Die Pflichten eines Übersetzers – Konservation oder Modifikation?

-chan, -san, -sama. Was haben diese Endungen alle gemeinsam? Es sind Japanische Anreden, welche nicht nur wichtig sind um den Status einer Person widerzuspiegeln, sondern auch das persönliche Verhältnis darstellen. Komischerweise hat man von nervigen Imouto und ihren Onii-chans in früheren Sendungen, die im Deutschen (RTL 2) und auch im Englischen (4kids) Fernsehen liefen, nie etwas gehört. Die meisten Sendungen waren ja auch eher massenproduziertes Shounen als Harem RomComs, trotzdem sprach niemals jemand von Naruto-san oder Conan-kun. Die herkömmliche Erklärung beläuft sich meistens darauf, dass man die Serien dem Westen angepasst hat, denn ein dummer Gaijin (Ausländer) hat keine Ahnung von japanischer Kultur, was auch dazu führte, dass Tode, brutale Szenen sowie anzügige Bemerkungen oder leicht bekleidete Charaktere verändert oder gar gestrichen wurden; sind ja schließlich Kinderserien *zwinker* *zwinker*. In dieser Hinsicht waren offiziell lizensierte Anime und Manga eher Lokalisierungen als Übersetzungen, da man versucht hat, den Inhalt auf die geographischen/demographischen Begebenheiten, also den Westen, anzupassen. Erst vor kurzem wurde die Visual Novel „Trample on Schatten“ ein Opfer der Zensur, da ihr originaler Inhalt eine Szene beinhaltet, die möglicherweise illegal in den Vereinigten Staaten ist und so mit der englischen Übersetzung nicht mehr intakt ist. (Berichterstattung)

Einen Aspekt davon sind die Japanischen Anreden, die man oft „honorifics“ nennt. Die sind für viele nicht nur in Anime und Manga ein Streitthema, denn wenn Leute sich nicht innerhalb der VN-Community auch deswegen an den Kragen gehen würden, gäbe es nämlich auch keinen Artikel wie diesen darüber.

Durch eine Umfrage kam der Ball ins Rollen

Angefangen hat es damit, dass ein anonymer User namens „Honorificsurvey“, wird im Folgenden als „er“ bezeichnet, auf VNDB, Fuwanovel und dem /jp/ board auf 4chan eine Google Umfrage startete, in der neben allgemeinen Fragen zum Visual Novel-Konsum und Erfahrung mit unübersetzten Titeln, auch gefragt wurde, ob man kulturspezifische Anreden in Visual Novels lieber beibehält, i.e. Name-kun/san/chan, entfernt haben will, i.e. nur der Name, diese in bestimmten Fällen beibehalten will oder es einem egal ist. Dies wurde je für ein japanisches sowie für alle anderen Settings gefragt. (Hata hat die Ergebnisse in einem anderen Artikel schon beschrieben)

Honorifics sind zugegebenermaßen nur ein kleiner Teil der Hürden eines Übersetzers, dies wird einem vorallem bewusst wenn man sich Spielveröffentlichungen von Mainstream-JRPGs im Westen ansieht. Zensur von bestimmten Gameplay-Aspekten da sie als „unpassend“ für die westliche Kultur gelten (ala Fire Emblem Fates), Anpassung bestimmter Charaktere um „inklusiver“ zu sein (Xenoblade ChroniclesPersona) sind alles Dinge die nicht unbegründet passieren.

Meinungen eines Insiders

Um bessere Einsicht in Meinungen von Personen aus der VN-Szene zu bekommen, habe ich jemanden über unser Discord befragt. Und zwar Dergonu, ein User, welcher unter anderem für MangagamerSisterly Bliss und für Cherry Kiss Tenshi to Akuma to Elf ga Oyome ni Kimashita! ~Minna Haramase Love icha Harem~“ übersetzt hat. Ich hab mich entschieden jemanden zu fragen, der nicht auf Konsumentenseite sitzt, um auch die Probleme mit denen ein Übersetzer klar kommen muss zu repräsentieren, da ich selbst zu keinen japanischen Übersetzungen in der Lage bin. Folgendes „Interview“ ist im Englischen:

How do you define Localization and Translation? Is one preferable over the other?

First of, I think you can’t have one without the other. Translation is localization, simple as that. You need to fit the translated text to the target language in order to produce good prose. Languages are all very different, so something that carries one meaning in one could mean something entirely different in another. (I touch on this a bit more in my answer for question number two.) Therefore, simply just translating word by word leaves you with an incorrect „translation“. If you are going to do a professional translation, you need to localize. So, I am going to treat the two terms as one for my answer. My definition of translation (which then also encompasses localization,): Translation is writing. It means to bring over the meaning and intent behind a creative work to another language, making necessary “changes” to make sure the text makes sense in said language.

