Ersteindruck: Yumeutsutsu Re:Master

In den letzten Tagen entschied ich mich dazu, einen ordentlichen Batzen Geld in die Hand zu nehmen und mir das Spiel „Yumeutsutsu Re:Master“ zu erwerben. Yumeutsutsu Re:Master ist ein Titel von Kogado Studio, die für ihre Visual Novels auf Konsolen bekannt waren (z.B. Little Witch Parfait). Lokalisiert wurde der Titel auf Englisch am 23.4.2020 durch Degica. Seitdem gibt es ihn auf PSVita, Ps4, Nintendo Switch und Steam zu erwerben.

Yumeutsutsu Re:Master gehört zum Genre Yuri und reiht sich mit Anime wie Shirobako, Sakura Quest oder Spielen, wie z.B Eroge! ~H mo Game mo Kaihatsu Zanmai~ in die Reihe von Entertainment-Medien an, die dazu anregen wollen, sich eingänglich mit dem Arbeitsleben in bestimmten Feldern zu beschäftigen. Diesmal geht es um eine Spielefirma, deren Ziel es ist einen ehemals erfolgreichen Doujin-Titel zu „remastern“ und ihm zu neuem Glanz zu verschaffen.

Handlung:

Wir befinden wir uns in einer Welt, die vollständig von Frauen bevölkert wird. Aus diesem Grund wachsen Mädchen, wie die Geschwister Ôtori Ai und Ôtori Kokoro mit zwei Müttern auf. Einst waren Ai und Kokoro unzertrennlich, doch als sie erwachsen wurden, wuchs mit ihnen auch die Distanz. Nachdem ihre Eltern sich trennen, meldet sich Kokoro nicht mehr bei Ai – drei Jahre lang.

Ai voller Tatendrang über ihren neuen Job.

Um Sorge um die Beziehung zu ihrer Schwester und um im echten Arbeitsleben Fuß zu fassen, sucht sich Ai nun einen Job bei der selben Spielefirma, bei der auch Kokoro angestellt ist. Das Studio heißt „Yuriica Software“. Kaum klopft sie an der Bürotür, begegnet sie schon den exzentrischen Mitarbeitern wie u.A. Seiyuu (Synchronsprecherin) Tachibana Nana, der dauerschlafenden Drehbuchautorin Mugendou Saki, und der Vizepräsidentin der Firma… eine St. Bernards Dogge namens Banako. Unter der Aufsicht von Firmenchefin Daigo Honoka, die dauerhaft betrunken durch die Gegend stolziert, arbeiten sie daran die beliebte Doujin-Visual Novel namens „Nie, Majô und das Ende der Welt“ (kurz: NieMajo) nochmal neu aufzusetzen und als erfolgreichen Titel zu verkaufen.

Ai ist ein totales Landei und überhaupt nicht vertraut mit jeglicher Art von Technologie, trotzdem wird sie in der Position als AD (Assistent Director) eingestellt. Wir begleiten wir sie dabei alles nötige für ihren Job als AD zu lernen und einen Einblick in die verschiedenen Bereiche der Spieleentwicklung zu bekommen. Zuallererst wird sie aber erstmal den Hund ausführen müssen…

Wird Kokoro sich ihr gegenüber öffnen wollen?

Wird NieMajo ein Erfolg werden?

Warum träumt sie immer wieder von diesem farblosen Waldstück?

Ja,ja. Aller Anfang ist schwer. Aber musste es gleich eine St. Bernards Dogge an Gewicht sein?

Charaktere:

Eine nähere Beschreibung aller Charaktere, werde ich in meinem ausführlichen Review unterbringen. Für diesen Eindruck reicht dieses Bild. Dort kann man die Persönlichkeiten und Eigenheiten der Hauptdarsteller schon erahnen:

Opening:

「Yumeutsutsu Re:Master」 Full Opening HD

Eigene Meinung:

Degica hat vor diesem Titel das Spiel „Nurse Love Addiction“ veröffentlicht. Was zuerst wie ein billiges Nukige klang, entpuppte sich als eine verständliche Darstellung des Krankenschwesterdaseins. Auch Yumeutsutsu Re:Master versucht ein Bild des Arbeitslebens als Spieleentwickler bzw. als Assistent Director einer Spielefirma zu zeichnen. In diesem Sinne gibt es innerhalb des Teams glaubhafte Rivalitäten, z.B. manchmal möchte eine Mitarbeiterin die Arbeit komplett hinschmeißen oder vertraut nicht mehr in ihre Fähigkeiten, Schreibblockaden werden zum Problem oder eine Masterdatei wird nicht in der vorgegebenen Zeit fertig. Mit all diesen Problemen und noch viel mehr hat ein Entwicklerteam zu kämpfen. Das kommt hier auch gut zum Vorschein.

