Otome Review: 7’Scarlet

In den letzten Monaten habe ich das Spektrum der Visual Novel Genres, mit denen ich in Berührung kommen möchte, drastisch erweitert. Von Gameplay-Eroge über HRPG’s bis hin zu dem ein oder anderen Yuri oder BL-Titel. Auf einige dieser Titel wurde ich auch erst dadurch aufmerksam gemacht, dass wir zum Zwecke unserer Seite die ein oder andere Reviewcopy erhalten durften. So sind wir letzte Woche von SingAwake dem westlichen PR-Repräsentanten von IntraGames, einem koreanischen Publisher, auf deren neueste Veröffentlichung angesprochen worden. Dabei handelte es sich um das Otome-Mystery Game 7’ScarletPersönlich hatte ich bislang noch keinen richtigen Draht zu Otomegames aufbauen können, aber die Experimentierfreude hat mich dazu getrieben, die Anfrage anzunehmen. Vor drei Tagen habe ich dann angefangen meine Zeit 7’Scarlet zu widmen und es konnte mich rund 20 Stunden gut beschäftigen und sogar an einigen Stellen fesseln.

7’Scarlet ist ein Otome-Game aus dem Hause Otomate/IDEA FACTORY & TOYBOX. In Japan zunächst 2016 für PS Vita erschienen und dann am 25.Mai.2018 von Aksys Games ins englische lokalisiert. Die Version, die es mittlerweile auf Steam gibt wird von IntraGames gepublisht und kostet 24.99€. Sie haben eine original koreanische und chinesische Lokalisierung ermöglicht und die englische Übersetzung basiert auf der Vita-Version von Aksys Games, wie man auch in den Credits nachweisen kann. Ich würde es als Mystery/Supernatural einordnen, die Romanze basiert auf einer typischen Otomeformel mit beständigen Charakterklischees. Es gibt haufenweise Entscheidungen zu treffen, verschiedene Tipps und Hinweise zum Lösen des Mysteriums und 6 verschiedene Charakterrouten + Common Route.

7’Scarlet wurde von Kanazawa Tomio geschrieben und directet. Tomio schreibt übrigens auch bald für PQube’s World End Syndrome ein Szenario. Das Charakterdesign und alle Zeichnungen sind von der Nitro+/Chiral Mitarbeiterin Kurahana Chinatsu. Da es ursprünglich ein Vita Titel ist sollte man keinen 18+ Inhalt erwarten.

Handlung:

Das Spiel eröffnet mit einer cinematischen Szene in der wir sehen wie ein Mädchen von etwas gejagt wird und durch einen Wald flüchtet. Als sie an einem Haus ankommt möchte fleht sie ihren Verfolger an ihr zumindest einen letzten Wunsch zu gewähren und jemanden anrufen zu dürfen..

Nach dieser Einstiegsszene befinden wir uns auch schon inmitten der Handlung von 7’Scarlet. Ähnlich der Sound Novel Higurashi no Naku Koro Ni zieht uns das Spiel zu einer friedlich anmutenden Kleinstadt mitten im Nirgendwo mit dem Namen Okunezato. Unsere Protagonistin Hanamaki Ichiko reist mit ihrem Kindheitsfreund Kagutsuchi Hino gemeinsam in die unbekannte Stadt. Das Ziel der beiden ist es Ichikos verschollenen Bruder zu finden.

Die Hauptcharaktere der Handlung sind allesamt User einer mysteriösen Website, die sich der Okunezato Supernatural Club tauft. Die Mitglieder dieses Clubs bestehen aus rätselhaften Personen, die alle auf irgendeine Weise etwas zu verbergen scheinen. Bald schon, nachdem sich die Gruppe gemeinsam trifft merken sie, dass in der Stadt nicht alles so friedlich ist wie man es zuerst annimmt, denn um die Stadt Okunezato ranken sich diverse Mysterien.  Diese Mysterien, bekannt als die 7 Rätsel von Okunezato spielen eine elementare Rolle innerhalb der Handlung.

