Review: Loca-Love – My Cute Roommate

Es war mal wieder Zeit für ein neues Review, also haben wir von Frontwing eine Reviewcopy ihres neuen Flagschiffs „Loca-Love: My Cute Roommate“ an den Kopf geworfen bekommen. Loca-Love: My Cute Roommate, jap. Loca-Love – 同棲X後輩 ist ein Titel aus dem Hause Frontwing, der am 25.Oktober 2018 auf dem westlichen Markt erschienen ist. Beiläufig mit dem Titel wurde eine physische CD-Version des Spiels per Kickstarter gelauncht und konnte auch sein Ziel von 30000$ erreichen. Loca-Love ist ein typische Moegame, bei dem es einfach nur darum geht, vor Moe-ness zusammenzuzucken und sich schonmal zu krankenversichern, da man definitiv Diabetes bekommen wird dabei.

Wenn man sich eine Visual Novel mit dem Titel „My Cute Roommate“ vorstellt, woran denkt man da gleich? Der Titel macht schon klar worum es eindeutig geht, also war meine Erwartungshaltung jetzt nicht so ganz auf der Höhe. Mir war klar, dass Loca-Love hohe Produktionsstandards hat und Frontwing hat in der Hinsicht auch selten enttäuscht. Aber mehr ist an dem Titel auch nicht dran. Die Erwartungen werden erfüllt.

Synopsis:

Wir spielen den jungen Aoi Ichitaro, einen alleinlebenden Hochschüler, dessen Haus durch eine Explosion für eine Weile unbewohnbar wird. Ohne einen festen Platz zum Wohnen muss er nun umziehen, bis der Vermieter seine alte Wohnung wieder ordentlich hergerichtet hat. In dieser Zeit lebt er bei seiner Mitarbeiterin aus der Konditorei in der sie beide arbeiten. Der Name der süßen Heroine des Spiels ist Kojika Hiwa und sie nimmt die Position der süßen Mitbewohnerin ein. So leben sie zusammen in Hiwas Haus und betreiben eine Menge Icha-Icha Love und was man so als gemeinsame Partner so machen möchte. Eine zuckersüße Romanze a là Textbuch entbrennt. Leider vergehen wunderschöne Tage auch und schon bald tritt ein unerwarteter Umstand in das rosafarbene Leben der beiden, was sie vor eine Prüfung um den Weitererhalt ihrer Liebe stellt.

Technisches:

Loca-Love: My Cute Roommate ist eine Visual Novel ohne Entscheidungen und Routen, eine typische Kinetik-Novel und auch der erste Teil einer episodischen Reihe von Loca-Love Ablegern. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass Loca-Love noch mindestens 2 weitere Teile haben wird, die im Laufe des nächsten Jahres in Angriff genommen werden, also kann man sich konsistent auf neue Abenteuer des verliebten Paars freuen. Die CGs im Spiel und die generellen Artworks von Corona Blossom Artist „nanaca mai“ sind konsistent und wie man sie erwarten würde. Manche sind extrem lustig gezeichnet und zaubern einem ein Lächeln aufs Gesicht. Die Farbgebung und gerade der Pastelllook passt hervorragend zum Spiel und zieht einen so in diese Moewelt mit hinein. Speziell die Superdeformed CGs, die hin- und wieder in Comedysituationen auftauchen. Sounddesign ist…in Ordnung. Mir fällt perse kein Track auf der wirklich heraussticht, aber die Qualität der Stimme und der Musik ist crisp und klar und die Produktionsstandards und das Voiceacting sind außerordentlich gut. Gerade Hiwas Sprecherin Tsuruya Haruto passt gut in das Gesamtbild.

