Review: Fxxx me Royally!! Horny Magical Princess – Kommt eine Prinzessin geflogen … und will kulturellen Austausch und Sex?!

Der schöne Erdball, auf dem wir leben, ist durch ein geregeltes Zusammenleben der Menschen geprägt. Dennoch gibt es bestimmte Aspekte in denen sich jedes Land, jede Gemeinschaft und jede Beziehung mindestens zweier Menschen unterscheidet: Wir alle leben eine unterschiedliche Kultur, die durch unseren Geburtsort, Erziehung oder auch Lebenserfahrung geprägt und dann gelebt wird. Doch was ist, wenn die Kultur des Gegenübers sich völlig von der eigenen unterscheidet, bis zum Punkt an dem sie uns fremd und unheimlich vorkommt und unsere moralischen Grundprinzipien untergräbt? Können wir eine solche Kultur akzeptieren oder gilt sie dann als unvereinbar?

In einer Gesellschaft, die jahrhundertelang von verschiedenen Weltreligionen geprägt wurde, und die sich in mehreren von ihnen entweder der Monogamie oder der Sexlosigkeit vor der Ehe verschrieben hat, hat sich in die Köpfe älterer Generationen eingeschlichen, dass jegliche Art von sexueller Eskapade, die nicht dem Kinder machen oder der Aufrechterhaltung einer festen Beziehung gilt, die bestenfalls in die Familiengründung münden soll, schlecht sei, und man dadurch eine Sünde an Glauben und Ehre begeht. Diese orthodoxe Sicht wird natürlich von der neuen Generation, seit den 80ern und noch ausgeprägter seit dem Jahrtausendwechsel nicht mehr geteilt und es kommt immer mehr zu Casual Sex, offenen Poly-Gruppen oder auch gleichgeschlechtlichen Beziehungen im Rest der Welt, die sich von diesen festen Dogmen des einen (Hetero)-Partners lösen wollen und auf eine sexuell-positiv gestimmte Gesellschaft hinstreben.

Warum sage ich hier Rest der Welt? Nun ja… Wie man von Statistiken ablesen kann ist Japan, was sexuelle Ausschweifung in der alltäglichen Praxis angeht, rückläufig. Die Fantasiehaftigkeit und Extreme japanischer Pornographie schlägt für den Rest der Welt oft über die Grenzen des Ertragbaren, aber dahingegen geht in japanischen Schlafzimmern selbst nicht viel ab. Dies geht so weit, dass es eine Zahl an Eroge/Doujinshi gibt, die sich als Basishandlung die Rettung der abnehmenden Geburtenrate zum Ziel setzt und so die demographische Situation des Landes parodieren.

Dies ist doch höchst ironisch, berichten wir doch hier über meist japanische Erotikspiele, die sich über die Grenzen des Schöpfungslandes hinweg in den Westen mithilfe verschiedener Lokalisierungsfirmen wie MangaGamer oder JAST USA ausgebreitet haben und propagieren so fälschlicherweise die sexuelle Offenheit Japans? Das Spiel was wir heute vorstellen, symbolisiert in seinem Kern den kulturellen Austausch zwischen einem Land mit repräsentativen „Pflanzenfresser-Jungs“ und einem Land voller „Fleischfresser-Damen“. Vorhang auf für Kalmia8s Fxxx me Royally!! Horny Magical Princess.

Fxxx me Royally!! Horny Magical Princess, oder im Original Ohime-sama datte XXX shitai!! – horny magical princess – ist das vierte Spiel von Kalmia8, einer Otome-Marke, die bei uns im Westen bereits für Bocchi Musume x Produce Keikaku oder auch Fashioning Little Miss Lonesome bekannt ist. Erstmals angekündigt auf der Otakon 2018 und endlich am 17. Dezember 2020 bei MangaGamer & Steam erschienen, gehört Fxxx me Royally!! jetzt zu einem der wenigen übersetzten Otome-Games mit 18+ Inhalten. Kalmia8 sind bekannt für ihre eher unkonventionellen Protagonistinnen und somit bekommen wir es hier mit der Sex gegenüber positiv gestimmten, nicht jungfräulichen Marika zu tun, deren offene Haltung gegenüber Sexualität in der Kultur ihres fiktionalen Heimatlandes Kamel’toh zu begründen ist.