What is your opinion on honorifics, as in, should they be kept intact or not?

I think honorifics should be removed from translations. I am a JP to ENG translator, and honorifics do not really exist in English. (We have “Miss” “Mr” etc, but nothing like Japan’s honorific system.) As such, leaving them in makes very little sense to me. Finding suitable equivalents in English when needed is always a better choice. Something fun I’d like to bring up regarding this- someone recently asked me if Japanese translations ADD honorifics. And I answered, well yes, of course!

They localize, just like we do. For us, that means removing the honorifics, since English does not have those and leaving them in would feel strange and awkward. In Japan they add them, as reading a text where, let’s say someone refers to their boss by their first name, would seem super strange to them. If we then apply my definition of translation/ localization, “bring over the meaning and intent behind a creative work… making necessary ‘changes’”… we can see that for Japanese to English, this means removing an alien concept that does not make sense in English culture, and in English to Japanese it means adding a familiar concept to make the text fit their culture. (Think, the underling was not being rude to his boss in the English text. But if the text is directly translated to Japanese without any alterations, he suddenly is in the Japanese version. See what I’m getting at?)

Do you think a translator has duties in the sense of not modifying the content too much, in a sense that would cloud the intentions of the authors original script, lead to censorship or even include the translators own “agenda”?

I think a translator should do their absolute best to do the author’s work justice. This does not mean they should fear making changes- far from it. It means they should produce something GOOD. You will not do a brilliantly written game justice by producing an incredibly literal translation that reads like something Google Translate pooped out. The fact of the matter is, if you want to produce something good, you need to make “changes”. That does not mean you are going to change the meaning of the text. Not at all. What you are doing is you are simply fitting the text to the target language, in order to produce equally good- or better – prose. I always make sure what I’m writing in my translation makes sense in the author’s world. I always want to do his or her work justice. No translator I know of makes these “changes” to ruin the author’s work- on the contrary, the do it to do the author’s work justice.

A translator trying to actually alter the source text because of some “agenda” is clearly not fit for the job, though. (In this case, I mean actually altering the text completely.) This is not really done by anyone in this industry, as far as I know, so you shouldn’t have to worry about that.

Übersetzung des Interviews mit Dergonu

Als erstes fragte ich ihn zu seinen Definition in Hinsicht Lokalisierung und Übersetzung und ob eins davon besser ist als das andere.

Was wir auf jeden Fall erkennen ist eine eher veränderliche Haltung von Dergonu, die nicht darauf beruht alles eins zu eins wiederzugeben, sondern den Inhalt für das gegebene Publikum, in diesem Fall dem Westen, „vorkaut“, d.h. bestimmte kulturelle und sprachliche Referenzen so verändert, dass sie im Englischen Sinn machen. Ist ja auch klar wenn man bedenkt, dass in der vorgelegten Meinung keine Abneigung gegen Lokalisierung besteht, im Gegenteil besteht sogar eine Haltung zur kausalen Relation zwischen Übersetzung und Lokalisierung.

Danach kam natürlich die brennende Frage was man denn von Honorifics halte.

Und siehe da, Dergonu ist gegen den Einbau von honorifics, die Begründung davon ist schlicht dass diese im Englischen, aber auch in vielen anderen Sprachen wie Deutsch, außer durch „Herr“ oder „Frau“ nicht existieren. Interessanterweise bringt Dergonu ein regelrechtes Totschlagargument, denn bei der Lokalisierung westlicher Inhalte vom Westen nach Japan werden Anreden ergänzt, aus Herr Müller würde also Müller-san werden. Der springende Punkt hierbei ist, warum sollte gerade japanische Kultur konserviert werden wenn es nicht bei der westlichen geschieht? Ein veranschaulichendes Beispiel hier war der Boss, welcher von seinen Angestellten mit dem Vornamen angesprochen wird. Für uns wäre das kein Problem, jedoch fänden Japaner das sehr komisch, weswegen es zum Nachnamen verändert wird. Sein grundlegendes Prinzip ist also, dass fremde Konzepte entfernt und möglicherweise durch bekannte Konzepte ersetzt werden um die Spiel- bzw. Leseerfahrung zu verbessern.

Als letztes fragte ich ihn noch ob Übersetzer eine Pflicht haben den Inhalt eines vorgelegten Werkes nicht zu viel zu verändern, da dies möglicherweise die Intention eines Autoren vernebeln könnte.

