Featured Artikel No.1 – Wonderful Everyday – Diskontinuierliches Dasein (Review)

Willkommen zu einem von vielen Featurebeiträgen, die bei uns möglichst immer Freitags erscheinen werden. Diese Beiträge sind weitaus ausführlicher und behandeln immer ein Thema, was uns sehr am Herzen liegt und in die wir unser Blut und Tränen hineinstecken um sie so attraktiv und informativ wie möglich zu machen. Diese Rubrik wird wöchentlich von einem anderen Autor unserer Seite mit einem schönen Artikel ergänzt und wir bitten euch uns zu entschuldigen, wenn wir diese Schedule nicht immer einhalten können. Das Recherchieren und Reviewen von unseren persönlichen Interessen soll so detailliert wie möglich erfolgen, deshalb wird allein das Nochmal-spielen und anschließende Reviewen seine Zeit in Anspruch nehmen. Stellt euch aber darauf ein, dass ihr immer Freitags definitiv mal vorbeischauen solltet!

Dies bringt mich sofort zu einem kleinen Disclaimer, denn da ich auf viele Einzelheiten des Spiels eingehen werde und auch ein paar Charaktere nenne, die erst im späteren Verlauf auftauchen, ist dieses Review alles andere als spoilerfrei. Ich werde dennoch nichts zu den Enden, geschweige denn Lösungen der Storyline sagen. Auch werde ich nur ganz kurz und schmerzlos auf die, von SCA-DI verwendete Philosophie und ihre Interpretationsmöglichkeiten eingehen. Und da hab ich auch schon den roten Ball fallen gelassen, denn bei dem heutigen Spiel, das ich euch nahelegen will, handelt es sich um eines der wenigen existenten Denpa-Visual Novels. Es geht um das von KeroQ produzierte „Subarashiki Hibi ~ Furenzoku Sonzai“ oder auch „Wonderful Everyday ~ Diskontinuierliches Dasein„. Das Spiel ist von dem berühmten Scenario-Writer „SCA-DI“ und wurde von Frontwing hier in den Westen gebracht. Ich werde es im Verlauf des Reviews aber „SubaHibi“, was der gängige Kurzname ist, nennen.

Möglicherweise habe ich mich bei diesem Review etwas übernommen, denn es wird sowohl philosophisch, als auch von dem Einfluss, den es auf mich hatte, eines der schwersten Reviews werden, die ich je machen werde. Da es mir dennoch so nahe geht, will ich natürlich das Spiel so genau und unverblümt wie möglich darstellen.

Bei Subahibi handelt es sich um ein Eroge, was in seiner Natur sehr dunkel und mysteriös ist. Ohne groß auf die Story einzugehen, kann ich schon sagen, dass dies keinesfalls eine Novel ist, die man unter dem empfohlenen Alter von 18 lesen sollte. Wenn man gegen extremes Mobbing, Gore, Blut oder sogar Zoophilie allergisch ist, dann sollte man den Titel gar nicht erst anfassen. Persönlich bin ich einer der Backer dieses Spiels gewesen, habe es aber nur in so fern unterstützt, dass ich das Spiel etwas vor dem Release erhalten konnte. Der Titel ist von Frontwing mithilfe eines Kickstarters, den ihr hier finden könnt, bei uns erschienen und ihr könnt dieses grandiose Spiel auf noch auf Steam erwerben – Hierzu gibt es später aber mehr Infos.

So nach sehr langer Vorrede, lasst uns anfangen:

Subahibi ist ein Spiel was sehr darauf ausgelegt ist wie der Leser tickt und wie er philosophische Konzepte in eine Story einordnen kann. Es greift in eher dunkle Thematiken ein und zwingt den Spieler dazu sich auf die Szenen vorzubereiten durch langes Foreshadowing und spätere Tiefenanalyse aus anderer Perspektive. Wenn man das Spiel auf Steam kauft, dann wird man feststellen, dass man nicht allzu weit kommt und sich in ein kleines, aber feines Visual Novel mit ein paar Yuri-Szenen und einem Ousama-Game verlaufen hat. Dieses Kapitel wird „Down the Rabbit Hole I“ genannt und auf Steam ist es auch gleichnamig zu diesem Titel. Erst nach Beendigung des ersten Kapitels merkt man, dass man einen Patch, den es auf der Seite von JASTUSA gibt, anwenden muss, um auch den Rest des Spiels zugreifbar machen zu können. (Dort kann das Spiel auch vollständig erworben werden!) Leider wurde das Spiel beim Release übermäßig gehypt und es gab auch eine große Kontroverse um das Spiel, die dazu führte, dass ein CG aus legalen Gründen entfernt werden musste. Auf diese Szene gehe ich später ein. Nach dem Anwenden des Patches stehen einem dann, in erzwungener Reihenfolge, sechs weitere große Kapitel zur Verfügung, die im Rückblick eigentlich nichts mehr mit den Geschehnissen in Kapitel 1 zu tun haben sollten.

Kapitelübersicht

Die angesprochenen Kapitel sind: Down the Rabbithole II, It’s my own Invention, Looking-Glass Insects, Jabberwocky I, Which Dreamed it, Jabberwocky II, Endings

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Worum geht es überhaupt in Subahibi ist wohl die erste Frage, die man sich stellen sollte. Worauf geht es ein? Was soll das mit der Philosophie? Leider kann ich in diesem Bereich nicht zuviel darüber sprechen, da es die schönsten und den rätselhaftesten Teile der Story vorwegnehmen würde. Subahibi ist in seiner Natur in 7 Kapitel aufgeteilt und jedes dieser Kapitel wird aus der Perspektive eines anderen Hauptcharakters erzählt, der an sich in seiner Wahrnehmung einen Erzähler spielt, dem man nicht allzuviel Glauben über das Gesamtgeschehnis über die zwei Wochen in denen Subahibi spielt, schenken sollte. Doch gibt jeder Charakter auf seine eigene Weise viele Informationen zur Auflösung der Wahrheit des ganzen Geschehens preis, weshalb man alles genau lesen sollte, da selbst scheinbar das unscheinbarste Wissen später eine Rolle spielen kann. Das Spiel folgt eher eine linearen Route, anstatt den in anderen Spielen üblichen Zweigroutensystemen, aber branchiert sich dann doch in verschiedene kleine Endsequenzen auf. Da ich persönlich episodisch erzählte Fiktion z.b Pulp Fiction, Hell Girl oder The Melancholy of Haruhi Suzumiya liebe, finde ich auch das angewandte Konzept in Subahibi sehr nützlich um den Spieler dazu zu bringen sich in das Spiel hineinzuversetzen.

Synopsis:

Ohne allzu tief auf die Story von Subahibi einzugehen, kann man sagen, dass das erste Kapitel Down the Rabbit Hole I , wie oben schon genannt eher ein sanftes Yuri-Visual Novel repräsentiert, aber nicht repräsentativ für das ganze Spiel gesehen werden DARF!