Willkommen bei Yuriica Software! Willst du meine Maid-Brüste bestaunen?!

Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich nur die Common Route und einen Teil der Saki-Route gespielt, aber ich denke man kann durch die ersten 20 Stunden Spielzeit schon viel über das Spiel sagen. In der Common Route beschäftigen wir uns mit der Hauptstory, d.h. das tägliche Arbeitsleben um den erwarteten Remaster von NieMajo. Im Laufe der Handlung ist die äußerst naive und unerfahrene Ai bei jedem Auftrag unsicher und begegnet einigen Mitarbeitern, die ihr anfangs nicht ganz geheuer sind. Alle Charaktere in der Handlung sind auf ihre persönliche Weise exzentrisch und es ist irgendwie nicht möglich, dass solch ein bunter Haufen komplikationslos ein Spiel entwickeln können. Es lässt sich voraussehen, dass der Arbeitsprozess häufig gestört und Crunch-Time nötig wird.

Leider vermischt sich der Teil über Spieleentwicklung und das private Drama, das unter den Charakteren herrscht, ein wenig zu viel. Es ist ärgerlich, weil es die Handlung unnötig streckt. Die Common-Route hätte sich ohne das zusätzliche Drama besser gelesen. Auch besitzt das Spiel für ein All-Ages Game auf Konsole zu viel Risque und Innuendo in Relation zu wirklicher Action. Bei einem Eroge mit einer All-Ages Common Route und einer expliziten Charakterroute hätte ich die Entscheidung verstanden, doch so wirken die ganzen sex-offenen Mädchen und Witzeleien mehr wie ein endloses Aufreizen ohne Happy Ending. Schuld daran ist Nana mit ihrer ständigen Erwähnung von ihren Maidbrüsten und damit wie es wäre sich von Ai begrabschen zu lassen.

Auch gibt es in der Common Route nur kleine Momente in denen so etwas wie „Romance“ erkennbar ist. Beispielsweise wenn Ai und ein anderer Charakter sich in ihrem Zimmer nur zu zweit befinden. Ob diese Innuendos und Momente der Zweisamkeit später im Spiel expandiert werden, weiß ich nicht. Es gibt insgesamt 9 Endings, die dafür Raum lassen.

Visuals & Audio:

Das Spiel ist äußerst schön anzusehen, aber irgendwie fehlt mir das gewisse Etwas im Artstyle der Umgebung. Ai hat den typischen Look der Yamato Nadeshiko (perfekte, japanische Schönheit)  und das Spiel referenziert dieses Design auch an ihr. Die anderen Charaktere sind ihrer Exzentrizität entsprechend gekleidet und designt. Kein Charakter sticht besonders heraus, aber sie sind alle sehr sweet.

Was das Voiceacting angeht hat Yumeutsutsu Re:Master absolut den Vogel abgeschossen.  Honoka, die Chefin wird von der talentierten Synchronsprecherin Itou Shizuka gesprochen und ihre Performance ist meisterlich. Die anderen Charaktere haben passables bis gutes Voiceacting. Sakis „Rawr!!“ hab ich vom ersten Mal an sofort ins Herz geschlossen.

Entscheidungen:

Was die Entscheidungen und das System wie man auf die Routen kommt angeht, ärgerte mich das Spiel etwas. Ohne Guide oder Walkthrough muss man überall speichern und alles ausprobieren, denn es gibt eine Vielzahl an Entscheidungskombinationen, die einen einfach nur nach der Common Route rauswerfen.  Um auf Sakis Route zu kommen muss man in einem späteren Bildschirm (s.u) nur sie auswählen. Leider ist es nicht so einfach für die anderen Charaktere, die eine bestimmte Entscheidungsreihenfolge benötigen damit ihre Route das Spiel fortsetzt.

Viele Entscheidungen in der Common Route geben einem auch nur 2-3 andere Lines an einer anderen Stelle, die man vorher nicht gesehen hat. Entscheidungen sind auch nicht wirklich in ihrer Relevanz unterscheidbar. „Helfen oder nicht helfen?“ Entscheidungen sind ja offensichtlich in ihrer Wirkung, doch andere sind da nicht so nachvollziehbar. Es ist nicht sehr kryptisch, aber man muss häufig resetten, zwischenspeichern und dieselben Hintergrundmusikloops ein Dutzend Mal hören, während man sich von Entscheidungsbildschirm zu Entscheidungsbildschirm skippt. Der Aufwand, um die anderen Routen freizuschalten wird erheblich durch einen Guide reduziert.