Handlung

In Fxxx me Royally!! folgen wir Kawai Marika (Name anpassbar), einer Prinzessin aus dem andersweltlichen Kamel’toh, auf ihrer Suche nach ihrem Traummann, den sie, weil sie ein gigantischer Fan der Erdenkultur ist, auch dort aufgabeln möchte. Kamel’toh ist eine fantastische Welt voller Magie. Alles schlechte wurde dort bereits beseitigt und auch die Sexkultur des Landes ist äußerst progressiv – kurz: eine Utopie. Damit sie auf der Erde sicher wandeln kann, wird sie dorthin von ihrer treuen Magd Sanae begleitet. Ihr Ziel ist es einen Ehemann zu finden und ihn nach Kamel’toh zurückzubringen, damit er mit seiner eigenen Kultur das bereits utopische Land bereichern kann.

Nachdem ihr Teleportationszauber sie nach Japan bringt, fehlt ihr erstmal jeglicher Boden unter den Füßen und sie befindet sich gleichzeitig im kometenartigen Landeflug auf … zwei schmucke Jungs?  Höchste Eisenbahn ihre Verlangsamungs-Magie anzuwenden, bevor sie die beiden noch verletzt!

Presto!… Verdammt sind die hei… aaaah!

Die beiden heißen Agatsuma Kaoru und Takai Ryuusei und könnten sich verschiedener nicht sein. Kaoru ist mehr der stoische, pflichtbewusste Typ und Ryuusei der tollpatschige aber leidenschaftliche Typ. Beide teilen aber eine Gemeinsamkeit: Ihr Erfolg bei Frauen hält sich in Grenzen, obwohl beide nicht ganz unerfahren sind. Die beiden sind gute Freunde, besuchen dieselbe Uni und leben sogar seit kurzem gemeinsam in Kaorus geerbtem Domizil.

Obere Entscheidung gilt immer für Kaoru und die untere für Ryuusei. Einfaches System!

Was passiert nun, wenn zwei solcher Jungs plötzlich mit der offenen, frivolen Marika regelrecht zusammenstoßen? Richtig, sie beide bekommen erst einmal unerwartet einen leidenschaftlichen Schmatzer von ihr, den sie ihrer Persönlichkeit entsprechend entweder schüchterner oder aggressiver erwidern. Marika findet, dass beide Küsse auf ihre Weise ihren Reiz haben und entscheidet sich schnurstracks, dass ihre Begegnung mit den beiden Jungs ein Wink des Schicksals gewesen sein muss. So schnell dachte sie nicht, dass sie ihre Traumprinzen finden würde!

Die beiden sind höchst verwirrt über Marikas spontane Avancen und auch ihre Offenheit direkt beim ersten Treffen zu küssen und gleich darauf direkt über Sex zu sprechen. Für die beiden zurückhaltenden Jungs ist das ein extremer Kulturschock!

Dieser wird noch dadurch verstärkt, dass auf einmal Sanae ins Haus platzt. Ein Mädchen, welches die beiden Kerle bereits vom Sehen aus der Universität kennen. Sie bietet die lang benötigte Erklärung für die Umstände an und bringt den Jungs die Eigenheiten der kamel’tohschen Traditionen bei, die sich extrem von den japanischen unterscheiden.

Sanae klärt Kaoru und Ryuusei auch über weitere Eigenheiten der Bewohner von Kamel’toh auf. Nämlich, dass es möglich ist, gemeinsame Nachkommen zu zeugen, und dass regelmäßig von Verhütungsmagie Gebrauch gemacht wird.

Die einzigen Unterschiede liegen in den kulturellen Werten.

Nach den längeren Erklärungen erlaubt Kaoru, der Besitzer des Hauses, allen vieren dort unter einem Dach zu hausen. Somit sind alle Weichen gestellt, dass Marika ihren Traummann aus den beiden aussuchen und näher kennenlernen kann. Nachdem die vier am tagsüber gemeinsam zur Universität gehen und Marika sich dort integriert, während Kaoru, Ryuusei und Sanae ihre Vorlesungen besuchen, kommt es in der nächsten Nacht dazu wozu es kommen muss: Sie schläft mit den Jungs, aber nicht nur mit einem von ihnen, sondern mit beiden!

Damit beginnt Marikas turbulentes Leben mit Kaoru und Ryuusei. Wie wird sie sich für einen von ihnen entscheiden können, oder kommt es doch ganz anders?