Daraufhin kam die Antwort, dass man immer sein absolut Bestes geben sollte der originalen Intention des Autors zu folgen, sich aber nicht vor Veränderungen scheuen sollte. Der Text wird in dieser Sicht also nur auf die Zielsprache zurechtgeschnitten um eine gleich gute – oder bessere – Erzählung zu bieten. Weiterhin soll man sich über Agendas bestimmter Leute keine Sorgen machen, da dies noch nicht vorgekommen ist.

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Also, um es nochmal zusammenzufassen: Veränderung ist gut, viele Dinge die in einer Sprache existieren sind meist nicht in gleicher Form in einer anderen Sprache vorhanden, weswegen man sich bemühen sollte den Originaltext so umzuändern bis er für die Zielsprache Sinn macht. Klingt alles logisch und nachvollziehbar. Eigentlich.

Oder vielleicht doch nicht?

Versteht mich nicht falsch, in vielen Punkten würde ich hier mit Dergonu, dessen Meinung ich stellvertretend für viele Übersetzer und Lokalisierer im kommerziellen Bereich gleichstelle, zustimmen. Bestimmte Redewendungen machen keinen Sinn, Anreden sind nur spärlich in anderen Sprachen vorhanden, etc..

Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass dadurch trotzdem bestimmte Aspekte der Intention sichtlich vernachlässigt oder sogar untergraben werden. Als Beispiel wähle ich erneut Honorifics, denn auf den ersten Blick scheinen sie nur kleine Anhängsel für Namen zu sein, welche sich nett anhören und vielleicht bestimmte Dinge besser erläutern, aber man könnte vermuten sie wegzulassen sei nicht so wichtig. Was nunmal nicht stimmt. Auf der gleichen Weise wie bestimmte Wörter und damit verbundene Bedeutungen nur im Deutschen, und nicht im Englischen zu finden sind, unter Anderem: Schadenfreude, Zeitgeist oder Weltschmerz, ist es auch bei den japanischen Anreden so, dass oftmals eine übertragene Bedeutung vorhanden ist, die nicht für Personen, die der Sprache fremd sind, gleich erkennbar sind. Grundlegend sind Anreden wie -san -kun oder -sensei sehr offensichtlich – man spricht einen fremden, flüchtig bekannten, oder geschäftlichen Kontakt an, einen Lehrer oder Doktor oder nunmal eine bestimmte männliche Person mit dem man eine tiefere Beziehungen hat, wobei man hier schon merkt dass dies recht vielschichtig werden kann. Bei Dingen wie -chan, -tan oder -sama kann es dann doch komplexer werden, denn -chan wird nicht nur verwendet um „süße“ Personen anzureden, in bestimmten Kontexten kann dies nämlich auch abwertend und beleidigend sein.

Weiterhin besteht die Möglichkeit des gesamten Weglassens der Anreden und nur dem Erwähnen des Nachnamens, Nach-und-Vornamens, oder nur des Vornamens. Hier kommt es wieder darauf an wie gut man mit der Person befreundet ist, da das Anreden ohne honorifics sehr beleidigend wirken kann, je nachdem ob es der Nach-oder Vorname ist. In diesem Zusammenhang kann dies auch mit Absicht zu einem beleidigenden Zweck verwendet werden wenn man den vollen Namen einer Person verwendet. Ein gutes Beispiel in einem VN in der dies vorkommt wäre (mal wieder) Steins;Gate, es gibt nämlich einen Charakter Namens Suzuha , welche den Hauptcharakter Rintaro (Nachname) Okabe (Vorname) als Okabe Rintaro anspricht. Für uns westliche Gaijins hat das wahrscheinlich keine komischen Reaktionen ausgelöst, außer man ist natürlich so (kulturbewusst) wie ich und weiß schon vorher, dass man im Japanischen immer zuerst den Nachnamen und dann den Vornamen nennt. Bei den japanischen Spielern hatte dies den erwünschten Effekt der Verfremdung, da der Charakter dadurch automatisch etwas suspekt wirkt, obwohl sie fließend japanisch spricht.

