Panzer Hearts Review

„I’m gonna make him an offer he can’t refuse“

Ende Mai machte mir unser allseits bekannter PR-Manager Hata einen Handel, den ich nicht abschlagen konnte – er hatte von einem Entwickler Steam-Keys für das Spiel „Panzer Hearts“, eine Indie-Produktion des Entwickler Teams „HELYEES„, erhalten, welche nun in der Runde rumgingen. Ich dachte mir „Ein kostenloses Visual Novel? Ohne zu Bezahlen? GIMME!“
Natürlich war der Haken der, dass ich das Spiel auch reviewen sollte. (Anscheinend sind „Reviews“  eine der Hauptaufgaben eines Autoren, welches ich mit Schrecken feststellen musste.) Aber was ist denn bitte eine kleine Review, wenn man im Gegenzug kostenlos Zeit totschlagen darf indem man linksklickt?

Wie man sehen kann, hatte mich der innere Schweinehund fest im Griff und ließ mich bis jetzt nicht los. War dies bedingt durch meine eigene Faulheit? Durch ein Fehlen von Willenskraft? Oder ganz vielleicht hatte es etwas mit dem Spiel selbst zu tun. Nun… wie alles im Leben gibts hierfür keine eindeutige Antwort, d.h. ich BIN sehr Faul und das Spiel ließ an manchen Stellen doch zu wünschen übrig.

Bevor ich aber in der Einleitung schon Gas gebe, ich meine natürlich meine kritische Auseinandersetzung starte, beginnen wir doch erstmal mit der Prämisse, diese fand ich nämlich sogar recht interessant.

Bastian, ein wehrpflichtiger und höchst fanatischer junger Soldat des Kaiserreichs, wird an der Front verwundet und wird in die Hauptstadt versetzt um als Panzermechaniker weiter die Kriegsmaschine zu unterstützen. Der Schauplatz ist dem Deutschen Reich des 2. Weltkriegs nachgeahmt, wobei jedoch Namen, Symbolik, Kultur und Geschichte durch Ägyptische Mythologie supplementiert werden. Beispielsweise sind Namen wie Astrid und Hans geläufig, im Gegenzug aber auch solche wie Nefer, welche eindeutig Ägyptischen Ursprungs sind. In Hinsicht Religion ist alles dem Ägyptischen Pantheon nachgeahmt, Anubis, Nephtys etc..,

Der Artstyle ist anders, aber nicht unbedingt schlecht, ich fand diesen sogar erfrischend, wenn man bedenkt wieviele versuchen bestimmte Artstyles zu imitieren und dabei scheitern, weswegen ich definitiv Originalität schätzen kann.

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Die Aufteilung des Geschehens erfolgt durch Tage, welche ähnlich wie Kapitel fungieren. Ein Nebeneffekt davon ist, dass die Geschichte sehr geregelt aufgebaut ist, da der Protagonist täglich zu seiner Arbeitsstelle geht, gefolgt von Freizeit und Träumen im Schlaf. Im Grunde erfährt man alles was Bastian passiert.

Außerdem wird das Geschehen regelmäßig mit Gameplay untermalt, dieses ist jedoch entweder nur das Auswählen von Entscheidungen in typischer Visual Novel Manier, oder das gelegentliche SEHR grundlegende Panzer „bauen“ was aus einem Drag und Drop mit PNG-Ausschnitten besteht. Es sind auch öfters anklickbare Textboxen mit Informationen zu bestimmten Dingen vorhanden.

Die Charaktere an sich sind nichts ungewöhnliches, was der eigentliche Schwachpunkt an ihnen ist

Der Hauptcharakter Bastian ist anfangs sehr indoktriniert und glaubt an alles wofür das Kaiserreich steht, Menschenverachtung von „niederen Rassen“, Imperialismus und Nationalismus, historisch spiegelt das zwar ziemlich gut auch Junge Erwachsene des Dritten Reichs wieder, nur ist meiner Meinung nach dieser Stereotyp des „nützlichen Idioten“ für einen Protagonisten eher unpassend. Zwar müssen Hauptcharaktere nicht einen Doktortitel haben um interessant zu sein, aber solange man sich nicht in einem Shounen-Anime befindet ist ein dummer Charakter meistens nur durch seine Dummheit definiert. Selbst an den Stellen in denen Bastian seinen „Glauben“ infrage stellt, bleibt er komplett stur bis man sich auf der entsprechenden Route befindet. Ums kurz zu fassen, er wirkt sehr generisch und schablonenhaft, was in einem Visual Novel wie diesem nicht funktioniert.

Nefer und Astrid sind die beiden Heroinen des Spiels, wobei es für jede eine Route gibt, insgesamt hat das Spiel also 2 Routen. Wobei Nefer hingegen für Gehorsamkeit, Patriotismus und Naivität steht, ist Astrid rebellisch und hinterfragend. Dies spiegelt sich auch im Design der Beiden wieder, Nefer ist immer hübsch gekleidet wohingegen Astrid Arbeitsklamotten trägt und mit Öl bedeckt ist, also eher entgegen einem typischen Frauenbild. Diese interessante Antithetik ist jedoch auch das einzige was einem die Auswahl erschweren würde. Nefer ist sehr ähnlich dem MC, strunzdumm und fanatisch, sie hat einfach keine Eigenschaften die ihren uninteressanten Charakter retten könnten. Astrid ist da doch ein wenig angenehmer, da sie lebendig und echt durch ihr Writing wirkt 

Und außerdem

dass sie Teil einer Rebellenbewegung ist welche sich gegen das Kaiserreich auflehnt

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Je nachdem welche Route man nimmt verändert sich die Weltanschauung und Meinung des Protagonisten zum „Empire“.