Charaktere

Kawai Marika (CV: Ayumi Sarah)

Mari(k)a ist die Protagonistin und, in ihren eigenen Worten, ein ziemlich frivoles Mädchen. Die Prinzessin von Kamel’toh spricht über Sex und Liebe als wäre es nichts und hat für alles einen lustigen Spruch parat, der ihren beiden Liebhabern die Schamesröte ins Gesicht treibt. Sie steht auch auf Mädchen.

 

Agatsuma Kaoru (CV: Ooshita Kouta)

Ein stoischer aber sehr verantwortungsbewusster Genosse. Er würde nie einen einzigen Tag seines Kendo-Trainings ausfallen lassen, führt auch ein Dojo für diesen Sport. Er erbte ein Haus von seinem Großvater, in dem jetzt der ganze Cast lebt. Er ist nicht ganz desinteressiert an Sex, aber seine Stärke ist er nicht.

Takai Ryuusei (CV: Furukawa Tetsuto)

Der rothaarige mit der Brille ist ein leidenschaftlicher aber auch unsicherer Typ. Er ist ein großartiger Koch und westliches Essen ist seine Forte. Er würde gerne seine eigene Leidenschaft für etwas finden, um es seinen Mitbewohnern gleich zu tun. Sexuell ist er definitiv ein aggressiverer Typ als Kaoru.

Utsumi Sanae (CV: Tezuka Ryouko)

Sanae ist laut Marika die beste Magd in ganz Kamel’toh und kümmert sich reizend um sie und bewahrt sie vor Schaden. Sie schafft es sich perfekt in das Leben in Japan zu integrieren und studiert an derselben Hochschule wie Kaoru und Ryuusei. Sie ist äußerst klug und beliebt und wenn es sein muss knallt sie jeden Kerl weg, der nicht bei drei auf dem Baum ist.

Akimoto Shigeo (CV: Honma Kaina)

Er ist der typische Schönling und versprüht für Marika eine coole, aber auch unheimliche Aura – ein Gigolo wie er im Buche steht. Er vergreift sich später an Marika auf eine unschöne Weise.

Aufbau

Der Aufbau von Fxxx me Royally!! erstreckt sich über zwei Hauptrouten (Kaoru & Ryuusei), die jeweils zu einem normalen Ende sowie einem True Ending führen. Insgesamt gibt es 7 Endings zu erreichen und der Vollständigkeit halber auch ein paar wenige Bad Ends. Beide Routen überlappen sich zunächst in den Geschehnissen und führen zum selben ersten Klimax, der je nach dem welche Route gespielt wird, etwas anders ausfällt. Nach diesem Höhepunkt, kühlt sich die Situation etwas ab und mündet in einen zweiten Handlungsstrang, der die beiden Jungs, ihre Leidenschaften und ihre Väter thematisiert.

Warnung!

Der Klimax im ersten Handlungsstrang beinhaltet eine unangenehme Situation mit versuchtem Date-Rape unter Alkoholeinfluss, die von Akimoto und seinen Handlangern ausgeht. Marika kann zwar gerettet werden, aber Sanae zahlt es Akimoto heim, indem sie ihn selbst zur Besinnungslosigkeit vergewaltigt, was zu einem kompletten Charakterwechsel seinerseits in der zweiten Hälfte des Spiels führt, bei der er jedes Mal in Sorge gerät, wenn sich Sanae in der Nähe befindet.

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Meinung

Otome und auch Moege?

While FLML tended to put comedy first and romance second, in FMR, comedy and romance have a more balanced relationship… at the cost of any plot whatsoever. An “otome moege,” if you will. If you’ve ever wished that someone would make an otome game that puts the sexy stuff front and center, this is the game for you!

Verdelish

Molly, auch Verdelish genannt, bezeichnete Fxxx me Royally!! in der MangaGamer-Translators-Corner als Otome-Moege, was rückwirkend auf einige männliche Spieler – aus denen MangaGamers Kundschaft überwiegend besteht – abschreckend gewirkt haben könnte. Aus Erfahrung in Otome-Discords und entsprechenden Communities ist mir aber bewusst, dass hingegen Otomeleserinnen gerne einen guten Mix aus beidem wollen. Leider werden Spiele dieser Art nicht oft lokalisiert – mir fallen nur die Kalmia8-Titel und Doujinspiele wie Suki Da! ein wenn ich ehrlich sein soll. Wenn man sich so in der übersetzten Otome-Landschaft umschaut, findet man selten Otome-Games, die mehr in die Slice of Life-Kategorie passen, sondern eher ausgiebige Crime-Storys, Mystery mit interessanten Settings wie abgelegenen Bergdörfern oder Steampunkstädten mit den entsprechenden Spannungsbögen. Fxxx me Royally!! bietet hier eine gelungene Abwechslung und wird aber auch hier und dort einmal spannend.

