Review: Hanahira (はなひらっ!) – Wie war das nochmal mit den Bienchen und den Blümchen?

Wie man eventuell gemerkt hat, hab ich schon seit längerem keine Artikel mehr veröffentlicht, geschweige denn Reviews. Warum hat natürlich viele Gründe, unter anderem, dass ich keine VNs gespielt bzw. gelesen habe, die meiner Meinung nach eine Review verdient hätten, dass ich schlichtweg einfach nicht die Zeit dafür gefunden hab, oder vielleicht auch weil ich viel damit beschäftigt war Kenntnisse im japanischen zu „Akquirieren“. Oder ich hatte einfach keine Lust. Wohl eher Letzteres.
Ohne viel Geplänkel also, packt eure Glossarseite aus, schnappt euch ’nen warmen Kakao und genießt Ostern mit meiner Review zu Hanahira.

Warum gerade Hanahira?

Ihr werdet euch wahrscheinlich denken warum gerade ich, der Chuunimancer Stufe 20, Hanahira reviewt, ein Slice of Life Yurige mit Charakteren so zuckersüß, dass man sich lieber mal auf Typ-2 Testen lässt. Nun ja, es hat einen ganz einfachen Grund, ohne jenen ich dieses Spiel wahrscheinlich nie angerührt hätte:

Ihr seht schon recht, ich hab es auf Japanisch gecleared. Zwar mit externer Hooking-Hilfe (Artikel dazu kommt noch irgendwie hab ich mal gehört), aber trotzdem im Alleingang nur mit der Macht meines in den letzten Monaten erarbeiteten Vokabulars und Grammatikkenntnissen, bei denen ich mir natürlich selbst rausnehme mir auf die Schulter zu klopfen. Wenn man in den „Kennerkreisen“ unterwegs ist, weiß man natürlich, dass Hanahira keine besonders schwere VN im Bezug auf die benötigten Japanischkenntnisse ist, trotzdem ist diese Hürde bewältigt zu haben schon ein Riesenschritt. Wenn ich mir sowas wie Soukou Akki Muramasa, Kajiri Kamui Kagura, Subarashiki Hibi ~Furenzoku Sonzai~ oder Tsui no Sora vorgenommen hätte, dann hätte ich um einiges länger gebraucht – zwar nicht unmöglich, aber einfach durch das nicht vorhandene Vokabular an Fachbegriffen exorbitant schwerer.

Allgemeines

Bevor ich mich aber weiter ins Rampenlicht stelle, geht es heute vor allem um Hanahira, ein von Fuguriya in 2010 veröffentlichtes All-Ages Yuri-Spiel, welche vor allem für ihre SonoHana Erogeserie bekannt sind. Vom Stil her ist Hanahira recht ähnlich, es hat jedoch einen gewissen Spinoff-Charakter an sich. Zum einen sind die Charaktere die vorkommen in keinem anderen Spiel vorhanden, jedoch ist die Ausgangssituation mit einem All-Female Cast und romantischen Beziehungen zwischen diesen absolut an SonoHana angelehnt.

Etymologie (Wortherkunft)

Ein interessanter Gedankenblitz, der mir beim Schreiben dieser Review gekommen ist: Der Titel „Hanahira“ ist auch eine sehr offensichtliche, aber auch recht nuancierte Referenz zu den SonoHana-Teilen. Genießt meine gedanklichen Ergüsse natürlich mit etwas Skepsis, direkt hab ich keinen deswegen gefragt, und Quellen hab ich auch keine mir herausgesucht.
Vorneweg ist der ganze Titel von „Sono Hanabira ni Kuchizuke wo“ grob übersetzt sowas wie „Küssen der Blütenblätter“ oder so ähnlich. Dass Blumen oft auch gerne mal mit Frauen oder deren primären Geschlechtsorganen allegorisiert werden ist ja kein Geheimnis. Was „Blütenblätter“ hier aber impliziert ist natürlich eine gewisse Art „Reife“, die jene Blumen schon erreicht haben, was ja auch im Spiel stimmt, da die Charaktere in SonoHana fast junge Erwachsene (Highschooler) sind und somit „Aufgeblüht“, passenderweise ist der Inhalt dieser Reihe auch nicht All-Ages sondern 18+ im Original.

