Newton and the Apple Tree (Newton To Ringo No Ki) – Review

Habt ihr euch schon mal gefragt, ob das alles so mit rechten Dingen in eurem Physikunterricht zu geht? Wer war Einstein? Wer war Schrödinger? Kam es euch jemals in den Sinn, dass die Dinge nicht so sein könnten, wie sie es euch vom Schulbuch erklärt werden? Habt ihr jemals die irrsinnige Fantasie gehabt, dass eine elementare, historische Figur wie der große Isaac Newton vielleicht ein kleines Mädchen mit Twintails und einem großen Kopf hätte sein können – wenn dies der Fall sein sollte, dann sollte man sich mal auf Irrsinn überprüfen lassen. Und genau so einem irrsinnigen Szenario begegnen wir in dem Spiel um das es heute gehen soll: „Newton and the Apple Tree“ von Laplacian.

Da es zu dem Spiel weitaus mehr zu sagen gibt, als nur ein einfaches Review werde ich hier auch darauf eingehen wie uns Sol Press im Laufe des Reviews behandelt hat, meine Diskussionen mit dem Übersetzer „Bango und noch weitere Informationen die ausschlaggebend für das Release des Spiels sind. Es wird eine wilde Reise, deshalb schnappt euch Popcorn und lasst uns anfangen.

Newton and the Apple Tree ist aktuell von Laplacian, veröffentlicht im Jahr 2017 in Japan und wurde am 15. August von Sol Press auf den Markt via Steam gebracht. Ausschlaggebend dafür war ein ziemlich erfolgreiches Kickstarterprojekt. Das Genre des Spiels schwankt zwischen Comedy, Romance und Slice of Life, aber hat einen Twist darin eine historische und dramatische Komponente zu besitzen, die uns in das England des 17. Jahrhunderts zurückwirft. Es verwendet auch elementare Teile des Science-Fiction Genre in Form von Zeitreise und Erfindungen, die es zu der damaligen Zeit noch gar nicht geben sollte. Das Szenario wurde von Ono Wasabi geschrieben.

Synopsis:

Wir spielen den jungen Protagonisten Syuji Asanaga, der mit seiner Kindheitsfreundin Yotsuko auf der Suche nach seinem plötzlich verschollenen Großvater ist. Sie reisen nach England zur Tenbridge-Universität (angelehnt an Cambridge) und unter gewissen Umstände finden sie dort ein mysteriöses Gerät – ein Teleskop mit der Fähigkeit Menschen durch die Zeit reisen zu lassen. Nach dem Zeitsprung fallen sie auf ein kleines Mädchen namens Alice Bedford und lernen nach einiger Zeit, dass sie die wahre Identität vom großen Vater der Gravitation Sir Isaac Newton sein soll. Es gibt nur ein Problem, denn bei der Anreise haben Syuji und Utakata den Baum zerstört, der zu Newtons Erkenntnis der Gravitationslehre geführt haben soll. Im Laufe der Ereignisse stellen die beiden fest, dass dies zu einem Dominoeffekt führt, der auch Schlüsselpunkte in der Zukunft verändert, beispielsweise das heliozentrische Weltbild wird nicht mehr anerkannt und der technologische Fortschritt bleibt aus. Infolgedessen, entscheiden sich die Freunde nun, eingeschriebene Studenten der Tenbridge Universität zu werden und begegnen neuen Freunden, Feinden und enthüllen das ein oder andere Geheimnis, was die Vergangenheit birgt.

Werden sie in der Lage sein den Verlauf der Geschichte wieder ins Lot zu bringen, ihren Großvater zu finden und wieder heile in ihre Zeit zurückkehren?

Unsere Erfahrung mit Sol Press im Reviewzeitraum

Bevor ich nun auf meine Wahrnehmung und das Spielgeschehen an sich eingehe, möchte ich einen kleinen Exkurs in die Businesspractices machen, die Sol Press uns gegenüber präsentiert hat.