Die 7 Rätsel von Okunezato

Revenants, Violacias, Konohana Sakuya, Mysteriöses Verschwinden der Bewohner von Okunezato, Okuneirrlichter, Die einst kreisrunde Stadt und „Niemand weiß es“

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Um in Okunezato bleiben zu können damit Ichiko ihre Spurensuche fortsetzen kann, checken sie im Hotel Fuurinkan ein und freunden sich mit der Rezeptionistin Yua und dem Juniormanager Yuki des Hotels an. Diese möchten, dass Ichiko und Hiro von nun an im Fuurinkan arbeiten, damit sie länger in der Stadt bleiben und bis sie alle ihre Fragen klären können und auch ein nettes Stadtfest besichtigen können. Die Bewohner von Okunezato und speziell die Polizei sieht nicht gerne, dass sich Fremde in die Angelegenheit der Stadt einmischen.

Leider währt der Frieden nicht lang, denn in Okunezato treibt ein maskierter Unbekannter sein Unwesen. Auch ist eine Kabukimaske aus dem Fuurinkan-Hotel gestohlen worden. Kurz darauf verbreitet eine Mordserie Angst und Schrecken in der Stadt…

Wer ist der Maskierte und warum ist er hinter Ichiko her?

Charaktere:

In 7’Scarlet gibt es 11 wichtige Hauptcharaktere, von denen sechs Routen haben. Diese Routen werden nahtlos an die Common Route angefügt, wenn die richtigen Entscheidungen getroffen wurden.

Hanamaki Ichiko:

Ichiko ist die weibliche Protagonistin. Sie kam nach Okunezato um sich mit den anderen Mitgliedern des Okunezato Supernatural Clubs zu treffen und um die Spuren ihres verschollenen Bruders zu verfolgen. Anders als die absolut stumme Heroine aus z.B Amnesia lässt sie sich nur bedingt herumschubsen und bemerkt auch, wenn einer der Männer ihr seine Gefühle entgegenbringt. Mit solchen Situationen kann sie nur nicht gut umgehen. Ansonsten ist sie die Reinheit in Person, das bringt ihr den Status einer Ambrosia ein. Im Laufe der Handlung scheinen sie ihre Erinnerungen zu trügen: Ist sie das erste Mal in Okunezato?

Kagutsuchi Hino: (cv. Shimazaki Nobunaga)

Hino ist Ichikos Kindheitsfreund und wuchs mit ihr auf. Er kennt ihren verschollenen Bruder auch und begleitet sie darum auf ihre Abenteuerreise ins Ungewisse. Sportlich, leicht zu ärgern und ein begnadeter Futsalspieler. Zudem würde er nie von Ichiko ablassen und beschützt sie um jeden Preis, weil er das als seine Obligation ansieht.

Amari Isora: (cv. Kakihara Tetsuya)

Isora ist ein begnadeter und leidenschaftlicher Koch des Stadthotels Fuurinkan. Er zeigt Frauen gegenüber viel Charisma, was Hinos Beschützerinstinkt erweckt. Seine Kochkünste zaubern schnurstracks kulinarische Meisterkreationen. Neben all diesen positiven Aspekten scheint er dennoch ein dunkles Geheimnis zu haben und zeigt sich im Laufe der Handlung auch etwas obsessiv? Was sind seine Motive?

Tatehira Sosuke: (cv. Sawashiro Chiharu)

Selbst ernannter Allround-Lizenzenträger und Spitzenmedizinstudent Sosuke Tatehira möchte die gesamte Welt mit Logik und Taktik bewältigen. Auf emotionaler Ebene stößt er da jedoch auf Eis und hat noch viel zu lernen. Er kennt die Geschichte von Okunezawa besser als jeder andere und kann sein Hirn auch zur Lösung von Rätseln anstrengen. Er findet das Okkulte unwissenschaftlich und glaubt nicht daran, hat sich aber dennoch dem Supernatural Club angeschlossen.

Kushinada Toa: (cv. Morikubo Shoutarou)

Tollpatschig und verträumt stapft er durch die Gegend und stolpert über seinen eigenen Kimono und gleich unserer Heroine vor die Nase. Umgeben von seinen Lieblingstieren, den Katzen strahlt jedoch seine herzensgute Persönlichkeit unter dem Otaku hervor. Außerdem hat er strahlend blaue Augen, ein wichtiges Detail.

Yuzuki Murakumo: (cv. Miki Shin’ichirou)

Yuzuki ist der unfreundliche und strenge Besitzer des Fuurinkan-Hotels. Er ist gar nicht erfreut, dass in seinem Haus plötzlich fremde Leute umherstolzieren und er mag es auch nicht, dass Ichiko im Hotel arbeitet. Er macht es unseren Charakteren ziemlich schwer, aber seine wahren Beweggründe sind viel freundlicher als man es zunächst annimmt. Außerdem ist er ein Fan von traditionellem Ikebana.