Andere Charaktere die öfters mal auftauchen sind Hans, Bastians Vorgesetzter welcher ihm die Panzer zum bauen aufträgt, Kantor, ein hochrangiger Offizier in der Armee der als Mentor für den Charakter eingesetzt wird und Vater von Nefer ist, und schließlich die Mutter des Protagonisten, welche recht paranoid und besorgt um ihren Sohn ist. Nennenswert ist nur, dass Kantor versucht den angehenden Panzerbauer durch seine Weisheit zu lehren, nur wirkt dies manchmal ein wenig an den Haaren herbeigezogen und idealistisch 

Ein Beispiel dafür wäre

dass Bastian fast jeden Tag von ihm eine Beförderung erhählt, ist eher ein Pacingproblem als Charakterproblem, ist aber trotzdem nennenswert

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Die Charaktere wirken fad und uninspiriert, jegliche Tiefe die versucht wird in der Hintergrundgeschichte der Charaktere aufzubauen wird durch enttäuschendes Pacing und Writing ruiniert.

Da kommen wir auch schon zur Story selbst. Wow. Fangen wir doch erstmal damit an, dass es eins von diesen Spielen ist wo nur eine einzige Entscheidung im gesamten Spielgeschehen Auswirkung auf die Routenauswahl hat. Jegliche Auswahl die vorher statt fand um seiner jeweiligen Angebeteten zu imponieren wird zu nichte gemacht, oder war eher nie von Bedeutung. Dies hat mich sehr stark an Telltale Spiele wie „The Walking Dead“ erinnert, wobei es eigentlich schon eigentlich ein Running gag in vielen Foren ist, dass bis auf ein paar Schlüsselentscheidung keine Auswahl von Bedeutung ist und nur Dialoge leicht abgeändert werden. ( HELYEES didn’t appreciate that)

Ich hatte vorher schon das Pacing angesprochen, wenn mans denn so nennen kann. Es kommt mir nämlich so vor als ob man ein Spiel welches eigentlich sechs Stunden lang sein sollte auf zweieinhalb runtergebrochen hat. Keine Zeit für Charakterdevelopment (vorallem da sich die Ansichten des Protagonisten bis zur Schlüsselszene im grunde GARNICHT verändern) oder den Aufbau von Beziehungen. Die Tage selbst gehen auch sehr schnell rum, ich hätte es bevorzugt wenn die Auswirkungen von Wendepunkten erst einmal reflektiert werden indem man eine inneren Monolog oder Kommentar des Hauptcharakters zur derzeitigen Situation erhält, hätte einen positiven Effekt auf das viel zu schnelle Pacing gehabt und Bastians Persönlichkeit wäre nicht so schablonenartig.

Wie bereits erwähnt sind die beiden Routen im Spiel entschieden durch die Heroinenwahl, wobei man aber sagen muss dass es keine Affinitätspunkte oder dergleichen gibt, d.h. jegliche Dinge die vorher gesagt wurden die möglicherweise negativ auf einen der Beiden wirken macht absolut nichts aus. Ich hätte es nicht schlecht gefunden wenn es ein Bad Ending gäbe in der man sich eine der Beiden aussucht, diese jedoch einen nicht will wegen potenzieller Affinitätspunkte. Wäre auf jeden Fall interessanter als nur auf den letzten Save zu gehen damit man sich das andere Ending anschauen kann. Diese Endings sind wie Folgt

Details zum Ende

Nachdem Astrid beglückt erfährt man zunächst, dass sie eine Widerstandskämpferin ist die versucht die Panzerproduktion des Staates einzudämmen. Der Hauptcharakter fühlt sich zunächst wegen ihrer Lüge betrogen und rennt weg wie ein weinerliches Kind. Daraufhin bekommt man die Option Astrid und ihre Genossen bei Kontar zu enttarnen, oder sich mit Astrid zu verbünden in ihrem Plan. Falls man Kontar davon berichtet lädt er Bastian zu sich ins Haus und lässt ihn im Bett (mit) seiner Tochter schlafen. Die Rebellen werden erledigt, der Hauptcharakter wird erneut berfördert und darf jetzt Nefer heiraten. Wenn man eher auf Rothaarige steht, zerstört man in einem Undercover Plan von Astrid einen neuen Panzer und wird daraufhin zum Teil des Widerstands. Die Enden bleiben sehr offen.

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Sonderlich interessant waren die Enden nicht wirklich, und kamen sehr erwartet. Vor allem wenn damit geworben wird, dass das Spiel ein Pseudo-Dating Sim ist, ist Techtelmechtel ja schon mitinbegriffen.

Indie-charme und ein interessantes Konzept können einen nicht vor vermasselter Story und verpassten Möglichkeiten retten.

 

Post Author: Kayihan Akcakoca

Moin, ich heiße Kayihan und bin auch bekannt als der Typ mit dem komischen Namen. Ich bin vergleichsweise noch ein Anfänger wenn es ums Visual Novels geht, und wünsche meinen Horizont durch das Schreiben meiner Artikel zu erweitern. Vielen Dank fürs lesen und viel Spaß noch auf der Seite :).