Wir schreiben den 12.Juli – Wir schlüpfen in die Rolle von Minakami Yuki, die auf einem Dach steht und einen ihr unbekannten Jungen namens Mamiya Takuji trifft. Yuki ist eher ein sehr frivoles Hochschulmädchen, sehr sarkastisch und raucht, aber kümmert sich nur zu lieb um ihre Freunde Tsukasa und Kagami. Sie ist eher berüchtigt in ihrer Schule dafür, dass sie tut was sie möchte und immer schwänzt und stattdessen komplizierte Literatur auf dem Dach, ihrem Rückzugsort, liest. Eines Tages trifft sie das Mädchen Takashima Zakuro, die ab jetzt in ihre Parallelklasse geht und als die beiden sich begegnen, wird es Yuki klar, dass sie sich irgendwo, irgendwie schon einmal begegnet sind. Am nächsten Tag wird ihr Leben dadurch auf den Kopf gestellt, dass Zakuro sich wohl umgebracht hat, (die Beweggründe dafür erfahren wir im Verlauf der Story). Yukis Leben ist plötzlich nicht mehr so friedlich und sie beginnt sich auf die Suche nach Hinweisen zu machen.
Nach dem Tod Zakuros machen Gerüchte den Umlauf, dass eine Internetseite namens „Web Bot Project“ das Ende der Welt prophezeit und dieser Zustand bald eintreten wird – Das Ziel des Web Bot Project ist es präzise und zusammenhängende Voraussagen über zukünftige Geschehnisse zu machen. Während diese Gerüchte ihren Umlauf machen, dreht der Junge, den Yuki am Anfang auf dem Dach des Hauses trifft Mamiya Takuji, komplett durch und stellt sich selbst als den „Kyuusenshi“ (Messias) der Menschheit dar und warnt alle Beteiligten der Schule vor einem apokalyptischen Ereignis namens „Tsui no Sora“ (The End Sky), der am 20. Juli stattfinden soll und das Ende der Menschheit einläutet. Während dieser Zeit fallen mehr und mehr Leute in einen Zustand des Wahnsinns und die Prophezeiung, die zunächst nicht für voll genommen wird, scheint sich mehr und mehr zu bewahrheiten. Die erste Prophezeiung die eintrat, war Zakuros Selbstmord. Yukis Aufgabe ist es nun die Psyche von Mamiya Takuji zu analysieren, hinter das Geheimnis des Web Bot Project und Tsui no Sora zu kommen und die Mysterien um all diese Dinge aufzuklären.

Nähere Analyse:

Währenddessen diese Zusammenfassung, die ich oben angegeben habe den Hauptteil von Subahibi darstellt, ist es aber nicht dieser, der das Spiel zu dem macht was es ist. Die oben zusammengefasste Story mit der man schon 15 Stunden Spielzeit füllen kann, wird nämlich in ihrer Gänze und mit vielen freiwillig gelassenen Lücken verlaufen und beschränkt sich auf das zweite Kapitel des Spiels „Down the Rabbit Hole II„. Das Spiel an sich beginnt aber erst wirklich im dritten Kapitel „It’s my own Invention„, welches den ersten richtigen Perspektivwechsel einführt. Von Minakami Yuki schwenken wir über zu der Sicht des Mamiya Takuji und lernen, dass dieser Junge wirklich durch ist mit den Nerven, wie man es schon aus Down the Rabbit Hole II erwartet. Doch war er nicht immer so gewesen! Die psychologischen Hintergründe, die ihn zum „Messias“ machen und warum ihm alle folgen, werden erst aus Kapitel III ersichtlich und dieses Kapitel allein zieht sich über weitere 10-15 Stunden voller Mysterien und wirft neben oberflächlicher Aufklärung immer mehr neue Fragen auf? Beispielsweise, wer ist Tomosane? Warum kennt Yuki ihn? Wieso hasst Takuji die Menschheit, will sie dennoch retten? Aber dies ist das schöne und das was Subahibi an sich ausmacht. Jede Episode, die erzählt wird, gibt mehr Hintergrundinformationen und füllt die Plotholes mehr und mehr auf. Der Grundtenor des Spiel liegt darin, dass man sich seine Welt selbst aufbaut aus dem, was man für wahr oder falsch hält, der Irrsinn des Takuji baut daraus zum Beispiel die Realität auf, dass er der Messias werde. Dieser Wahnsinn geht nicht nur aus psychologischer Sicht aus, sondern scheint sich auch in der Realität zu manifestieren. Die Begründung für diesen Zustand wird nach und nach von den Charakteren und der, dem Spieler empfohlenen Primärliteratur aufgeklärt. Die meisten Mysterien des Spiels berufen sich dabei auf tiefliegende, philosophische Konzepte des Mittelalters und der Neuzeit. Subahibi versucht für die Erklärungen des verworrenen Plots große Lösungsmöglichkeiten anzubieten, aber löst sie selbst dadurch auch nicht komplett. Es versucht auch nicht alles zu erklären, was stattfindet und man muss jetzt auch kein Philosophieprofessor sein um die unterliegenden Konzepte zu begreifen, aber es motiviert den Spieler seinen Fuß in die weite Welt der Philosophie hineinzusetzen und mal ein bisschen zu forschen um sich selbst ein „Weltbild“ der Welt in Subahibi bilden zu können. Das Spiel kommt mit wirklich unzähligen klassischen Literatur-, Poesie- und Philosophiereferenzen daher (Hier eine Liste!) und es ist zutiefst empfohlen sich in das alte französische Schauspiel „Cyrano de Bergerac“ einzulesen, da aus diesem sehr oft zitiert wird und es quasi in Subahibi modern aufgezogen wird. Eine komparative Analyse kann ich zu einem späteren Zeitpunkt verfassen.