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Der Titelbildschirm von SonoHana auf dem man den japanischen Titel
"その花びらにくちづけを” Sehen kann

Auf der Kehrseite bedeutet „Hanahira“ höchstwahrscheinlich von „Hanahiraku“: Das Blühen oder wörtlich „Öffnen der Blume“. Wenn man den Gedanken fortführt, hat der Prozess des „Blühens“ ja erst angefangen, bzw. sind noch keine Blütenblätter vollständig entwickelt. Die detailreiche Analogie zur spezifischen Region der Frau spar ich mir für den Artikel, aber auch allgemein in der „Reife“ sind die Charaktere in Hanahira im Vergleich zu den fast Erwachsenen in SonoHana eher kindlich bis kindisch in ihrem Alter und ihrem Verhalten. Dazu kommt, dass die Visual Novel keinerlei Ero beinhaltet und somit All-Ages ist.

Eventuell denke ich zu viel drüber nach und die Benennung erfolgte viel wahlloser oder mit anderen Begründungen, aber wen interessiert’s überhaupt was für Intentionen der Autor hatte?

Bedecke deinen Himmel Zeus!

Aufbau der Visual Novel

Hier haben wirs im Grunde mit einem recht normalen ADV-Game von der Präsentation her zu tun. Interessant ist es zu sagen, dass fast der gesamte Text (99%) eingesprochen ist, d.h. es gibt bis auf ein paar Ausnahmen keine „Narration“ oder nicht vorgelesenen Text. Das ist für Japanischlernende vor allem interessant und macht die ganze Sache um einiges leichter, da man im Zweifelsfall bestimmte Lesearten von Kanji oder Vokabeln einfach nicht im Kopf hat. Wenn man (noch) keinen Texthooker benutzt, ist sowas auch ne super Sache, da man auch ohne Vorkenntnisse allein aus dem Hören des Gesprochenen auf Jisho.org oder jpdb.io oder ähnlichem die Wörter direkt nachschlagen kann.

Wie bereits erwähnt ist die Visual Novel vom Schwierigkeitsgrad auch sehr angenehm. Ich bin mehr oder weniger On/Off am Japanischlernen seit Mitte letzten Jahres und hab in letzter Zeit aus Langeweile wieder mal ordentlich einen Zahn zugelegt, und kann sagen dass man mit JLPT N4 Vokabular doch noch einiges nachschlagen muss aber trotzdem das meiste recht gut verstehen wird, mit N3 sehr wenig Nachschlagearbeit zu tun hat, und ab N2 bis N1 dem Spiel höchstwahrscheinlich jegliche Nuance entnehmen kann.

Gameplay gibt es direkt keines, es gibt aber ein paar Entscheidungen im Spiel, die bestimmen welches Ende man erreicht.

Artstyle

Schlicht gesagt, sehr viel Moe. SEHR viel Moe. Was nicht heißen soll, dass die Designs simpel wären. Der Zeichner von Hanahira ist Peko, welcher auch den Artstyle von SonoHana mehr oder weniger erfunden hat, trotzdem ist Hanahira distinkt kindischer und erinnert eher an sowas wie Lucky Star oder Hidamari Sketch mit kopflastigen Proportionen, bleibt jedoch trotzdem sehr einzigartig.

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Abgesehen von den Sprites, gibt es für das vergleichsweise kurze Spiel doch recht viele CGs, welche auch allesamt ein ziemliches „Feel Good“ Erlebnis bei einem verursachen, man muss ja wohl echt ein Unmensch sein, um bei dem Anblick nicht zu schmelzen.

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Charaktere

Hanemura Kaori – (羽村 佳織)

Kaori ist die ernste und „erwachsene“ Protagonistin, aus deren Sicht wir auch das Spielgeschehen mitbekommen und Entscheidungen treffen. Tsundere wäre wahrscheinlich ein guter All-Round Begriff, um sie zu beschreiben. Eine Musterschülerin durch und durch, nur menschlich ist sie manchmal etwas sehr pessimistisch. Wie auch die meisten Tsundere-Charaktere bricht ihre Fassade und läuft rot an sobald Liebesgeständnisse in ihre Richtung fliegen. Sie und Amane sind Nachbarn und beste Freunde.

