Japanische Eroge-Releases im Juli 2018

Am Freitag der letzten Woche eines Monats erscheinen in Japan immer die neuesten Eroge. Da es heute einmal wieder soweit ist, möchten wir hier die unserer Meinung nach interessantesten Spiele diesen Monat vorstellen. Dieses mal sind es drei, zwei davon sogar von bekannten Firmen, deren westlicher Release gar nicht so unwahrscheinlich sein dürfte. Aber fangen wir erst einmal mit dem Überraschungskandidaten in diesem Monat an.

3. Nukige Mitai na Shima ni Sunderu Watashi wa Dou Surya Ii Desu ka?

Junnosuke muss zusammen mit seiner Schwester Asane aufgrund des plötzlichen Todes seiner Eltern in seine alte Heimat zurückkehren, der Insel Seiran. Diese ist aber nicht irgendeine Insel sondern die Heimat der perversten Bewohner Japans. Um genau zu sein ist es auf Seiran vorgeschrieben immer und überall und mit jedem Sex zu haben, je perverser desto besser.
Junnosuke ist davon überhaupt nicht angetan, denkt er doch, dass es Sex nicht ohne Liebe geben sollte und das Jungfräulichkeit eine Tugend ist. Das sieht allerdings der Disziplinarausschuss der Insel gar nicht gern. Von der Schülersprecherin und ihren Untergebenen gejagt, entschließt sich Junnosuke zusammen mit seinen Freunden, die ebenfalls seine Ansicht teilen und die Gesetze der Insel ablehnen, eine Rebellengruppe zu gründen und gegen die Ordnungshüter Seirans zu kämpfen.

Nukitashi wäre fast außerhalb meines Radars geblieben, wenn ich in unserem Discord nicht auf das Spiel hingewiesen wurde. Es sieht nämlich aus wie ein Nukige, ist es aber nicht. Oder zumindest versucht es nicht eins zu sein.
Was ist es denn nun dann? Konzeptionell ist Nukitashi eine Art Hybrid aus Nukige und Chuunige; ein over-the-top Kampf zweier Parteien um die Vorherrschaft der besseren Ideologie … und das mit einer Menge perverser Waffen, wie zum Beispiel aufblasbaren Gummipuppen oder technisch modifizierten Vibratoren.

Das alles klingt extrem lustig, doch scheitert das Spiel, zumindest wenn ich nach der Demo urteile, daran, dass es weder den pervers lustigen Teil noch den Actionpart wirklich herausragend zur Geltung bringen kann. Schaut man sich das erste Opening an, so denkt man ein lustiges Moege in einem absurd komischen Setting erwartet einen, wo eine Schar Schlampe den armen Protagonisten auf die Pelle rückt und diese um ihre Jungfräulichkeit bangen und vor den notgeilen Nymphomanen fliehen müssen. Das wäre ein interessantes Setting für eine Comedy. Schaut man sich das zweite Opening an, so kommen die chuuni-esken Aspekte zum Vorschein. Wäre es nicht spannend einem epischen Kampf zwischen Abstinenz und Promiskuität beizuwohnen?

Am Ende ist Nukitashi aber beides nicht, zumindest in der Demo, und mir wurde klar, warum mir das Spiel nicht selbst aufgefallen war sondern ich von anderen darauf hingewiesen werden musste. Weder versucht es den Chuunifans noch an Nukigefans zu gefallen (die Actionszenen sind kurz und alle die perversen Dinge, die auf der Insel passieren, sind beiläufig und ohne CGs), stattdessen reiht es sich konform ins Genre der Moege/Charage ein, die nun gar nicht meins sind. Große Teile des Spiels beschäftigen sich mit langweiligen Charakterszenen, die weder das Setting ausreizen, noch an sich interessant sind. Warum muss ich Stunden mit Slice of Life Szenen verbringen, wenn ich eigentliche epische Kämpfe und perverse Situationen sehen wollte? Und apropos perverse Situationen; die Demo hatte eine Menge unsinniger Hentaiszenen, die dem Setting sehr geschadet haben. Unsinnig? Auf Seiran? Ja, denn statt CGs dafür zu verwenden uns die absurden Happenings auf der Insel mit ihren noch absurderen Bewohnern und ihrer sehr freien Lebensweise zu zeigen, muss der Spieler einer Menge H-Szenen zwischen dem Protagonisten und seinen Kameradinnen beiwohnen. Moment mal, sollten die nicht eigentlich für ihre Jungfräulichkeit und ihrem Recht abstinent zu bleiben kämpfen? Oh, offensichtlich nehmen sie die ganze Sache dann wohl doch nicht so ernst wie zunächst angenommen.