Ich sagte vorher zwar, dass das erste Kapitel von Subahibi eher enttäuschend ist und den Charakter des gesamten Spiels nicht repräsentiert, jedoch finden sich in ihm die wichtigsten Teile des Spiels, die aber so verschlüsselt sind, dass ich sie selbst noch nicht begriffen habe. Im Verlauf des Kapitels begibt man sich als Yuki mit Zakuro auf eine Vergnügungsfahrt durch eine Geisterbahn und landet in einer komplett verzerrten Welt, in der sich keine der beteiligten wohlfühlt und weiß was gerade passiert. Diese Szene ist jedoch im Bezug auf das ganze Spiel eine der wichtigsten, da sie darstellt, dass DTRH I eigentlich gar nicht zur Welt in der Subahibi spielt dazu gehört. Um dies zu verdeutlichen muss man aber eines der Enden des Spiels begriffen haben, deshalb will ich auf diese Lösung nicht eingehen. Subahibi hat aber sozusagen eine „Innere und eine Äußere Welt, die voneinander separiert sind und die Verbindung, wie man von dem Inneren in die Äußere kommt zeigt sich am Ende von DTRH I und dort liegt die Wichtigkeit des Kapitels.

Ich empfehle Soratosekais nähere Analyse über die Wichtigkeit von Subahibis DTRH I, aber SPOILERWARNUNG!

Ehrlich, es fällt mir wirklich schwer die richtige Ausdrucksweise für Subahibi zu finden, die diesem Meisterstück gerecht werden könnte. Ich habe bisher noch nicht genug gespielt um vergleichsweise eine tiefgehendere Visual Novel zu finden. Ich muss jedoch zu meinem Verdruss sagen, dass ich den Vorgänger und bzw. das Originalwerk aus dem Subahibi seine Referenzen zieht nicht gespielt habe, deshalb kann ich mich gar nicht anmaßen ein wirkliches Verdikt über die philosophische Tiefe des Spiels zu treffen. Alles was ich hier sage sind nur Vermutungen und basieren auf meiner Wahrnehmung. Man kann nur sagen, dass es sowohl erzähltechnisch als auch von seiner Storyline und den vielen kleinen, gut eingeteilten Abschnitten und Aufklärungen wirklich sehr gut ist. Es soll sogar, wenn man sich mit der hinterliegenden Philosophie beschäftigt, die eigene Weltanschauung verändern – Dies ist an sich eigentlich die Königsdisziplin von einflussreichen Medien. Subahibi kann man als Schlüssel dazu sehen, wie man sein, und auch das Leben anderer betrachtet. Auch wenn es die Philosophie, die ihm unterliegt sehr opportunistisch interpretiert. Dies ist aber auch ein Faktor den man nicht vernachlässigen soll: Selbst die Fehlinterpretation einer Sache kann ein neues Weltbild schaffen und somit macht es den Observierenden zu dem, der seine Realität formt. Das will Subahibi an sich hier auch ausdrücken, da es einem nicht vorsetzt was richtig und was falsch ist, sondern gibt dem Leser die Aufgabe dies für sich selbst zu entscheiden und seine eigenen Antworten und Wahrnehmungen zu seiner persönlichen Welt zusammenzufügen. Philosophiefreunde wissen eigentlich jetzt schon wessen Philosophie hier angeschlagen wird. Weiterhin weist es auch darauf hin, dass man nichts nur oberflächlich betrachten sollte, sondern immer den Dingen, seien sie metaphysisch oder real, auf den Grund gehen sollte (Über diese Attitüde wären die Right-Sider in Chaos;Child stolz)

Ich habe persönlich ein paar Lieblingsszenen des Spiels, die man auf Youtube finden kann, deshalb werde ich sie hier unten verlinken.

