Review: Hapymaher

Gut geschlafen? Willkommen zu einem neuen Review von meiner Wenigkeit. Heute beschäftigen wir uns mit dem im Juli bei MangaGamer erschienenen Hapymaher, ein Spiel von Purple Software. Hapymaher ist eine Visual Novel ohne jegliche Gameplayelemente, also eine klassische NVL mit Entscheidungen und Routen und befasst sich konzeptuell mit der Materie von luzidem Träumen, mehrlayeriges Träumen und dem Unterschied von Traumwelt und Realität. Hapymaher ist der erste Titel von Purple Software, der es in unsere Breiten schafft und ich werde im Laufe des Reviews erläutern, ob er das warten wert war oder nicht. Vornherein gesagt: Wer von Hapymaher aber dunklere Szenen, tiefgehende Stories und liebenswerte Charaktere oder gar einen interessanten Protagonisten erwartet, der wird hier enttäuscht werden.

Zunächst fange ich mal an, wie ich überhaupt an Hapymaher kam. Nachdem wir mit Evenicle fertig waren, habe ich mich umgeschaut welche Titel von MangaGamer noch mein Interesse wecken könnten und dann sah ich den Retweet von MangaGamer in dem stand, dass Hapymaher ein Spiel mit einer etwas „spookigeren“ Seite ist. Da ich persönlich ein großer Fan von Denpa, Horror und allem was da so dazugehört bin, war ich nach Sayonara wo Oshiete direkt in der Stimmung einen weiteren gruseligen Titel zu spielen. Schnurstracks hab ich mich dann erinnert, dass ich mir mal vor kurzem Hapymaher gekauft, es aber nie installiert hatte. Ich wusste nur, dass das Spiel mit dem Konzept von Träumen spielt und große Werke wie z.b Satoshi Kons „Paprika“ konnten das schon recht interessant gestalten. Leider kann jetzt schon sagen, dass wenn die Erwartungen so hoch gesetzt sind, wird nichts davon zutreffen, denn Hapymaher ist weder gruselig, noch in einer Weise psychologisch anspruchsvoll. Hapymaher ist stattdessen ein merkwürdiger Mix aus Story-basierten Traumsequenzen, Standardmoege mit Vanillasex hier und dort und Actionszenen. Das alles wird dann auf rund 25 Stunden + Charakterrouten gestreckt und fertig ist der nicht ganz so traumhafte Titel.

Synopsis:

Synopsis:

In Hapymaher schlüpfen wir in die Rolle des Tooru Naitou, der seit einer Weile von seinen luziden Träume geplagt wird. Das bedeutet, dass er sich im Schlaf bewusst wird, dass er schläft und aufgrund, dass er dies weiß schafft es sein Hirn nicht mehr nachts ruhig zu bleiben. Das führt zu einem ungesunden Schlafmangel und erst wenn er unter diesem kollabiert findet er seine Ruhe. Ein schreckliches Schicksal. Glücklicherweise wird er durch diese schwere Zeit von seiner Kindheitsfreundin Saki, die ihn aus diversen Umständen als großen Bruder bezeichnet und anderen Freunden unterstützt. Eines Nachts beginnt er von einem mysteriösen Mädchen namens Maia zu träumen. Maia war aber nicht die einzige, die zu der Zeit für ihn erscheint, denn ein unbekanntes Mädchen namens Alice taucht auf um ihn aus den Fängen von Maia zu retten.

Maia ist übrigens diejenige, die für sein Traumgefängnis und die daraus resultierende Insomnia verantwortlich ist.

Maia entgegnet darauf Tooru gegenüber mit sanfter Stimme: „Dies ist der Anfang eines fröhlichen, süßen Alptraums

Persönliche Gedanken:

Ich darf hier nicht so lang um den heißen Brei reden, deshalb sage ich es gerade heraus. Hapymaher ist schlecht.