So kann man natürlich auch eine tolle Prämisse komplett ruinieren.

2. Erewhon

Yukihito wacht völlig verwirrt in einem unbekannten Haus auf. Er weiß nicht, wo er ist und was er hier macht. Er kann sich nur erinnern, dass er vor einigen Tagen eine Notiz erhalten hatte, die etwas von einem versteckten Dorf in einem Wald andeutete und er zog daraufhin los um dieses zu suchen.
Als er das Haus verlässt, merkt er, dass er das Dorf inmitten des Waldes wohl gefunden hat. Eine merkwürdige Atmosphäre liegt über ihm. Die Dorfbewohner erzählen ihm, dass sie ihn für den Marebito halten, einem Begriff aus der japanischen Folklore, die einen Wanderer beschreibt, der Glück und Reichtum dem Ort beschert, den er besucht. In ein paar Wochen soll ein großes Fest stattfinden, das nur alle 20 Jahre abgehalten wird, und Yukihito soll nun der Ehrengast auf diesem Fest sein. Zu diesem Zweck stellt man ihm zwei Konkubinen, Töchter der mächtigsten Familie des Dorfes, zur Auswahl, um eine von ihnen auf dem Fest zu seiner Frau zu nehmen.

Erewhon könnte so gut sein. Das Fundament war gelegt. Am Text sitzt Asou Ei, bekannter Clockup Autor, der vor zwei Jahren das Meisterwerk Natsu no Kusari zu verantworten hatte. Auch dabei ist Zeichner Gentle Sasaki, ebenso ein Meister seines Fachs, der den Erogamer etwas sagen dürfte. Und über die akustische Untermalung und die ominöse Atmosphäre, die diese erzeugt, kann man auch nicht klagen.

Aber was soll denn dieser Plot bitte? Ich sage explizit Story, nicht Writing, denn das Writing ist perfekt. Doch das kann nicht über diese dämliche Nukigehandlung hinwegtäuschen. Yukihito wird von allen angehimmelt als eine Art Gottheit, man gibt ihm einfach so zwei Jungfrauen, die er nun die nächsten zwei Wochen jede Nacht vergewohltätigen kann. Ok. Und was ist mit dem Dorf oder dessen mythologischen Hintergrund? Nichts davon ist wichtig. Nichts davon wird adäquat beleuchtet.
Es sollte dem Spieler recht schnell klar werden, spätestens nach den ersten 3 Minuten wenn bereits eine feuchte Loli an des Protagonistens Glied hängt und absurd modernen Dirty Talk betreibt, bei der man sich nur wundern kann, wie ein so junges Mädchen, das ihr ganzes Leben in einem abgeschotteten, feudal wirkenden, kleinen Dorf verbracht hat, so eine Vokabular oder so ein Benehmen erlangt haben könnte, dass dieses Spiel nicht versuchen will, eine spannende Mysterystory zu erzählen, sondern nur ein Nukige inmitten eines High Budget Settings ist.

Schade, so viel verschenktes Potenzial. 

