Aksys Games veröffentlicht Collar x Malice -Unlimited- Fandisc mit erheblichen Fehlern

Vor einigen Tagen hatte unser neuester Autor staremojii mit Vorfreude über die Veröffentlichung der Fandisk zu Collar x Malice, die auf den Namen Collar x Malice -Unlimited- hört, berichtet. Diesen Artikel könnt ihr hier einsehen.

Collar x Malice -Unlimited- Switch Release

Leider mussten die Fans der Serie, kurz nachdem das Spiel am 13.August 2020 im Nintendo E-Shop vorrätig wurde, empört aufstoßen, da der Status der Collar x Malice -Unlimited- Fandisk, gelinde gesagt, unerwartet schlecht ausfiel.

Mit jedem neu lokalisierten Spiel gibt es so seine Probleme, die nicht nur Aksys Games betreffen, sondern in der gesamten Visual Novel-Industrie des Öfteren vorkommen. Meist bestehen diese „Probleme“ nur aus Kleinlichkeiten oder sind Präferenzen, die nicht mit dem Weltbild der meckernden Spieler zusammenpassen – bzw. die Debatte über das Löschen von Honorifics oder das Lokalisieren von orientalischen Speisen. Manchmal kommt es auch zu Beschwerden, dass das Gesprochene (Voicelines) nicht mit dem Geschriebenen (Text) übereinstimmt. Diese Art Beschwerden kann man als grundlegendes Missverständnis des Ziels von Übersetzung und Lokalisierung abhaken. In diesem Fall geht es aber um Lokalisierungsfehler, die man mit keinem guten Gewissen entschuldigen kann: Vernachlässigung.

Über die letzten 24 Stunden erhielt die Lokalisierungsfirma Aksys Games heftigen Beschuss aus ihrem Kundenkreis, von sowohl Fans, als auch professionellen Übersetzern, da die Qualität des fertigen Releases der Fandisk von Collar x Malice -Unlimited- äußerst miserabel ausfiel.

Tweets zum Stichwort Aksys Translation

Twitter-User/in APPLEJUSTICE (Hena) war die erste, die die Öffentlichkeit auf die Qualität des fertigen Spiels aufmerksam machte:

Alleine aus den Bildern sollte schon ersichtlich sein, dass dies nicht Aksys Games Standards entsprechen sollte und dass hier bei der Quality Control offensichtlich geschlafen wurde. Sätze wie „When my imagination went twisted itself into knots“ oder „My cheeks flushed slightly as Sasazuka places a Sasazuka tapped a plastic bag he had placed on the dining table“ sind Sätze mit Meme-Charakter, die es nie in ein fertiges Release hätten schaffen sollen. Aksys Games ist seit vielen Jahren schon im Geschäft und ihnen hätten solche Fehler auffallen müssen.

Zum Gesamtverständnis ist es auch wichtig zu wissen, dass das Hauptspiel Collar x Malice nicht in einem solchen Zustand veröffentlicht wurde.

Hier einige Tweets und Beschwerden von namhaften Übersetzern in der Szene:

Vergleich der Credits

previous arrow
next arrow
previous arrownext arrow
Slider

Nach ein wenig Recherche hatten Visual-Novel.info auf Twitter die Idee, die Credits einiger Aksys-Spiele miteinander zu vergleichen und es fiel schnell auf, dass die Quality Control von zwei unterschiedlichen Firmen gemacht wurde. Bei Collar x Malice war es Digital Hearts US Inc. und bei Collar x Malice -Unlimited- eine Agentur namens Pole to Win International.

Warum ist das wichtig?

Wenn man Pole to Win International im Internet sucht, dann findet man schnell die Firmenseite auf welcher sie groß anpreisen, dass sie simultane Lokalisierung in bis zu 40 Sprachen anbieten, was für jeden, der sich mit dem Übersetzerbusiness etwas auskennt, direkt suspekt wirkt. Es ist schwer genug gute Lokalisierungen ins Japanische zu gewährleisten, doch wenn man eine Firma einstellt, für die das Lokalisieren in Japanisch lediglich einer von vielen Nebenaufträgen ist, dann kommt eine solche Qualität, wie man sie uns hier präsentiert, zustande.

Wenn man daran zweifelt, dass Pole to Win International etwas mit dem Zustand des Spiels zu tun haben könnte, dann wird man schnell von den Erfahrungsberichten ehemaliger Mitarbeiter eines Besseren belehrt. Die längeren Reviews sind aussagekräftiger als die kurzen. (Glassdoor/Indeed)

An diesem Punkt haben wir uns auch auf Twitter in die Diskussion eingemischt und haben unsere Screenshots zum Vergleich der Credits dort gepostet. Dies erhielt ein wenig Traktion und Zustimmung.