Wie man es von Frontwing gewohnt ist, gibt es auch hier wieder einen Patch, den man auf das Spiel packen muss um die Icha-Icha Situationen freizuschalten. Den Patch gibt es gratis auf der Seite von JASTUsa. Die H-Szenen sind optional und zeigen nur wie schön die beiden miteinander rummachen. Sie sind aber genauso konsistent gut und gerade das Lighting überzeugt. Der Titel funktioniert aber genauso gut ohne die H-Scenes, man verpasst keine wichtigen Lines, wenn man den Patch nicht anwenden sollte.

Das User-Interface des Spiels ist typisch Frontwing. Komplett überladen mit Buttons, Chapterskip-Buttons, 4:3 Support, Soundmodifizierungen – you name it. Alles ist da und selbst das Spiel lässt sich zweisprachig stellen (siehe Screenshots). Mit einem einfachen Klick der  J oder E-Taste, lässt sich das Spiel innerhalb von Augenblicken auf Japanisch oder Englisch stellen. Es ist absolut großartig mehr von solchen Features, die schon Titel wie Nekopara oder World End Economica für Japanischlernende oder JoPs relevant gemacht haben, in weiteren Titeln zu sehen. Das Problem mit Mehrsprachigkeit in VNs liegt daran, dass man jede einzelne Sprache extra lizensieren muss. Natürlich ist das bei Loca-Love nicht das Problem, da Frontwing ja sein eigener Publisher ist. 笑

Selbst die Kameraführung ist absolut Kami. Findet selbst heraus wieso.

Extra:

Noch anzumerken ist das kleine Extra, was Frontwing bei Ankündigung des Titels versprochen hat. Wenn man auf dem Titelbildschirm links oben in der Ecke den blauen Blob anklickt, dann spielt sich eine ASMR-induzierende Soundfile ab. Bei ASMR handelt es sich um einen neuen Trend, bei dem man in die Ohren des Hörers flüstert und auch durch verschiedene Sounds ein Kribbeln entlang der Nackenhöhe verursacht. In diesem Fall ist das „Audio-Drama“ exklusiv und hat mit den Inhalten im Spiel zu tun. Die Files sind im ogg.format, was schade ist, aber mit einem Mittelklasse-Kopfhörer sollte man keinen Qualitätsmangel bemerken. Audiophile haben natürlich etwas zu meckern.

Meinung:

Während Loca-Love nicht die Neuerfindung des Rads sein mag und auch im Bereich Innovation schwächelt, schafft es dennoch seinen Moefaktor ordentlich zu präsentieren. Im Spiel begegnen wir, da es ein episodisches Release ist, leider nur Hiwa so richtig. Es gibt noch zwei andere Klassenkameradinnen, eine davon die typische Schülersprecherin, die im Spiel angeteasert werden, aber diese haben weder H-Szenen noch ordentlich Screentime. Das ist aber auch kein Problem, denn das Spiel macht unmissverständlich klar, dass es im Endeffekt nur um die Beziehung der beiden Hauptcharaktere gehen soll. Und Hiwa ist schon ein extremes Cutie in der Hinsicht. Bei den schon vorher angesprochenen Super-Deformed CGs, die in Comedysituationen auftauchten fühlte es sich einfach so an als würde man unterschwellig zum Lachen gebracht werden wollen. So sieht man z.B ein CG in dem ein Schrank aufplatzt und Hiwa’s BH auf Aois Kopf landet und er grimmig und verpeilt dreinschaut – absolutes Comedygold diese Szene.

Aber ich will ja mehr auf die Story eingehen und dort schwächelt Loca-Love sehr, da sehr voraussehbar bleibt, was passieren wird. Ein guter Punkt ist aber, dass der Zeitpunkt nicht im Voraus zu erkennen ist. Irgendwann später im Spiel kippt die Stimmung total willkürlich und nimmt dem Leser, wie den Charakteren auch, die metaphorische rosarote Brille ab. Natürlich kann man von vorherein ausschließen, dass Loca-Love in ein NTR-Drama ausartet, das wäre persönlich der Punkt an dem ich das Spiel zerstört sehen würde, denn es wäre einfach unpassend und würde komplett brechen wofür Loca-Love bisher steht. In dem Atemzug hoffe ich, dass Frontwing dies nicht zu einem Element der späteren Teile machen möchte. Dass den beiden ein Bein in den Weg gestellt wird, wird schon in der ersten Hälfte des Spiels vorweggenommen und man stellt sich als Leser darauf ein, dass nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen sein kann. Wer hier aber eine Handlung mit vielen Ecken und Enden erwartet, der wird enttäuscht werden, da das Spiel mehr so wie eine Art Flitterwoche für Pärchen sein möchte.