Wir haben zunächst von Sol Press eine ReviewCopy mit einigem Material zum Spiel bekommen, aus denen wir unser Review strukturieren sollten. Ein Problem gibt es dabei aber, nämlich sind wir ziemliche Gegner der Zensur und somit musste ich kurz aufstoßen, als ich eine Reviewcopy erhalten hatte, die ungekennzeichnet wohl eine All-Ages Version darstellen sollte. Ich habe zunächst das Spiel ganz normal gespielt bis ich merkte, dass einige Zeilen wie: „Warum berührst du meine Brüste?“ oder „Sind deine Toleranzen etwa so klein wie deine Brüste?“ zu harmloseren Sätzen nach dem Schema „Warum liegst du auf mir?“ oder „Deine Toleranz ist echt klein“ geändert wurden textlich. Damit aber nicht genug, denn die für das Spiel wichtigen und romantischen Hentai-Szenen wurden auch komplett herausgeschnitten. Letzteres lässt sich einfach nachvollziehen, denn Sol Press hält sich selbst für einen Mainstream-Publisher, nach eigener Aussage, und deshalb wollen sie nicht, dass ihr Brand mit Pornomaterial verbunden wird, weil es wohl Türen für sie schließen würde. (Was ich dazu zu sagen habe kommt später.)

Nach Diskussion mit Bango über diese Änderung, die ich als Fehler abgestempelt habe, ist mir dann persönlich nicht aufgefallen, dass wir wohl ein „Spoilerverbot“ nicht eingehalten haben. Dieses besagte, dass wir nichts zu dem Spiel öffentlich posten sollten was nach dem Demozeitraum stattfindet. Ich habe dennoch Screenshots von Textzeilen gepostet und somit wurde mir mitten im Reviewzeitraum die Reviewcopy wieder entzogen – was man davon halten mag, darf jeder selbst entscheiden, aber ich muss dazu sagen, da ich ja sichtlich gespoilert habe war das gerechtfertigt. Es erschließt sich mir dennoch nicht, wieso man für Betatester ein Spoilerverbot erlässt, wir haben zu dem Zeitpunkt sogar diese „Spoiler“ dazu benutzt um den Übersetzer des Spiels in unserem Discordserver mithilfe von Screenshots auf Fehler und Rechtschreibschwächen aufmerksam zu machen. Außerdem habe ich mich öffentlich zu negativ über das Spiel geäußert, was als Verstoß gegen das Spoilerverbot interpretiert wurde. SolPress CEO Xeviax hat uns zu dieser Situation kein Statement gemacht.

Ich vermute, dass dies die letzte Reviewcopy von Sol Press war, aber das hindert natürlich nicht daran ihre Spiele weiter zu reviewen. Beispiele für die zensierten Textstellen gibt es später in einem Slider. Wir sind natürlich trotzdem dankbar für die Reviewcopy und akzeptieren ihre Entscheidung, aber wenn man erwartet, dass man nur gutes über die Spiele sagt, dann sind sie bei uns falsch.

Wir sind keine Werbeplattform sondern schreiben Reviews und haben Standards. 

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Im Laufe dieser Kontroverse habe ich dann einen Thread erstellt in dem es darum geht, welche Zensurvariante man bevorzugt, und siehe da: „Unzensiert“ gewinnt unlängst. Nähere Infos dazu in Sol Press FAQ

Mittlerweile kann man den Patch zum Spiel Newton and the the Apple Tree auf der neuen angelegten Website „PantyPress“ erwerben!

Charaktere haben wir in unserer Showcase schon erläutert. 

Erster Eindruck:

Kurz nachdem wir das Spiel starten kriegen wir eine Art Foreshadowing auf die Szene in der unser Protagonist nach einer Zeitreise sehr gemütlich auf zwei grundverschieden aussehenden Mädchen landet. Praktischerweise fasst er ihnen auch gleich an die Brüste, wie wir es aus der typischen Animeszene kennen und wird gleich von einer der beiden, eine blondhaarige Tsundere-Loli namens Alice Bedford als Versager und Jungfrau beleidigt. Diese Szene legt gleich einen Grundtenor nahe, nämlich ist der Fokus des Spiels auf Comedy und die süßen Reaktionen der Heroinen getrimmt – diese kann man extrem in den Spriteanimationen sehen. Nach dieser Szene befinden wir uns ein wenig früher in der Zeit und begegnen Utakane Yotsuko, die eine Maske trägt. Diese ist wohl unsere Kindheitsfreundin und hat einen kleinen Tick. Der ist nämlich Dinge zu vermessen, wo sie nur kann.
Im Laufe der Geschichte begegnen wir hier noch anderen Heroinen, die alle später ihre Route haben, und zu einem romantischen Love-Interest unseres Protagonisten werden und Intimitäten mit ihm austauschen. Jedes Mädchen hat ihren eigenen Tick, den ich so bisher in anderen Visual Novels noch nicht verbraucht sah und das ist gut und macht sie einzigartig für diese Geschichte. Eine weitere spoilere ich euch noch: Emmy liebt Kartoffeln.