Detectives on the Case!

Der Moege-Aspekt, den Verdelish anspricht, wird in Fxxx me Royally!! grandios erfüllt. Den größten Anteil daran tun die Visuals, die obgleich sie in normalem Artstyle oder in Super-Deformed (Chibi) gezeichnet sind, jedes Mal den Humor des Spiels untermalten und dem Spieler ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Speziell die Chibi-Artworks sind an einigen Stellen so liebenswürdig, dass es diesen typischen „Hnnnngh!“-Effekt bewirkt, bei dem man das Mädchen, oder den Boy wie Higurashis Rena einfach mit nach Hause nehmen will.

Voll das Boomer-Hobby, aber irgendwie hab ich jetzt auch Lust drauf.

Die einzelnen Slice-of-Life-Szenen, ob es jetzt von gemeinsam Kochen über Kendokämpfen bis zum Herumblödeln im Aquarium, wo Marika dann plötzlich Angst vor den Haien bekommt und lieber Pinguine sehen will, handelt, trägt alles zum Moe-Faktor des Spiels bei. Aber auch die trotteligen Momente Ryuuseis und die schüchternen Momente Kaorus sind liebenswert.

Kultureller Austausch

Na klar, z.B. Selfcest und sex-positive Otomegames!

Nun kommen wir zu dem Grund für das lange Intro über Anthropologie und Sexkultur, denn Fxxx me Royally!! ironisiert sehr Japans eher zurückhaltende Art mit echtem Sex umzugehen. Dies fängt damit an, dass alles was Marika über die Erde und ihre Kulturen weiß aus dem Fernsehen in Kamel’toh in Berichten über die Erde stammt. Sobald sie nach Japan kommt und Ryuusei und Kaoru kennenlernt, hält sie ihnen sogleich den Spiegel vor, in dem sie ihnen zeigt: „Guckt mal wie die Kultur eures Landes durch die Medien nach außenhin wirkt.“ Dabei merkt sie, dass ihre Erwartungen nicht erfüllt werden und sie sich doch lieber eigens über das Land erkundigen will.

Im Spiel wird dies auch oft wieder aufgegriffen, indem an mehreren Stellen ein überraschter Kommentar der Jungs wie „Ich wusste ja, dass euer Herkunftsland eher sexuell progressiv ausgerichtet ist, aber in diesem Maße?“ eingeschoben wird. Es ist ersichtlich, dass das Konfrontiertwerden mit einer diametral ausgerichteten Kultur, die sich nicht scheut moralische Tabus zu brechen, den beiden Unbehagen erzeugt. Im Laufe der Zeit passen sie sich aber an und am Ende einer Route wird sogar erwartet die wichtigste Entscheidung überhaupt zu treffen.

Wichtige Entscheidung

Willst du lieber in Japan bleiben oder nach Kamel’toh ziehen? Diese Entscheidung bedingt dann welches Ending man bekommt. Bei Ryuusei ist es aufgrund von speziellen Umständen andersherum.

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Die sexuelle Offenheit des Spiels wird nochmal dadurch untermalt, dass es nicht nur die beiden Routen Kaoru und Ryuusei zu absolvieren gilt, sondern danach auch noch eine Yuri-Route und eine Threesome-Route freigeschaltet werden kann. Homosexualität und Polyamorismus findet dadurch auch ihren Eintritt ins Spiel über die neu eingeschiffte Kultur.

Aber auch in Kamel’toh gibt es moralische Tabus, und das zeigt sich jedes Mal, wenn von Fortpflanzung und Sex zum Kinderzeugen die Rede ist. Da ist selbst das Gesicht von Marika schnell einer Tomate gleich. In Kamel’toh wird das nämlich mithilfe von Verhütungsmagie geregelt und das Weglassen dieser verlangt extremes Vertrauen. In solchen Momenten kann Marika sogar für einen Moment lang nachvollziehen wie ihr zügelloser Dirtytalk auf andere wirken mag!