Hirasaka Yuki: (cv. Kobayashi Sanae)

Yuki ist ein kleines Genie. Er ist zwar erst 13 Jahre alt aber er hat schon seine gesamte Schulbibliothek durchgelesen und sich alles an Wissen angesammelt. Er führt auch die Gruppenaktivitäten und Meetings des Supernatural Clubs an. Ansonsten arbeitet er fleißig im Fuurinkan.

Karasuma Chikage: (cv. Yasumoto Hiroki)

Diesen Mann umgibt eine dunkle Aura und er ist sogar noch unfreundlicher als der Besitzer des Hotels. Er checkt im Fuurinkan als Schriftsteller ein, scheint aber mehr über die Stadt zu wissen und mischt sich auch in die Angelegenheiten des Supernatural Clubs ein. Was hat er vor?

Susano Yua: (cv. Saitou Chiwa)

Sie ist die weibliche Rezeptionistin des Hotels. Freundet sich schnell und intensiv mit Ichiko an und verteidigt sie gegen ungewollte Avancen der Herren. Zierlich, aber vertrauensvoll und loyal dem Fuurinkan gegenüber.

Kukuri Yasuhisa: (cv. Kishio Daisuke)

Yasu ist der Täter! Dies ist ein Running-Gag, der sich durch das gesamte Spiel zieht. Ob er wirklich der Täter ist, das ist fraglich. Seines Amtes Polizist sorgt er für Recht und Ordnung in Okunezato, hat aber ein viel zu großes Mundwerk und verbockt sich viel durch seine eigene Unfähigkeit. Wird vielerorts als „馬鹿警官“ (Idiotischer Polizist) bezeichnet.

Tsukuyomi Kagura: (cv. Takahashi Hiroki)

Ein Tourist und Fotograf, der sich zur Aufgabe gemacht hat schöne Mädchen abzulichten. Er checkt im Fuurinkan ein und möchte, dass Ichiko oder Yua seine Fotomodelle werden.

Eindruck:

Ich habe mich im Verlauf der Recherche für dieses Review mit anderen Otome-Reviews beschäftigt und mir ist aufgefallen, dass Otomespielerinnen unter „Review“ verstehen über ihre Gefühle zu bloggen und  jeden Plottwist aufzudecken. Da 7’Scarlet ein Mystery bleiben soll und ich auch möchte, dass das Spiel gespielt wird, werde ich hier nur ein paar Eckpunkte der tiefergehenden Handlung anschneiden.

7’Scarlet ist eine Mystery/Supernatural Novel, die eigentlich weitgehend den Spieler mitreißt und speziell im späteren Verlauf den Spieler in seinen Bann ziehen soll, doch leider kämpft der Aufbau der Handlung und noch elementarer die Mechanik des Spiels dagegen, dass dieses Gefühl der Immersion beständig bleibt.

Was meine ich damit? Ich meine, dass das Spiel mit seiner verwirrenden Struktur den ein oder anderen Spieler vergraulen könnte. Sobald wir das Spiel starten, dann werden wir auf dem Titelbildschirm zunächst mit unserer Heroine konfrontiert, die da alleine steht. Links und rechts von ihr sind viele freie Plätze in die sich, wie sollte es anders sein, die männlichen Hauptdarsteller Route für Route einreihen werden.

Leider habe ich erst nach dem Abschluss der ersten Routen einen Screenshot gemacht. Dieser Bildschirm verändert sich je Route.

Aufbau:

Wir beginnen mit der Common Route. Diese ist essentiell dreiteilig: Prolog, erste Hälfte, zweite Hälfte. Am Ende der zweiten Hälfte mündet es in einen Entscheidungsbildschirm bei dem man in die Charakterrouten geleitet wird indem man wählt mit welchem Charakter man auf das Stadtfest gehen möchte. Anfangs stehen uns dort Isora und Hino zur Verfügung. Die anderen schaltet man durch spezifische Entscheidungen frei und jeder Charakter hat um die 10 unwichtigen Entscheidungen, die zu Tipps und Hinweisen fürs Glossar, bzw. kurzen Extradialogen führen. Diese sind für den weiteren Verlauf der Handlung nicht essentiell.

Hier kann man jeden Charakter aus dem Okunezato Supernatural Club einmal ansprechen. (Gewählte Entscheidungen bleiben bestehen, deshalb davon abspeichern und alle durchgehen!)

