Gambs, der Gründer des r/visualnovels-Subreddits, kündigt Crowdsourcing an: Sakura no Uta Community Challenge

Vor einer Woche gab es auf Twitter eine Ankündigung, die so kontrovers war, dass sie sich schnell durch die gesamten Reihen der Visual-Novel-Communitys zog. Die Rede ist davon, dass der Gründer des r/visualnovels-Subreddits, Andrew Gambardella aka „Gambs“, der schon seit Monaten auf Twitter gegen die etablierte Übersetzerfirma NekoNyan und auch das sogenannte „Cartel“ – ein Zusammenschluss aus Individuen, die sich, größtenteils in isolierten Gruppen, dem Lesen japanischsprachiger Originale verschrieben haben und die Ansicht vertreten, dass japanische Unterhaltungsmedien nur einen Wert haben, wenn sie philosophisch und intellektuell anspruchsvoll sind – wettert.

Als Statement gegen diese Gruppierung hat Gambs nun ein Projekt in die Realität gesetzt, welches die Community sowohl stutzig als auch erwartungsvoll werden lässt: Die Sakura no Uta Community Challenge, kurz #SUCC.

Gambs Pamphlet

The Sakura no Uta Community Challenge (#SUCC) is a first step in re-democratizing the visual novel community. In the past, large-scale fan translation projects were commonplace. The community would band together to tackle even extremely ambitious projects such as Fate/Stay Night, solely out of their love for the novels and a desire to have them enjoyed by all. Nowadays, projects like this are rare. Despite the English-speaking VN community having grown by orders of magnitude over the past decade, the ambition of fan translation groups has fallen drastically. The main cause of this shift is, of course, none other than the shadowy group of fallen former fan translators, the Fragile-Egoed Male Discord Incel Cabal, better known as FEMDIC. This group, blinded by their greed, hold highly anticipated visual novels hostage as a bargaining chip with Japanese developers, refusing to translate them unless paid extortionate amounts, as well as doing everything in their power to quash fan translation groups and democratic movements.

With the SUCC, we aim to bring up a new generation of fan translators, motivated by their love of visual novels like the fan translators of old. In particular, we want to tackle extremely ambitious projects like Sakura no Uta, which would require over a year of time for a single translator. Our method of choice for handling such ambitious projects is through crowdsourced translation, having large groups of bilingual visual novel fans each tackle a small part of the novel, and combining their results into one single, coherent translation. Sakura no Uta is an ideal visual novel for this method of translation not only because of its prohibitive length, but also because SCA-Di’s prose is often very simple and straightforward, and is more readily understood by amateur translators than other untranslated but highly anticipated visual novels such as Soukou Akki Muramasa.

The #SUCC is still looking for motivated fan translators, and we welcome anyone who wants to use this as an opportunity to improve their Japanese (assuming they are already at a good enough level to translate), dive deep into a highly acclaimed text, and contribute to the visual novel community. We only expect a small commitment of 1000 lines from each translator which could be accomplished in a few hours time. If this sounds like something that interests you, please contact @gambsVNs on Twitter, or gambs#4620 on Discord.

[collapse]

Warum gerade Sakura no Uta?

Ein Cartel-Mitglied beim Konsumieren eines Kamige

Wer Gambs folgt, der weiß, dass Sakura no Uta -Sakura no Mori no Ue o Mau- keines seiner Lieblingsspiele ist, sondern vielmehr ein konstanter Grund für ihn, auf dem Spielegeschmack des Cartels, welches er provokant als #FEMDIC (Fragile Egoed Male Discord Incel Cabal) betitelt, herumzuhacken. Seine Beweggründe lassen sich aus der unverhältnismäßigen Reputation, die Sakura no Uta im Westen besitzt, ableiten, denn dieses Spiel, das von Szenariowriter Sca-di geschrieben wurde, genießt neben Subarashiki Hibi ~Furenzoku Sonzai~ einen gigantischen Hype, obwohl nur die wenigsten es wirklich in Japanisch gespielt haben.

Zu Sakura no Utas Popularität trugen groß angelegte Reviews des verstorbenen Medienkritikers Conjueror, VNErogereview, constructedheroisms und vielen anderen bei, deshalb konnte es einen großen Mythos um sich herum aufbauen. Wenn man Sakura no Uta aber selbst mal gespielt hat, dass wird man merken, wie viel davon eigentlich stimmt, denn die ersten zwanzig Stunden – oder mehr – ist Sakura no Uta nichts als eine seichte Slice-of-Life-Novel mit dem ein oder anderen thematischen Höhepunkt oder Infodumping über Kunst. Nach dem Kapitel von Asou Ei Picapica und spätestens im Kapitel ZYPRESSEN, soll der philosophische Gehalt des Spiels und dessen Bedeutung jedoch bewusst werden.

Meist wird Sakura no Uta aber auch nur gememet. Dazu tragen dann dünne Konversationen über Masturbation wie „Onanii is what?“ bei.

[SakuUta] Onanii is What? (English)

Aufgrund der bezweifelbaren Popularität von Sakura no Uta, hatte sich Gambs zunächst dafür entschlossen, es probeweise zu übersetzen. Er schaffte es aber nie weiter als das erste Skript, dessen übersetzter Inhalt in Kennerkreisen – die ihn denunzieren wollten – bereits damals als fragwürdig und trocken wahrgenommen wurde. Ein Ausschnitt davon ist hier zu lesen: (1) One Script of Sakura no Uta in English : visualnovels (reddit.com)

Nun entschloss er sich spontan dafür ein sogenanntes „Crowdsourcing-Projekt“ zu realisieren: Zum einen Teil, weil er das Spiel übersetzt sehen möchte und zum anderen Teil, weil er beweisen möchte, dass eine Gruppe aus Individuen mit fragwürdigen Übersetzungsfähigkeiten nur einen fähigen Post-Editoren und Translation-Checker brauchen, damit sie ein gutes Produkt erzeugen können. So möchte er gegen die etablierten Lokalisierungsfirmen – allen voran NekoNyan – ein Zeichen setzen.