Das Pacing des Spiels ist beizeiten ein bisschen fragwürdig. Die Choices sind, obwohl sie mehr bieten als 95% der neuzeitlichen Eroge, sehr flach und können mich nicht wirklich überzeugen. Manche sind auch einfach nur da und führen zu 2-3 extra Lines in denen steht, dass das Vorhaben so nicht zum richtigen Ergebnis führt. Die Story schien mir voll mit aufgesetztem Drama mit Ausnahme der Yotsuko und Lavi-Route, die wirklich dringende Probleme mit sich brachte und mir auch am besten gefallen haben.
Das Writing des Spiels ist wirklich großartig und man kann auch viel durch die ganzen geschichtlichen, und wissenschaftlichen Themen lernen. Ich finde das Spiel macht viele Dinge richtig und nur wenige falsch, aber es ist an einigen Stellen recht langwierig und ist natürlich kein perfekter Titel.
Es sieht dennoch sehr gut aus mit vibranten Farbgebungen, strahlend colorierten Zeichnungen, süßen Moemädchen von denen viele generische Tropes verwendet werden, aber jede einen kleinen Twist hat.
Die musikalische Untermalung ist bestenfalls Durchschnitt und plätschert mal so nebenher. Das Opening dafür ist toll, es wurde ja auch von Uehara Ichinoryu gemacht und die Endingthemes, sind auch bestenfalls Durchschnitt. Dafür ist die Sounduntermalung mehr als passabel, es gibt aber keinen Track der einen wirklich fröhlich oder traurig macht, die Seele fehlt hier.

Mechanisches:

Das Spiel läuft ziemlich flüssig, ich konnte bisher keine Bugs beobachten. Sol Press hat sich bei dem Titel mehr Mühe gemacht, als eigentlich nötig gewesen wäre, aber sie haben ein interessantes Setting eingeführt mit dem man die Honorifics des Spiels togglen kann. Dies ist eine Antwort und wahrscheinlich ein Beispiel für die Kontroverse und die große Umfrage, die wir in 2 Artikeln schon vor Wochen behandelt haben. Nichtsdestotrotz, kann man hier nun einfach mal experimentell ausprobieren was man bevorzugt. Wir haben zu dieser Funktion schon von Bango zu hören bekommen, dass es für ihn zwar mehr Arbeit sei, aber er die Funktion echt mag. Wir gewöhnen uns daran.

Das Choicesystem ist hier ein bisschen langweilig meiner Meinung nach, eine Auswahl kommt vielleicht mal alle paar Tage dran (Das Spiel zählt die Storyprogression in Monatstagen) und sie hat meistens einen großen Effekt auf das was direkt danach kommt. Ein Netz aus verschiedenen Choices und somit verschiedenen Routenendings gibt es nicht. Es gibt insgesamt 5 oder 6 Enden zu erforschen und sie sind alle Enden von Heroinenrouten. Ein Standardsystem und nichts besonderes. Das Spiel ist auch nicht wirklich animiert wie es z.b Maitetsu war, aber die Charaktersprites sind dynamisch und sehr knuffig anzusehen. Speziell Lavi und Alices Shenanigans sorgen hin- und wieder einmal für Lacher.