Eine etwas andere Art von Protagonistin

Marika ist nicht die übliche Otome-Protagonistin, und das zeichnet sich in ihrem Verhalten, ihrer Sprache und ihren Gesichtsausdrücken ab. Allein vom Cover des Spiels auf dem sie mit Fingerpistole Herzchen verschießt her, merkt man schon, dass sie die treibende Kraft des Spiels sein muss. Marika scheut sich nicht mit allerlei Dirtytalk um sich zu werfen, zwei Typen in einer Nacht zu beglücken oder enthusiastisch über Orgien, die in Kamel’toh zum Zweck sexueller Aufklärung stattfinden zu sprechen. Dies gepaart mit dem äußerst liberalen Schreibstil der Lokalisierung und der energetischen Stimme von Ayumi Sarah, die in ihren Kadenzen sehr gerne hochgeht oder regelmäßig mal ihren Unmut mit „Booo!“ kundtut, macht Marika zum Zentrum der Aufmerksamkeit des Spielers.

Dass Marikas Gesicht unten links immer mit ihren Reaktionen zur jeweiligen Situation zu sehen ist, ist ein erwünschtes Feature, das zu ihrer Sympathie beiträgt. Sie ist immerzu am Lächeln und setzt auch gerne mal ein „Smug-Face“ auf oder schmollt vor sich hin, was sie nur liebenswerter macht. Dieses Feature sollten mehr Spiele einbauen.

Wie ist es mit den Jungs?

Als Fxxx me Royally!! erstmals angekündigt wurde, war von nicht aggressiven, männlichen Love-Interests die Rede, die von Marika um den Finger gewickelt werden – richtigen „Beta-Males“. Dem ist jedoch gar nicht so der Fall, denn das würde bedeuten, dass die beiden nicht nur geringes Selbstvertrauen hätten, sondern auch keine anderen attraktiven Qualitäten aufweisen würden.

Viel eher verhält es sich so, dass beide verschiedene Dinge wie Sport und Kochen gut können, aber einfach keine Naturtalente sind, was romantischen/sexuellen Kontakt angeht. In Japan gibt es dafür das Trendwort der Pflanzenfresser-Jungs (Soushoku-kei Danshi). Der deutschen Wikipedia-Definition zufolge sind das:

Mit Pflanzenfresser-Mann werden vor allem jüngere Männer bezeichnet, die zwar in Karriere und Beruf erfolgreich und zielstrebig sind, aber in Bezug auf Liebe und Sexualität wenig Erfolg haben bzw. wenig Energie darauf verwenden, ein ausgefülltes Liebesleben zu haben.

Kaoru bezeichnet die beiden selbst als Soshoku-kei Danshi. Quod erat demonstrantum!

Für mich persönlich kam es aber vor, als wäre Marika in ihrer Rolle als Protagonistin alleine nicht so stark gewesen wie in Kombination mit Kaoru und Ryuusei gemeinsam. Die Dorkyness der beiden ergänzt sich einfach großartig mit Marika – speziell Ryuuseis Sprüche, kommen meist mit großartigem Timing. Mir gefiel Ryuusei mehr als Kaoru, obwohl Kaoru auf jeden Fall die bessere Handlung hat und auch als Datingpartner souveräner rüberkommt. Vielleicht liegt es daran, dass ich ihm sehr ähnlich bin.

Vom Look her, sind die beiden nicht weit voneinander entfernt – zwei attraktive Burschen. Alles was sie machen ist eine Reflexion ihres Charakters. Kaoru, die bodenständige Kämpfernatur mit solidem Körperbau und der Persönlichkeit am rechten Fleck und der liebenswerte Trottel Ryuusei, der mit seinem Sternenzauberstab rumfuchtelt und das Spotlight durch seinen Humor auf sich zieht. Auch ist wichtig zu bemerken, dass beide Charaktere genau wissen, was Marika von ihnen will. Sie sind also keine Dickschädel wie der übliche Harem-Protagonist, was Marikas romantische Avancen angeht. Gerade Ryuusei nicht.