Wichtig ist, dass man beim ersten Treffen des Okunezato Supernatural Clubs einen Charakter anwählen muss, den man näher kennenlernen will. Dies triggert die erste Flag, garantiert aber noch nicht, dass man am Ende der Common Route auch auf diese zusätzlichen Routen kommen wird. Hier kommt das Problem: Um das Mysterium im Spiel zu lösen muss man verpflichtend jede einzelne Route spielen.

Reihenfolge der Routen:

Common 1 -> Common 2 -> Hino -> Isora -> Sosuke -> Toa -> Yuzuki -> Toa (True) -> ???

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Das finde ich geht gegen den Geist einer Otome-Novel und zeigt, dass man versucht hat Mystery und Otome zu sehr zu verknüpfen. Das ist aber problematisch, denn die Developer hätten eine bessere Balance treffen müssen. Womit wir konfrontiert werden erwartet vom Spieler, dass wir uns auf das Mysterium konzentrieren und uns Mühe geben der verworrenen Handlung zu folgen, ständig Hinweise aufschnappen um diese mit der Gesamthandlung zu verknüpfen. Dies nimmt dem Spieler, im wahrscheinlicheren Fall der Spielerin, die Freiheit sich auszuwählen mit wem man eine Romanze eingehen wird, weil man gezwungenermaßen für die Lösung des Kriminalfalls alle Routen mit dem guten Ending abschließen muss.

7’Scarlet bleibt in dem Sinne völlig monogam, aber die Routen werden zu „was wäre wenn Szenarien„,die einfach nur dazu dienen die Romanze aufzubauen, diese dann aber nur als Alternative anbieten und in einer anderen Route wieder überworfen wird. Dafür nimmt man aber das Wissen über die Wahrheit aus den anderen Routen auf die True Route mit und kriegt diverse Einzelheiten auf unterschiedliche Weisen von verschiedenen Quellen erzählt. Das führt nicht selten zur Verwirrung.

Die Enforced Play Order der Routen nimmt dem Spieler die Freiheit sich den Toyboy, der am besten zu ihm passt auszusuchen und man ist gezwungen sich mit jedem Charakter das volle Romantikprogramm anzusehen. Während das für mich kein Problem ist, stelle ich mir vor, dass es Frauen gibt, denen ein bestimmter Typ gar nicht beliebt und deshalb frustriert durch die Route skippen und dabei wichtige Details zur Lösung des Falls übersehen.

Romantik:

Es fiel mir schwer als Hetero in diese Situationen hineinzudenken, aber am natürlichsten kam mir die Romanze in Sosukes Route vor. Was mir nicht gefiel waren die romantischen Situationen, die nur als Fanservice da waren. Manche Entscheidungen dienten nur dazu ein CG freizuschalten, aber waren nicht emotional in die Story integriert. Beispielsweise, man geht in das falsche Bad oder man entschließt sich gemeinsam im Fluss zu schwimmen. Klar muss man Romanze durch solche kleinen Berührungsmomente erst aufbauen, aber es macht keinen Sinn, wenn es instrumentalisiert wird. In Yuzukis und Sosukes Route ist die Romanze in die Story integriert und man merkt wie die Charaktere sich umeinander sorgen. Außerdem ist das Ende von Yusukes Route herzerwärmend und das von Toa ist sehr bittersweet…
Von Isoras will ich gar nicht erst reden…

Aber das dürft ihr alles selbst herausfinden 😛

Entscheidungen und Enden:

Wie angesprochen sind die Enden das problematischste am Spiel. Jeder Charakter hat drei Enden. Ein Happy Ending, ein Normal Ending und ein ultimatives Bad Ending, wenn man nicht schon im vorigen Verlauf in eine Instant-Death Entscheidung geklickt hat, bei der Ichiko meist umgebracht wird weil sie unachtsam war. Auch wenn das Spiel mit vielen Entscheidungen den Anschein macht, dass es eine komplizierte Flowchart besitzt, ist es doch eigentlich sehr straight-forward. Wenn man auf eine Choice klickt, die das Gegenüber mag, dann flimmert ein kurzes Blumenornament auf – das Spiel weist einen nicht explizit drauf hin, aber es steht in den Optionen unter LOVE UP!