1. Minikui Mojika no Ko

Da Suteru so unfassbar hässlich ist, wird er zum Gespött seiner Klassenkameraden und ist tagtäglichem Mobbing ausgesetzt. Er versucht all das zu ertragen, indem er anderen Menschen so weit es geht aus dem Weg geht und immer auf den Boden guckt. Dies hat allerdings noch einen anderen Grund; wenn er Menschen ins Gesicht sieht, kann er deren wahre Gefühle und Gedanken sehen. Suteru erträgt die Verlogenheit und Heuchelei der Welt nicht und aus Angst, die Wahrheit sehen zu können, schaut er nicht einmal die wenigen Menschen an, die ihm beistehen, wie Miyu, die sich bisher immer um ihn gesorgt hatte, wenn er wieder gemobbt wurde.
Doch eines Tages bittet sie Suteru aufs Dach zu kommen, wo sie ihm ihre Liebe gesteht. Suteru macht den Fehler und schaut sie an … und sieht den Ekel und Abscheu in ihr, den sie verspührt, wenn sie ihn anschaut. Das ist der Moment in dem Suteru seine Fassung verliert und seine Mission, Rache an allen zu nehmen, die ihn verachten, beginnt.

Wie von Nitroplus gewöhnt sind die Production Values auch hier wieder extrem hoch. Die ersten Szenen, die man im Trailer sehen kann, sind alles ingame-Momente. Kamerafahrten, Animationen, innere und äußere Narration, sogar ein blinzelndes Auge, durch das man die Welt wahrnimmt, das ist alles Teil der VN-Engine. Die inneren Monologe sind extrem gut geschrieben und repräsentieren sehr gut die Gedankenwelt eines introvertierten, ungeliebten, von der Welt verlassenen Menschen.

Und dann, kurz vor der Ziellinie, verpasst Nitroplus den Schritt zum Kamige mit einer so klischeehaft simplen Mobbinggeschichte und so stereotyp eindimensionalen Charakteren, das selbst Shoujo-Manga mit diesem Thema wie Weltliteratur im Vergleich aussehen. Zumindest, wenn man nach der Demo geht, die, so fair wollen wir sein, leider nur etwa 15 Minuten des Spiels zeigt; einen kurzen Prolog, das Liebesgeständnis von Miyu und die darauffolgende Hentai-Szene.

Die Hentai-Szene ist, was mich besonders ärgert. Minikui hat das interessante Gimmick, dass Suteru die Gedanken der Menschen lesen kann. Oh, wie interessant könnte das sein, einen Charakter das eine sagen hören, aber dann die Wahrheit in ihren Gedanken sehen zu können. Viele gute Nukige nutzen einen zweiten POV um den Charakteren mehr Dimensionen zu geben. Und was macht Minikui daraus? Suteru zwingt Miyu zu sagen, dass sie Sex mit ihm haben will. Sie, von ihm gezwungen, sagt es und er liest in ihren Gedanken, dass sie es gar nicht will. Suteru schließt daraus, dass sie eine verlogene Schlampe ist. Eh… was? Was ist denn das für ein bescheuerter Grund für Rache? Selbst für einen Hetare wie Suteru ist das ein sehr blöder Gedankengang.

Es wird nicht besser dadurch, dass Miyu nicht über ihren Stereotyp hinauswächst und genau das ist, was man von ihrem Charakter erwartet. So lebensnah wie Suteru in seinen Monologen wirkt, so künstlich und unecht wirken alle anderen Charaktere. Als würden sie nur existieren damit Suteru jemanden hat, an den er sich rächen kann. Selbst Nukiges wie WAFFLEs Yabai haben es geschafft, eine Rachegeschichte um Mobbing nicht nur besser sondern auch tiefgründiger und komplexer zu erzählen.

Man kann nur hoffen, dass Nitroplus noch ein paar Twist im späteren Verlauf der Handlung parat hat. Wie bei den vorherigen beiden Spielen hat auch hier die Demo dem Spiel keinen Gefallen getan.

Trials:

  1. Minikui Mojika no Ko
  2. Erewhon
  3. Nukige Mitai na Shima ni Sunderu Watashi wa Dou Surya Ii Desu ka?

Hoffentlich zeigen die Vollversionen aller drei hier vorgestellter Spiele, dass der Schein trügt und doch mehr hinter der Fassade steckt als es den Anschein in den Trials hatte.

Post Author: Tyr