Ach ja, kein Dual-Language Setting *rage*

Übersetzung:

Da ich Japanisch spreche, kann ich wohl auch wagen ein paar Sätze über die Übersetzungsqualität zu schreiben. Wie gesagt, der Übersetzer für Newrin ist Bango und das Team, was an dem Spiel mitgearbeitet hat, könnt ihr hier einsehen. Man sieht zunächst, dass das Spiel mit viel komplizierten Jargon über Wissenschaft, Naturwissenschaft, Naturphilosophie und Mechanik arbeitet. Man liest z.B in einer Szene eine Erklärung über Lavis Erfindungen und in einer anderen über Aerodynamik, und man kann sagen, dass hier sehr gute Arbeit verrichtet wurde.

Als ich die Reviewcopy spielen durfte, konnte ich jedoch feststellen, dass mit dem eingebauten Honorificsetting einige Unklarheiten und umgeschriebene Textstellen vorkamen. Diese wurden von Bango selbst verfasst und man merkt, dass sie nachträglich verändert wurden, da sie nicht wirklich ins Writing von Laplacian hereinpassen. Die editierten Stellen, ob nun wegen All-Ages Umschrift oder Honorificsetting, fühlen sich wie ein Fremdkörper an. Man kann jedoch anmerken, dass es eine sehr noble Idee ist ein Honorificsetting einzufügen, das haben bisher noch kaum Spiele gemacht, und man muss auf die allgemeine Reaktion abwarten, wie es aufgenommen wird.

Hin und wieder gibt es Unstimmigkeiten in der Übersetzung, aber hier wurde weder zu literal, noch falsch übersetzt. Was sehr gut ist, ist zusammen mit dem Writing, man kann wenn man sich intensiv mit der Novel beschäftigt nachvollziehen was die Charaktere sagen und fühlen. Das ist ein sehr großer Vorteil der Übersetzung, sie fühlt sich vom Text her natürlich was – sogar so natürlich, dass es hier eher einen fließenden Übergang für den Leser schafft. Er fühlt den Text und liest nicht nur. Es gab in unserer Version kleine Inkonsistenzen was die Wortwahl anging und ich konnte ein paar Rechtschreibfehler finden, aber es ist eine der besseren Übersetzungen auf dem Markt – definitiv.

Artwork von Bango selbst – Source

Schwierigkeiten: (Input von Bango)

Interessanterweise stand mir Bango sogar persönlich für ein ganzes Interview zur Verfügung und hat mir und für unsere Leser einen dicken Batzen an Fragen beantwortet. Ich werde sie für euch übersetzen und hoffe, dass ihr Bango einen verdienten Follow auf Twitter gebt und euch auch sein anderes Projekt (Strongest Gamer: Let’s Play in Another World) anseht (Review ist hier)

1. Obwohl das Jargon im Spiel sehr wissenschaftlich ist, verwendest du keine allzu seltenen Worte, die man selbst als native Speaker nachschlagen müsste. Wie formulierst du die Begriffe so, dass sie selbst für einen ESL leicht nachzuvollziehen sind? War es schwer für dich das Fachjargon im Spiel nachzuvollziehen oder hast du viel recherchieren müssen? Wenn nicht, wo lagen die Schwierigkeiten?

Bango: Ich habe selbst Physik, Thermodynamik, Motorkinetik und Elektrizität studiert, also hatte ich keine großen Schwierigkeiten mit den Themen. Das größte anzumerkende Problem waren vielleicht ein paar der Wortspiele und Puns. Außerdem ist es nicht leicht alle Konzepte zu erklären, mit dem Hintergrund, dass das Naturprinzip der Gravitation unbekannt ist und wie man es umschreiben kann, wenn die Charaktere darüber reden. Es ist nicht leicht sich in eine Welt hineinzuversetzen in der die Gravitation noch nicht entdeckt wurde.

2. Wie ist das mit der generellen Übersetzung. Viele Spiele haben das Problem, dass der japanische Originaltext zu beschreibend ist also musstest du bestimmt ein paar Sätze kürzen, nicht wahr? Wie oft hast du manche Stellen nochmal neu schreiben müssen und wieso? Wir hatten die All-Ages Version zum Spielen, was uns nicht gefiel.

Bango: Vielleicht während der Sexszenen um das ganze heißer zu machen und alles dem Leser schmackhaft zu machen. Japanisches Pornoschreiben geht zu oft in schwachsinnige Details. Die All-Ages Version, die ihr erhalten habt hat mir persönlich sehr wehgetan und ich habe daran gearbeitet ohne wirklich drüber nachzudenken.