Negatives:

Jetzt kommen wir aber nach 2000 Worten, danke fürs Lesen übrigens, dazu was ich an Subahibi zu bemängeln habe. Das ist auch nicht allzu viel und vorhin habe ich ja schon etwas Unmut kundgetan. Der Storyverlauf in manchen Kapiteln verläuft so unglaublich langsam, dass man einfach nur einschlafen möchte oder weiterscrollen bis wieder was interessantes passiert. Speziell anfangs ist der Plot absolut schlafinduzierend. Dies ist dem zu verschulden, dass SCA-DI an dieser Stelle wollte, dass der Leser, wenn er kein erfahrener Philosoph ist, trotzdem den Konzeptionen des Spiels folgen kann also läuft es darauf hinaus, dass die ersten Kapitel viel Infodumping beinhalten. Dafür führt er die Person der Ayana ein, die scheinbar auf Yukis Schule geht, aber nie im Unterricht zu finden ist, sondern meist nur den Charakteren auf dem Dach begegnet und für sie als quasi „Tutorial“ für die Philosophie des Spiels dient. Die Figur der Ayana ist so interessant, dass man theoretisch eine ganze Beitragsreihe mit ihr füllen könnte, deshalb gehe hier nicht auf sie näher ein. Ein weiterer Schwachpunkt der mit dem ersten eingeht ist der Widerspruch, dass SCA-JI in den Stellen mit der niedrigsten Progression die wichtigsten Stellen im Hinblick auf das Verständnis eingebaut hat. Dies zwingt den Leser dazu wirklich alles, auch entgegen dem Willen, genau zu lesen um nichts zu verpassen. Dieser Umstand hat bei mir dazu geführt, dass ich das Spiel dreimal fast gedroppt hätte. Weiterhin ist die Story auch so konzipiert, dass man viel zu viele Referenzen und Konzeptideen verpasst, wenn man nicht die philosophischen Originalwerke gelesen hat, aber auch subtilere Dinge fallen einem ohne ein Wissen von Otaku-Kultur, Philosophie und Psychologie gar nicht erst auf. Beispiel: Die beiden Mädchen, mit denen Yuki befreundet ist, Tsukasa und Kagami, sind direkt Referenzen zu Lucky Star und diese Namensgebung spielt sogar eine tiefere Rolle im späteren Verlauf des Spiels. Solche kleinen Details muss man beachten und das kann schon echt an den Nerven zehren, wenn man alles so penibel durchexerzieren muss.

Kritik an philosophischem Inhalt

Auch muss man sagen, dass trotz der Prämisse, dass man seine eigene Interpretation der Story treffen soll, die vorgebene Storyline und die Interpretation von Wittgensteins Philosophie komplett am Kern der Sache vorbei geht und sich mit den falschen und vom Philosophen selbst schon revidierten Aussagen befasst. Ein richtiger Philosophieexperte würde bei der schlechten Darstellung der Tractatusregeln nur lachen müssen, weshalb man das Spiel als seperate Interpretation dieser Richtung und nicht als versiertes Verständnis oder gar als Sekundärliteratur behandeln sollte. Einfluss hat es dennoch.

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Audiovisuelle Unterstützung:

Da ich jetzt thematisch zuerst auf die tiefgehenden Aussagen eingegangen bin, nach der Manier, die das Spiel einem beibringt, kommen wir jetzt zu der Oberfläche und diese ist eigentlich nicht allzu schlecht. Während die visuellen Grafiken des Spiels reichlich veraltet aussehen und in einem heutigen Moege, da die Charaktere definitiv so gehalten sind (große Augen und bunte Haaren und :3 Gesichter etc.) wären diese Visuals von SCA-DI nicht mehr wirklich unterzubringen. Für das was Subahibi aber sein will, passt dieser ziemlich kantige und untersaturierte Stil, den man auch in Sakura No Uta beobachten kann, sehr gut. Der Soundtrack den das Spiel untermalt ist auch absolut fantastisch und passt wie die Faust aufs Auge. Ich glaube den Opening Song: „Aerodynamic Girls and Boys Song“ habe ich schon um die tausend mal gehört. Ohne zu untertreiben passt der Soundtrack wirklich enorm gut auf das Spiel. Die wichtigsten Themes hier wären wollen sowas wie Denpa Relay no Shousha,Yoru no Himawari, Tractatus-Logico-Philosophicus oder Live Happily! (unten). Das Ending des Spiels ist auch wirklich fantastisch, kommt aber nicht an das Opening ran. Auch ist das Spiel nicht vollständig synchronisiert, aber zum Großteil. Glücklicherweise wurde von KeroQ schon angekündigt, dass es ein Full-Voice Remake von Subarashiki Hibi geben soll.
Die Spieldauer ist für einen kompletten Durchlauf um die 45-60 Stunden, aber wenn man sich wie ich auch noch in die Nebenphilosophie und Cyrano einliest, kann man schon auf 80 kommen. Mein Steam zeigt mir 48 Stunden feste Spielzeit an, da ich das Spiel an 4 Wochenenden durchgespielt habe.

Könnt ihr wirklich Einfluss auf die Storyline nehmen? Nein, nicht wirklich. Man kann zwar ein paar Entscheidungen treffen, aber verändern die an dem übergreifenden Plot nicht viel. Es gibt in Invention einen wichtigen Storybranch, der zum berühmten Kimika-Ending führt, aber ist der schwierig ohne Guide zu erreichen, da man eine bestimmte Reihenfolge von Entscheidungen treffen muss und auch mal Entscheidungen weglassen muss oder welche trifft, die einem selbst schaden. Auch sind gewisse Entscheidungsreihenfolgen wichtig um überhaupt erst das nächste Kapitel freizuschalten. Also neben Forced-Play Order gibt es auch Forced-Decision Order. Das kann man auch als Schwachstelle sehen. Manchmal kann es auch passieren, dass eine gewisse Reihenfolge zu einem kanonisch vollkommen unpassenden Ending führt, was dann der Storylösung der vorigen Kapitel polar widersprüchlich gegenüber steht. Dies ist alles eine unterliegende Botschaft von…was ist die Wahrheit?
Außerdem sollte man sowieso jede einzelne Plotlinie durchgehen und komplett erforschen und dann im Ausschlussverfahren seine Meinung bilden und für sich selbst entscheiden was wichtig und unwichtig ist. Dies bringt den Leser dazu zu arbeiten, während er liest und dies ist nicht auf jeden Spieler gleich wirkungsvoll und interessant.

Die Themen, die das Spiel anspricht sind unglaublich tiefgründig aber auch sehr brutal und übertrieben. Sie reichen von Folter und Mutilation über Mobbing, Drogenmissbrauch, Mord, Selbstmord, Exhibitionismus und Inzest bis hin zur berüchtigten Zoophilieszene, weshalb das Spiel zensiert werden musste. Letztere werde ich jetzt mal kurz ansprechen.

Sexszenen

Wenn es um den Sex in Subahibi geht, dann kann man sagen, dass es nicht wirklich viel zu wünschen übrig lässt. Der Sex, den die Charaktere haben ist meist storyrelevant, aber beschränkt sich auf sehr interessante und böse Szenen. Vergewaltigung, Reverse-Rape, Mutilation, Futanari, Nötigungssex und Prostitution und noch vieles mehr lässt sich in dem Spiel finden, doch sind keine wirklichen Szenen dabei, die nur da sind, damit Charaktere einfach Sex haben, wie in einem Nukige. Meistens sind die Szenen mit dunklen Hintergründen verbunden oder entstehen aus dem Wahnsinn der Charaktere heraus. Happy Sex lässt sich eigentlich gar nicht finden, bis auf die Yuri-Szenen in Down the Rabbit Hole I. – Man weiß im Verlauf des Spiels nichtmal wirklich welche Sexszenen real und welche ein Hirngespinst sind. Das soll man auch selbst herausfinden. Die Ero-Szenen sind aber wirklich nötig und Subahibi könnte als Antithese dazu gesehen werden, dass Plotge auch ohne ihre Sexszenen funktionieren würden. Denn, wenn man hier den Porn reduzieren würde, dann hätte man eine verwässerte Story, die weder Shockvalue noch irgendwelche anderen Denkanregungen erzeugen kann. Persönlich würde ich sagen, dass der sexuelle Content sehr extrem ist, aber das ist bei dem Spiel nötig um die Messages und den „Wahnsinn“ sowie, wie weit die Charaktere gehen würden, akkurat herüber zu bringen. Sex verwandelt sich von Reproduktionsgründen eher in einen Zyklus aus Bestrafung und Erlösung.