Meistens ist es die letzte Entscheidung kurz vor dem Höhepunkt, die bewirkt welches Ende man bekommt. Bei manchen Routen jedoch muss man schon vorher etwas Bestimmtes wählen um überhaupt erst die Entscheidungsmöglichkeit für den Fortschritt zum Good Ending freizuschalten. Das ist z.B in Hinos Route der Fall und hat mich gezwungen einen Guide zu konsultieren. Deshalb genau aufpassen und oft speichern!

Kritik: Plot-Convenience

Problematisch an den meisten Enden ist, dass sie das Motiv der „Damsel in Distress“ überstrapazieren. Beispielsweise gibt es ganz 3 Charaktere wo auf einmal ein Kerl meint: „Ich wusste, dass da etwas nicht stimmt, also bin ich gefolgt und jetzt bin ich dein Ritter auf dem weißen Pferd.“ Als das in der ersten Route passiert ist habe ich es noch geglaubt, aber leider wird dieses Trope zu oft recycled. Sicherlich möchte man die Heldin und auch die Hauptcharaktere nicht allesamt sterben lassen, aber ich finde es problematisch, wenn die ganze Zeit der Charakter der Heldin aufgebaut wird, damit sie sich selbst behaupten kann und am Ende wird sie immer noch von einem ausgewählten männlichen „Squadmember“ gerettet. Wozu baut man dann das Image einer selbstbestimmten Frau auf? Ich würde vermuten, dass weibliche Autoren unterschwellig ihre eigenen Bedürfnisse in diese Otomespiele einbauen. Ich kann mich aber auch irren.

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True Route

Das Spiel besitzt eine True Route, die dann auch Canon wird. Das Ending dieser Route schaltet dann nochmal einen versteckten Charakter frei. Ich weigere mich jedoch diesen Charakter näher zu beleuchten, denn diese Route ruiniert mir das Spiel. Das Ending der True Route ist weitaus besser und ich empfehle, dass man sich genau überlegt, ob man sich den Genuss mit der letzten Route nochmal ruinieren will. Die letzte Cinematik ist trotzdem schön!

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Technik & audiovisueller Eindruck:

Technisches:

Ja, hier greift das Zahnrad zwischen Aufbau und Technik zusammen und verursacht Probleme. Das Spiel ist ein Vita-Port, also kann man keine perfekte Funktionalität erwarten. Bevor sich das Spiel öffnet erhalten wir die Möglichkeit ein Gamepad einzustellen. Das ist auch dringend notwendig, denn die default Tastatursteuerung ist merkwürdig. Ein Schwachpunkt ist es, dass man den Text nur weiterklicken kann, wenn man auf die Textbox klickt. Wenn man das nicht tut, dann scrollt der Text nicht weiter. Buttons wie Backlog, Speichern/Laden und andere essentielle Funktionen liegen auf den Tasten y x c v f1 – f4 auf der Tastatur. Geskippt wird durch das Gedrückthalten der Maustaste.

Ich bin es gewohnt, dass sich die VN alleine mit der Maus steuern lässt, deshalb hat mich das schon desöfteren gestört, wenn ich auf der Tastatur etwas tippen musste. Außerdem funktioniert das Scrollrad nicht richtig und scrollt im Glossar jeweils 2-3 Einträge pro Umdrehung. Ich habe momentan kein kompatibles Gamepad im Haus, deshalb hat mich die Tastatursteuerung wirklich geärgert – immerhin ist sie adjustierbar. Es stehen dem Spieler 99 Saveslots zur Verfügung, davon kommt man mit maximal 10 gut aus. Hin und wieder ist mir das Spiel auch einfach gecrasht, exakt acht Mal in den 20 Stunden Spielzeit um genau zu sein. Was dies verursacht, ließ sich bisher nicht rekonstruieren, es passierte jedoch meist nach dem Laden eines Speicherstands, also war der Verlust nicht allzu gravierend. Trotzdem ist es ein Kritikpunkt, den man nicht ignorieren und bestenfalls nachpatchen sollte.

Das Glossar:

Neben Hinweisen im Spiel gibt es einem wirklich nützliche Informationen über die Lore des Spiels und neben einigen lustigen Witzen gibt es sogar einen Haufen Informationen und Referenzen. Beispielsweise ist „Yasu is the culprit!“ eine Referenz auf Portopia Serial Murder Case, eine ikonische Visual Novel aus dem fernen Jahr 1983. Ein Tsuchinoko ist ein japanisches Fabelwesen. Man merkt, dass die Tipps sehr sorgfältig ausgewählt wurden um den japanischen Spieler nostalgisch zu machen oder einfach Fachwissen über Folklore und japanische Internetkultur zu verbreiten. Sehr schön!