Yuuki Amane – (結城 あまね)

Der zweite Hauptcharakter und der „Love Interest“ von Kaori. Amane ist ein fauler aber liebenswerter Dussel, der sich sehr kindisch verhält. Um wieder mal meiner Interpretationstechnik freien Lauf zu lassen: Amanes Vorname wird im Japanischen in Hiragana geschrieben, welches neben Kanji und Katakana eines der Alphabete im Japanischen ist. Dass ihr Name in Hiragana verfasst ist, signalisiert eine gewisse Kindlichkeit, da japanische Kinder manchmal Probleme mit Kanji oder sogar ihrem eigenen Namen in Kanji haben können. Passenderweise ist deswegen ihr Name in „einfacher“ Form geschrieben.

Toudou Makoto – (藤堂 真琴)

Makoto ist die „Kuudere“ der Gruppe, das heißt sie ist von vornherein eher distanziert bis emotionskarg, sprich „Cool“. Jedoch blüht sie auf sobald sie mit Koharu zusammen Dinge unternimmt. Ähnlich wie Kaori, ist sie eher erwachsen von ihrer Persönlichkeit her und nicht wirklich aufgedreht oder emotional. Genauso wie Kaori und Amane ein „Couple“ bilden, ist auch Makoto mit Koharu eine Art „Couple“.

Uozumi Koharu – (魚住 小春)

Die kleine aber feine Koharu ist die sachte Stimme der Vernunft, welche auch die beste Köchin der Gruppe ist, weswegen sie auch von Makoto als „Klasse Hausfrau“ bezeichnet wird. Sie ist sich ihrer kleinen Größe und ihrem etwas kindlichen Auftreten schmerzhaft bewusst, und bewundert deswegen Makoto für ihr erwachsenes Erscheinen.

Synopsis

Wie bereits erwähnt, sehen wir die Geschichte aus der Sicht Kaoris. Beschrieben wird im Grunde ein Tag aus der Sicht Kaoris mit ihren drei Freundinnen und deren Tag in der Schule, welcher damit anfängt, dass Amane sich in Kaoris Bett geschlichen hat. Nach einem etwas entgeisterten Aufwachen, machen die beiden sich bereit für die Schule und treffen ihre beiden Kommilitoninen Makoto und Koharu. Neben der Beschreibung ihres Schultags und verspäteter Hausaufgaben, wird auch ihre Freizeit nach der Schule, die sie danach zusammen verbringen, dargestellt. Im Gegensatz zu vielen anderen Visual Novels also wird hier sehr viel von der Zeitlupe anstatt vom Zeitraffer Gebrauch gemacht. Wer hier nach zwei Jahre langen Timeskips sucht, bei denen die Feuernation angegriffen hat und Ruffy und seine Crew für die Fischmenscheninsel am Trainieren waren, wird hier nicht fündig werden. Gottseidank.

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Plotmäßig sicherlich kein Meisterwerk, aber das will Hanahira auch ehrlich gesagt gar nicht. Der bereits beschriebene „Feel Good“ Moment durch die ästhetische Aufmachung ist der einzige Anspruch den man haben sollte, sonst wird man wahrscheinlich storytechnisch eher enttäuscht.
Was man aber auch sagen muss, dafür, dass es keinen wirklichen Metaplot oder ähnliches gibt, ist die Beziehung der Charaktere zueinander umso besser ausgearbeitet. Auch wenn alle vier Charaktere einen gewissen Stereotypen widerspiegeln, ist keiner von den Vieren perfekt, jeder hat gewisse Schwächen und Stärken durch die sie sich gegenseitig in der Gruppe helfen und versuchen auszugleichen.

Fazit

Dann sind wir schon am Ende angelangt, für meine Verhältnisse ein eventuell etwas kürzerer Artikel, aber schließlich ist Hanahira auch ein kurzes Spiel, also nehm ich mir den Luxus mal heraus…

Hanahira macht genau das was es soll, und das macht es gut: Sich so geborgen und glücklich zu fühlen wie bei seiner Familie am Esstisch im Herbstpullover während die Straßen mit buntem Laub gefüllt sind.

Wem kann ich Hanahira empfehlen? Eigentlich so gut wie jedem, der keine absolute Abneigung gegen Moe hat und selbst denen würde ich Hanahira empfehlen, nur damit sie mal etwas anderes ausprobiert haben, das geht ja bekanntlich übers Studieren.

Autor: Kayihan

Auf der Suche nach den chuunigsten Stories, zurzeit am Japanischlernen.