Auch scheint es suspekt, dass Aksys Games ungleich viele Männer als Frauen in ihren Credits listet, obwohl es sich dabei um Otome Games (d.h. an Frauen gerichtetete Spiele handelt). Dies unterstützt gleichzeitig das Vorurteil, das vor kurzem durch ein Interview mit Siliconera laut wurde, dass Aksys Games sich angeblich nicht mit „girly games“ befassen wolle. Dafür erhielten sie auch genug Kritik von der Community. 

Wie wird die Situation gelöst?

Da sich Aksys Games selbst noch nicht zu der Situation geäußert hatten, haben sich unter der Mention „Aksys Translation“ auf Twitter viele wütende Fans gesammelt, die ihren Unmut über den Zustand des Spiels äußern. Hier stechen auch wieder @APPLEJUSTICE und ihre Freundin Kairi @ajentamuu hervor, denn diese beiden haben sich mit einigen anderen Usern auf einem privaten Collar x Malice Discordserver an die Aufgabe gemacht, die QC des Spiels nachträglich zu übernehmen. Zu diesem Zwecke haben sie ein Google Spreadsheet kreiert auf dem jeder Fehler im Spiel notiert, korrigiert und gelistet ist.

Dieses Spreadsheet wurde mittlerweile sogar schon öffentlich gestellt, befindet sich aber noch in der Arbeit. Nach Fertigstellung soll dieses dann direkt an Aksys Games gesendet werden. Viele User haben das Spreadsheet bereits an Aksys Games geschickt.

Wir wurden aufgrund unseres Einmischens von den Leuten, die das Spreadsheet gemacht haben, darauf angesprochen und haben uns bereit erklärt, für diese den Missionar zu spielen. Daraufhin haben wir eine detaillierte E-Mail an Aksys Games PR-Repräsentant/in Kate Hedstrom geschickt und auch prompt diese Antwort erhalten:

I appreciate you taking the time and care to contact me. I am discussing the matter with Aksys and I hope to be able to respond to you and the community with a statement soon.

Dies klingt nach guten Neuigkeiten und es wird sich zeigen, was Aksys Games jetzt tun kann um das Spiel schnellstmöglich auf Vordermann zu bringen.

Mittlerweile ist auch schon eine E-Mail im Umlauf, die besagt, dass Aksys das Spreadsheet mit ihren eigenen gefundenen Fehlern vergleichen werden.

Die Schuldfrage

Auch wenn Aksys Games seinen Job gut gemacht hat und die Übersetzung und das Editing des Spiels adäquat sind, ist es inakzeptabel ein Produkt in einer solchen Verfassung einzureichen oder gar physische Versionen in einem solchen Zustand in den Handel zu bringen. Es ist ersichtlich, dass nach der Quality Assurance niemand mehr den Zustand des Spiels überprüft hat, sondern das Vertrauen ganz in Pole to Win International gesteckt wurde. Trotzdem musste jemand unterzeichnen, um das Spiel so in den Handel zu bringen. Diese Entscheidung ist rechtmäßig zu kritisieren.

Natürlich basiert dieser Artikel nur auf Vermutungen und es kann genauso gut sein, dass Aksys Games selbst die Lokalisierung verbockt hat, doch wenn man die Beweislage betrachtet, dann gibt es hier drei mögliche Kandidaten:

  1. Aksys Games Lokalisierungsstaff, der schon mehrere Spiele lokalisiert hat und ein erfahrenes Team im Hinblick auf Otome Games darstellt?
  2. PtW, eine Firma mit notorischem Hintergrund, was die Quality Assurance ihrer Produkte angeht?
  3. Das Management beider Firmen, die letztlich unterzeichnet haben, dass das Produkt in seinem jetzigen Zustand in den Handel kommt?

Wir überlassen diese Entscheidung Euch, den Lesern.

Autor: Hata-tan

Hi, ich heiße Hata-tan oder Ramon (24) und bin ein Student der Japanologie an der Uni Frankfurt am Main. Ich spiele Visual Novels seit 2011 und habe bis dato um die 170 Visual Novels gespielt. Ich werde euch regelmäßig mit News und Reviews versorgen. Ich hab meine Finger überall drin ;) よろしく~