sehr flach und eintönig. Daher ist es eindrucksvoll, was der Übersetzer aus diesem eintönigen Text gemacht hat. Wenn man auf Memes und Scherze steht, dann ist HemoImo eine richtige Goldgrube. Von Shia-La-Beouf Zitaten bis hin zu „ITS FAPPENING“ ist alles dabei.

Wie man es aber an der letzten Kontroverse zu Sankaku Renai sehen kann, sind Memes in Lokalisierungen ungern gesehen. Vielleicht kriegt HemoImo aber eine Erlaubnis, da das Originalwerk auch nicht als Beispiel für Ernsthaftigkeit steht.

Sowohl Originaltext, als auch die lokalisierte Version haben beide ziemlich hilariöse Stellen. Zum Beispiel gibt es im dritten Szenario eine kurze Szene in der mehr über die internationalen CO2-Emissionen informiert wird, als es unsere deutschen Politiker je könnten. In einem Eroge zählt das schon als Next-Level Ironie. Auch wurden Witze, die sich eigentlich gar nicht übersetzen lassen sollten, ziemlich gut von CaféDX rübergebracht. So gibt es eine Sektion in der Miu von „TAA“ spricht (totally appropriate action) und das wurde einfach in „Tits and Asses“ lokalisiert und dadurch wurde der Begriff „Tatas“ etabliert, der dann im Verlauf des Szenarios weiter benutzt wird. Ich ziehe den Hut vor der Kreativität.

Zuletzt möchte ich noch für den bestmöglichen Titel beglückwünschen. Nicht nur, dass damit eine nachvollziehbare Referenz zu dem Werk Ore no Imouto wa konna ni kawaii wake de wa nai hergestellt wurde, sie klingt auch nicht fehl am Platz. Das Original „妹が痔になったので座薬を入れてやった件“ (Imouto ga Ji ni natta node Zayaku wo irete yatta ken) erklärt was im Szenario passiert, aber es fehlt einfach die humoristische Kirsche auf dem Eis. Zur Klarstellung: „Meine Schwester hat Hämorrhiden, also stecke ich ihr ein Zäpfchen hinein – Episode“ Langweilig.

H-Content:

Zur mangelnden Varietät der H-Szenen kommt, dass es keine dedizierte Anal-Szene gibt. Ein Schlag ins Gesicht für jeden der das Spiel gekauft hat um eine waschechte Painal-Szene mit Geschrei und Leid erleben zu können. Ich gehöre da nicht dazu, deshalb war es mir egal, dennoch frage ich mich was sich der Entwickler dabei gedacht hat ein Spiel über Hämorrhoiden zu kreieren und dann kein „Onii-chan, meinem Hintern gehts wieder gut, wir können es jetzt auch mal in dem anderen Loch probieren!“-Szene, zumindest als Fanservice, hinzuzufügen… aber ich schweife ab. Anales Fingern der Lesben gibt es dennoch, ist aber das ist das Äußerste.

Miu stellt sich im Laufe der Handlung als das perverseste Mädchen heraus, die die ganzen Eskapaden im Spiel lenkt. Ein klares Zeichen dafür was passiert, wenn wir unsere Pornoregale mit den FAKKU-Doujinshi nicht richtig verschließen. Kana-chan hingegen muss zu ihrem Glück gezwungen werden. Zum Glück ist Miu zur Stelle, zwingt sie zu einem Paizuri oder bindet sie zu einem ordentlichen Paket zusammen, damit sie ohne jede Gegenwehr ihre Jungfräulichkeit an den Protagonisten abgeben kann. Warum auch auf jemanden warten, den man liebt? Hin und wieder wirft das Spiel auch mal kleine Appelle an die Moral ein, dass das was man dort mit den Mädels tut, doch eigentlich illegal und abstoßend ist. Leider bleibt es nur dabei und der Protagonist ignoriert im Endeffekt jede seiner sexuellen Zurückhaltungen.

 

 

Technisches:

HemoImo hat technisch nichts zu bieten. Es ist eine kinetische Novel. Das heißt es gibt keine Auswahlmöglichkeiten. Nicht mal etwas banales wie eine Auswahl zur Platzierung des Samenergusses existiert. Es gibt keine Textboxen und auch keine Möglichkeit eine zu togglen oder das UI zu ändern. Der Text ersteckt sich immer über den gesamten Bildschirm, was auch irgendwie zur Hilariösität mancher verboser Dialoge beiträgt, aber einfach nicht gut aussieht und auch den Blick auf die verbotenen Früchte versperrt. Der Text lässt sich ad infinitum scrollen.

 

Audiovisuelles:

Das Spiel ist ein Doujin-Nukige und so sieht es auch aus. Beteiligt am Spiel war ein Artist namens Racer. Die Charaktere sehen süß aus, aber anatomisch passt vieles nicht überein. Da es jedoch Loli-Charaktere sind, kann man sagen, dass Racer zu einem der besseren Artists gehört, auch wenn er bestimmt mehr Potential hat, als er hier zum Besten gibt. An größen wie Miaow oder MUK kommt er natürlich nicht ran. Das UI ist sehr schlicht gehalten und erinnert an das Design das Azarashi-Soft für seine Eroge nutzt.

Die Font ist zumindest ähnlich!

Die musikalische Untermalung ist so basic, dass es sich gar nicht lohnt überhaupt darüber zu sprechen. Generische Pornomusik dudelt im Hintergrund und bei den Yuri-Szenen bimmelt eine Spieluhr. Da hat keiner eigens komponiert. Ich tippe auf Freetracks aus dem Netz. Darüber hinaus gibt es auch kein Opening und kein Ending Theme. Wenn ein Szenario beendet ist, fadet der Bildschirm ins Schwarze aus und man kann das nächste Szenario anwählen.

Insgesamt gibt es 20 CG-Alben mit H-Szenen.

Fazit:

Mit HemoImo hat FAKKU die Chance ergriffen ein waschechtes Lolige auf den Markt zu bringen. Das Spiel zögert nicht damit darzustellen was es ist und das soll es auch nicht. Es ist und bleibt ein Doujin-Fetischspiel für diejenigen, die sich stark der Ausübung der Kunstfreiheit verpflichtet fühlen. Es ist auf einen kleinen Markt ausgelegt. HemoImo ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich über die Jahre die Grenzen erweitert haben, welche Eroge man auf den westlichen Markt bringen kann. Das macht es aber nicht zu einer guten oder gar lesenswerten Novel.

Mit anderen Spielen ist man definitiv besser bedient und 3-4 Stunden Spielzeit für 19.99$ sind eine Frechheit von FAKKU. Einzig und allein die Lokalisierung von CafeDX, die hin und wieder einen Lacher oder ein Kopfschütteln hervorrufen konnte, hat das Spiel erträglich machen können.

 

 

 

Post Author: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (23) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 80 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. よろしく~