Das ist ein Scherzprojekt, oder etwa nicht?

Es sah zunächst danach aus, doch dann gründete sich binnen kürzester Zeit ein Github-Repository und ein Discord-Server, auf dem man sich anmelden kann und dann ein 1000-Line-Skript des Spiels zum Übersetzen zugewiesen bekommt. Auch finden auf diesem Server verschiedene Diskussionen über Japanisch und die eigenen Übersetzungsentscheidungenstatt, es bildet sich also langsam eine kleine Community, die langsam wachsen soll. Mittlerweile kann man auf Gambs Github zugreifen und dort das gesamte Skript des Spiels herunterladen. Natürlich bietet er nicht das gesamte Spiel zum Download an.

Wie reagieren die Leute darauf?

Leute, aus dem Dunstkreis des Cartels, zeigen sich indessen sichtlich irritiert über diese Bewegung und unternehmen vieles, um das Projekt schlechtzureden und Leute davon abzuhalten ihm beizutreten. Dies ist natürlich nicht unberechtigt, da es in der Vergangenheit nur wenige Crowdsourcing-Projekte geschafft haben, etwas zu veröffentlichen – meist starben die Gruppen vorher oder wurden einfach inaktiv. Andererseits kann Gambs auch ein fieser Character sein, der auch nicht davor halt macht Leute wie Hubb2001 zu verleumden.

(2) Sakura no Uta Community Translation Challenge : visualnovels (reddit.com)
Sakura no Uta Community Translation Challenge – Visual Novel Talk – Fuwanovel Forums
Sakura no Uta Community Translation Challenge | vndb

Gambs machte einen konfrontierenden Post auf VNDB, der nach 40 Kommentaren von einem Mod dort gelöscht wurde. Auf Reddit wurde sein Faden von einem fähigen Übersetzer namens Quof debattiert. Kaum einer glaubt an den Erfolg des Projekts, außer den Teilnehmern selbst.

Wer nimmt denn nun teil?

Bislang haben sich zwölf Leute dem Projekt verschrieben, von denen bisher acht ein Skript zugeteilt bekommen haben. Wenn diese Leute dann alle etwas einreichen, dann wären von Sakura no Utas ungefähr 65000 Zeilen schon einmal 8000 in Arbeit. Es wird erwartet, dass Leute nach den ersten Fortschritten Lust auf das Projekt bekommen und ihm beitreten. Gambs hat vor, insgesamt mindestens 60 verschiedene Leute zu rekrutieren, die er dann am Ende alle selbst in einen konsistenten Zustand TLCen möchte. Wie erfolgreich das ist, ist gleichwohl anzuzweifeln.

Zu den bisherigen Mitgliedern, gehören auch Leute von VN.Info. Darunter fällt der Autor dieses Artikels sowie auch Kayihan, der kürzlich einen Texthooker-Beitrag geschrieben hatte.

Kapitelzuweisungen durch die Gruppenleitung

Was erhoffen die Teilnehmer sich eigentlich? Das kann doch nicht klappen!

Im Endeffekt hoffen die Teilnehmer nicht darauf, dass das Projekt unbedingt erfolgreich ist. Es ist vielmehr eine Investition in die Zukunft und auch ein Benchmark, um die eigenen Übersetzungs- und Japanischfähigkeiten zu testen. Manche Leute werden wohl auch einfach nur trollen wollen und das Projekt so in die Länge ziehen. All das ist jedoch erwartet, denn das gesamte Projekt ist ein einziges soziales Experiment, das entweder in Chaos oder ein gutes Produkt münden könnte.

Natürlich ist Gambs bewusst, dass es diverse Leute gibt, die sich in das Projekt einschleichen und ihre Texte mit Maschinenübersetzung bearbeiten könnten, deshalb ist hohe Vorsicht geboten, dass solche Leute sich nicht hineinschummeln. Er vertraut jedoch seinen Japanischfähigkeiten genug, um das in Kauf zu nehmen.

Übersetzung ist ja schön und gut, aber wer ist der Editor und übernimmt andere Rollen?

Ironischerweise hat einer von Nekonyans Editoren sich bereit erklärt – sollte das Projekt erfolgreich werden – sich um das Editing des Spiels zu kümmern – jedoch allein. Dabei handelt es sich um Chuee, der sich bereits durch seine Arbeit bei Nekonyan einen Ruf gemacht hatte und auch seit Fanübersetzungszeiten schon in der Rolle eines Editors Erfahrung sammeln konnte. Sollte Chuee seinen Einsatz ernst meinen, ist das Projekt zumindest, was seinen Editor angeht, gut aufgestellt.

Halt dein Wort, Chuee 😀

Der technische Aspekt scheint unterdessen von Gambs übernommen zu werden, da er sowohl den Text extrahieren als auch wieder einpflegen wird. Für Quality Control haben sie bisher noch niemanden festgelegt, aber solche Jobs werden sich bestimmt schnell finden lassen – zur Not kann Hata auch mal drüberschauen.

I got nothing … Viel Glück.

Dankeschön! Es besteht die Möglichkeit, dass sich auch dieses Projekt schnell im Sand verläuft, jedoch hoffen wir einfach mal, dass es klappt.

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (25) und studiere Japanologie und Englisch an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Ich lese Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 180 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Nebenbei arbeite ich als QC für JAST USA und diverse Fanprojekte und mache meinen Teil der VN.Info-Übersetzungsprojekte. よろしく~