3. Wenn du jetzt die Übersetzung nochmal betrachtest, was hättest du noch besser machen können?

Bango: Vielleicht den Anfang, Newton war mein erstes Projekt und deshalb war ich noch ein blutiger Anfänger, als ich diese Übersetzung anfing. Ja, Newton wurde auch vor Strongest Gamer verfasst, denn damit begann ich kurz nach Ellys Route. Es gibt so ein paar Stellen, die ich heutzutage nochmal anders schreiben würde, aber das beschäftigt wohl jeden Übersetzer.

4. Hast du während dem Übersetzen viel neues gelernt?

Bango: Ich habe gelernt, dass ich mich nicht auf die Lines versteifen sollte und, dass die im Original enthaltene Wiederholung gerne gestrichen werden kann. Das macht es natürlicher zu lesen. 
(Anmerkung: Die Japaner lieben ja das Konzept der Wiederholung und der Selbstbestätigung von Aussagen, was in völligem Kontrast zu dem eher schnörkellosen Schreibstil westlicher Otakumedien steht.)

5. Denkst du es ist wichtig, dass du zuerst das Spiel gespielt hast, bevor du anfängst zu übersetzen? Oder übersetzt du eher fließend von Anfang bis Ende in einem Durchlauf und recheckst dann mehrere Male? Ich denke persönlich, dass man bei einem offiziellen Release nicht der Tatsache aus dem Weg gehen kann, dass man das Spiel durchweg kennen sollte.

Bango: Ja, es hilft so sehr das Spiel zuerst durchzuspielen. Es hat mich froh gemacht zu wissen was kommt und wieviel noch kommt. Es gibt viel Foreshadowing in Newrin frühen Kapiteln, was du beim ersten Spielen gar nicht bemerken kannst. Es gibt leider eine Menge Übersetzer, die dafür gar nicht die Zeit haben – es ist mehr ein Luxus. 

6. Wie fühlt es sich an weiter zu machen, wenn man das Spiel schon kennt. Wird es langweilig, weil man weiß wieviel noch auf einen zu kommt?

Bango: Oh nein, gar nicht. Das Gefühl, das beim transmittieren von Lines in eine andere Sprache mitschwingt, bewegt mich sehr. Ich arbeite besser, wenn ich weiß, was noch kommen wird.

7. Wie schaffst du es, dass die Sätze so natürlich klingen? Liest du sie dir selbst vor und analysierst, ob diese in wirklich funktionellem Englisch geschrieben sind?

Bango: Ja, das tue ich manchmal. Ich führe den gesamten Tag Listening-Übungen durch während ich Leute sprechen höre, so erhalte ich nach und nach ein Gefühl dafür, wie natürlicher Dialog klingen muss.

8. Zwei ausführliche Fragen noch: Was hast du bei der Übersetzung von Newton gelernt? Neue Grammatikstrukturen, Kotowaza, die du recherchieren und Äquivalenz bilden musstest? Welche Ressourcen hast du eigentlich genutzt, dazu zählen Dinge wie physische Wörterbücher, Online-Wörterbücher, J -> J Enzyklopädien und anderes und damit zusammenhängend, wie viel hast du pro Session übersetzen können? (Zeichen/Tag)

Bango: Wörterbücher aller Art sind immer echt nützlich und was die Wortanzahl angeht, wahrscheinlich 8000 – 10000 am Tag, was ungefähr 400-500 Lines entspricht. Manche machen aber mehr. (z.B Steiner, AruNaru, Aroduc…)
Als ich angefangen hatte habe ich mir ein Ziel von 250 Pro Session gesetzt, aber nach den Anfangsschwierigkeiten wurde es immer mehr.

9. Unglaublich, doch ich habe oft gehört, dass das Übersetzen von H-Szenen eher langweilig ist. Denkst du, dass die Übersetzung von dieser Art Szene eher ermüdend ist?

Bango: Nein, absolut nicht. Es macht mir großen Spaß und ich habe schon vor Newrin ein ganzes Jahr lang Doujinshi übersetzt. Ich bin an Sex gewöhnt und ich denke, dass man Sex heiß machen soll anstatt mit Standardlines wie: „My Hips are moving on their own“ oder „my inner walls are convulsing“ kommen muss.