Morisaki Ryûto (bekannt von Fate/Hollow Ataraxia oder Komorebi no Nostalgica) hat hier beim Writing bewiesen, dass er das Zeug zum totalen Hackwriter haben kann und das Spiel kommt an die üblichen Standards anderer fähiger Autoren bei weitem nicht heran. Diese harsche Meinung kommt daher, dass die Novel hat einfach sehr wenig anzubieten hat, außer einem Mix aus generischem Humor, den man schon in anderen SoL Anime in besserer Form sehen kann, sinnlose Super-Deformed Sequenzen und unpassende, aus der Vorstellung eines Kindes stammende Action-Szenen. Von den H-Szenen her kann es mich auch nicht wirklich überzeugen, da es vollständig Vanilla ist. Das Drama im Spiel ist bestenfalls Standard, und wird nochmal geschwächt, da man die Twists von sehr weitem kommen sehen kann. Eigentlich weiß man, wenn man etwas aufpasst schon anfangs wer Maia in Wirklichkeit ist und woher der Protagonist und sie sich kennen. Um dieses „Mysterium“ wenn man es so nennen kann, rankt sich dann die Common Route des Spiels und hinterlässt einen mit fragender Miene und dem „Was sollte das ganze jetzt?“. Das Spiel macht auch keinen Hehl darum, dass es innerhalb der Träume keine wirkliche Logik gibt, was ja eigentlich gut sein könnte, wäre es nur nicht so fade umgesetzt. Spannung kommt aber wirklich keine auf oder zumindest schert sich der Leser nicht wirklich darum was mit Tooru oder seinen Kommilitonen passiert. Einzig und allein Alice weckte mein Interesse anfangs.

Vielleicht sollte ich erstmal aufwickeln was Hapymaher eigentlich ist und was es sein wollte. Das ist leider unglaublich schwer, weil Hapymaher das selbst nicht weiß. Storytechnisch wirft es dem Leser sehr viele merkwürdige Elemente an den Kopf von denen keins so richtig ihre Wirkung entfalten möchte und die auch nicht miteinander zusammenpassen. Das Gefühl von Drama tritt einfach nicht ein, denn allein von der Prämisse des Spiels weiß der Leser schon, dass alles innerhalb von Träumen stattfindet – indiziert wird dies durch eine seltsame Botanik, die entsteht, sobald man sich innerhalb eines Traums befindet. Leider sind auch die Beziehung der Charaktere untereinander entweder überspitzt oder einfach unglaubwürdig. Sie unterhalten und streiten sich miteinander, aber diese Momente ändern sich von Traum zu Traum und ergeben im Großen und Ganzen wenig Sinn. Das Thema der Novel hat so viel Potential. Man hätte zum Beispiel ein Horror und Denpaspiel draus machen können, bei dem man nicht weiß was Traum und was Realität ist und was nur in der Psyche des Protagonisten stattfindet und ihn plagt… Stattdessen haben wir Szenen in denen irgendwelche Pflanzenzombieschüler auftauchen, und die Mädchen ziehen Pistolen und Raketenwerfer aus ihren Röcken und Handtaschen. In einem anderen Traum befinden sich die Charaktere in einem Schloss und müssen es infiltrieren um eine Zwangsheirat zu stoppen. Ob Traumszenario oder nicht, das ist einfach genauso albern, wie es sich anhört.

Zu den Charakteren lässt sich wenig sagen. Wir haben die beliebte und hübsche Schulsprecherin, die Kindheitsfreundin, das Schwesterchen, verliebtes, eifersüchtiges Ehepaar und alle sind irgendwie auf ihre Weise Tsundere. Und natürlich Maia, die als generische Goth-Loli ihren Platz findet. Außerdem sagt uns das Spiel nicht, wer Alice sein soll und das bleibt auch bis zum Ende des Spiels ein Mysterium. Das einzige was diese Mädchen verbindet ist, dass sie auf Naitou stehen und dass Naitou sie nachweislich allesamt als seine kleinen Schwestern sieht, die er beschützen will. (Oh, wie innovativ!). Hier  wurde klar nach Textbuch der generischen Animecharaktere gearbeitet!

