Review: eden* – there were only two, on the planet (All-Ages)

 Kennt ihr das, wenn ihr ein Spiel kauft und es in eurer Steam-Bibliothek versauert, weil ihr mal ein schlechtes Wörtchen über seine Progression und die ach so wichtigen fehlenden H-Szenen gehört habt? Eden* ist ein perfektes Beispiel, dass man ein Spiel nicht nach einer abschweifenden Meinung bewerten sollte. Da ich nicht wollte, dass ich mich so sehr von anderen beeinflussen lasse, habe ich es installiert und – wer hätte es gedacht – wurde völlig vom tiefgehenden Plot und der bittersüßen Romanze mitgerissen.

Story & Charaktere   

Die Welt von »Eden* – there were only two, on the planet « entführt uns in ein Endzeitszenario und die Geschichte einer tragischen Heroine, die ihr 100 Jahre lang ihr Möglichstes getan hat viele Menschen vor dem eintreffenden Schicksal eines eintreffenden Fremdkörpers aus dem All zu bewahren. Wir befinden uns in einer Erde, die von Kriegen und Konflikten dahingerafft wurde, Soldaten haben jegliche Selbstachtung verloren und bezeichnen sich als haltlose Mordmaschinen und es gibt genetisch-manipulierte Superkinder, welche das Schicksal der Welt auf ihren Schultern tragen sollen. In die traurige Liebesgeschichte eines Soldaten und einem dieser Superkinder wird der Leser nun hineingezogen.

Genauer, handelt es sich um die Geschichte von Ryou und Sion. In diesem Review werde auf nur auf diese beiden Charaktere eingehen, da sie die Handlung tragen und eine intensive Charakterentwicklung durchleben. Am Anfang des Spiels sehen wir nur sie beide, wie es schon vom Titel vorausgegeben wird als einzige zwei Menschen, die auf dem Planeten residieren. Sion ist das Mädchen, das es schafft die monumentale Aufgabe, die interstellare Weltraumreise zu revolutionieren. Um diesen Task zu ermöglichen wird sie in einer Forschungseinrichtung weggesperrt und niemand bekommt sie zu Gesicht, obwohl sie die Retterin der Welt ist. Als dann der ehemalige Kriegsveteran Ryou von seinem Vorgesetzten Sergeant Inaba, den er als Freund und auch als Feind betrachtet, auf der Forschungseinrichtung als Sicherheitsbeauftragter Sion abgesetzt wird kommt Sion mehr aus ihrem Kokon heraus und verlangt nach etwas, was ihr bislang verwehrt war – Freiheit.

Ryous Auftrag ist simpel: Miss Sion zu bewachen, und ihr eine heile Flucht ins Weltall zu ermöglichen. Jeder, der versucht dieser Mission in den Weg zu kommen muss sterben. Dies ist auch ein sehr wichtiges Werkzeug für Ryous Charakter. Er war ein Soldat mit einer, für ihn ehrenvollen Aufgabe, was ihm die Motivation gab sein Bestes im Krieg zu geben, egal wie viele Menschenleben es kostet und wie viele Sünden er auf seine Schultern laden muss. Darum hat er im Laufe des Spiels auch Momente, in denen er instinktiv seine Wache zückt um dem nächsten Widersacher ein schnelles Ende zu bereiten. Nur die Zuneigung zu den Charakteren, denen er im Laufe der Handlung begegnet helfen ihm dabei sich selbst zu entdecken und rationale Entscheidungen zu treffen, die nicht aus der Feder eines verbitterten Soldaten stammen. Er ist auch von der Persönlichkeit her eher der ruhige Soziopath. Die Entwicklung, die er durch die Handlung durchmacht ist dermaßen erstaunlich, ich halte mir vor darüber zu sprechen also lassen wir uns gleich weiterspringen.

Wenn man eden* spielt, dann merkt man viele unterliegende philosophische Fragen. Es geht um existentielle Fragen nach dem Motto: Was tut die Menschheit, wenn das Ende der Welt unausweichlich ist?; Sie wird kreativ und verlässt den Planeten – Äquivalent könnte man sich auf ein Statement von Stephen Hawking beziehen, in dem er sagte, dass die Menschheit bald auf den Mars flüchten muss – Ein ähnliches Setting wird auch in diesem Spiel kreiert. Die komplette Evakuierung der Erde soll binnen eines Jahres vonstatten gehen, doch innerhalb dieses Jahres merken ein paar überbleibende Individuen, dass die Welt ohne den Großteil ihrer Bevölkerung ein paradiesischer Garten für die Übrigen ist. Die Menschen teilen sich in zwei Faktionen ein: Die eine extreme, die annimmt, dass die Menschen mit der Welt vergehen müssen und die andere, die ins Weltall flüchten will. Das Spiel erzählt die Perspektive beider innerhalb eines Zeitraums von 8-15 Stunden und macht aus der Geschichte der Menschheit die persönliche Geschichte der beiden Protagonisten – dies wird von Foreshadowing am Anfang des Spiels schon gewährleistet, deshalb überrascht es den Leser nicht. Die gesamten Beweggründe hinter der Situation sind aber der Faktor, den es wert macht das Werk zu lesen. Sions Verlangen nach Freiheit und Ryous Selbstaufopferung ihrem Ziel gegenüber ist einfach zu herzergreifend.

