Aristocunts – NSFW-Review

Visual Novels werden oft salopp als Pornospiele bezeichnet und während dieses Stigma eines ist, das der gehobene Erogespieler bekämpfen will, fällt es einem nicht immer leicht diese Aussage zu dementieren. Auch fällt nicht leicht unter den Teppich zu kehren, dass der Großteil von Eroge aus billigen Nukige besteht. Ein Nukige ist ein Eroge bei dem Charaktere, Story und alles andere eine zweitrangige Rolle, oder gar drittrangige Rolle spielen. Nukige besitzen oft einen ganz simplen Aufbau, in dem sich aber innerhalb kürzester Zeit so vielen Fetischen einer bestimmten Kategorie bedient wird, wie es nur möglich ist. Eine Firma, die sich diese Spiele zum Businessmodel gemacht hat, ist Cherry Kiss Games aus Kanada, die sich darauf spezialisiert hat, seit ihren Anfängen nur Nukige von den Erogestudios Norn oder Miel in den Westen zu bringen.

Das Spiel mit dem wir uns heute beschäftigen werden nennt sich Akuyaku Reijou Oyako no Geboku ni Natta node Haramase Onaho ni Shitsukete Hametsu END o Kaihi Suru oder auch kurz Aristocunts.

Synopsis:

In Aristocunts spielen wir einen perversen Protagonisten, den wir auch selbst benennen dürfen. Als er gerade über die Straße schlendert, in Gedanken an die hochwohlgeborene Adelstochterheroine Elizabeth aus einem Otome-Game, das er vor kurzem erst durchgespielt hat, wird er plötzlich von einem Auto erfasst. Er stirbt an den Verletzungen und bereut, dass er nicht noch ein letztes Mal zu seiner geliebten Elizabeth fappieren durfte …

… er öffnet seine Augen und findet sich in einem vornehmen Gemach wieder, doch warte mal … das ist doch dieselbe Kulisse wie in seinem Eroge … und dort ist auch Elizabeth! Er wurde doch nicht in die Spielwelt ge-isekait, oder?

Als er den Mut fasst und Elizabeth anspricht, da schlägt und beleidigt sie ihn aufs Übelste. Gekränkt entscheidet der Protagonist sich Elizabeth eine Lektion zu erteilen, fesselt und erobert sie sexuell. Sie wird seine masochistische Kuh und tut alles was der Meister verlangt.

Nachdem beide sich mit der Meister/Sklavenbeziehung angefreundet haben, lernt er dann ein noch weitaus schlimmeres Familienmitglied kennen. Elizabeths Mutter, Mirza. Sie wird auch das Dasein als Kuh kennenlernen, schneller als ihr lieb ist.

Eigene Meinung:

Titel:

Zuallererst muss man mal erwähnen, dass der Titel Aristocunts ideal gewählt ist. Nukige haben meist ellenlange Originaltitel, die nicht so gut ins Ohr gehen, dafür den „Plot“ in einem Satz zusammenfassen: Das Spiel zeigt uns ein paar schlampige Aristokratinnen, die uns zuerst die Hölle heiß machen und dann später unterworfen- und zu Sexobjekten gemacht werden. Die Nuance im Originaltitel, die heraushebt und spoilert, dass die beiden nicht so netten Damen geschwängert werden, wurde komplett rausgelassen – im Austausch gegen einen Titel, der im Kopf hängen bleibt. Generell sind sie gar nicht so schlecht darin Titel zu finden, die deren Spiele zumindest im Kopf herumschwirren lassen. Ihr vorheriger Titel Haramase no Kuni ♪ Tanetsuke Park e Youkoso!, der für mich ein Abklatsch von meinem so geliebten Mizuryuu Kei Land ist, hatte den treffenden Namen Pussy Paradise. Durch diese Titel sichert sich Cherry Kiss Games die Erinnerungswürdigkeit ihrer Titel, obwohl der Inhalt schnell vergessen werden darf.

Marketing:

Ich möchte kurz darüber sprechen, dass Cherry Kiss Games im Gegensatz zu anderen Firmen auf Steam einen unsichtbaren Vorteil nutzt: Den Steam-Algorithmus, der für speziell Adults-Only Titel gilt. Es ist nur ein Gerücht, aber wenn man ein Spiel als Adults-Only deklariert wird es Leuten, die genau nach diesem Hentai-Content suchen, prominenter angezeigt. Auf Anfrage darüber, wurde uns mitgeteilt, dass die Adult-Only Funktion jedem Publisher zur Verfügung steht, die meisten sie aber nicht aktiv nutzen; stattdessen würden sie sich auf Patches und All-Ages Varianten verlassen, die dann von Steam häufig gebannt werden – nach neuesten Entwicklungen sogar permanent.