Eine Schwäche, die das Spiel hat ist, dass es den Hauptcharakter nicht genügend charakterisiert. Aoi Ichitaro hat nicht wirklich Eigenschaften, die ihn besonders machen. (Mit Ausnahme, dass er leicht pervers ist – was sich auch anhand seiner inneren Narration erkennen lässt) Nach den Worten meines Studentenkollegen würde ich ihn als „Protagonist-Man“ (Quote: FantastGD) bezeichnen, was einfach eine lustige Konnotation für „Blank-Slate Protagonist“ ist. Aber wie man es von Moegames gewöhnt ist funktioniert er ja eher als Puffer zur eigenen Wunscherfüllung des selbstintegrierenden Lesers.

Probleme:

Loca-Love ist eindeutig zu kurz für den Preis, den Frontwing hier verlangt! Das ist die erste Impression die ich hatte, nachdem ich das Spiel durchexerziert hatte, doch nach ein bisschen interner Fileanalyse unseres vertrauten Programmiererbernds, haben wir herausgestellt dass Loca-Love wohl als eine Art Hub funktioniert, und man vermutlich die weiteren Episoden in den Originalbuild hineinpatcht per DLC bzw. Extra-Episoden hinzugefügt werden. Das ist natürlich alles nur Gerüchteküche, aber ich denke, dass, wenn Loca-Love in 3 oder 4 Episoden zu insgesamt 30 Euro resultiert, dann kann man da nicht wirklich meckern. Das Blöde an episodischen Releases dieser Art, was man auch schon bei Corona Blossom versucht hatte ist, dass jeder Teil für sich alleine solide sein muss. Ansonsten erhält man ein disaströses Release wie bei Solpress‘ DareSora, was ja wirklich an keinem Punkt eine Spielerschaft hatte. Ist Loca-Love denn solide? Handlungstechnisch würde ich nein sagen, denn die Story ist schon ziemlich oberflächlich. Dass man den Zeitpunkt des Twists nicht vorhersehen kann, rettet nicht, dass der Twist nicht besonders ist. Zumindest versucht das Spiel nicht eine total hanebüchene Heldengeschichte daraus zu machen, oder ganz das Genre zu wechseln, aber das hätte man optimaler lösen können.

Fazit:

Loca-Love ist ein konsistent guter, aber viel zu kurzer Titel. Man kann jetzt natürlich ausufern un Frontwing für das episodische Modell weiter kritisieren, aber ich glaube man muss die Reihe als Ganzes sehen und sollte daher den ersten Teil wie einen Teaser behandeln. Dieser Teaser schaffte es aber trotzdem mir einige Male ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern und wenn man nicht allzu viel darüber philosophieren möchte ist der Titel ein guter Happen für zwischendurch. Es ist natürlich extrem Vanilla, denn da wird nicht viel ausprobiert zwischen den beiden. Wer sowas nicht abgeneigt ist, dem wird Loca-Love gefallen und rund 5-8 Stunden beschäftigen.

(Eine Kopie des Spiels wurde uns von Frontwing aus Reviewgründen ausgehändigt)

 

 

Post Author: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (22) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die ~60 Visual Novels gespielt. Ich bin einer der drei Admins dieser Seite und bringe euch News, Reviews und kümmere mich um die Struktur.' よろしく~