Abschlussfrage: Gibt es ein paar Kommentare, die du noch geben willst oder hast du irgendwelche Empfehlungen für Wannabe-Translator oder die Spieler?

Bango: Wenn eine Hohlbirne wie ich übersetzen kann und es Leuten gefällt, dann kann das jeder. Ich hoffe jeder genießt das Spiel genauso sehr wie ich Spaß daran hatte es zu übersetzen. Und ganz wichtig:
SPIELT NICHT OHNE PATCH!

Routensystem:

Alle Heroinen und Lavi ist natürlich mein Best-Girl!

Newrin hat insgesamt fünf Routen, die so nahtlos an die Geschichte anschneiden, dass man manchmal gar nicht merkt, dass man gerade von der Common Route in die Charakterroute geschlittert ist. Da ich nicht alle Routen, aufgrund des Entzugs der Reviewcopy spielen konnte kann ich hier nur über Yotsukos, Lavis und Harus Route lamentieren. Ja, die wichtigste Route, die von Alice konnte ich aufgrund einem plötzlichen Gamecrash nicht mehr spielen, schade. Nichtsdestotrotz, habe ich mich durch Freunde, Bango und der japanischen Version von NewRin informieren können, was mit den restlichen Routen ist. Dadurch komme ich auf eine bestimmte Routenfolge, die das beste Spielerlebnis generiert.

Empfohlene Routenfolge

Diese Folge ist: Yotsuko -> Lavi  -> Lavi 2 -> Haru -> Emmy und zuletzt die Alice-Route.

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Im ersten Durchgang wird man meist nur die Lavi oder Yotsuko-Route erlangen können, da ein paar spezifische Routenchoices dafür verantwortlich sind. Man muss auch zunächst Lavis Route beenden, damit man überhaupt versteht was in den anderen passiert. Man wird dann schnell merken, dass die Routen eher offen sind, es gibt Hauptrouten und es gibt sogenannte Sideroutes, die eher zu „Was wäre wenn-Enden“ führen, bei denen nicht wirklich abgeschlossen wird was passiert. Man wird merken, dass diese Routen einen mit einem Gedanken hinterlassen: „Hey da fehlt doch was, nochmal spielen“ -> Das ist auch sehr wichtig, da der Humor in allen Szenen sehr überraschend lustig ist und man einfach mit einem Lächeln auf den Lippen spielen muss. Ich werde nicht weiter mit den Routen spoilern, aber man muss Alices Route definitiv als letztes Spielen um nämlich auch noch Extraszenen freizuschalten – lest einfach alles.

Guide von <video game boy>

Spielerlebnis:

Eine Yamato-Nadeshiko wie sie im Buche steht – aber sie kann nicht nach Hause?

Wenn ich sagen würde, dass Newrin mir keinen Spaß gemacht hat, dann würde ich lügen. Die Story hat ihre Schwächen und das Drama ist an manchen Stellen echt unnötig, aber doch gefällt mir der Großteil des Spiels wirklich gut. Die Charaktere sind diabeteserregend ohne absolut über-moe zu sein, wie z.b bei Yuzusoft-Titeln, aber schaffen es durch ihre Quirks die Stimmung immer so aufzulockern, dass die sprachlichen Austausche immer recht cool gestaltet sind.
Die Tsundere Alice ist aber unglaublich nervig mit ihren Beleidigungen, aber es ist auf jedenfall ein netter Twist zu ursprünglichen Formel, sie hasst einen in den ersten 5 Stunden des Spiels wirklich und man wird von ihr ständig ordentlich gedisst – aber hey sie ist Isaac Newton!.
Sonst sind alle anderen Charaktere ganz ok. Das Spiel selbst zu spielen hat mich über 20-24 Stunden beschäftigt und es wären 30 gewesen, wenn ich noch letzten beiden Routen hätte spielen können.

