Death Come True – Gastbeitrag & Review

Einleitung

Death Come True ist das erste Spiel des Studios Too Kyoo Games, gegründet von Zero Escape-Schreiber Kotaro Uchikoshi. Kazutaka Kodaka, Hauptschreiber der Danganronpa-Serie war für dieses erste Projekt der zuständige Direktor und Autor.

In vielen Wegen überrascht dies nicht. Die Story ist praktisch genau das, was man sich unter einem Spiel geschrieben vom Autor von Danganronpa V3 unter Einflüssen des Autors von 999 erwarten würde. Auf die Story des Spiels will ich hier auch gar nicht lange weiter drauf eingehen. Beim Starten des Spiels wird man explizit dazu gebeten, das Spiel nicht für andere zu spoilern. Dies ist auch sinnvoll, da das Spiel wie erwartet sehr „Plot Twist“-lastig ist als auch ein sehr kurzes (ca. 3 Stunden) Mystery Spiel ist.

Kyon-kun Denwa!

Hier bleibt nur zu sagen: Die Story sollte einem gefallen, wenn man Sachen wie Danganronpa V3, Zero Escape, AI The Somnium Files (um die anderen Spiele der Entwickler des Studios zu nennen) mag oder auch so etwas wie den noch relativ neuen ID: Invaded-Anime bzw. falls man nicht aus dem Anime Milieu kommt Sachen wie Black Mirror oder Inception. Mit zwei der genannten Sachen hat das Spiel auch eine mehr als flüchtige Gemeinsamkeit, aber zu verraten welche es sind, wäre dann schon zu viel gesagt.

Sollte dies sofort das Interesse am Spiel geweckt haben, würde ich empfehlen, das Lesen hier erstmal abzubrechen (bis auf Sektion 5, „Tipps zum Spiel“) und einfach in das Spiel reinzuspringen, da die restlichen Sektionen trotzdem kleine Spoiler und Notizen enthalten , die das blinde Spielvergnügen stören können.

Das Spiel ist momentan erhältlich für IOS/Android und Nintendo Switch. Ein PC Port folgt wohl noch.

Weiter zum Rest des Reviews: Uchikoshi hat angemerkt, dass die Ziele des Teams waren, ein Spiel zu erschaffen, das ein guter Einstiegspunkt für Menschen ist, die normalerweise nicht diese Art Spiel spielen oder überhaupt Computerspiele spielen. Auch soll es eher das Gefühl eines Films vermitteln. Dementsprechend sind dies auch die Punkte, auf die ich eingehen werde.

Gameplay

Eine einfache Auswahl aus dem Spiel

Das Gameplay des Spiels beläuft sich fundamental auf ein sehr Visual Novel-artiges Auswählen von Storyoptionen. Hier unterscheidet das Spiel stilistisch zwischen „Taten“ und „Gedanken“ bzw. „Aussagen“. Hierbei führen „Taten“ immer zu einer zu mindestens leicht anderen Story, während die anderen Entscheidungen meist nur einen Aufmerksamkeitstest ohne Konsequenzen darstellen. Dies ist auch eines der größten Mankos des Spieles: Viele der Abfragen der letzteren Art fühlen sich an, als wären sie nur als Lückenfüller vorhanden, da man befürchtet hätte, dass es sonst nicht interaktiv genug ist. Wer mit den anderen Spielen von Kodaka vertraut ist, kennt dies aber wahrscheinlich schon.

Ansonsten ist das Auswählen von Optionen aber eine sehr anfängerfreundlich gelöste Sache. Selten sind einem die Auswirkungen seiner Entscheidungen unklar und es gibt auch keine langen, alternativen Routen oder Entscheidungen, die einen im späteren Spielverlauf wieder einholen. Solange man einfach weiterspielt, geleitet einen das Spiel fließend bis zum Ende.

Da die Abfragen wirklich simpel gestaltet sind und meist klar ist, was die richtige Option ist, werden sich erfahrenere Spieler wahrscheinlich sofort dazu hingezogen fühlen, die „falsche“ Option zu wählen. Darauf geht das Spiel auch gut ein, indem es in diesen Routen Inhalte einbaut, die es einem möglich machen, die Mysterien zu lösen, bevor dies in der Story geschieht.
Was hier etwas schade ist, ist, dass die Kapitelauswahl des Spiels hinter der 100%-Komplettierung versteckt ist und es keine Autoskip-Funktion gibt, was doch etwas frustrierend werden kann.