Wir haben wir also ein Spiel was von Anfang an mir suggeriert, dass Naitou zwar seine Schwester knallen möchte, ihn aber moralische Bindungen zurückhalten, während die Mädchen ihn dazu zu bringen, dass Naitou seine Schwester knallt. – Inzest ahoi! (Sie sind aber nicht blutsverwandt, deshalb hält Naitou nur die freundschaftliche Bindung zusammen, dass sie zusammen aufgewachsen sind). Wir erfahren später übrigens, dass es einen tieferen Grund gibt, warum Naitou überhaupt so versessen auf Schwestern ist und diese Erkenntnis führt zu der einzigen storyrelevanten Szene, die ich als gut platziert betrachte. Ich verstehe persönlich nicht was hier falsch gelaufen ist, meinem Gefühl nach alles. Der Plot ist verwirrend und sinnlos, alles befindet sich innerhalb von Träumen und deshalb gibt es kaum Spannung, da man ja einfach wieder aufwachen könnte und alles ist vorbei. Es gibt einfach keine Bestrafung, wie z.b, dass man auf ewig in den Träumen gefangen wäre, wenn man stirbt oder, dass irgendetwas schlimmes passiert. Einfach nur pure Langeweile auf 30 bis 50 Stunden gestreckt mit einem Spiel das ist weiß was es will und einem Protagonisten mit dem selben Problem.

Jetzt die wenigen guten Sachen, die man zu Hapymaher sagen kann. Die Zeichnungen sind ziemlich ordentlich, aber nicht auf beispielsweise „Minori-Level“. Hintergründe sind oft fade Raumansichten und nicht allzu detailreich, da kenne ich besseres. Dafür glänzt das Spiel extrem mit den Charaktersprites, Outfits und der generellen Ästhetik. Speziell die Chibi-CGs zaubern einem echt ein Lächeln aufs Gesicht. Es ist nur schade, dass diese eigentlich gar nicht in einen Titel wie diesen hier gehören sondern eher in ein Moegame wie Hanasaki Work Spring oder The Ditzy Demons are in Love with me! Die Musik ist nicht wirklich speziell, aber auch nicht schlecht. Schockt mich aber nicht wirklich. Ein nettes Detail ist es, dass die Tracknamen immer in der linken oberen Ecke angezeigt werden.
Die Charaktersprites sind innerhalb der Träume unnötig sexualisiert, aber man kann nicht sagen, dass sie schlecht gezeichnet wären.(Bunny-Outfit, Yamato Nadeshiko, Alice im Wunderland)… Erwähnenswert ist noch die Mühe, die sich beim Designen der Interfaces gemacht wurde. Es gibt verschiedene Optionskästen, die man frei verschieben und personalisieren kann und das ganze Spiel ist mit der Maus steuerbar inklusive Skipping und Menuing. (siehe unten.)

Und zu den Sexszenen lässt sich nicht viel sagen. Sie sehen wunderschön aus und die Decensors, die MangaGamer hier durchgeführt hat sind absolut fehlerfrei. Tohru ist aber so ein lächerlicher Protagonist, der sich nicht mal im Traum denkt mit den wunderschönen „Schwestern“, die er hat Sex zu haben. Deshalb sind die meisten Sexszenen irgendwie erzwungen und Romanze kommt nicht auf. Damit will ich nicht ausdrücken, dass es richtige Rape-Szenen gibt, aber Tohru ist so ein Beta, dass er es nicht schafft selbst den Sex zu initiieren, egal ob er gerade mit einem Mädchen in einem Schrank feststeckt oder sie ihm morgens einen Blowjob gibt. Man kann sagen, dass die ganzen Mädchen im Spiel dem Sex positiver gestimmt sind als Tohru es ist. Man kann sagen, dass es von Toorus Seite verständliche Gründe gibt, warum er den Köder nicht nimmt und das ist, dass er Saki’s zwanglose Freundschaft nicht verlieren will und die Vergangenheit ihn verfolgt, aber der Kampf gegen seine Moral und seine Gefühle ist so lächerlich umgesetzt und im Kopf bleibt nur übrig, dass Tohru ein verklemmter Versager ist.