Im Laufe der Geschichte werden viele dramatische Fragen aufgeworfen, darunter fallen: Wer wird wen retten?, Warum gab Sion ihre Freiheit auf nur um doch zu sterben? Was wird aus Ryou? – Egal was man wählt, ein Happy Ending ist nicht in Sicht und damit muss sich der Leser abfinden.

Mehr zur Story müsst ihr durch das Spielen selbst erfahren, also weiter zu meiner Perzeption.

Perzeption:

Dafür, dass eden* dem Genre SciFi angehören soll fühlen sich diese Elemente eher angedeutet und abstrakt an. Man lernt, dass es genetisch-entwickelte Superkinder gibt, aber das wird nie genau erläutert, wer oder wie man das bewerkstelligt hat. Die Konzeption des Spiels setzt alles im Setting voraus und ignoriert jeglichen Realitätsbezug zu der mit der Evakuierung verbundenen Logistik – Diese sind auch nicht wirklich relevant mit der Story. Dagegen ist es mehr auf der Drama-Seite mit gegen Ende einer großen Romanze hier und da. Alles ist unterlegt mit 16 wunderschön atmosphärischen Musiktracks, die das abgebildete Panorama von minoris Zeichnungen und Hintergründen dezent einfangen. Im Bereich der visuellen Gestaltung gibt es kaum Raum für Beschwerde, da das Spiel mit wunderschönen Szenen, dynamischen CGs, bei denen die Charaktere durch Halb-Animation glänzen (d.h. sie bewegen ihre Hände, blinzeln und es sind einfach keine Stillleben) und änderbare Font heraussticht. Auf die Musik bin ich eben schon eingegangen, aber das Voiceacting ist gewohnt überdurchschnittlich gut und sieht nicht schlecht aus.

Gameplay gibt es absolut keines, da »eden* – there were only two on this planet«  eine sogenannte „Kinetische Novel“ ist. Das bedeutet, sie beinhaltet nur eine reine Story ohne Entscheidungen und alternative Enden. Dies ist ein Faktor, der mich von ihr oft abgeschreckt hat, doch man sollte das wirklich nicht zulassen.

Momentan gibt es zwei Versionen der Novel auf dem Markt. Die All-Ages Version auf Steam, die ich übrigens hier auch reviewe und die bei MangaGamer und neuerdings auch auf GoG vertriebene Version mit ungefähr 20 Minuten andauernden Extrahandlungen mit leichten Sexszenen, genannt: »PLUS+MOSAIC« . Davor sollte man aber nicht zurückschrecken, denn »minori hat nicht versucht diese Sexszenen so einzubauen, dass sie wirklich zum Verständnis des Plots nötig wären. Stattdessen vertiefen sie einfach nur die Beziehungen der Charaktere in kleinen -Was wäre wenn- Szenarien, nachdem die Romanze schon etabliert ist – Also eigentlich so, wie Vanillasex in Spielen genutzt werden sollte. In typisch japanischer Art sind aber auch hier die Genitalbereiche mit Mosaiken versehen, also ob sich das ganze wirklich in der unzensierten Fassung lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Stattdessen glänzt das Spiel in der zweiten Hälfte mit leichter Comedy, die definitiv dem Leser ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann.

Fazit:

Alles in allem ist Eden* – there were only two on this planet ein definitives Must-Play im Bereich der Visual Novels ohne Entscheidungen, weil es über die Genre „Militär, »soft-Sci-Fi«  und Romance alles vereint, was man eigentlich sehen möchte. Kleine Kritikpunkte wären, dass wenn man schnell liest, die Handlung in rund 8-12 Stunden abgefrühstückt ist.. Bei einem Preispunkt von 19.99€ ist das vielleicht ein bisschen wenig. Weiterhin ist ein weiterer Kritikpunkt, dass es Handlungsstränge gibt, die kurz erläutert, aber offengelassen werden. Dadurch entstehen keine wirklichen Plotholes, aber man fühlt sich als Leser doch schon etwas geärgert. Das Spiel ist auch nichts für Leute, die ein Happy End erwarten, das macht es schon von der ersten Minute an klar und hingegen der gängigen Progression von dramatischen Novels ist der Höhepunkt vielleicht etwas früh gesetzt. Ungefähr 3/4 in der Story, wird auch noch ein neuer Charakter vorgestellt, den man in dem kurzen Teil der noch bleibt nicht wirklich gut kennenlernen kann, obwohl das Spiel sein Möglichstes versucht. Aber, wenn man von diesen kleinen Problemchen absieht ist Eden* ein solides Spiel mit solider Story und downright enjoyable in manchen Bereichen. Aber für Leute, die tragische Liebesgeschichten nicht verkraften ist es vielleicht das Nakige, was ihr unbedingt austesten müsst.

Anmerkung: Ich habe rund 10 Stunden geidled – Dauer des Spiels ist zwischen 15 – 18 Stunden.

 

Persönliches Rating: 2

Charaktere: 2-

Setting: 2+

Visuals: 1-

Choices/Routes: N/A

Satisfaction: 2-

 

Ich hoffe euch gefiel mein erstes ausführliches Review! Bitte hinterlasst Kritik auf Discord oder in den Kommentaren. Danke 🙂

Post Author: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (23) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 100 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. よろしく~