Artstyle:

Ich finde ihn gut. Die Hintergründe und vor allem die Distance-Shots in Okunezato sind recht ansehnlich. Es gibt auch eine große Varietät von Schauplätzen und der Charakter einer isolierten Stadt auf dem Land ist fast schon wie ein Gemälde festgehalten. Es gibt hin und wieder auch cinematische Szenen, beispielsweise die Anfangsszene oder das Opening des Spiels. Auch wird beim Tag und Nachtwechsel ein großer Perspektivshot auf die Natur gezeigt, der sogar leicht animiert ist (fließendes Wasser, wehendes Gras). Es ist jedoch Vita-Qualität, also kann man trotz der Umskalierung keine schmoofen Panoramen bewundern.

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Charaktermodelle sind nach typischen Klischees gehalten, aber allesamt casual gekleidet. Auch scheinen die Charaktere, mit Ausnahme des Festgewands, nur einen Satz Kleidung zu besitzen… das ist schade.

Audio:

Die Musik passt eigentlich fabelhaft auf jeden Moment. Manchmal ist sie total ausgelassen und ruhig, mal versucht sie Atmosphäre und Dringlichkeit zu erzeugen. Gerade der gruselige OST wenn der Mörder zu sehen ist oder sich Ichiko von hinten schnappt erzeugt Spannung. Nervig sind die Soundeffekte, denn jedes Mal wenn ein wichtiger Reveal oder eine Schreckenssituation eintritt, hört man ein lautes SFX „doooom!!!“ , was bestenfalls als Jumpscare 2-3 mal wirkt und dann nur noch langweilt.

Was jedoch sehr gut gemacht ist sind die Endings, denn jeder Charakter hat ein eigenes Credits Theme, was auf seine Weise schön ist. Am meisten gefällt mir aber das Opening, sowohl „Lovesick“ als auch World End Syndrome. Sosukes Ending ist von Shimotsukin gesungen, also damit hat man mein Herz sowieso schnell erobert… also Shimotsukin natürlich, nicht Sosuke!!><

Lokalisierung:

Zunächst dachte ich, dass IntraGames wirklich gute Arbeit beim Lokalisieren dieses Titels gemacht hat, aber dann fand ich in der Creditsroll heraus, dass doch einfach Aksys Version geportet wurde. Von Seiten der Lokalisierungsqualität tut das aber dem Spiel keinen Abriss, denn bis auf eine handvoll typographischer- und grammatikalischer Fehler gibt es nichts zu bemängeln. Die Honorifics, über die man sich streiten kann wurden in adaptierter Form beibehalten. -san => Mr./Yuzu-chan => Yuzie etc.
Das englische Writing deckt die Persönlichkeiten der Charaktere wirklich gut ab.

Fazit:

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal wieder in die Welt von Otome-Games gezogen werde, aber leider schafft es 7’Scarlet nur auf erzählerischer Ebene mich zu überzeugen. Otomeromanzen erwecken in mir nur schwer die Gefühle, die ich bei Eroge habe, die sich auf einen männlichen Protagonist beziehen. Außerdem ist mir die wahre Liebe in solchen Spielen ein wichtiger Faktor. Wenn das Spiel eine Liebesgeschichte erzählen will, dann ist Harem einfach ein Hindernis. Nichtsdestotrotz hat mir das Mystery und vor allem das Rätseln in 7’Scarlet durchaus gefallen, auch wenn es nicht interaktiver Natur war. (Point&Click, Exploration) Die Enden beinhalten jedoch sehr viel Plot-Convenience und versuchen auf Zwang gut zu enden. Das fand ich unglaubwürdig, aber es zerstört mir das Spielerlebnis nicht.

Alles in allem ist 7’Scarlet ein Mystery welches man durchaus genießen kann und gerade während der hiesigen Regentage gut spielen kann. Wenn es euch nichts ausmacht die selbe Handlung aus 5 Perspektiven noch einmal zu spielen um die Plotholes zu füllen, dann werdet ihr viel Spaß mit 7’Scarlet haben.

Ironischerweise würde ich 7’Scarlet 7 von 10 Punkten geben 🙂

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Post Author: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (23) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 80 Visual Novels gespielt. Ich bin einer der drei Admins dieser Seite und bringe euch News, Reviews und kümmere mich um die Struktur.' よろしく~