Kommen wir mal zu den Routen. Es gibt eine 20-Stunden lange Common-Route, in der man ein paar Entscheidungen fällen muss, die offensichtlicher nicht sein könnten. Die Wege zu den Charakterrouten sind klar gekennzeichnet. Nahtlos anknüpfend daran die Charakterrouten die größtenteils nur in Was-wäre-wenn Szenarien münden, die sich am Ende als Träume entpuppen oder nicht. „It’s all a dream“ wird hier leider zu weit gesponnen und das macht gleichzeitig das Absolvieren der Charakterrouten sinnlos, da diese nicht mal Hinweise auf das richtige Ende beinhalten. Außerdem gibt es noch die Alice-Route, die als die True Route des Spiels fungiert. Diese Route versucht das Chaos, was man als Story bezeichnen soll, nochmal zu einem ordentlichen Bild zusammen zu fügen und hat auch ein paar Szenen, weshalb es sich lohnen würde, bis dorthin zu spielen, aber es kann sein, dass man bis man dort ankommt schon keine Motivation mehr hat zu lesen. Die Route muss mit dem Spieler“klicken“ und bei mir hat es das nicht getan, äußerst schade.

Alice Ending

Ich meinte zwar, dass Alices Route einen Einfluss auf das Chaos von Story nimmt, aber das meinte ich nicht, dass das per se gut ist. Alice ist ein mysteriöses Mädchen von dem man anfangs nicht weiß, wie sie mit den Protagonisten in Verbindung steht und auch nicht, wie sie überhaupt in die Träume der anderen gelangt, da sie ihre Gründe und Methoden nie enthüllt. Hier pullt Hapymaher einen Twist, der so schrecklich und unpassend ist, dass er mich rasend gemacht hat. Aus urplötzlichen Gründen lässt Naitou alle Bekanntschaften mit seinen Freunden und „Schwestern“ fallen und Alice wird das Mädchen für das er sich am meisten einsetzt (Ist ja auch ihre Route). Aber dann gerät Alice in reale Schwierigkeiten und er entschließt sich sie auch im wahren Leben beschützen zu wollen. Und wie will er das bewerkstelligen? Durch Traum-Zeitreisen!!

Das ganze Spiel über finden die Action und Mysterymomente hauptsächlich innerhalb der Träume statt und urplötzlich entsteht der Twist, dass es auf einmal übernatürliche Kräfte gibt, die auch die reale Welt beeinflussen können. Nope, das kann ich so nicht annehmen… Totaler Nonsense und überschreibt die halbherzige Message, die Hapymaher erzählen sollte. Aber nachdem ich meine Meinung über das Spiel mit anderen Leuten diskutiert habe, kam ich zu dem Schluss, dass es von Spieler zu Spieler unterschiedlich ist, wie man dieses Ende wahrnimmt. Ich mochte es nicht.

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Fazit:

So leid es mir tut, aber ich würde Hapymaher absolut nicht empfehlen. Der Preis von 45 Euro ist viel zu hoch für das was man bekommt, wenn man von reinen Visuals absehen mag. Bei Evenicle hatte man immerhin ein spaßiges Gameplay und den ein oder anderen herzhaften Lacher, aber hier kriegt man einen Titel der nicht weiß was er sein will und es auch nicht klarmachen kann. Hapymaher ist einer der wenigen Titel bei denen man nur den H-Szenen wirklich aufwachen sollte. Der Rest ist einschläfernd und ich hoffe, dass ihr während diesem Schlaf was besseres träumen könnt.

4/10 This game left me unhapy. So why was it supposed to be a Hapymaher?

Post Author: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (22) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die ~60 Visual Novels gespielt. Ich bin einer der drei Admins dieser Seite und bringe euch News, Reviews und kümmere mich um die Struktur.' よろしく~