Romance

Die Romantik, die im Spiel zum Tragen kommt, geht von beiden Seiten aus, aber Marika führt sie meist dorthin, da die Jungs nicht so recht wissen, wie sie das eigentlich anstellen sollen. Über die Zeit hinweg, werden sie damit aber immer sicherer und somit kann der Spieler sich auf herzallerliebste Dates im Aquarium, im Freizeitpark oder unter Feuerwerk freuen. Generell ist der Comedyaspekt des Spiels sehr mit der Romantik verwoben und ausbalanciert, anders als bei Fashioning Little Miss Lonesome, wo die beiden Bereiche voneinander abgetrennt waren.

Extras

Hata kann etwas komplettieren?!

Wenn man ein Ending des Spiels durchgespielt hat, dann erscheint jeweils ein neues Mini-Szenario im Extra-Menü, was durch ein Pop-Up nach den Credits angezeigt wird. Nach insgesamt sieben Endings wird dann man dann zwei zusätzliche kleine Szenen + H-Szene sowie drei Charaktervorstellungen im Menü finden können. Wenn das aber noch nicht genug ist, dann bekommt man mit 100% Vervollständigung ein hübsches Belohnungs-CG sowie eine kleine Überraschung. Spieler von Fashioning Little Miss Lonesome wissen wovon die Rede ist. Auch gibt es einen DLC zu kaufen auf dem sich noch einmal sieben Extra-DLC-Stories befinden.

Es gibt es im Spiel eine Voice-Library, bei der ihr eure liebsten und erinnerungswürdigen Lines einspeichern könnt, um sie immer wieder abzuspielen.

Hätte ich das mal gemacht hätte ich interessante Lines, die diese Review unterstützen im Voraus sammeln können – Schade!

Audiovisuelles

Visuals

Zwar ist es schon ein bisschen in meinen Eindruck eingearbeitet, aber kommen wir zum Augen- und Ohrenschmaus. Visuell glänzt das Spiel durch seine knalligen Farben und die immerzu freundliche Komposition der Bilder. Das Artwork stammt von Izumi Haruto, die sich wohl nach dem Directing von Fashioning Little Miss Lonesome dazu entschieden hatte, selbst Artwork zu zeichnen. Amüsanterweise ist es sehr auffällig, dass sie ihre Hintergrundfiguren in ihren Chibi-Artworks immer nackig zeichnet.

Im Extra-Menü nachgezählt, gibt es 114 normale CGs, 68 + Abschluss-CG => 69 Chibi-CGs und 97 Hentai-CGs zum Sammeln, um die 100% voll zu machen.

Audio

Audiotechnisch konnte man sich einige, wenn nicht alle Tracks gut anhören. Keiner war jetzt wirklich nervig oder nötig zu muten, aber in eine Playlist würde ich sie mir nicht packen. Generell ist die Komposition von MUNYOT für dieses Spiel etwas, was im Hintergrund dudelt, aber nicht wirklich atmosphärisch ist oder Spannung aufbaut. Das braucht es ja auch nicht, denn diese Happy-go-Lucky-Attitüde die das Spiel haben will, würde davon völlig zerstört werden. Der Track „Showdown“ hebt sich als einziges ab, aber ist jetzt auch nicht besonders. Der OST passt einfach zum Gesamtbild des Spiels.

Aus irgendeinem Grund sind ein paar der Tracks trotz 100% Vervollständigung nicht im Menü anhörbar.

Synchronisation

Die Synchronsprecher haben auch allesamt einen großartigen Job gemacht und die Persönlichkeiten der Charaktere sehr gut eingefangen. Ryuuseis Tendenz zum Übertreiben seiner Reaktionen und Kaorus Schüchternheit, oder auch seine Performance als er angetrunken war, brachten mich immer wieder zum Lächeln. Eigentlich muss man sich nur die Extras und die dazugehörigen Charaktervorstellungen anschauen, dann weiß man bereits was Sache ist.

Lokalisierung

Die Übersetzung von Fxxx me Royally!!, Verdelish, ist höchst liberal gehalten und das passt wie die Faust aufs Auge. Das Spiel ist geprägt von einem gesunden Mix aus Jugendsprache, japanischer Floskeln und stellenweise Rakugo-ähnlichem Dialog, wo Charaktere ähnlich wie in einem Comedysketch aufeinander reagieren und entsprechend antworten. Es gibt viele Highlights in der Lokalisierung, bei denen die Übersetzung fantastische Möglichkeiten gefunden hat den unterliegenden, japanischen Witz der Szene beizubehalten und dennoch den Satz so essentiell zu verändern, dass er auch auf Englisch seine Wirkung entfaltet.

