Review: Love Thyself – Mehr als nur ein Aprilscherz?

Vor nun 3 Jahre, am 01.04.2019, erschien Love Thyself – A Horatio Story als Aprilscherz des französischen Strategiespielentwicklers Amplitude. Hierbei handelt es sich um eine humorvolle Geschichte innerhalb einer der Kernfraktionen der Endless-Spiele. Bei den Endless-Spielen handelt es sich um rundenbasierte 4X-Strategiespiele, die in ihrem eigenen Universum angesetzt sind – einer bunten Mischung aus Sci-Fi und Fantasy.

Synopsis

Selbstverständlich, eure Hochstirnigkeit!

Du bist Horatio. Na ja, ein Horatio. Horatio ist im Universum der Endless-Spiele eine Rasse aus Klonen des originalen Horatio, des selbst ernannten perfekten Lebewesens. In dieser Visual Novel tauchst du als ein einzelner dieser Klone in die Welt der Endless ein. Erfahre das Leben eines frisch abgezapften Horatioklons an seinen ersten Tagen in der Kadettenschule. Wirst du der gehorsame Diener der großen Stirn im Himmel? Wirst du erfolgreich einen der vier einzigartig gleichartigen Horatioklone umwerben? Oder wirst du die Linie des Ungehorsams verfolgen?

Charaktere

Horatio

Einer der Klone des ursprünglichen Horatio. Ausgezeichnet durch einen großen Schädel und eine Aura der Überlegenheit.

Horatio

Einer der Klone des ursprünglichen Horatio. Ausgezeichnet durch einen großen Schädel und eine Aura der Überlegenheit.

Horatio

Einer der Klone des ursprünglichen Horatio. Ausgezeichnet durch einen großen Schädel und eine Aura der Überlegenheit.

Horatio

Einer der Klone des ursprünglichen Horatio. Ausgezeichnet durch einen großen Schädel und eine Aura der Überlegenheit.

Story

Love Thyself - A Horatio Story Trailer

Die Geschichte ist, wie man vermuten kann, sehr humorvoll und hauptsächlich für Fans des Franchises gestaltet. Innerhalb von nur 2–3 Stunden kann man jede Route des Spiels vollkommen gesehen haben. Regelmäßig kommt es zu lustigen Situationen und Innuendos über Situationen in einer Welt, in der man nur mit identischen Klonen zusammen lebt, bis man dann am Ende sogar einen der anderen Klone vollends romantisch verführen kann. Letztlich bieten die verschiedenen Routen einen spaßigen Einblick in die Situation, in der man sich befindet.

Musik und Grafik

Badezeit!

Was die Gestaltung und die Musik angeht, gibt es wohl nicht viel zu sagen; es ist alles angenehm, aber nicht besonders. Man merkt hier klar, dass es sich mehr um ein Seitenprojekt von ein paar Entwicklern handelt als um ein professionelles Spiel mit großem Budget wie bei den restlichen Spielen des Studios. Der Wechsel des Artstyles zu etwas Cartoon-angenähertem statt des klassischen, fast fotorealistischen Stils der Endless-Spiele fügt der Sache aber auch einen gewissen Charme hinzu.  

Visual Novel als Erweiterung des Endless-Universums

Auch Referenzen zu anderen Fraktionen sind vorhanden

Die Visual Novel an sich ist ein schöner, kleiner Blick in eine Welt, die man in den regulären Spielen des Franchise nur unklar durch strategische Entscheidungen beeinflusst.  Auch zeigt sie, wie ein paar Entscheidungen verknüpft mit Storytelling dem Spieler eine größere Immersion für die Spielwelt bringen können. 
Das Interessante ist, dass sich auch die Endless-Spiele und sonstige 4X-Spiele durch gewisse „Visual-Novel-Elemente“ auszeichnen, die sie dynamisch in das strategische Gameplay einbringen, um dem Spieler mehr Immersion für diese Welt zu geben. 
In Endless Legend tun sie dies zum Beispiel, indem sie pro Fraktion eine vollständige Geschichte mit mehreren wählbaren Optionen und dadurch Konsequenzen und Enden integriert haben, die einem pro abgeschlossenen Geschichtsabschnitt, den man durch bestimmte In-game-Aufgaben abschließt, Boni geben. Der Abschluss der Story führt je nachdem sogar zu einer Siegbedingung. 

In Humankind hingegen haben sie sich dafür entschieden, dynamische Events zu integrieren, bei denen der Spieler vor inhaltliche Entscheidungen gestellt wird. Diese Storyevents bringen eventuell auch Konsequenzen für den Spielablauf hinzu – ob nun positiv oder negativ. 
Genauso wie diese Integrationen in den Spielen selbst zeigt auch diese Visual Novel, wie man durch eine simple Story mit ein paar einfachen, dem Spieler überlassenen Auswahloptionen viel für das Eintauchen in ein Spieleuniversum tun kann. 

Kanon in Spielen mit dynamischem Verlauf 

Wie der Kanon von Forbidden Love wohl nach so langer Zeit aussieht?

Da sie in einem etablierten Universum angesetzt ist, stellt sich natürlich die Frage, ob die Visual Novel im weiteren Spieluniversum überhaupt kanonisch ist oder ob sie doch nur ein Witz der Entwickler – mit Referenzen zum Universum, aber ohne Konsequenz für dieses – ist.  
Die Entwickler beantworteten dies humorvoll mit: „Die ‚echte‘ Geschichte des Endless-Universums wird jedes Mal, wenn man ein neues Spiel startet, zurückgesetzt. Love Thyself: A Horatio Story positioniert sich also fest auf unserer Im-Universum-Gleitskala als ein ‚Ey Mann, wahrscheinlich‘“.

Ich finde diesen Ansatz auch gerade für Visual Novels interessant: Wieso muss es immer eine „True Route“ geben und nicht einfach Varianten der Story, die gleichwertig sind, weil es die sind, die der Spieler erlebt hat? 

Fazit

Hoffen wir doch mal, dass man hier Stolz sein kann

Love Thyself ist für eine kleine, kostenlose Visual Novel, die eigentlich als Aprilscherz veröffentlicht wurde, ein amüsantes Erlebnis – hauptsächlich natürlich für Fans des Franchises und Freunde von Witzen über sämtliche Arten von Narzissmus, Selbstliebe und Egomanie.    
Für mich stellt sie aber auch ein sehr interessantes Gedankenexperiment im Bereich des Storytellings dar und ist deshalb für mich etwas mehr als nur ein lustiger Witz.

Autor: Railgun

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Yahallo! Mein Name hier ist Railgun, sonst benutze ich aber auch gerne mal 50 andere.