Man kann aber sagen, dass ich mehrmals innerlich Nasenbluten hatte wenn so eine Sexy Dame wie Elsa, die man später im Spiel kennenlernt, auftaucht. Ansonsten ist das Spiel voll mit Waschbrettlolis und Leute die auf etwas mehr…Vorbau stehen kommen hier nicht wirklich auf ihre Kosten. Sexszenen konnte ich ja keine sehen, deshalb kann ich darüber nicht kommentieren – vom Skript her sind sie aber sehr erotisch und glaubhaft geschrieben – danke an Bango!

Ich habe in dem Spiel die Funktion angemacht, dass der Text zwar schnell scrollt, aber die Synchronisation nicht unterbrochen wird und dann das ganze Spiel im Automodus gespielt, das hat ordentlich funktioniert. Ein wenig problematisch war es, dass man manchmal sich verspeichern konnte und man dann keine Wahl hatte wieder von Anfang an zu spielen und mehrmals auf „Skip to Next Choice“ zu drücken, bis man bei der aktuellen ankam. Da die erste Choice so ungefähr nach Stunden erst kommt ist das manchmal echt nervig, aber verkraftbar.

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Fazit:

Newrin war ein lange, lange erwarteter Titel und die erste Visual Novel von Sol Press, die es auf den Markt hier geschafft hat. Und da kann man jetzt einklinken, denn Solpress verkauft die Novel für 40$ bzw. 33.99€. Über diesen Preis kann man sich lange streiten. Manche sagen 30h Spielzeit sind zu kurz für den Preis und manche, meist die Verfechter der gängigen japanischen Preisklassen, sagen sie sei zu billig. Ich denke 29.99€  wäre ein angemessenerer Preis gewesen. Es wird jedoch sehr intensiv gekauft, denn es ist in Japan schon auf Platz 1 der internationalen Steam-Neuveröffentlichungen.

Die Präsentation des Spiels ist enorm gut, und nur unter der Haube mangelt es etwas an ordentlichem Storytelling. Das Writing, was nicht wirklich mit dem Pacing zu tun hat ist jedoch großartig und Sol Press hat mit Bango einen fähigen Übersetzer eimgesetzt, der in einer Welle von MTL (Maschinentranslation) und chinesischer, fragwürdiger Publisher mit japanisch-grammatisch geordneten Satzstrukturen, Hoffnung für die Lokalisierungsindustrie mitbringt. Ich hatte wirklich viel Spaß mit dem Spiel und als Infodump für verschiedenste Themen der Physik funktioniert es auch ganz prima. Einzig und allein das Ending der Alice-Route rettet ihr den Arsch davor als Worst-Girl eingestuft zu werden. Es ist absolut phänomenal und die meisten werden es lieben, während bei den Sideroutes ein Gefühl der Leere übrig bleibt, weil sie einfach nicht glaubhaft sind.

Spoiler: Schwächen der Endings

In zwei der Endings lässt Syuji einfach die Zukunftsrettungspläne fallen und verliebt sich in eine der Personen mit denen er Sex hat. In Folge dessen ist die ganze Prämisse des Zeitparadoxon komplett ausradiert. Ich halte diese Endings für definitive Bad Endings, egal ob Syuji damit glücklich ist. Er ist nicht der liebenswerteste Charakter und man will nicht wirklich, dass er viel Glück im Leben hat. Immerhin mag er wieder die Wissenschaft. Das mit der Musik wurde leider nie weiter ausgeführt, obwohl man da eine Art „Shigatsu wa Kimi no Uso – Arima Kousei Selbstflucht“ hätte schreiben können. Etwas verschwendet die ganze Prämisse.

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Newton kann sich als neues und erstes Release von Sol Press echt sehen lassen und mit einem etwas niedrigen Preis würde ich es mir jetzt sogar nochmal kaufen, aber ich durfte die Reviewcopy spielen und das reicht mir. Allen anderen empfehle ich es jedoch. Schnappt euch diesen Titel und viel Spaß mit den quirligen kleinen Mädchen der Tenbridge Universität.

Quellen: Bango Interview in Discord, Steam Reviews für empfohlene Routenorder, SolPress Pressematerial

Post Author: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (22) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die ~60 Visual Novels gespielt. Ich bin einer der drei Admins dieser Seite und bringe euch News, Reviews und kümmere mich um die Struktur.' よろしく~