Lokalisierung:

Sofort am Anfang des Spiels lässt sich feststellen, dass das Spiel in einer Art fiktiven Welt spielt, denn der radikale Feminismus ist in unserer Realität noch nicht so weit fortgeschritten, dass Männer auf unserer Erde nirgends mehr zu finden wären… Auch wird dies dadurch verdeutlicht, dass man sich nicht wie üblich in Tôkyô befindet, sondern in seinem Yumeutsutsu Re:Master-Äquivalent „Teito„. Auch später gibt es Referenzen zu anderen Ländern bspw. Griechenland, im Spiel genannt Grecycia. Wenn es jedoch so nötig war die Namen von Ländern abzuändern, warum spielt das Spiel immernoch namentlich in Japan? Diese Inkonsistenz will mir nicht in den Kopf gehen, auch wenn diese Entscheidung schon im japanischen Original so enthalten ist.

Auch gibt es einen Charakter der die Grecycianisch* (Es ist Griechisch) spricht und keine dieser Zeilen ist übersetzt. Komische Entscheidung. Positiv ist: Typos gibt es nahezu keine. In der Common Route konnte ich fünf Stück entdecken. Sie schränken das Erlebnis und die Immersion nicht ein.

Bugs:

Normalerweise gibt es diese Rubrik nicht in meinen Reviews, aber Yumeutsutsu Re:Master hat einen erwähnenswerten Bug, der mich manchmal gut nerven gekostet hat. Wenn man das Spiel im Vollbild spielen möchte und dann entweder raustabbt oder wie in meinem Fall eine „Akku leer“ Notification euch auf den Desktop wirft, gibt es keine Möglichkeit wieder ins Spiel zu kommen. Man muss es mit dem Task-Manager beenden und vom letzten Speicherpunkt aus beginnen.

Degica sagte dazu auf Twitter folgendes:

Rechtfertigt der Inhalt den Preis?

Das erste was mich gestört hat an dem Spiel war der Fakt, dass es für eine Visual Novel überdurchschnittlich viel kostet. Auf Steam ist das Spiel momentan mit 54.99€ gelistet. Auf Switch sogar mit 64 Euro! Dies ist ein Preis, der für den ein oder anderen Nutzer abschreckend sein wird. Selbst ein 60-Stunden Erlebnis wie Evenicle überschritt nie den Preis von 45$ (rund 40€). Warum kostet dieses Spiel also weitaus mehr als andere Vertreter des Mediums mit ähnlicher Spieldauer? Niemand weiß es.

In Yumeutsutsu Re:Master spielen wir eine Common Route von ungefähr 15-20 Stunden Länge. Danach kommen mehrere Charakterrouten und eine Spezial/True Route, die man freischaltet nachdem man die Honoka Route gespielt hat. Sobald man die Hauptstory beendet hat, kann man die folgenden 5 Epiloge spielen, die sich jeweils auf eine der Charakterrouten fokussieren. Diese sind in Yumeutsutsu Re:After enthalten, was am 23.4.2020 gleichzeitig lokalisiert und veröffentlicht wurde.

Yumeutsutsu Re:After ist eine Fandisk in der wir verschiedene Epiloge zum Originalspiel lesen. Da ich diese Epiloge noch nicht erreicht habe, kann ich zu diesem Zeitpunkt dazu nichts sagen. Der Preis von 41.99€ ist auch hier abschreckend.

--  Kokoro’s Story: “Yumeutsutsu Re:Unification”

 --  Saki’s Story: “Deadline Before Paradise”

 --  Nana’s Story: “Ghosts of the Past”

 --  Marie’s Story: “Married Life”

 --  Honoka’s Episode: “She, Her Dog, and Ai”

Insgesamt kosten beide Spiele also rund um 100 Euro. Dies ist ein kolossaler Preis für ein Nischenspiel wie dieses. Auf Konsole sind die Preise übrigens ähnlich. Jeder muss selbst entscheiden, ob es wert ist 100 Euro für diesen Yuri-Titel auszugeben.

Fazit:

Ich erwarte mehr Yuri in den Charakterrouten. Wunderschönes und herzergreifendes Yuri.

In diesem „Kurzeindruck“ bin ich auf die Common Route von Yumeutsutsu Re:Master eingegangen. Das Spiel glänzt mit wunderschönen Visuals, abwechslungsreichen Dialogen und man lernt eine Menge über verschiedene Schritte der Spieleentwicklung. Leute mit einem Hintergrund in Spieleentwicklung werden nicht viel Neues erfahren. Für den absoluten Laien reicht das, was im Spiel erzählt wird, um einen Überblick zu bekommen. Das Entscheidungssystem und der Preis sind zwei Kritikpunkte, über die man aber nicht so leicht hinwegsehen sollte.

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (24) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 170 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Ich hab meine Finger überall drin ;) よろしく~