Als erstes wundert und lacht man natürlich über den Namen von Marikas Heimatland Kamel’toh. Diesen hat Molly jedoch in einem ihrer Curiouscat-Posts genau erklärt. Nachdem der Gedankengang klar wurde musste ich schmunzeln und finde ihn seitdem immer besser.

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Auch mit popkulturellen Referenzen wird nicht gegeizt, so wird beispielsweise eine Harry Potter-Referenz eingestreut sobald einer der Charaktere bemerkt, dass er zaubern kann. Diese passt gut ins Gesamtbild der Szene und legt auch den Grundstein Nicht-Zauberer in der Lokalisierung konsistent als Muggel bezeichnen zu können. Auch Referenzen zu existierenden Animeserien, Social-Media-Apps oder YouTube sind zu finden.

Jedes Meisterstück hat eine Kerbe. Das hier müsste „Oligopoly“ (deutsch: Oligopol) heißen.

Der Quality-Controller in mir jauchzte vor Freude auf, als er das Spiel durch hatte und nur EINEN einzigen Tippfehler entdecken konnte. (s.o) Der eine Fehler, den ich finden konnte, war übrigens mehr ein intuitiver Denkfehler als ein Tippfehler.

Was Grammatik, Satzbau und vor allem Spelling angeht, kann ich Fxxx Me Royally!! als Benchmark zum Beruf eines QCs jedem nur ans Herz legen. So ein hochpoliertes Spiel habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Wer Spaß daran hat Verdelishs Demo-Livetweets zur Demo des Spiels und auch einige der Schwierigkeiten der Lokalisierung, die sie bereits dort angemerkt hatte zu verfolgen, dem empfehle ich diese Tweetkette von 2018.

H-Content

Dafür, dass das Spiel damit wirbt, dass es so sex-offen und versaut ist, ist die Varietät der Hentai-Szenen ein Witz. Es hätten sich mit dem Konzept des Spiel allerlei interessante Fetische vereinbaren können und auch ein bisschen Ausprobieren sexueller Praktiken, wo zwischen Dom und Sub gewechselt wird, wäre nicht schlecht gewesen. Stattdessen ist der sexuelle Content des Spiels zum Großteil im Vanillabereich angesiedelt und das exotischste, was sich finden lässt ist Cosplay-Sex mit Katzenöhrchen, oder Marikas zauberhaftes Nackt-unter-der-Schürze-Outfit, bei dem Ryuusei auch mal etwas leidenschaftlicher zugeht.

Es gibt insgesamt zwölf Hentai-Szenen, wenn man den gesamten Content des Basisspiels zusammenzählt. Vier von ihnen für jeden der Jungs in ihren Hauptrouten, eine Yuri-Szene mit Sanae, eine 3P-Szene am Schluss der Threesome-Route und dann noch zwei Bonus-Szenen in den Bonus-Szenarien, die zusätzlich freigeschaltet werden können.

Kurz: Im Spiel wird weitaus mehr über Sex geredet, als dass er tatsächlich stattfindet.

Möglicherweise unangenehme Szene

In einer der beiden Zusatzstories, die man nach einem Ending bekommt, wird Ryuusei durch seine Magie in einen Shota-Ryuusei verwandelt und Marika verkleidet sich als seine Lehrerin, um zu roleplayen. Wem Shota zu viel des Guten ist, der sollte Bonus-Story Mini-Ryuusei nicht spielen!

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Fazit

Fxxx me Royally!! war vom reinen Sexgehalt nicht das Spiel, das ich erwartet habe – sonst wäre es aber auch eher als ein Nukige beschrieben worden – aber dennoch ein Riesenspaß! Der Begriff eines Otome-Moege passt hier perfekt. Zwar wird natürlich essentiell der Plot geopfert und durch viel Slice-of-Life ersetzt, aber sonst ist es qualitativ hochwertig. Wem eine flache Handlung nichts ausmacht, endlich mal eine Protagonistin mit Pfiff und Attitüde in seinen Otomegames spielen will und zuletzt Wortwitz mit Sexjokes liebt, dem kann ich dieses Spiel nur empfehlen!

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (25) und studiere Japanologie und Englisch an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Ich lese Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 180 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Nebenbei arbeite ich als QC für JAST USA und diverse Fanprojekte und mache meinen Teil der VN.Info-Übersetzungsprojekte. よろしく~