Präsentation

Kommen wir zum definierenden Punkt des Spiels: der Grafik. Das Spiel ist bis auf die gut gelungene Menüführung komplett mit echten Schauspielern verfilmt. Die OV ist in Japanisch und es gibt Untertitel auf Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Chinesisch, Koreanisch und Thailändisch. Gespielt habe ich das Spiel auf Englisch und konnte dort bis auf ein paar Kleinheiten keine großen Beschwerden feststellen. Auch die deutsche Übersetzung wirkte beim kurz ausprobieren kompetent.

Blockbuster-Filmqualität sollte man hier keine erwarten. Man sieht zwar, dass hier einiges an Mühe gegeben wurde, aber das Schauspielerische und die Inszenierung machen hier teilweise einfach nicht mit.

Es entsteht mehr der Eindruck von einem, wenn auch sehr aufwendigem, Youtube-Indiefilm oder den definitiv hier zu erwähnenden FMV-Spielen der 90er Jahre, die ähnliche Ansätze verfolgten. Man kann hier die Unerfahrenheit der Macher im Filmsegment noch sehr gut erkennen.

Auch wenn man sich hier vielleicht etwas anderes gewünscht hätte, empfinde ich doch, dass es sehr angenehm anzuschauen ist, wenn man mit dem eigenen Charme von solchen zu Zeiten teilweise noch cringygen Verfilmungen klarkommt.

Fazit

Das Spiel ist alles in allem eine nette Verwendung von der relativ geringen Zeit, die es in Anspruch nimmt. Kein Teil ist wirklich neu und trotzdem hat es doch ein eigenes Feeling und einen eigenen Stil.

Werden die angesetzten Ziele der Entwickler erreicht? Jein.
Das Spiel ist definitiv anfängerfreundlicher als viele andere, aber die Wurzeln des Ganzen sind trotzdem noch klar sichtbar und für Menschen, die sich noch nie in diese Richtung interessiert haben, werden doch viele Sachen etwas befremdlich sein.

Es gibt hier noch einiges an Luft nach oben, aber ich würde trotzdem jedem, der Interesse in diese Richtung hat, empfehlen es früher oder später mal zu spielen.
Allerdings sollte man vielleicht etwas abwarten, denn der Vollpreis ist doch etwas hoch angesetzt, wenn man nicht wie ich extremer Fan des Genres ist.

Meine Wertung: 6/10

Death Come True ist ein netter Versuch, den man so schon länger nicht mehr gesehen hat. Für das erste Projekt eines neuen, kleinen Studios, was sich noch am Finden ist auf jeden Fall ein sehr ambitionierter Versuch, der dafür doch gut gelungen ist. Ich für meinen Teil erwarte von den nächsten Spielen des Studios, das sich dann mehr in der Komfortzone befinden sollte, auf jeden Fall viel.

Auch hoffe ich, dass es nicht das letzte FMV-artige Spiel aus dieser Richtung ist, denn der Ansatz hat definitiv ein großes Potential.

Tipps zum Spiel:

Du hast dich entschlossen das Spiel zu spielen? Schön!
Hier ein paar Kurze hinweise, die es vielleicht etwas angenehmer gestalten.

  1. Nehme dir die Zeit und spiel das Spiel in einer einzelnen Sitzung durch. Es ist mit seinen 3 Stunden nicht sehr lange und das Spielerlebnis ist eindeutig darauf ausgelegt.
  2. Es taucht einmal im Spiel Text auf, der nicht übersetzt wird, aber durchaus förderlich zu wissen ist.
    Wenn du denkst, dass du da angekommen bist, öffne den Spoiler.

    Die Handynachricht liest sich: „Ich werde um 20:00 da sein. Also töte sie bis dahin nicht.“

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  3. Nach dem ersten Durchspielen:
    Spoiler

    Die 100% zu erreichen ist einfach. Man muss nur jeweils die falschen Optionen auswählen. Keine der Entscheidungen, bis auf die allerletzte, setzt den Progress zurück (auch nicht die um den ersten Suizid). Also ruhig die durchprobieren, die man noch nicht gewählt hat.

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Autor: Railgun

Yahallo! Mein Name hier ist Railgun, sonst benutze ich aber auch gerne mal 50 andere. In die Anime und VN Welt bin ich damals gestolpert als ein Freund mir empfohlen hat Clannad zu schauen. Des Weiteren bin ich sehr begeistert von der Zero Escape Serie sowie den anderen Spielen von Uchikoshi sowie Kodaka.