Der Vorteil dieser Kategorie zeigt sich darin, dass Cherry Kiss Games im Vergleich zu anderen Publishern ihre sexuell anzüglichen CGs gleich auf die Steam-Page packen kann. Andere Publisher wie beispielsweise MangaGamer wird man nur mit All-Ages Screenshots sehen. Generell hat Steam in diesem Bereich der Anime-VN-Adults Only-Spiele seine Methoden noch nicht offengelegt. Es ist also für jeden Entwickler und Publisher ein Rätsel was sie tun müssen, damit ihre Spiele nicht gebannt werden. Vielleicht sollte man mal die Cherry Kiss Methode ausprobieren? Nur so ein Hinweis an JAST, Sekai und co.

Ironischerweise verkaufen sich die Titel von Cherry Kiss nicht schlecht, auch der Übersetzer Dergonu, der so gut wie jeden Cherry Kiss Titel übersetzt hat, kann zu Corona-Zeiten nicht sagen, dass es ihm zur Zeit schlecht gehe. Funktioniert also dieses Businessmodell? Das wird sich noch zeigen müssen.

Technik:

Normalerweise sind die Originalspiele von Norn und Miel in japanischen Engines wie KiriKiri gebaut, aber Cherry Kiss portet diese sogar auf Renpy, eine sehr gängige Engine, die hier im Westen meist von neuen Devs für OELVNs genutzt wird. Diese Portierung hat den Vorteil, dass man dem Spiel neue Funktionen und Optionen beifügen kann, die es original nicht hatte. Somit hat das neue Spiel 16:9, obwohl die originalen Bilder in 4:3 sind, X-Rays on-off Toggling und mehr. Auch lässt der Chat nach vorne und hinten scrollen, was es sehr praktisch macht. Mir fiel doch ein Bug auf, denn wenn man zu schnell den Text scrollt dann fliegen die Sprites manchmal von dem oberen Bildschirmrand zur Mitte hin ein, was sehr merkwürdig aussieht. Das ist aber auch nicht 100% reproduzierbar, sondern passiert nur hin und wieder.

Audiovisuelles:

Visuelles:

Es gibt keine wirklichen Besonderheiten an diesem Spiel, was die visuelle Präsentation angeht. Wir befinden uns meist in dekorierten Schlosssälen oder auch mal auf dem Schafott um eine öffentliche Demonstration unserer sexuellen Fähigkeiten zu machen. Generell gibt es nichts eindrucksvolles in dem Spiel, bis auf die absolut gigantischen Badonkers der Heroinen.

Audio:

Musik ist nicht wirklich erwähnenswert, denn meistens plätschert sie nur im Hintergrund vor sich hin. Es gibt ein paar Nukige mit phänomenaler Musik, aber dieses ist keines davon. Es gibt auch keine Trackliste oder ähnliches. Das sollte verdeutlichen wie unwichtig der Soundtrack für den Spieler ist. Auch gibt es kein Introvideo.

Das Design sticht jetzt auch nicht heraus, ich fand es lustig wie es ein lautes dumpfes Klatschgeräusch gab, als der Protagonist sein Gemächt auf von oben auf den Kopf der beiden Samenkühe schlug. Woraus ist der Schwanz gemacht? Aus Kruppstahl?

Voiceacting:

Das typische Nukige-Voiceacting, aber auf 11 hochgedreht. Die Heroinen schreien, machen Tiergeräusche, oinken und grunzen vor sich hin, aber können in anderen Szenen auch die unnahbare, hochwohlgeborene Adlige sprechen. Es kann aber nach einigen H-Szene schon echt nerven die Heroinen so schrill piepsen zu hören… es tat mir nach einer Zeit echt in den Ohren weh.

Lokalisierung:

Ja, hier liegt der Hund begraben, denn dieser Titel oder generell Cherry Kiss Titel lassen echt zu wünschen übrig was ihr Writing und genauer das Proofreading angeht. Alleine in meinem Playthrough in dem ich viele der H-Szenen einfach geskippt habe – Schande über mein Haupt – sind mir einige typographische Fehler aufgefallen, die nicht nur Schreibfehler sondern elementare Denkfehler sind. Selbst Referenzen zum berühmten how is prengant formed Video lassen sich auffinden. Eine Galerie werde ich in den Slider einfügen. Leider enthalten manche von ihnen anzügliche Szenen, deshalb nicht auf der Arbeit oder mit Familie lesen.

Man könnte noch denken ihr seid verschweinst.