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Doggy-Szene

In Subahibi gibt es im Kapitel „Looking Glass Insects“ die Beweggründe hinter dem Selbstmord von Zakuro und ihren Freunden, die Yuki nicht gut gegenüber gesinnt sind im Kapitel Down the Rabbit Hole I und II. Während Zakuro und Yuki sich mit diesen Mädchen anfreunden kommt eine art Flashback in denen gezeigt wird, wie die Mädchen misshandelt wurden in der Vergangenheit und bei einem der Mädchen, die mehr wie eine Nonne aussieht, gab es eine Szene in der ein Reiches Mädchen sie gemobbt und misshandelt hat und als Krönung sein von einem Hund vergewaltigen lässt. Diese Szene wurde von mehreren amerikanischen Staaten als Gesetzeswidrigkeit eingestuft und musste deshalb von Team Frontwing zensiert werden. Da diese Szene, aber nur von einem Supporting Charakter handelt und im übergreifenden Plot nur eine von vielen extremen Bullyingszenen ist, verstehe ich das Drama um die Entfernung von einzig allein dem CG nicht. Frontwing hat bei der Szene den gesamten Text beibehalten und nur das CG gelöscht. Dies führte in der VN Community zu einem riesigen Aufstand und sogar zum Boykott vieler Spielbestellungen. Wirklich unglaublich, aber scheinbar nehmen wir Visual Novel Spieler uns jede Art von Zensur wirklich extrem zu Herzen und ich frage mich, ob das überhaupt so richtig ist.

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Kontroverses CG (Extrem NSFW)

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Fazit:

Warum sollt ihr Subahibi spielen? Warum sollt ihr ein Spiel soviel Einfluss auf eure Wahrnehmung haben lassen, wie ich es vorher angesprochen habe? Was ist die Wahrheit? Das sind die Fragen, die euch hoffentlich jetzt im Kopf rumschwimmen und die euch nach lesen des Reviews dazu bringen sollen das Spiel zu erwerben und zu erleben. Subahibi ist meiner Meinung nach ein wirklich klasse Visual Novel und tritt in vielen Bereichen nicht zu kurz. Ich finde es persönlich, dass es bisher das beste Visual Novel ist, was ich lesen durfte und empfehle es jedem, der sich auch schonmal für Philosophie als Storymerkmal interessiert hat oder episodisch erzählte Novels mag. Der Anfangstenor des ersten Kapitels ist „Down the Rabbit Hole“ und dies wird von dem Spiel auch genau so umgesetzt. Es wirft einen in eine Welt in der man eingeengt ist und umgeben von Unwissen und nach und nach gräbt man sich tiefer in die Story hinein und ergründet wie tief rein es in das Rabbit-Hole überhaupt noch geht… und das Wissen, was man auf dem Weg erlangt wiegt die lange und erschwerliche, brutale Reise wieder auf.

Ich werte es eine 9/10

Also worauf wartest du noch?

Bilde dir deine Realität!

Credits an KeroQ und den Artist des letzten Bildes, Review basiert auf meiner persönlichen Wahrnehmung.
Verwendete Quellen: Frontwing Kickstarter, Soratosekai Blog, Omochikaeri, vndb

Post Author: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (22) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die ~60 Visual Novels gespielt. Ich bin einer der drei Admins dieser Seite und bringe euch News, Reviews und kümmere mich um die Struktur.' よろしく~