Grund dafür ist natürlich

dass sie aus der Zukunft stammt in der die Welt und dadurch auch Kultur Japans stark verändert wurde, eine sehr subtile Art von foreshadowing

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Was ich damit erstmal aufzeigen wollte ist, dass hinter Kleinigkeiten wie solcher oftmals Implikationen stecken, welche durch das Ersetzen bestimmter Teilaspekte des Textes in der Übersetzung nicht mehr durchkommen. Mir ist ebenfalls bewusst, dass ein anderes Problem ist, dass sich nicht jeder VN-Spieler stundenlang mit japanischen Höflichkeitsformen auseinandersetzen will, und die Möglichkeit drei Absätze lang „keikaku“ means plan einzubauen wie es oftmals bei Fansubs von Animes der Fall ist, kann nicht realistisch in einem VN umgesetzt werden. Gottseidank ist S;G in dem Fall hier ein recht positives Beispiel, da hier die Schuld eher beim „Nichterklären“ liegt, welches man meiner Meinung nach nicht wirklich kritsieren kann
Suffixe werden in diesem Beitrag genannt

Ein anderes Beispiel, welches schon eher in die Richtung von „grottenfalsch“ geht, wäre die Übersetzung von Titeln aus „Danganronpa“. Da wird aus einem Idol schonmal eine Pop-Sensation, welches zwar grob stimmt, aber die Signifikanz der hiesigen Japanischen Idol-Kultur unterschlägt, aus einer Gyaru eine Fashionista, welches ebenfalls teilweise korrekt ist, aber trotzdem die Gyaru-Kultur in Japan ignoriert, und als die größte Sünde wird aus einem Doujin Autoren ein „Fanfic-Creator“. Dies ignoriert unter anderem, dass Doujins zwar oft auf originalen Vorlagen basieren können, aber ebensogut VOLLSTÄNDIGE Eigenkreationen sein können, in diesem Sinne also keine „Fan“-Fiktionen sind.

Hier könnte man noch JRPGs wie Persona 5, Hyperdimension Neptunia, Tales of-Spiele und weitere nennen, welche alle gewisse Fehler oder einfach nur schlechte Übersetzungen bieten sowie „lokalisierte“ Texte, welche Inhalte komplett umändern zugunsten von besserer „Verständlichkeit

 

Eine andere Sache die mich beschäftigt in der Hinsicht ob ein Übersetzer eine Pflicht gegenüber dem Verbraucher hat wurde indirekt durch eine von Dergonus Aussagen schon angerissen.

„equally good or better prose“

Da dies eine Meinung ist werde ich jetzt keinen Defamationsversuch oder so starten, was ich aber sagen will ist das ich dies für einen sehr tückischen Ansatz halte. Aber warum denke ich das? Nüchtern betrachtet ist es doch besser wenn ein Spiel mit schlechtem Writing oder Plot von einem Übersetzer in der Zielsprache so aufgefrischt wird, dass das Endergebnis besser ist, oder kommt es etwa nicht auf das Endprodukt, das eigentliche Spiel an, welches so gut sein muss wie möglich?

Zunächst ein mal ist es sehr schwer zu sagen ob jetzt wirklich das Übersetzte überhaupt besser ist oder sein kann, da Visual Novels eine Kunstform sind und Kunst sehr subjektiv ist. Weiterhin könnte selbst eine aus Beispiel DanganRonpa bekannt chō kōkō kyū no bungaku shōjo (超高校級級の文学少女)  Plotholes, Pacing oder Charakter-Stereotypen nicht ausbessern, da fängt man lieber gleich selber an seine eigene VN zu kreieren. Aber mal davon abgesehen, wäre eine Verbesserung denn wirklich erwünscht? Ich selbst bin sehr anti-postmodern und finde dass die Intention eines Autors immer folgezuleisten ist, selbst wenn das gewählte Medium in diesem Fall einiges zu wünschen übrig lässt. Schließlich ist das Werk immernoch die Kreation des Autors und nicht Eigentum des Übersetzers. Natürlich sind Autoren keine Götter und auch nicht allmächtig, weswegen bestimmte Veränderungen meiner Meinung nach einfach unausweichlich sind. Mein Hautproblem ist aber nicht wirklich dass hier japanische Autoren verteidigt werden, diese interessieren sich wahrscheinlich herzlich wenig für das was mit ihrem Spiel im Westen gemacht wird. Was mich eigentlich interessiert ist der Spieler und die Spielerfahrung.