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Slider
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Auch was den Inhalt der Lines angeht, lässt die Lokalisierung zu wünschen übrig. Mit umgedichteten Lines kann ich normalerweise leben, mit ausgelassenen Lines dennoch nicht. Wenn man des Japanischen mächtig ist, wird man merken, dass viele Voicelines viel länger sind, als die Textbox in der übersetzten Fassung beinhaltet. Wenn man dann genau hinhört, merkt man, dass an vielen Stellen einfach große Stellen von Beschreibung oder einfach nur sexueller Dirtytalk vereinfacht wurden. Gerade in den H-Szenen, die ich mir in der Hinsicht genauer angeschaut habe, fällt das auf. Ich führe diese Vereinfachungen darauf zurück, dass es den Leser eh nicht interessiert, was in einem Nukige genau gesagt wird, also kann man ja sicher die Lines neu schreiben bzw. den zugegeben überaus komplizierten, spießigen Sprachgebrauch vereinfachen. Das fällt vielen natürlich nicht auf, weil sie kein Japanisch sprechen, mir dafür umso mehr.

Ich für meine Teil werde diese Typos so schnell wie möglich im Cherry Kiss Discord melden und erwarten, dass man sie repariert.

Ich sehe aber auch ein, dass solche Rewrites in der Industrie gängige Praxis sind und gerade, wenn man unter Zeitdruck steht, da man jeden Monat ohne Unterlass einen neuen Titel releast, kann sowas schon Zeit sparen. Ich bin nur persönlich kein Freund davon denn, auch wenn ich kein Translation-Hardliner bin, sollte man die Lines so gut es geht vollständig übersetzen.

H-Szenen:

1400 Worte und jetzt kommen wir erst zum H-Content? Sag mal bist du bescheuert?

Der H-Content in dem Spiel beläuft sich auf 15 heiße Szenen wie gemacht für Sadisten, die sich schon immer mal eine Frau zum Untertan machen wollten. Gerade im Repertoire von Cherry Kiss gibt es eigentlich fast nur Spiele, die damit zu tun haben, eine sonst stoische, gestandene Frau zu brechen und zu seiner Sexsklavin zu machen. Man könnte jetzt natürlich Misogynie vorwerfen, aber das tut man ja bei traditioneller BDSM-Praktik auch nicht – außerdem ist es Fiktion. Nichtsdestotrotz werden das Mädchen und ihre Mutter in dem Spiel zu richtigen, ehrenlosen Sklavinnen gemacht. Von Nasenring für Schweinsgeburten, über Kuhkostüme hinweg ist Norn sich für zu nichts zu schade. Auch die im Originaltitel enthaltene Schwangerschaft (haramase) wird ein Element der Fetischisierung.

Nachdem die Mädchen das erste Mal so richtig Penis bekommen haben, sind sie sofort gebrochen und lassen sich (unbetäubt) sogar Nippel- und Klitorispiercings machen. Danach laufen sie auch im Schloss meist nur noch als nackte Dienstmädchen ihres Meisters umher und ihre Kleidung wird schlampiger und schlampiger.

Eine Besonderheit des Eroges ist noch, dass es nicht genügt die Mädchen zu schwängern, nein. Um sie zu demütigen wird auch der Protagonist ohne Ausnahme in ihre Öffnungen urinieren. Wem Urophilia (Watersports) abgeneigt ist, der sollte dieses Spiel nicht kaufen.

Generell ist es übrigens nicht empfehlenswert in Frauen zu urinieren, davon kann man nämlich Blaseninfektionen bekommen. In Japan ist diese Praktik aber in Medien sehr verbreitet, das erste Mal habe ich das in dem japanischen Film In the Realm of the Senses von 1976 sehen müssen. Kam mir damals schon Japanisch vor.

Fazit:

Cherry Kiss Games hat seinen persönlichen Markt für sich entdeckt. Wenn es ihnen danach beliebt nur Norn-/Miel-Nukige zu lokalisieren, sollen sie das tun. Persönlich würde es mich freuen, würden sie auch in andere Richtungen gehen. Laut Dergonu, dem Übersetzer, ist es aber nicht so einfach zusätzliche Lizenzen zu bekommen. Da kann man also nichts machen.

Dieses Review von Aristocunts dient eigentlich als Schablone zum generellen Review von Cherry Kiss-Nukige, denn die unterscheiden sich mit Ausnahme der Charaktere und der darin bedienten Fetische nicht weit. Sollten es also andere Titel von ihnen auf VN-Info schaffen, dann wird das Review deutlich knapper ausfallen. Eine Kaufempfehlung für solche flache Nukige gibt es von mir nur für Leute, denen Story komplett egal ist und die auf dicke Hupen stehen, denn davon haben Norn-/Miel-Games zur Genüge. Wenn man sich die Spielographie von Norn/Miel anschaut, dann wird Cherry Kiss auch noch lange Jahre weiter monatlich Titel veröffentlichen können.

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (24) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 170 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Ich hab meine Finger überall drin ;) よろしく~