Folgendes (unrealistisches) Szenario: Ein Spiel wird in Japan veröffentlicht; dieses wird generell recht negativ aufgenommen, weil die Story keinen Anklang findet und der Schreibstil unterdurchschnittlich ist. Das gleiche Spiel wird nun lizensiert und im Westen veröffentlicht, welches eine stark überarbeitete Fassung des Originals ist und Dinge wie Story oder Charaktere so „verbessert“ sind, dass das Spiel extrem gut im Westen ankommt. Daraufhin kommte es zu Meinungsverschiedenheiten in bestimmten Foren, da bestimmte Spieler die Geschichte so in Erinnerung haben, andere Spieler sie aber so in Erinnerung haben. Da es aber als gleiches Produkt vermarktet wurde haben beide Seiten in gewisser Weise recht. Kann man eine verbesserte Version aber in dieser Hinsicht noch als das originale Produkt verkaufen? Ist eine tiefgreifende Veränderung der Spielerfahrung, sei es positiv oder negativ, nicht schlecht da möglicherweise Feedback gegenüber den Entwicklern beeinflusst wird? Ich kann das leider nicht beantworten. Ich habe leider auch kein Beispiel für eine VN bei der es so extrem ausfiel, was ich aber vorweisen kann ist ein Anime bei dem dies passiert ist. Die berühmt-berüchtigte Show:

Ghost Story, auch bekannt als Gakkou no Kaidan ist ein sehr kurioser Fall von „Wäre es nicht hammergeil Synchronsprecher verschiedene Kulturen gegen Geld beleidigen zu lassen?“ und auch wahrscheinlich der einzige Fall in dieser Hinsicht

Es ist einfach das perfekte Beispiel, da das Original hier im Westen nur als banaler und langweiliger Geisteranime abgestempelt wird, aber durch die amerikanische Synchro zu einem Kultphänomen geworden ist. In Fällen wie diesen, fällt es mir sehr schwer zu sagen eine Abweichung vom Original sei unerwünscht, da dieser Anime einfach zum totlachen ist.

Hierfür hat euch euer Deutschlehrer vorbereitet:

Viele denken sich jetzt bestimmt unterbewusst, dass Probleme und Ungenauigkeiten in Übersetzungen ein Ding der Gegenwart sind. Alles was vor 50 Jahren passiert ist, ist sowieso nur für langweiligen Geschichtsunterricht relevant, also warum sollte man sich dafür interessieren. Nun, ich hab mich in meiner Schulzeit auch viel mit älterer Literatur beschäftigt (müssen) und stolperte über ein Gedicht von Goethe namens „Prometheus“. In diesem Gedicht aus dem Sturm und Drang dreht es sich um einen aufmüpfigen Titanen namens Prometheus, welcher die Götter verflucht und sich mit seiner eigenen Macht die Menschen schafft, in der Epoche auch ein „Genie“ genannt. Aber was hat das jetzt bitte mit 2D-Figuren aus Japan zu tun? Ganz einfach, die englische Übersetzung des Gedichts hat so manche Fehler, welche die eigentliche Intentionen des Möchtegernrebells Goethe untergraben.

(Ausschnitt)

Zunächst einmal, etwas dass mich bei dieser Übersetzung hier tierisch stört ist die Verwendung der archaischen Pronomen „thou“ „thee“ „thy“. Natürlich lassen diese das Gedicht majestätischer und altertümlicher wirken, aber Goethe selbst verwendet in seinem Gedicht zeitgenössische Sprache, welche im 18. Jahrhunder, das schon längst als Neuhochdeutsch gilt, sehr normal in der Schriftsprache war. Außer Begriffen wie „Toren“ und „darbtet“ dürfte es eigentlich einem heutigen Deutschen auch nicht wirklich schwer fallen alles dort drin zu verstehen, aber durch die Verwendung dieser mittelalterlichen/viktorianischen Pronomen in der englischen Übersetzung wird die Wirkung des Textes in einer gewissen unbeschreiblichen Weise verändert, und nicht zum Guten. Weiterhin sind vereinzelt Beispiele wie das Einfügen von Wörtern wie „spacious“, weit;groß, die weder im Originaltext vorkommen, noch in der Hinsicht, dass es ein religionskritisches Gedicht ist Sinn machen.

Wenn ihr euch das nächste mal also mit jemandem über eine fehlerbehaftete VN-Übersetzung streitet, wisset , dass ihr nicht alleine seid.

Insgesamt kann ich immernoch nicht komplett sagen was ich genau unterstütze da beide Seiten echt gute Argumente liefern, aber da ich nunmal gerne die Erfahrung lebe, die ein Autor für mich kreiert, bin ich eher für den Texterhalt, also die Konservation, als für die Veränderung, also die Modifikation.

 

Post Author: Kayihan Akcakoca

Moin, ich heiße Kayihan und bin auch bekannt als der Typ mit dem komischen Namen. Ich bin vergleichsweise noch ein Anfänger wenn es ums Visual Novels geht, und wünsche meinen Horizont durch das Schreiben meiner Artikel zu erweitern. Vielen Dank fürs lesen und viel Spaß noch auf der Seite :).